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Warum bauten die Ägypter Pyramiden?
Günter Dreyer, Chef des DAIK, hat eine Antwort auf die Frage
Von Gitta am 15.02.2004 um 01:08:10 

Die ägyptischen Pyramiden sind wahrscheinlich das Nebenprodukt einer Entscheidung der Könige, ihre Gräber mit Mauern zu umgeben, meint Günter Dreyer, Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo. Seine Theorie basiert auf Ähnlichkeiten zwischen der ersten Pyramide des Djoser in Sakkara und dem Grab seines unmittelbaren Vorgängers.

Der Bau der Stufenpyramide in Sakkara begann zunächst als flacher, 8 m hoher Hügel über der Grabkammer. An dem nur geringfügig älteren Grab des Chasechemui auf dem alten Königsfriedhof von Abydos fanden die Ausgräber Anzeichen für einen ähnlichen flachen Hügel, der den zentralen Teil der unterirdischen Grabkammer bedeckte.


Grabkomplex des Chasechemui (Foto: DAIK)


Die Mauern in diesem Teil des Grabes waren doppelt so stark und halb so hoch wie die Mauern an den Seiten. Sie mussten scheinbar großem Gewicht standhalten. Chasechemuis Grabkomplex hatte eine mit Nischen versehene Umfassungsmauer, ein Attribut, das auch Dutzende von späteren Pyramiden entlang des Nils aufweisen.

Allerdings stand die Umfassungsmauer in Abydos sehr viel weiter vom Grab entfernt als in Sakkara. "Meine Theorie ist," sagt Dreyer,"dass beiden Elemente, Hügel und Mauer, in Sakkara von Chasechemuis Nachfolger Djoser vereint wurden. Und dann geschah etwas: Der Grabhügel war versteckt hinter einer hohen Mauer, er war nicht mehr zu sehen. Das war ein Problem, denn ich glaube, dass der Hügel den Urhügel der Schöpfung darstellte und dem König die Wiederauferstehung garantierte."

Die Architekten von Sakkara lösten das Problem, indem sie einen weiteren, kleineren flachen Hügel auf den ersten setzten und sich dann dafür entschieden, bis zur Spitze so weiterzumachen.


Djoser-Pyramide in Sakkara (Foto: Gitta)


Die Pyramide von Sakkara bildet das Zwischenstadium zwischen den Mastabas der früheren Periode und den wohlgeformten späteren Pyramiden. Schon lange vermuten die Archäologen, dass die Pyramiden als Erweiterung der Mastabas anzusehen sind, aber nach Dreyers Theorie kommt nun noch das Problem der Umfassungsmauer als Erklärung hinzu.

Dreyer, der die letzten zehn Jahre mit der Erforschung der frühestens oberägyptischen Könige zugebracht hat, sprach ausserdem über einen von ihm neu identifizierten König der Frühzeit mit Namen Hor. Seine Erkenntnis basiert auf zwei antiken Paletten, auf denen die frühen Herrscher üblicherweise historische und mythologische Ereignisse dokumentieren ließen. Die Paletten zeigen einen Horus-Falken in einem Kontext, den Dreyer als die Stelle ansieht, an der üblicherweise der Königsname erscheint. Verschiedene Paletten wurden bereits als Gedenksteine interpretiert für die Eroberung der Städte im Delta durch oberägyptische Könige, aus der dann die Reichseinigung resultierte. Traditionell wird diese Eroberung König Narmer oder Aha zugeschrieben, der 200 Jahre später lebte als Hor.

"König Hor startete das Ganze, die Eroberung des Deltas, einige Generationen vor Narmer. Warum? Er wollte die Handelsrouten nach Palästina sichern, die am Delta entlangführten", sagte Dreyer.

Quelle
http://www.reuters.co.uk/newsArticle.jhtml?type=scienceNews&storyID=4332908&section=news

via
http://www.geocities.com/TimesSquare/Alley/4482/EEFNEWS.html

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