Ägyptologie-Blatt

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Scheidungsurkunden auf Altägyptisch
Papyri in der Unversitätsbibliothek Leipzig
Von Gitta am 14.08.2003 um 20:44:13 

Manchmal ist Lektüre nicht nur bildend. Manchmal hilft sie ganz direkt. So kann sich, wer dieser Tage Probleme mit Schweißausbrüchen hat, von den altägyptischen Medizinern Rat holen: Sie schworen in solchen Fällen auf Weihrauchharz und Myrrhe gegen unangenehmen Duft. Auch bei Heuschnupfen oder Sommergrippe hatten sie Rezepte. Eine Paste aus Minze und Datteln sorgte für Erleichterung. Husten vertrieb man mit in süßem Bier gekochter Johannisbrotfrucht. Nachzulesen ist dies im so genannten Papyrus Ebers. Die Buchrolle informiert über die Heilkunde im antiken Ägypten und ist im Besitz der Leipziger Universitätsbibliothek.

5000 Stücke umfasst deren Papyrussammlung. Viele sind über 2000 Jahre alt und griechisch geschrieben. Die ersten Exemplare brachte der Theologe Tischendorf Ende des 19. Jahrhunderts nach Leipzig. Wenig später kaufte die Universität weitere aus Ägypten stammende Papyri. "Ein Großteil der Unterlagen lagerte bis vor einigen Jahren noch in den Originalverpackungen", weiß der Papyrologe Reinhold Scholl. Erst '94 begann eine Arbeitsgruppe mit der Restaurierung, Konservierung und wissenschaftlichen Erschließung. Heute sind etwa 1200 Dokumente "behandelt". Sie befassen sich mit Themen, die anhaltend aktuell sind. "Die Liste reicht von Miet- und Kaufverträgen über Scheidungsurkunden bis hin zu Amtsbriefen, Gerichtsurteilen oder Horoskopen", erzählt Scholl.

Der Zustand der noch nicht restaurierten Buchrollen macht auf den Laien einen reichlich hoffnungslosen Eindruck. Es schleichen sich Zweifel ein, ob aus einem spröden Knäuel wieder ein leserliches Schriftstück wird. Fachmann Jörg Graf begegnet der Skepsis, indem er erklärt, wie die alten Zeitzeugnisse wieder "neu" gemacht werden: "Die Papyri werden befeuchtet, geglättet, mit einer speziellen Lösung stabilisiert, getrocknet und später verglast". Die Prozedur kann bis zu einem halben Jahr dauern. Dabei ist es wichtig zu erkennen, wie die oft aus Einzelblättern zusammengesetzten Dokumente gefaltet sind. "Das erleichtert das Zusammensetzen der Fragmente und die Rekonstruktion des Schriftträgers", sagt Graf. Noch nicht restaurierte Dokumente sind in säurefreien Papierkartons gelagert.

Stolz ist Professor Scholl auf ein Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Halle, Jena und Leipzig. Papyri aus den verschiedenen Hochschulen wurden digitalisiert, katalogisiert und für die weltweite Forschung ins Internet gestellt. Mit Hilfe einer Suchmaske kann man Ort, Datum oder Thema eingeben und sich so über ein bestimmtes Schriftstück informieren. Teilweise sind die Dokumente auf Fotos zu bestaunen. Wer lieber auf die klassische Variante zurückgreifen will, sollte einen Blick in den 2002 erschienenen Band "Griechische Urkunden der Papyrussammlung zu Leipzig" werfen. Da wird er sicher fündig.

Ulrike Neumann

Internet: http://papyri.uni-leipzig.de

Quelle
http://www.lvz-online.de/lvz-heute/62378.html

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