Ägyptologie-Blatt

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Versteckte Inschrift
Eine britische Entdeckung in Elkab zeigt: selbst Bekanntes birgt Geheimnisse
Von Gitta am 02.08.2003 um 19:43:39 

Nach einem Artikel von Vivian Davies im British Museum Magazin

Sobeknachts versteckte Schätze
Jüngste Feldarbeit in Oberägypten brachte eine Inschrift über eine bis dahin unbekannte Kuschitenattacke ans Licht.

Neben der Erforschung und Publizierung seiner Sammlung engagiert sich das Department of Ancient Egypt and Sudan des British Museum auch in archäologischer Feldarbeit im gesamten Niltal, insbesondere dort, wo Monumente durch die moderne Entwicklung bedroht sind und konserviert werden müssen. Das jüngste Projekt, begonnen 2002, ist ein mit faszinierenden Malereien versehenes Grab in Elkab, dem antiken Necheb in Oberägypten. Inhaber des Grabes war Sobeknacht, Gouverneur von Elkab, eine bedeutenden Provinzhauptstadt während der letzten Hälfte der 17. Dynastie (ca. 1575 bis 1550 v.Chr.). Dies war eine entscheidende Zeit des Übergangs, als eine einheimische thebanische Dynastie sich kriegerisch gegen eine ausländische kanaanitische Dynastie, die sogenannten Hyksos, in Auaris im Nildelta zur Wehr setzte. Aus dieser Periode überlebte nur eine Handvoll dekorierter Gräber und das des Sobeknacht ist davon bei weitem am besten erhalten.

Obwohl bereits seit mehr als hundert Jahren bekannt und auch teilweise publiziert, erfuhr es doch nie eine ordentliche Dokumentation und bietet daher noch genug Raum für wissenschaftliche Arbeit.


Steinmetze bei der Arbeit am Grab des Sobeknacht


Gehauen aus dem Sandstein der felsigen Hänge hoch über der Stadt Elkab, verfügt das Grab über zwei rechteckige Kammern, die durch einen zentralen Gang miteinander verbunden sind. Die Wände der inneren Kammer, die als Zugang zum unterirdischen Grabschacht diente, waren undekoriert belassen worden. Die Wände der äußeren Kammer jedoch sind mit Szenen und Inschriften bemalt. Vieles davon verschwand im Laufe der Jahrhunderte unter einer Schmutz- und Rußschicht. Das britische Team hatte die Hoffnung, die Wände im Laufe des Projektes sorgfältig von dieser Schmutzschicht befreien zu können und dadurch weitere Informationen erkennbar zu machen. Es wurde nicht enttäuscht. Das Projekt ist noch im Gange, aber es wurde bereits ein wunderbarer versteckter "Schatz" gefunden: eine bemerkenswerte neue Inschrift von ausserordentlicher historischer Bedeutung. Die Inschrift befindet sich an der rechten Seite des Ganges, der von der äußeren zur inneren Kammer des Grabes führt. Bei der ersten Untersuchung dieses Abschnittes war nichts zu entdecken gewesen ausser ein paar roten Flecken unter einer dicken Rußschicht. Bei der sorgfältigen Reinigung erschienen nach und nach, Zeichen für Zeichen, 22 Zeilen eines hieroglyphischen Textes, elegant in roter Farbe gezeichnet. Wegen der Nähe zur inneren Kammer und zum Grabschacht ging man zunächst von einem Text mit religiösem Inhalt aus. Aber mit fortschreitender Reinigung wurde klar, dass dies kein Begräbnistext, sondern eine biografische Inschrift war, die ein ganz spezielles Ereignis schildert: nämlich die Attacke auf Ägypten durch eine Koalition von Nubieren und südlichen Verbündeten, angeführt durch das Königreich von Kusch. Das Studium des teilweise zerstörten Textes ist noch im Anfangsstadium und es bleibt noch einiges zu tun, um ihn ganz zu verstehen. Aber der Sinn ist einigermaßen klar. Nach einer kurzen Ansprache des Sobeknacht an die Lebenden beginnt das Dokument mit dem Bericht über einen Aufruhr "Kusch kam... er hat die Stämme von Wawat, den [Inseln?] von Chenthennefer, das Land von Punt und Medjau aufgewiegelt...". Es folgt eine Würdigung der Rolle von Sobeknacht in dieser Krise, von seiner Stärke in der Verteidigung von Elkab und von dem Aufstellen einer Armee zur Bekämpfung der Nubier. Dann wird eine Gegenattacke in südliche Richtung erwähnt und die Vernichtung einer feindlichen Armee sowie die Sicherung des Friedens mit Hilfe der lokalen Gottheit von Elkab, der Geiergöttin Nechbet, die "mit starkem Herzen gegen die Nubier war, die vom Feuer verbrannt wurden". Der Text endet mit einer Aufzählung von Feierlichkeiten in Gegenwart des Königs, der namentlich leider nicht genannt ist, und seiner Stiftung einer "neuen heiligen Barke, gearbeitet aus Elektron" an den Nechbet-Tempel.

Das Königreich von Kusch, in lange währender Rivalität zu Ägypten, hatte seine Hauptstadt in Kerma südlich des dritten Nil-Kataraktes in Ober-Nubien (im heutigen nördlichen Sudan). Als Ägypten während der Hyksos-Periode geteilt war, erstarkte Kusch - ein potenzieller Verbündeter der Hyksos - und sicherte sich die Kontrolle über das nubische Niltal bis zu Ägyptens Südgrenze bei Aswan. Der neu aufgefundene Text berichtet nun zum ersten Mal über kuschitische Ambitionen, auch die Kontrolle über weiter nördlich gelegene Gebiete zu erringen. Ein wichtiger Baustein, um weiteres Licht in das Dunkel dieser historisch und politisch ereignisreichen Zeit zu bringen.

Das Projekt des British Museum in Elkab erfolgt in Zusammenarbeit mit dem SCA. Es zeigt den hohen Wert derartiger Teamarbeit und auch, wie wichtig die Arbeit der Konservatoren ist, ohne deren Kenntnisse solche Resultate nicht erzielt werden könnten. Es werden weitere Reinigungsarbeiten innerhalb des Grabes durchgeführt werden und man ist gespannt, ob noch mehr Überraschungen auf die Experten warten.

Quelle (Text und Foto)
http://www.thebritishmuseum.ac.uk/friends/magazine/pdfs/egypt.pdf

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