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Immer an Ägypten denken
Interview mit Jan Assmann im Rheinischen Merkur
Von Gitta am 20.05.2004 um 15:08:40 

In einem Interview mit dem Rheinischen Merkur äussert sich der Ägyptologe Jan Assmann zur Problematik "Glaube und Gewalt".

Die Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam sieht Assmann als Vertreter des exklusiven Monotheismus. Gemeint ist die ausschliessliche Bezogenheit auf einen Gott, die keine anderen Götter einbezieht oder duldet. Dagegen sei der inklusive Monotheismus bruchlos aus den polytheistischen Gesellschaften in Indien, Mesopotamien, Ägypten, im Hellenismus und anderen hervorgegangen, indem Aspekte, Symbole, Namen u.ä. de facto Erscheinungsformen eines Einzigen gewesen seien. Exklusiver Monotheismus wende sich ab von der Natur, hin zu einem transzendenten Gott der Offenbarung.

Befragt auf die Aufmerksamkeit, die Assmann dem Thema Gewalt im exklusiven Monotheismus zukommen lässt, weist der Ägyptologe zu Recht auf die Texte des Alten Testaments hin, in denen vielfältig von der gewaltsamen Durchsetzung des Glaubens berichtet wird.

Dieses Kapitel der gewaltsamen Missionierung zog sich im Prinzip weiter durch die Jahrhunderte und Jahrtausende, und es ist noch heute allgegenwärtig. Der exklusive Monotheismus unterscheidet nach Assmann zwischen wahr und falsch und versucht, seine Wahrheit mit Macht gegen das vermeintlich Falsche durchzusetzen. Der inklusive Monotheismus jedoch sei von Toleranz geprägt. Diese Auffassung ist durchaus plausibel und regt an darüber nachzudenken, wie segensreich der über uns gekommene exklusive Monotheismus eigentlich ist.

Anlass des Interviews im Rheinischen Merkur scheint Assmanns Buch "Die Mosaische Unterscheidung oder Der Preis des Monotheismus" gewesen zu sein (Hanser Verlag, München 2003, 284 Seiten, 19,90 EUR).

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