Ägyptologie-Blatt

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Der Tod der Hieroglyphen
Die meisten antiken Schriften verschwanden, weil sie wie ein Staatsgeheimnis gehütet wurden
Von Gitta am 31.08.2003 um 18:38:54 

Die Maya-Schrift, ägyptische Hieroglyphen oder sumerische Keilschriften hatten tausende von Jahren Bestand. Manche Schriften existierten sogar länger als bisher das lateinische Alphabet. Dennoch endete der Gebrauch der alten Schriften noch in der Antike oder spätestens - wie im Falle der Maya-Schrift - in der frühen Neuzeit.

Die Schriften waren hoch entwickelt und für die Zeitgenossen auch nicht unbedingt schwer zu erlernen. Warum starben sie dennoch aus? Drei Altertumsforscher - ein Ägyptologe, ein Assyriologe und ein Archäologe - sind jetzt gemeinsam dieser Frage nachgegangen und haben eine Antwort gefunden, die für viele der alten Schriftsysteme gilt: Diejenigen, die schreiben konnten, sahen ihre Kenntnis nicht als Kulturtechnik, sondern als ein Geheimnis an, das vor "Unbefugten" geschützt werden musste oder sollte.

Die Schriften starben also aus, weil die ehemals Kundigen nach dem "Closed Shop"-Prinzip den Zugang dazu versperrten. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten Stephen D. Houston, John Baines und Jerrold S. Cooper in der britischen Fachzeitschrift "Comparative studies in Society and History" in einem gemeinsamen Essay mit dem Titel "Last Writing".

Wie die "Washington Post" hervorhebt, ist diese Studie die erste, die das Schicksal von so verschiedenen Schriften wie den ägyptischen, den Maya-Hieroglyphen und den Keilschriften gemeinsam behandelt. Auf den ersten Blick haben diese alten Schriften miteinander nur gemein, dass sie sehr lange existierten: Keilschriften und ägyptische Hieroglyphen bestanden rund 4000 Jahre, und selbst die Schrift der relativ kurzzeitigen Maya-Kultur hielt sich 2000 Jahre.

Während es zur Maya-Schrift in ihrer Kultur keine Konkurrenz gab, hatten sich in Ägypten und in Mesopotamien Varianten und Vereinfachungen entwickelt. Neben den eigentlichen Hieroglyphen, die die Pyramiden und Pharaonendenkmäler zieren, nutzten die Ägypter auch das so genannte Hieratische und das Demotische. Das Hieratische war eine Schematisierung der Hieroglyphenschrift, die ein schnelleres Schreiben auf Papyrus oder Ostraka (Keramikscherben) ermöglichte. Das Demotische - die Bezeichnung bedeutet eigentlich "Volkssprache" - war eine Buchschrift, die vornehmlich für profane Texte wie Urkunden oder Gesetze genutzt wurde. Hier kommen viele Ligaturen und Abkürzungen vor, die die Ägyptologen vor extrem schwierige Entzifferungsprobleme stellen.

Die Keilschrift, die um 3500 vor Christus die Sumerer entwickelt hatten, übernahmen verschiedene mesopotamische Völker. Manche dieser Völker sprachen semitische Sprachen, andere wiederum indoeuropäische Sprachen. Für sie alle blieb aber die Keilschrift das einzige Schriftsystem der Region. Trotz aller Unterschiede in Gebrauch und Entwicklungsstand sehen Houston, Baines und Cooper eine große Gemeinsamkeit: "Es gab eine Abschottung gegen den alltäglichen Gebrauch", erklärt John Baines. "Eigentlich könnte ja Religion einer Schrift zu überleben helfen, aber die hat die Reichweite der Schrift gerade nicht ausgedehnt. Und wenn dann später andere Völker oder fremde Eroberer die Religion und die Schrift einer Religion als ketzerisch oder gefährlich einstuften, war niemand mehr da, der die Schrift noch hätte bewahren können." Denn die schriftkundigen Priester hielten das Volk für nicht fähig oder würdig der Erlernung der Schrift. Dazu kommt natürlich - was im Zeitalter der Globalisierung mehr und mehr aus dem Blick gerät -, dass die Bevölkerungen in den Kulturen des Altertums zahlenmäßig ohnehin nicht besonders groß waren.

Als durch die Eroberungen Alexanders des Großen das Griechische zur offiziellen Landessprache in Ägypten wurde, hörten die Menschen natürlich nicht gleich auf, Altägyptisch zu sprechen. Doch wer kein Griechisch konnte, hatte keine Chance, unter den neuen Herren Kariere zu machen.

Quelle
http://www.wams.de/data/2003/08/31/161650.html

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Kommentare zu diesem Artikel
Udimu31.08.2003 um 20:31:10
ja, alles Gehabe, von wegen 'wir sind was Besseres' führt zwangsläufig zum Untergang.

Gruss
Udimu



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