Ägyptologie-Blatt

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Die Geburtsstunde 'der Ägypter'
Neue Studie zum frühesten Ägypten
Von Gitta am 02.01.2006 um 01:06:16 

Details einer Grabmalerei aus Hierakonpolis, aus Ägyptens prähistorischer Naqada-Zeit. Nach einer neuen Studie gehören die Naqada-Menschen, die noch früheren Badarianer und die späteren Ägypter grundsätzlich zur gleichen Bevölkerungsgruppe.


(aus dem Katalog "Am Beginn der Zeit", München 2000)

Die Malerei zeigt eine Prozession von Booten, von denen eines über einen Sonnenschutz verfügt, um "eine Figur zu schützen, die wahrscheinlich der Regent ist, für den das Grab angelegt wurde", schreibt Toby Wilkinson in seinem Buch "Predynastic Egypt". Das Kunstwerk zeigt "den Regenten, beschäftigt mit verschiedenen Aktivitäten einschl. einer rituellen Wasserprozession, möglicherweise ein Vorgänger einiger späterer Fest des Königtums, um die vielfältigen Rollen des Königs im Verhältnis zu seinen Untertanen und seine Übernatürlichkeit auszudrücken", schreibt Wilkonson. Bemerkenswert sei, dass die Zahl der Merkmale charakteristisch ist für die klassische ägyptische Kunst - 300 Jahre bevor mit der Landeseinigung der ägyptische Staat entstand. Der Mann links unten, der zwei wilde Tiere auseinanderhält, sei eine Art Held, ein "Herr der Bestien", wie man ihn auch in anderen Kunstwerken dieser Zeit findet.

(Quelle wie oben)

Dieses Detail aus der gleichen Malerei scheint nach Wissenschaftlermeinung den Regenten beim "Erschlagen der Feinde" zu zeigen, ein immer wiederkehrendes Thema in der späteren ägyptischen Kunst. Die Verwendung einer Linie unter einer Reihe von Figuren, um diese zu ordnen, sei ebenfalls typisch und die Zahl "drei" gewinnt im Hieroglyphischen Bedeutung, meint Wilkinson.

Vor ungefähr 64 Jahrhunderten bestellten prähistorische Menschen unklarer Herkunft einen Landstrich entlang des Nils. Knapp nach dem Ende der Steinzeit produzierten sie einfaches aber gut gefertigtes Steinzeug, Schmuck und Steinwerkzeuge und sie begruben ihre Toten mit Ritualobjekten, offensichtlich zur Vorbereitung auf das jenseitige Fortleben. Häufig gehörten puppenähnliche weibliche Figuren mit ausgeprägten sexuellen Merkmalen dazu, möglicherweise um die Wiedergeburt zu symbolisieren.

Trotz der Einfachheit ihres Hab und Gutes - aus diesen Menschen (Badarianer) könnte einer neuen Studie zufolge rund 14 Jahrhunderte später eine der ersten bedeutenden Zivilisationen der Welt hervorgegangen sein: die glanzvolle Kultur Ägyptens.

Tatsächlich ergab die Forschungsarbeit, dass vom Gunde her die Menschen vom Ende der Steinzeit bis in späte römische Zeit die gleichen waren. Joel Irish, University of Alaska Fairbanks, analysierte in seiner Studie Ähnlichkeinen an den Zähnen von fast 1.000 Menschen aus den verschiedensten Epochen vom historischen und prähistorischen Ägypten und fand - wie er schreibt - eine umfassende Bevölkerungskontinuität über eine Zeitspanne von 5.000 Jahren.

Irish beschreibt seine Ergebnisse im American Journal of Physical Anthropology. Er weist dabei aber auch darauf hin, dass seine Resultate nicht im Einklang sind mit anderen Forschungsergebnissen von Skelettuntersuchungen, so dass weitere Test erforderlich sind. Die unterschiedlichen Ergebnisse könnten aus unterschiedlichen Probengrößen oder Datentypen resultieren. Das von Irish untersuchte Zahnmaterial variiert zum Teil, jedoch meist dann, wenn es aus Gräbern der Oberklasse stammt. Das deutet darauf hin, dass es bei dieser Gruppe genetische Abweichungen gibt, vielleicht durch Inzucht.

Alles in allem können die Funde bei der bisher kaum möglichen Beantwortung einer Frage helfen: wer waren die alten Ägypter? Durch diesen flüchtigen Einblick in ihre eventuelle Frühgeschichte vermag die Studie vielleicht dazu beizutragen, die Entwicklung ihrer weltbekannten Kultur zu erklären, einschließlich der Pyramiden, die heute noch stehen.

Einige anderen Studien haben zudem genetischen Ähnlichkeiten zwischen den antiken und den modernen Ägyptern herausgefunden. Die Ergebnisse gaben Grund zu Diskussionen, aber wenn diese und die Ergebnisse von Irish Recht haben, dann könnten die heutigen Ägypter und ihre pyramidenbauenden Vorfahren in hohem Maße Teil der gleichen großen Familie aus der Steinzeit sein.

Nach einem Artikel in world-science.net

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