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Tut will Bakschisch
Die hohen Kosten der Tut-Ausstellung rufen in Amerika Kritiker auf den Plan
Von Gast_A. am 11.03.2005 um 15:09:16 

Was ihm zu Lebzeiten verwehrt blieb, holt Tutanchamun nun nach: Gut versichert und verpackt erobert er die Welt. Allerdings nicht mehr ganz so billig wie vor einigen Jahrzehnten. Wer die Schätze zeigen will, muss ein erkleckliches Sümmchen an die ägyptische Altertümerverwaltung abtreten.
Der folgende Beitrag stammt aus den NBC-News vom 4. März 2005 (eigene Übersetzung):

Von Roger O’Neil
NBC News
4.03.05
http://www.msnbc.msn.com/id/7089654/

Die goldenen Schätze des Junge-Pharaos sind glanzvoll, aber es kostet ein königliches Lösegeld, um die „Beute“ zu sehen. Die neue Tutanchamun-Ausstellung, die in Los Angeles in diesem Sommer ihren (USA-)Einstand gibt, fegt überall die Spinngewebe von Museen und definiert vielleicht ihre (gesellschaftliche) Rolle neu.

„Das ist heute eine andere Welt" sagt Tim Leiweke, der Vorstand der Anschutz Entertainment Company. Anders, in der Tat. Die Welt von Leiweke sind Rock-Konzerte. Er hat es noch nie mit „Kunst“ zu tun gehabt. Trotzdem wettet seine Unterhaltungsfirma 40 Millionen $ dass sie, zum ersten Mal, eine Kassenschlager-Kunstausstellung organisieren und damit viel Geld machen kann.

"Das muss mehr sein als nur ‚komm, lass uns mal diese Schachtel dort auf dem Boden ansehen'" sagt er. Bei dem modernen "outsourcing von Kunst", wie etwa der goldenen Maske von Tut, geht es allein ums Geld.
Ägypten besitzt die Altertümer und verlangt 40 Millionen US-$ bevor es Tut auf die Reise schickt. Das sind Welten im Vergleich zu dem „Fast-Nichts“ was es vor 26 Jahren bekam, als die Mumien-Manie die amerikanischen Museen beherrschte.
Ägyptens Chef-Archäologe stellt klar, dass es kein „kostenloses Mittagessen“ mehr geben werde. Das Gold des Königs muss in Bares verwandelt werden, um andere bedrohte Denkmäler zu restaurieren.

"Niemand kann ein Ausstellungstück einfach umsonst bekommen, sie sollen zahlen," sagt Dr. Zahi Hawass, der Generalsekretär der ägyptischen Antikenverwaltung. "Dahinter steht nicht der Wunsch nach Geld, sondern die Vorstellung von Mitteln zur Wiederherstellung unserer Vergangenheit." Es ist dagegen die Zukunft, die den Museumsdirektoren Sorge bereitet.

Das Konsortium der neuen Tut-Präsentatoren hat nicht nur die Kontrolle darüber, wie die Kunstgegenstände präsentiert werden, sondern es diktiert auch die rekordverdächtigen Eintrittspreise - bis zu 30 $. Zahlreiche Museen, einschließlich des berühmten New Yorker Metropolitan Museum of Art (MMA), lehnen dies ab.
"Es ist die Kosten, den Ärger, die Schwierigkeit nicht wert, die ganze (notwendige) Infrastruktur aufzubauen," so Philippe deMontabello, Direktor des MMA. "Das Metropolitan Museum vertritt eine ‚Zahlen Sie, was Sie wollen’- (Eintrittspreis-)Politik.“
"Ich suche hier keinen Streit, aber ich denke, das ist altmodisch" kontert Veranstalter Leiweke. "Ich denke, sie sind gewohnt ihre Geschäfte in einer bestimmten Weise zu regeln und nun sehen sie diese Kommerzialisierung und sagen, 'Oh, das ist schrecklich’.“

Obwohl das berühmteste Kunstmuseum der Welt die berühmteste Mumie der Welt brüskiert, lassen die Ticket-Verkaufszahlen eine neue Welle der Tut-Manie vermuten.
"Tutanchamun und das Goldene Zeitalter der Pharaonen" startet am 16. Juni im Los Angeles und tourt dann 2007 von Ft. Lauderdale über Chicago nach Philadelphia.

Die offizielle US-HP zur Ausstellung findet man unter:

http://www.kingtut.org/home.htm

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