Ägyptologie-Blatt

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Mumien in Marburg
Wissenschaftliche Ausstellung an der Uni
Von Gitta am 14.07.2004 um 22:08:37 

Seit den Zeiten der Mumien-Partys im 19. Jahrhundert sind ägyptische Relikte dieser Art wohl in jeder europäischen Stadt zu Hause. So auch in der Zoologischen Abteilung der Universität Marburg, wo der Biologe Jan Harbort seine Forschungen betreibt. Die "Marburger Mumienköpfe" und Harborts Forschungsergebnisse sind seit dem 10.07.2004 in einer Ausstellung zu begutachten.

15 von insgesamt 33 Mumienköpfen hat Harbort inzwischen untersucht - mit Hilfe von Computertomographie, Rotationsradiographie und mit Unterstützung von Fachkollegen wie Radiologen, Zahnmedizinern, Ägyptologen und HNO-Ärzten. Ein Schädel wurde virtuell von seinen zehn Schichten Mumienbinden befreit und zum Vorschein kam das relativ gut erhaltene Gesicht eines etwa 30jährigen Mannes, verstorben vor rund 3000 Jahren. Eine komplette Mumie, die wegen des feines Gewebes der Mumienhülle eigentlich für eine Fälschung gehalten wurde, stellte sich nach eingehender Untersuchung als echt heraus. Einer der mumifizierten Köpfe gehörte einst einem siebenjährigen Kind. Der Schädel weist eine kleine, kreisrunde Verletzung auf; die Wundränder sind nicht verheilt. Diese Verletzung - man kann nicht nachvollziehen, wie sie zustandekam - dürfte die Todesursache gewesen sein. Im Hinterkopf eines 25- bis 30jährigen Mannes sind Zähne deponiert, derer er wohl schon zu Lebzeiten verlustig gegangen war. Dieses Zahndepot wurde vielleicht angelegt, damit der Verstorbene seinen vollständigen Körper mit ins Jenseits nehmen konnte. Es könnte zudem ein Indiz für eine Zahnextraktion sein. In einer sogenannten Sandmumie aus Abydos - also einem Beispiel für natürliche Mumifizierung im heissen Wüstensand - wurden Larven von Fliegen, Käfern und ein Wespennest vorgefunden und bei einer weiblichen Mumie, die Frau war mit ungefähr 65 Jahren gestorben, konnte der Befund einer Knochenkrebsart festgestellt werden.

Wie all diese Mumienköpfe in die Zoologische Universitätssammlung gelangen konnten, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Sie lagern dort seit etwa 120 Jahren und sind daher wahrscheinlich Überbleibsel der bereits oben erwähnten Partys aus Urgroßveraters Zeiten.

Nach einer Meldung des Lauterbacher Anzeigers

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Kommentare zu diesem Artikel
Lutz17.07.2004 um 14:58:20
Der Titel hat mich verwirrt. Ich dachte zunächst an Fotos der Blockseminar-Teilnehmer ...  



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