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Sargfund in Dra Abu' el-Naga
Offizielle Pressemitteilung des DAI
Von Gitta am 18.12.2004 um 19:38:47 

Offizielle Pressemitteilung des DAI:

Sensationsfund in Theben: Deutsche finden großen Sarkophag

Kairo/Luxor - Während der diesjährigen Herbstkampagne des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo, im oberägyptischen Theben wurde am 21.10. in einer Schachtanlage der Nekropole von Dra' Abu el-Naga (Theben-West) (siehe allgemeine Projektseite) eine kleine Felskammer entdeckt, in der sich noch ein einst dort aufgestellter hölzerner Sarkophag von enormer Größe befindet, welcher einen kleineren hölzernen Innensarg birgt. Die Kammer ist nur unwesentlich größer als der Sarkophag, weshalb ein Versuch von Grabräubern, den Sarkophag aus der Kammer zu entfernen, scheiterte. Die Diebe schlugen deshalb ein Loch in die Fußplatte des Sarkophages, entfernten die Fußplatte des inneren Sarges und bargen durch diese Öffnungen die Mumie und möglicherweise weitere Gegenstände aus dem Sarginneren.

Der etwa 2,7 m lange, 1 m breite und 1 m hohe, kastenförmige Sarkophag ist außen mit einer horizontal umlaufenden Inschriftenzeile versehen, die in einer Opferformel den Titel eines hohen Würdenträgers ('Sab') und den Namen des Besitzers, Imeny, nennt. Das Besondere an diesem Sarkophag aber ist die hervorragend erhaltene Dekoration seiner Innenwände, die vollständig mit religiösen Texten und polychromen Darstellungen einer idealen Grabausstattung ('frise d'objet') verziert sind.
Der noch im Inneren des Sarkophages befindliche, ebenfalls kastenförmige Innensarg ist ähnlich hervorragend gearbeitet, aber nur an seinen Außenseiten mit Inschriftenbändern dekoriert. Diese Inschriften nennen nun bemerkenswerterweise nicht, wie zu erwarten wäre, ebenfalls Titel und Namen des Imeny, sondern die seiner 'geliebten' Frau, der 'Herrin des Hauses', Geheset ('Gazelle'). Eine zu einem späteren Zeitpunkt auf der Fußplatte des äußeren Sarkophages angebrachte senkrechte Inschriftenzeile erklärt diesen ungewöhnlichen Befund: auch hier wird die Frau des Imeny, Geheset, erwähnt. Eine erste Interpretation dieses Befundes erlaubt eine vorläufige Rekonstruktion der Vorgänge, die zu der Bestattung führten: Der große Sarkophag und die für seine Aufnahme vorgesehene Felskammer wurden schon zu Lebzeiten des hohen Würdenträgers Imeny vorbereitet bzw. angefertigt. Seine Frau Geheset verstirbt möglicherweise unerwartet früh und wird in einem für sie angefertigten, kleineren Kastensarg im Inneren des großen Sarkophages ihres Mannes bestattet. Die ursprünglich für die Bestattung des Imeny angelegte Schachtgrabanlage wurde so zur Grabstätte seiner Gattin.

Die Besonderheit der Entdeckung des Sargensembles besteht aber nicht nur in Erhaltungszustand und Dekorationsprogramm, sondern ergibt sich auch auf einer anderen Ebene: Das Ensemble datiert nach ersten Untersuchungen der zur Bestattung gehörenden Keramik in die erste Hälfte der 13. Dynastie (ca. 1795-1720 v. Chr.), die in Oberägypten nur sehr spärlich belegt ist. Sargensembles dieser Art sind, zumal in situ aufgefunden, bis auf eine Ausnahme aus der Thebanischen Nekropole bislang nicht bekannt.

Das Sargensemble liegt derzeit noch an seinem alten Platz in der Felskammer. Die geringe Größe der Kammer und die enormen Ausmaße sowie das Gewicht des Sarkophages erschweren die Bergung, die innerhalb der nächsten Wochen erfolgen soll.


Foto: Gitta (aufgenommen anlässlich der 175-Jahr-Feier des DAI in Berlin)


Quelle (mit weiteren Fotos)

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