Ägyptologie-Blatt

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Botschafter Alt-Ägyptens
Dr. Arne Eggebrecht verstarb am 8. Februar 2004 im Alter von 69 Jahren
Von Gitta am 11.02.2004 um 23:16:04 

Botschafter Alt-Ägyptens

Zum Tod von Arne Eggebrecht / Von Wilfried Seipel    
 
Mit Arne Eggebrecht, dem Ägyptologen und langjährigen Direktor des Roemer-Pelizaeus-Museums in Hildesheim, verlor die internationale Ägyptologie nicht nur einen ihrer engagiertesten Vertreter, sondern auch die Museumswelt Deutschlands einen der Gründungsväter des modernen, internationalen Ausstellungswesens. Vor 69 Jahren in München geboren, studierte Eggebrecht zuerst Germanistik, Kunstgeschichte und Klassische Archäologie, promovierte aber schließlich in Ägyptologie. Nach Jahren der wissenschaftlichen Mitarbeit am Handbuch der Archäologie, an der Staatlichen Sammlung Ägyptischer Kunst in München und am Deutschen Archäologischen Institut in Kairo war Eggebrecht seit 1974 Direktor, seit 1984 leitender Direktor des Roemer-Pelizaeus-Museums Hildesheim. Der bedeutenden ägyptischen Sammlung dieses Museums, deren Grundstock auf die Schenkung des Hildesheimer Bürgers Wilhelm Pelizaeus zurückgeht, galt von Anfang an sein Hauptinteresse. Aus dem Bewusstsein heraus, dass Museumssammlungen erst dann ihren letzten Sinn entfalten, wenn sie in einen gesellschaftlichen, öffentlichen Diskurs eingebunden sind, war er leidenschaftlich bemüht, mit bedeutenden Sonderausstellungen das Museum, aber auch die Stadt Hildesheim aus ihrem musealen Dornröschenschlaf zu wecken.

Und das gelang. Schon die erste Großausstellung 1976 „Echnaton – Nofretete – Tut ench Amun“ war mit fast 400 000 Besuchern ein sensationeller Erfolg. Was heute als Umwegrentabilität bezeichnet wird, sollte als „Hildesheim-Effekt“ von nun an zahlreiche kommunalpolitische wie überregionale Diskussionen über die wirtschaftliche Auswirkung von Sonderausstellungen maßgeblich beeinflussen. Insgesamt waren es 26 Ausstellungen, die Eggebrecht, stets tatkräftig von seiner Ehefrau, der Ägyptologin Eva Eggebrecht, unterstützt, bis zu seiner Pensionierung umsetzen sollte. Das „Gold aus Peru“, die wichtige Ausstellung „Sumer Assur Babylon“ mit Leihgaben aus dem irakischen Nationalmuseum in Bagdad, die Kunstschätze aus dem Museum in Kairo in der Ausstellung „Götter und Pharaonen“ oder Sonderschauen über Alt-Nigeria, das alte Mexiko, Albanien, die Mongolen oder die Welt der Maya oder Indonesiens – Eggebrecht hat ein anspruchsvolles Spektrum der bedeutendsten Weltkulturen in seinem Museum zusammengeführt. Seine Begeisterung und Leidenschaft, aber auch seine Beharrlichkeit bei den Leihgabeverhandlungen ließen ihn nie im Stich und waren das Geheimnis seines Erfolges.

Sonderschauen standen also im Zentrum von Eggebrechts Tätigkeit, doch unter seiner Leitung wurden auch die Sammlungen, die heute in dem von ihm initiierten Neubau prächtig aufgestellt sind, kräftig erweitert. Unter seinem Namen ist auch das wissenschaftliche Katalogisierungsprojekt „Corpus Antiquitatum Ägyptiacarum“ (CAA) entwickelt worden, in dem nicht nur die großen ägyptischen Sammlungen, sondern auch verschiedene verstreute, und daher unbekannte Ägyptiaca veröffentlicht wurden. Die von Eggebrecht begründeten Hildesheimer Ägyptologischen Beiträge mit heute über 40 Bänden müssen hier ebenso erwähnt werden wie sein archäologisches Engagement in Ägypten. So führt die Deutsche Forschungsgemeinschaft seit 1980 das von Eggebrecht geleitete Grabungsunternehmen im östlichen Nildelta, bei Qantir, auf dem Boden der antiken Ramses-Stadt, erfolgreich durch. Erst unlängst hat eine fragmentarische Keilschrift-Tafel, die dort gefunden worden ist, internationales Aufsehen erregt.

Von besonderer Bedeutung für das Ansehen der deutschen Ägyptologie sollte die auf Eggebrecht zurückgehende Gründung eines „Komitees für Ägyptologie“ innerhalb des Internationalen Museumsrates (Icom) der Unesco werden. Als Mitbegründer war Eggebrecht mehrere Wahlperioden lang Chairman dieser Vereinigung. Im Auftrag der Unesco wirkte er außerdem in einem Beratergremium zur Schaffung eines neuen ägyptischen Nationalmuseums mit. Dass es Eggebrecht möglich war, über seine vielfältigen organisatorischen und ausstellungsbezogenen Tätigkeiten hinaus auch noch wissenschaftlich zu arbeiten, beweist sein umfangreiches Schriftenverzeichnis.

Arne Eggebrecht wurde in einem anlässlich seiner Verabschiedung verfassten Aufsatz der damaligen Hildesheimer Kulturreferentin als „Glücksfall für Hildesheim“ bezeichnet – aber er war mehr. Wer etwas mitbekommen hat von der Fürsorge und der Verantwortung, die er der jungen Studentengeneration entgegenbrachte – als Honorarprofessor für Museologie an der Universität Hildesheim konnte er sein umfangreiches Wissen auch der Jugend zur Verfügung stellen –, wird ihn als Glücksfall nicht nur für Hildesheim, für die Ägyptologie und für das Ausstellungswesen empfinden, sondern als Glücksfall für seine Studenten, wie für all jene, die sich als seine Freunde bezeichnen durften.

Der Autor ist Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums in Wien.

Quelle
http://www.sueddeutsche.de/sz/feuilleton/red-artikel1499/
via
http://www.geocities.com/TimesSquare/Alley/4482/EEFNEWS.html


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