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Revision der Chronologie des östlichen Mittelmeerraumes?
Vulkanausbruch auf Santorin neu datiert
Von Iufaa am 28.04.2006 um 11:40:40 

In der späten Bronzezeit begrub der gewaltige Vulkanausbruch auf Santorin weite Teile des östlichen Mittelmeerraums unter Asche. Verschüttet wurde dabei auch auf  Santorin ein Olivenbaum, der jüngst ausgegraben wurde. Anhand der Jahresringe dieses Baumrestes datiert ein dänisch-deutsche Forscherteam die Naturkatastrophe jetzt neu.
Der Zeitpunkt dieses Vulkanausbruchs ist seit langem umstritten, nach der neuen Datierung fand er rund hundert Jahre früher statt, als bisher infolge von Verbindungen der ägäischen Kultur zu ägyptischen Königslisten und astronomischen Konstellationen angenommen wurde. Mit der Umdatierung dieses Vulkanausbruchs müssen damit auch die Beziehungen der Kulturen der Spätbronzezeit im östlichen Mittelmeer neu untersucht werden.

Die über den östlichen Mittelmeerraum verteilte Vulkanasche liefert eine wichtige Zeitmarke, da die von den Ablagerungen direkt überdeckten Kulturen gleichzeitig existiert haben müssen. Die genaue Datierung des Ausbruchs ermöglicht daher nicht nur eine Altersangabe für zeitgleiche Kulturen, sondern eventuell auch Aussagen über den damaligen Stand der Verbindungen von Zivilisationen in Ägypten und seiner Umgebung.

Auf der Basis von Königslisten und astronomische Konstellationen wurde für den Zeitpunkt des Ausbruchs das mittlere bis späte 16. Jahrhundert vor Christus angenommen. Dieser Datierung widersprachen allerdings jüngere naturwissenschaftliche Resultate, u.a. deuteten zahlreiche Altersbestimmungen an Materialien mittels der Radiokarbonmethode (C14-Methode) darauf hin, dass der Ausbruch rund hundert Jahre früher stattgefunden habe. Allerdings verhinderten Schwankungen im Kohlenstoffgehalt in den Jahrhunderten um den Ausbruch herum bisher eine eindeutige Altersbestimmung, d.h. die bisherigen Bestimmungen mit der C14-Methode zeigten lediglich mit einer Wahrscheinlichkeit von 15% eine Übereinstimmung mit historisch ermittelten Daten.

Der jüngst auf der Insel Santorin ausgegrabene Ast eines Olivenbaums könnte mehr Klarheit in diese Frage bringen. Die Wissenschaftler konnten 72 Jahresringe in dem Holz identifizieren. Zusammen mit den Informationen des Kohlenstoffgehalts aus einer längeren, genau bekannten Zeitspanne konnten die Forscher den Ausbruch mit Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent auf die Jahre 1627 bis 1600 vor Christus eingrenzen. Diese Zeitangabe stimmt überein mit den Resultaten eines Teams um Sturt Manning, das eine große Anzahl von Materialien aus rund 300 Jahren mit der gleichen Methode untersucht hat.

siehe dazu:
wissenschaft.de
Informationsdienst Wissenschaft
ORF

sowie:
Walter Friedrich (Universität von Aarhus) et al.: Science, Vol. 312, p. 548, ff

Sturt Manning (Cornell-Universität, Ithaca) et al.: Science, Vol. 312, p. 548, ff


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Kommentare zu diesem Artikel
Sinuhe2030.04.2006 um 08:44:14
Dazu auch ein interessanter Artikel in Telepolis :
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22555/1.html



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