Ägyptologie-Blatt

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Schicksalhafte Dürre im alten Ägypten
Artikel zur bekannten Theorie "Ende des AR durch Umweltkatastrophe"
Von Gitta am 18.04.2003 um 11:07:09 

Anhand des relativen Vorkommens der Isotopen Strontium-87 und Strontium-86 im Nildelta ist es Jean-Daniel Stanley vom Geoarchaeology Global Change Program der Smithsonian Institution in Washington DC und weiteren Wissenschaftern gelungen, eine Korrelation zwischen dem Verschwinden des alten ägyptischen Königreiches vor rund 4200 Jahren und einer einschneidenden Trockenperiode herzustellen. Dies stützt die seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bestehende archäologische Hypothese, wonach Umweltbedingungen wie eine zunehmende Trockenheit und ein mehrere Jahre anhaltendes Ausbleiben der jährlichen Überschwemmungen des Nildeltas eine wesentliche Rolle beim Zusammenbruch des alten ägyptischen Königreiches spielten.

Die Wissenschafter untersuchten einen über 45 Meter langen Sedimentkern, den sie aus dem Nildelta östlich des Suezkanals erbohrt hatten, auf das Verhältnis der beiden Strontium-Isotope Sr-86 und Sr-87. Das Einzugsgebiet des Weissen Nils besteht nämlich hauptsächlich aus kristallinem Grundgebirge, welches, im Vergleich zu Strontium-86, einen hohen Gehalt an Strontium-87 sowie tropische und somit sehr konstante Klimabedingungen aufweist. Im Delta des Blauen Nils dagegen findet sich vulkanisches Gestein des äthiopischen Hochlandes mit einem geringen Anteil an Strontium-87 im Vergleich zu Strontium-86; die Klimaverhältnisse sind hier semiarid bis arid, also sehr veränderlich. Anhand der Isotopenverhältnisse in dem vom Nil abgelagerten Sedimentgestein lässt sich nun bestimmen, wie viel der Sedimentfracht aus dem einen beziehungsweise dem anderen Herkunftsgebiet kommt.

Die Untersuchungen zeigten nun eine systematische Verlagerung von Strontium-87 zu Strontium-86 in der Zeit zwischen vor 6100 Jahren und 4200 Jahren. Das heisst, dass der Anteil der sogenannten Schwebstoffe, sehr feiner Sedimente, aus dem Weissen Nil ab- und jener aus dem Blauen Nil zunahm. Zurückführen lässt sich diese Veränderung in der Sedimentation laut den Autoren auf rückläufige Niederschläge, die eine zunehmende Trockenheit vor allem im Nährgebiet des Blauen Nils verursachten. Dadurch sei es zum Rückgang der Vegetation gekommen, was wiederum eine stärkere Erosion begünstigt und so zu einem grösseren Sedimenteintrag in den Blauen Nil geführt habe, argumentieren die Wissenschafter. Zwei weitere Bohrungen aus dem zentralen Nildelta zeigen zudem eine etwa fünf Zentimeter dünne rot-braune Siltlage, die Eisen- und Manganhydroxide enthält, wie sie normalerweise nur beim völligen Trockenfallen eines Flussdeltas vorkommen. Dies weist darauf hin, dass während des Höhepunkts der Trockenperiode nicht nur der Blaue Nil versiegte, sondern sogar das äquatoriale Einzugsgebiet des Weissen Nils betroffen war und auch dessen Wasser nicht mehr bis in das Deltagebiet gelangen konnte.

Die Dramatik der paläoklimatischen Veränderungen am Ende des alten Reiches lässt sich unter anderem daran erkennen, dass der bis dahin existierende Gelbe Nil, der sich entlang dem heutigen Wadi Howar im Sudan erstreckte, gänzlich zu fliessen aufhörte. Die Dürre lässt sich laut Stanley und seinen Koautoren nur durch eine Verschiebung der gesamten Klimagürtel zu diesem Zeitpunkt erklären. Dies würde auch mit dem Zusammenbruch von Zivilisationen in Mesopotamien, Syrien und der Türkei, dem gesamten «fruchtbaren Halbmond», korrelieren.

Quelle
http://www.nzz.ch/2003/04/16/ft/page-article8REV0.html
16.04.2003

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