Ägyptologie-Blatt

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Wer erbaute den Sphinx wirklich?
Nein, keine bahnbrechende neue Erkenntnis! Aber ein sehr guter Artikel aus P.M.
Von Gitta am 21.12.2003 um 15:28:59 

Das Gerätsel um den Sphinx kommt nicht zur Ruhe: Ist der Koloss mit dem sanften Lächeln älter als die Pyramiden? Was verbirgt sich in seinem Körper? Warum verbieten die ägyptischen Behörden, dass nach jener geheimnisvollen Kammer gegraben wird, die Antworten auf alle Fragen enthalten soll?

Mehr als 30 Millionen Zuschauer saßen allein in den USA vor dem Fernseher – die Sendung über das »Sphinx-Mysterium« hatte die Öffentlichkeit schon vor ihrer Ausstrahlung elektrisiert. Von NBC und BBC sowie renommierten Zeitschriften wie Newsweek und Times war die unglaubliche Nachricht verbreitet worden: der große Sphinx von Gise – um Jahrtausende älter als von Wissenschaftlern bisher angenommen! In der Sendung erfuhren die Zuschauer Einzelheiten: Schon vor 10000 Jahren habe an den Ufern des Nils vermutlich eine unbekannte Hochkultur gelebt – älter als alle bekannten Zivilisationen.

Die große Katze in der Wüste – nicht das Werk der Pharaonen, sondern einer geheimnisvollen Gesellschaft kühner Bauherren und Visionäre? Die Behauptung, die weltweit für einige Aufregung sorgte, stützte sich auf geologische Untersuchungen am Sphinx, durchgeführt von Robert Schoch, einem Geologen der Boston University. An der Einfassungsmauer sowie am Boden des Bassins, in dem der Sphinx ruht, hatte Schoch Erosionsspuren gefunden, die sich nur durch heftige Regenfälle erklären lassen – glaubte er. Geregnet hat es auf dem Plateau von Gise aber zuletzt um 5000 v. Chr. und richtig geschüttet um 10000 v. Chr. Inzwischen ist die Regentheorie erledigt – für die Wissenschaft. Experten wie der deutsche Mineraloge Professor Dietrich Klemm oder der Münchner Bauingenieur und Archäotechniker Rudolf Gantenbrink konnten das seltsame Phänomen weitaus unspektakulärer erklären: mit Sandabrieb. Weil der Sockel des Sphinx unter dem Bodenniveau der Wüste liegt, wurde der gesamte Komplex immer wieder erst von Sand bedeckt, dann von Menschenhand freigelegt und wieder zugerieselt. Wie oft das im Lauf seiner langen Geschichte geschah, weiß niemand.

Aus und erledigt die Diskussion um das wahre Alter der Katze mit dem Königskopf? Keineswegs. Auch nach der falschen Regentheorie kommt das Sphinx-Mysterium nicht zur Ruhe. Hartnäckig halten sich Argumente für eine vorägyptische Herkunft des bekanntesten Monuments der Welt. Was steckt eigentlich hinter dieser zähen Kontroverse, die sich um das Weltwunder am Fuß der Pyramiden rankt? Welche Beweise werden von Gegnern der offiziellen Geschichtsschreibung ins Feld geführt? Und: Ist vielleicht doch etwas dran? Die Suche nach Antworten führt in eine abenteuerliche Welt, in eine Geschichte, die sich teilweise liest wie ein Krimi, und mitten in einen alten Konflikt. Einerseits ist da die Wissenschaft vom Alten Ägypten, die alle Theorien über eine verschollene Hochkultur am Nil und eine prähistorische Herkunft des Sphinx für pure Spekulation hält. Auf der anderen Seite steht eine geistige Strömung, die in Ägypten viel mehr sieht als nur ein Land mit einer »normalen« Entwicklungsgeschichte: Für sie ist Ägypten der Hüter eines urzeitlichen geheimen Wissens, das Antworten auf alle großen Fragen des Lebens kennt. Schwärmerisch und ganz im Geist dieser Haltung beschrieb etwa der Ägyptentourist Thomas Mann das Land am Nil als »Zauberwiese«, auf der »man in einem anderen Lichte auf dem Grunde des Vergangenen wandelt«. Aktuell wird diese verklärende Sichtweise Ägyptens vor allem von den »unabhängigen« Ägyptologen und Bestsellerautoren Colin Wilson, Graham Hancock und John A. West vertreten. Oder von dem Pyramidenexperten und Bauingenieur Robert Bauval. Sie werfen der offiziellen Ägyptologie vor, Entdeckungen und Funde, die nicht ins gängige Geschichtsbild passen, zu ignorieren und totzuschweigen.

Erst mal der Stand der Wissenschaft: Was wissen Ägyptologen heute über den 20 Meter hohen und 57 Meter langen Giganten aus Kalkstein, genannt Sphinx? Für die meisten, so auch Deutschlands prominentesten Ägyptologen, Professor Jan Assmann, gilt inzwischen als sicher: Pharao Chephren – ein Sohn des sagenhaften Cheops und einer der frühesten namentlich bekannten Gottkönige Ägyptens – war der Erbauer des Sphinx. Damit beträgt das geschätzte Alter des Monuments rund 4500 Jahre. Die Zuordnung zu Chephren (Regierungszeit: um 2520 – 2494 v. Chr.) hat viele Gründe. Der naheliegendste: Das gewaltige Tier-Mensch-Wesen mit den Riesentatzen gliedert sich räumlich ein in den Tempelkomplex, der zu Chephrens Pyramide gehörte. Es liegt direkt neben dem Taltempel, der als sakraler Empfangsraum für die Besucher des Chephren-Heiligtums diente. Pyramiden waren ja nicht nur königliche Grab-, sondern auch Kultstätten, wo fromme Pilger dem als Gott verehrten toten Pharao huldigen konnten. Der amerikanische Pyramiden- und Sphinx-Forscher Professor Marc Lehner vermutet, dass die Besucher auf Schiffen über einen künstlich angelegten Kanal ankamen und zu Füßen des Sphinx anlegten – bei Grabungen vor dem Monument wurden nicht nur die Fundamente eines weiteren kleinen Tempels, sondern auch Reste einer Kaimauer und zweier Rampen gefunden. Zwischen dem Taltempel und dem Sphinx begann die Prozessionsstraße, die über rund 495 Meter zum Totentempel vor der Pyramide des Chephren führte. Weitere gewichtige Argumente: In der Chephren-Pyramide wurden Steine verbaut, die nur beim Aushub des Sphinx-Bassins gewonnen sein können. Und: Auf der berühmten »Traumstele«, die der italienische Ausgräber Giovanni Battista Caviglia 1816 zwischen den Pranken des Kolosses entdeckt hat, befindet sich eine (allerdings recht lädierte) Textstelle, die den Namen Chephren erkennen lässt.

Angebracht hat diese beschriftete Steintafel Pharao Thutmosis IV., der gut tausend Jahre nach Chephren über Ägypten regierte. Im Text schildert er, wie er – als junger Prinz bei der Jagd von Müdigkeit übermannt – zu Füßen des damals fast völlig vom Sand verschluckten Sphinx eingeschlafen war. Im Traum sei ihm der Sonnengott Re-Harachte mit der Botschaft erschienen: Wenn du mein Abbild, den Sphinx, freilegst, verleihe ich dir die Königswürde. Annahme der Ägyptologen: Pharao Thutmosis, der das Monument daraufhin tatsächlich freibuddeln ließ, wusste noch, wer der Initiator des Bauwerks war, und erwähnte daher dessen Namen (Cheph-ren) auf seiner Gedenktafel. Erste Überraschung: Auch unter Ägyptologen ist diese schlüssige Chephren-Theorie keineswegs unumstritten. So äußerte beispielsweise der langjährige Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo, Professor Rainer Stadelmann, kürzlich Zweifel. Er hält es für wahrscheinlicher, dass schon Pharao Cheops (Regierungszeit: um 2551 – 2528 v. Chr.) den Sphinx erbauen und nach seinem Abbild meißeln ließ. Einige der Argumente, die der Wissenschaftler anführt: Das Königstuch, das den Kopf des Sphinx zeltartig umgibt, war – soweit sich das heute rekonstruieren lässt – auch auf der Stirn plissiert; diese Mode wurde aber nach Cheops aufgegeben. Und: Nach Stadelmanns Einschätzung lässt sich am Kinn des Sphinx kein originaler Bartansatz erkennen – unter Chephren war aber der keilförmige »Zeremonialbart« bereits obligatorisches Zeichen der Königswürde. Zweite Überraschung: Egal, ob nun Chephren der Bauherr war oder sein Vater Cheops – ungeklärt ist für die Ägyptologie, wozu das Standbild diente und wen es eigentlich darstellen sollte. Den König selbst? Spätere Pharaonen jedenfalls ließen sich häufig in Gestalt eines majestätischen Sphinx verewigen – ein Sinnbild ihrer Macht und Würde. Oder war der Sphinx eine Darstellung des Sonnengottes – mit den Gesichtszügen seines irdischen Vertreters, des Pharaos? Für die letztere Annahme spricht der Traum des Thutmosis, der uns auf der genannten Stele überliefert ist. Zu seiner Zeit wurde Gise nach Jahrhunderten des Vergessens wieder zu einem wichtigen religiösen Zentrum. Ein neuer Sonnenkult, den Thutmosis aus Dankbarkeit ins Leben gerufen hatte? Oder die Erinnerung und Wiederbelebung einer alten Tradition?

Wie auch immer: Das heilige Treiben zu Füßen des Sphinx verlief im Laufe der Zeit immer wieder buchstäblich im Sande. Das Monument wurde erneut zugeweht. Und übrig blieb für viele Jahrhunderte nur sein rätselhaftes Gesicht mit den weit geöffneten Augen. Zeitsprung nach vorn, in den Sommer 1993: ein typischer Tag an den Pyramiden. Autobusse, Touristen, Kamele, Souvenirhändler. Vor dem Sphinx sammeln sich Trauben von Menschen, bestaunen das wuchtige Gesicht mit dem entrückten Lächeln. Kaum jemand bemerkt, dass sich etwas Ungewöhnliches abspielt: Kompromisslos vertreibt die ägyptische Polizei eine Gruppe von Männern, die sich am Körper des Sphinx mit Messgeräten und Endoskopen zu schaffen machen. Der Hobby-Ägyptologe John Anthony West hatte zusammen mit dem bereits erwähnten Geologen Robert Schoch und einem Erdbebenfachmann namens Thomas Dobecki nach unterirdischen Tunneln und Kammern gesucht und war angeblich fündig geworden. Wenig später ließ Dr. Zahi Hawass, Direktor der Ägyptischen Altertümerverwaltung, zu dieser Aktion verlautbaren: »Das Team arbeitete zu Propagandazwecken – ich habe die unwissenschaftliche Arbeit verboten.« Auch alle späteren Gesuche Wests, weitere Untersuchungen am Sphinx vornehmen zu dürfen, wurden abgelehnt. Was steckt dahinter? Ungeachtet des wissenschaftlichen Misserfolgs ihrer Regentheorie suchten (und suchen) die »Ägyptosophen«, wie die Kontrahenten der etablierten Ägypten-Wissenschaft auch genannt werden, weiter nach Beweisen für eine vorägyptische Herkunft des Sphinx. Nach ihrer Meinung gibt es viele offene Fragen und Widersprüche, die von Archäologen zu Unrecht übergangen würden. Etwa: Warum steht der Sphinx seitlich versetzt zur Chephren-Pyramide – sodass die Aufgangsstraße zum Heiligtum nicht wie üblich im rechten Winkel auf die Pyramide zu, sondern schräg verläuft? War das Monument vielleicht doch bereits vorhanden, als der Pharao den Tempel und die Grabstätte in Auftrag gab? Oder: Warum ist der Kopf im Verhältnis zum Riesenkörper zu klein? Sind der Leib und der Sockel womöglich älter als der nachträglich aufgesetzte Kopf? Oder: Warum wird der Sphinx in keinem Text des Alten Reiches erwähnt, jener Epoche zwischen 2575 und ca. 2134 v. Chr., in die auch seine angenommene Bauzeit fällt? Ist er etwa doch ein Relikt aus einer älteren Kultur, und die frühen Ägypter wussten nicht so recht, was der rätselhafte Koloss bedeuten sollte?

Die grösste Frage aber, die Ägyptosophen schon lange und insbesondere John A. West und seine Kollegen geradezu elektrisiert: Warum wird der Sphinx auf der Gedenktafel, die Pharao Thutmosis anbringen ließ, mit einer Art Tür im Sockel dargestellt? Wusste Thutmosis noch, dass es einen solchen Eingang ins Innere gibt? Und wenn er existiert – was liegt dahinter?

Nach genau dieser unterirdischen Kammer suchten John West und sein Team, als ihnen von den ägyptischen Behörden die Arbeitserlaubnis entzogen wurde. Im Grunde aber glaubten (und glauben) die Hobbyforscher sowieso schon zu wissen, was sich unter dem Sphinx verbirgt. Was? Jetzt wird es richtig abenteuerlich! Im 20. Jahrhundert lebte und praktizierte in den USA ein Mann namens Edgar Cayce, der auch der »schlafende Prophet« genannt wird. Ein bemerkenswerter Mann: Ohne je Medizin studiert zu haben, konnte er – in tiefer Trance – richtige Diagnosen stellen, schlug zum Teil unorthodoxe Therapien vor und hat auf diese Weise nachweislich Hunderte von Kranken geheilt. In einer seiner Trance-Sitzungen erblickte Cayce auch den Sphinx und unter ihm eine geheimnisvolle Kammer. Genauer gesagt eine Halle – »the Hall of Records«, wie er sie nannte. Hier – so der »schlafende Prophet« – seien geheime Schriften versteckt, mit den Antworten auf sämtliche Fragen über die Entstehung der Welt und die wahre Geschichte der Menschheit. Von der Theorie einer »Hall of Records« im Boden unter dem Sphinx ist es nur ein Katzensprung bis – Atlantis. Ägyptosophen halten es nämlich für denkbar, dass sich Überlebende der atlantischen Katastrophe am Nil niederließen, dort unter anderem den Sphinx als Hüter ihres Geheimarchivs erbauten und der einheimischen Bevölkerung den Pyramidenbau beibrachten. Die Entdeckung der »Hall of Records« wäre der schlagende Beweise für die Richtigkeit dieser Theorie.

Laut einer von Edgar Cayces Prophezeiungen sollte die Halle Ende des 20. Jahrhunderts gefunden werden, weshalb sich West und sein Team auf den Weg zu den Pyramiden gemacht hatten. Mit Geldern einer Institution namens ARE – dahinter steht die Edgar Cayce Foundation, die das Erbe des »schlafenden Propheten« verwaltet. Dass die ägyptischen Behörden die Suche jedoch verhindert haben und seitdem strikt verbieten, hat nach Auffassung der Ägyptosophen einen politischen Grund: Von atlantischen Einwanderern wolle man am Nil nichts wissen, das Alte Ägypten müsse unbedingt »ägyptisch« bleiben. Deshalb würden Entdeckungen und Funde geheim gehalten. So behauptet der Bestsellerautor Graham Hancock, es existierten sogar Filmaufnahmen von ägyptischen Archäologen, die in einen unterirdischen Tunnel im Bereich des Sphinx eingestiegen sind, aber umkehrten, als sie tatsächlich an eine verschlossene Tür stießen. Auch seien in den Pyramiden und um den Sphinx herum rätselhafte Dinge gefunden worden, die vor der Öffentlichkeit strikt geheim gehalten werden. Mit anderen Worte: eine Verschwörungstheorie vom Feinsten, die Ägyptens Chefarchäologe Zahi Hawass spöttisch »the Gise Conspiracy« nennt.

Womit wir eigentlich beim wahren – und vielleicht nie lösbaren – Sphinx-Mysterium angekommen sind: Wie ist es möglich, dass ein einzelnes Bauwerk die Fantasie derartig zum Blühen bringt, Hoffnungen weckt, endlich die Antwort nach dem Woher und Wohin der Menschheit zu finden? Und das nicht erst jetzt, sondern schon seit Jahrtausenden? Bereits der antike Historiker Diodor von Sizilien kehrte von einer Ägyptenreise (60 v. Chr.) mit der Überzeugung zurück, hier den Ur-sprung der Götter und die Quelle allen geheimen Wissens gefunden zu haben. Als nach Napoleons Expedition an den Nil (1798) die wissenschaftliche Erforschung des Alten Ägypten begann, herrschte die allgemeine Meinung: Sobald die Hieroglyphen gelesen werden können, bekommen wir endlich Zugang zu den ägyptischen Mysterien. Schon lange ist die Schrift entziffert – aber die Suche nach den großen Geheimnissen Ägyptens geht unverdrossen weiter. Im Grunde sind die Erkenntnisse der modernen Archäologie und Ägyptenforschung immer eine Art Enttäuschung, sagt der Ägyptologe Professor Antonio Loprieno aus Los Angeles. Denn gemessen an den hohen Erwartungen und dem geradezu esoterischen Ägyptenbild vieler Menschen klingen sie immer eher banal. So haben die Wissenschaftler ja auch recht schlichte Erklärungen für die bereits erwähnten Auffälligkeiten in der Position und Größe des Sphinx, die den Ägyptosophen so großes Kopfzerbrechen bereiten. Etwa das Missverhältnis zwischen Kopf und Leib: Wegen eines schweren Gesteinsdefekts in dem Felsen, aus dem das Monument herausgehauen wurde, musste der Leib vermutlich nach hinten verlängert werden. Auch die Position des Sphinx und des Taltempels lassen sich leichter mit den realen Bodenverhältnissen als mit atlantischen Spekulationen erklären: Eine Straße im 90-Grad-Winkel zur Pyramide hätte die Baumeister vor die Schwierigkeit gestellt, eine natürliche Vertiefung im Felsplateau mühsam aufzufüllen. Und die ominöse Tür auf der Gedenktafel des Thutmosis? Wahrscheinlich ein rein dekoratives Detail auf einer ohnehin stilisierten Abbildung des Sphinx, sagt der Pyramiden-Experte Mark Lehner.

Zugegeben – diese Erklärungen müssen nicht jeden überzeugen. Auch für die Wissenschaft bleiben viele Fragen und Details zur Geschichte des Sphinx und der großen Pyramiden im Dunkeln. Aber genau betrachtet ist das, was bisher über die frühe Zeit Ägyptens herausgefunden wurde, sogar noch spannender als die Mystery-Spekulationen der Ägyptosophie. In seiner »Sinngeschichte Ägyptens« lässt Professor Jan Assmann das Bild entstehen von einem Volk, das sehr früh einen gewaltigen Bewusstseins-Schritt vollzog: Während das Leben auf dem größten Teil der Welt noch von Sippen und kleinen Dorfgemeinschaften geprägt war, gingen die Ägypter vor fünftausend Jahren den Weg zur Nation und damit zur Hochkultur. Wie um dieser neuen Größe sichtbaren und ewigen Ausdruck zu verleihen, begann unter König Djoser (Regierungszeit: um 2609 - 2590 v. Chr.) eine ehrgeizige Bautätigkeit – nicht mehr mit Holz, sondern mit Stein. »Eröffner des Steins« heißt Djoser respektvoll in alten Texten – sein Architekt Imhotep wurde sogar vergöttlicht. Zur Zeit von Cheops und Chephren erreichte diese Bautätigkeit ihren absoluten Zenit. Bewerkstelligt wurden die gigantischen Arbeiten in Gise von Menschen, die zwar zwangsverpflichtet, aber keine Sklaven waren und regulär bezahlt wurden. Sie kamen aus allen Teilen des Reiches, sprachen unterschiedliche Dialekte, weshalb die gemeinsame Arbeit auch – so Jan Assmann – einen hohen Identifikationswert hatte, zum Entstehen eines nationalen Bewusstseins beitrug. Sehr hart mussten sie schuften. »Seine Arme sind zuschanden durch Müdigkeit und Steifheit, seine Finger sind faulig«, heißt es in einem 1996 bei Ausgrabungen an der Chephren-Pyramide gefundenen Text über einen Arbeiter. Vielleicht handelt es sich da ja um einen jener Männer, die mühsam den Sphinx aus dem Felsen schlugen. Tut man ihm und allen anderen nicht Unrecht, wenn man ihre Leistung einer Kultur zuschreibt, die es wahrscheinlich nie gegeben hat?

Autor(in): Sabine Schwabenthan

Quelle
http://www.pm-magazin.de/de/heftartikel/artikel_id793.htm

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Kommentare zu diesem Artikel
Emil G. E-Mail24.05.2015 um 20:59:25
Nach dem Santorin-Vulkanausbruch mit Tsunami (Sintflut), um ca.1600 v.Chr., könnte ein Volk in Gizeh eine Katastrophenschutz-Prophylaxe betrieben haben. Dieses Volk könnte Eisen (Gott) gekannt haben. Da wo das Volk war, war auch Gott (Eisen). Mit Gottes Hilfe (Eisen) könnte dieses Volk hart wie Krupp-Stahl, zäh wie Leder und flink wie ein Windhund gewesen sein. Ob nun mit Waffen oder Werkzeug. Von daher könnte das Volk durchaus ein weltweiter Kulturbringer gewesen sein.

Dementsprechend wäre die Anordnung und Ausrichtung der Gizeh-Pyramiden in Winkelstellung als Schiffsrumpf gewesen (Arche Noah).

Dementsprechend wäre die Cheops-Pyramide als Frontpyramide der Schiffsbug bzw. Tsunami-Wellenbrecher gewesen (Moses).

Dementsprechend wäre die Bauweise der Cheops-Pyramide mit Felsensockel (Anker) im Felsenfundament (Schiebekräfte), gewölbten Seitenflächen (Aufprallkräfte) und integrierten Pufferzonen mit losen Schüttgut (Abfederung) gewesen.

Dementsprechend wäre die Nutzungsweise der Cheops-Pyramide gewesen. Bei Vulkan Steinschlag Aufenthalt unten in der Felsenkammer und bei Tsunami oben in der Königskammer mit den Luftschächten (Schnorchel). Die Königinkammer wäre eine Kompromisslösung bei gleichzeitigen Auftreten von Vulkansteinschlag und Tsunami gewesen.

Um ca. 1300 v.Chr. könnte der Pyramidenbau zur Machtfrage geworden sein. Wer hat die höhere Pyramide ? Ob nun mit oder ohne Standortvorteil. Cheops (Moses) oder Chephren (Ramsis) ? Meinungsverschiedenheiten bzw. Streitigkeiten könnten die Folge gewesen sein (Turmbau zu Babel). Die Moses-Linie verließ mit ihren Anhängern Unterägypten (Exodus).

Um ca. 1200 v.Chr. könnte die Moses-Linie mehrmals vergeblich versucht haben, über das Mittelmeer nach Unterägypten zurück zu kehren (Seevölker).

Die Geschichte dieses Volkes war die Geschichte des Eisens (Gott). Dementsprechend hätte es wohl das Thema Eisengewinnung in der Cheops-Pyramide als Verhüttungskammer mit Luftschächte (Hochofen) dargestellt.


Emil G. E-Mail24.05.2015 um 22:07:24
Von daher könnte die fehlendene (Haken-)Nase die Lösung des Sphinx-Rätsels sein. Der Sphinx symbolisiert Stolz, Erhabenheit, Kraft und Ausdauer (Löwenkörper). Gepaart mit Tradition, Glaube, Geist und Verstand (Menschenkopf). Alles königliche Attribute eines Herrschers bzw. eines Herrschervolkes.


Emil G. E-Mail25.05.2015 um 00:29:52
Vielleicht hatte der Sphinx aber auch ursprünglich einen Löwenkopf. Der Löwe hat eine flache Nase. Vielleicht nicht genug Gestein für eine nachträgliche Änderung in  eine menschliche Nase. Im 14. Jhr. v.Chr. sollen Löwen wie auch Kleinkatzen in Ägypten sehr verehrt worden sein.


Alfred Hoehn E-Mail27.12.2015 um 18:02:36
Im Verhältnis zum Körper haf die Sphinx einen viel zu kleinen Kopf. Das ist merkwürdig, denn die Bildhauer jener Zeit haben Proportionen stets perfekt beherrscht.  



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