Ägyptologie-Blatt

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Unterwassermuseum in Alexandria geplant
Workshop in Ägypten
Von Iufaa am 14.07.2006 um 23:42:27 

Al-Ahram Weekly berichtet unter der Nr. 803, 13 - 19 July 2006

Under the waves

Ein archäologisches Unterwassermuseum zu errichten, ist nirgendwo eine leichte Aufgabe, ganz zu schweigen in einer Stadt wie Alexandria mit ihren Problemen der Wasserverschmutzung Und doch rechtfertigen die außerordentlichen Entdeckungen der Unterwasserarchäologie im Laufe des letzten Jahrzehnts weitere ernsthafte Anstrengungen, die zu Ägyptens erstem Unterwassermuseum führen könnten.

Lage und Form veranlassen zum Nachdenken. Soll das Unterwassermuseum in Alexandrias Osthafen, dem Sisila Gebiet, oder in der Bucht Abu Qir liegen? Wie soll es aussehen? Soll es dem australischen Nationalen Meeresmuseum in Sydney oder dem Bodrum Museum der Unterwasserarchäologie am spektakulären Uluburun-Wrack in der Türkei, oder gar dem Musée de Marine in Paris ähneln? Alle diese Museen zeigen eine Sammlung von versunkenen Schiffswracks, Flora und Fauna.

Diese und andere Fragen wurden auf einem internationalen Workshop diskutiert, der letzte Woche in Alexandria stattfand. Auf dem Workshop wurde die Machbarkeit, ein solches Museum zu bauen, besprochen. Vorgelegt wurde ein vorläufiger Grundriss, eine architektonische Planung und ein Programm, um die Umweltbedingungen des Mittelmeeres bei Alexandrien und den Grad der Meeresverschmutzung, die sozio-ökonomischen Probleme, die mit dem Erfolg des Projektes eines archäologischen Unterwassermuseums verbunden sind, und die Einflüsse auf die Stadt zu studieren. Der Workshop wurde unter der Schirmherrschaft der UNESCO und des Ministeriums für Kultur am Alexandria Art Creativity Centre abgehalten, wo sich multi-disziplinäreTeams aus 28 internationalen und ägyptischen Experten versammelt hatten.
Am Vorabend des Workshops wurden Teilnehmer auf einem Feldbesuch in Alexandrias archäologischen Unterwassergebiete gebracht, und lauschten einer Präsentation durch ägyptische Behörden über die gegenwärtige Situation und neuen Tätigkeiten im Osthafen und um das Fort Qait Bei. Das ist auch eine der vorgeschlagenen Positionen für das Unterseebootmuseum.
Der Workshop wurde durch den Kulturellen Entwicklungsfonds (CDF) organisiert. Die Eröffnungssitzung begann mit einem kurzen Dokumentarfilm über die alte Geschichte Alexandriens von ihrer Gründung durch Alexander den Grossen bis in die moderne Zeit. Die Rede des Ministers für Kultur, Farouk Hosni, verfasst von Zahi Hawass, Generalsekretär des SCA, offenbarte, dass das Ziel des Workshop nicht nur darin bestand, die Möglichkeit zu studieren, das erste archäologische Unterwassermuseum der Welt in Alexandria zu bauen, sondern auch internationale Grundsätze aufstellen sollte, die  für jedes Land, das ein eigenes Unterwassermuseum errichten wollte, als Modell oder Pilotprojekt infrage kommen. Singapur, China und Griechenland stehen ganz oben auf der Liste.

In seiner Rede beschrieb Hawass die Initiative als einen "schönen Traum" für Alexandria. Er sagte den versammelten Experten, dass er sich vor 4 Jahre dafür entschieden habe, alle antiken Gegenstände auf dem Meeresboden zu belassen, mit  Ausnahme von Münzen, Schmucksachen und kleinen Artefakten, zu entfernen, die leicht zu plündern waren.
"Folglich ist es an der Zeit, an ein Unterwassermuseum zu denken, um solche großartigen Denkmäler für alle zugänglich und sichtbar zu machen." sagte er.

Françoise Rivier, der Co-Direktor der UNESCO, prüfte die Anstrengungen der UNESCO, die Alexandriner Denkmäler zu schützen und besonders die unter Wasser liegenden Fundorte zu bewahren. Er bezog sich auch auf frühere Versuche zwischen 1994 und 2001, ein Unterwassermuseum zu errichten. Rivier umriß die Probleme, die die Errichtung eines solchen Museums begleiten. Zu den ernsteren Problemen gehört die Einleitung von Abwässern ins Meer, die die Sicht unter Wasser verdunkeln und zu einer störenden Zunahme der Verschmutzung führt.

Hierzu teilte jedoch Beyali Hosni El-Beyali, ein Berater der Wasser und Drainage-Gesellschaft mit, dass Alexandria bereits die drei Hauptkanalisationstunnel mit Ausgängen im archäologischen Gebiet geschlossen habe. Der Verschlüsse seien dauerhaft, und sie würden nur auf die direkten Anordnung des Gouverneurs geöffnet, falls es als notwendig sein würde, Regenwasser an stürmischen Tagen abzulassen. "Seit den letzten drei Jahren sind die Tunnel überhaupt nicht mehr geöffnet worden."  teilte El-Beyali mit.
El-Beyali sagte Al-Ahram Weekly auch, dass ein neues Projekt darauf zielt, Alexandriens Kanalisation zu verbessern, wozu eine umfassenden Studie gehört, um Wege zu finden, das Drainage-System für Regenwasser vom restlichen Abwassersystem der Stadt zu trennen, welches zu einer Abwasser-Station in der Wüste nahe Ikingi Maryut umgelenkt würde. "Das im Land gesammelt überschüssige Regenwasser soll dazu verwendet werden, Waldgebiete im Südwesten von Alexandria zu kultivieren," sagte er, und fügte hinzu, dass dieses Projekt in Zusammenarbeit mit internationalen Experten und dem Internationalen Währungsfonds in drei Phasen durchgeführt werden soll.

"Die Errichtung eines Unterwassermuseums vor der Küste von Alexandria ist Ägyptens Verpflichtung, seine versunkenen Altertümer zu schützen" erzählte Professor Ali Radwan, Leiter der General Union of Arab Archaeologists, Al-Ahram Weekly. Er schlägt vor, dass das Museum in zwei Bereichen erbaut wird, ein Bereich an der Küste, wo die vom Meeresboden geborgene Objekte ausgestellt werden, z.B. die, die jetzt in Berlin gezeigt werden. Der 2. Teil könnte ein wie ein U-Boot tauchfähiges Museum sein, dass dann ausgestreckt auf dem Meeresboden liegt, oder ein Glasunterseeboot, das auf einer Tour die Besucher zu Alexandrias versunkenen Orten bring, die über den Osthafen, das Qait Bei-Fort, Sisila und Abu Qir Bucht verstreut sind. " Solch ein Unterseeboot würde Ägyptens frei zugängliches Wassermuseum sein." kommentierte Radwan, der befürchtet, dass der Bau eines befestigten Plexi-Glastunnels unterhalb der Wasserlinie ernsthafte Auswirkungen haben könnte. Zudem könnte es eine Bedrohung für die Sicherheit der Besucher im Fall von seismischen Störungen oder einer anderen Naturkatastrophe darstellen. Zweitens würde es ein sehr teures Projekt sein, das das Ministerium für Kultur und des SCA in Zukunft viel Geld kosten würde, um mit Rücksicht auf die Sicherheit, die Mittel für die erforderliche Technologie und das hohe Niveau der jährlichen Wartung aufzubringen. Drittens würde es Besucher den Zugang zu einem archäologischen Areal geben, aber sie davon abhalten, andere zu sehen. Radwan erklärte, dass, wenn das Museum im Osthafen gebaut würde, wo die alte Hauptstadt der Ptolemäer mit ihren gepflasterten Straßen, Wellenbrechern, Sphinxen und Säulen von Tempeln und Palästen lag, dann würden die Besucher außer Stande sein, die anderen Gebiete von Alexandrias mit dem antiken Leuchtturm am Qait Bei oder der versunkenen napoleonischen Flotte in Abu Qir Bucht zu bewundern.

Der Direktor des archäologischen Museum in Alexandria, Ibrahim Darwish, glaubt, dass das Gebiet, das wirklich ein Unterwassermuseum verdient, der Osthafen ist, wo die antike Stadt Alexandria lag. Er sagte Al-Ahram Weekly, dass er, als ein Archäologe, keinen Plan für das Unterwassermuseum zeichnen könnte, sondern nur eine ausführliche Karte der versunkenen Denkmäler dem Team der Architekten zur Verfügung stellen könnte, die für das Museum verantwortlich sein würden.

Aymen Abdel-Moneim, Leiter des CDF und ein Leiter der Tagung, sagte, dass der Workshop infolge einer bilateralen Sitzung organisiert wurde, die vor 16 Monaten zwischen dem Minister der Kultur und Rivier stattfand, auf der man sich über die Notwendigkeit einigte, Alexandrias Unterwasserschatz vor den Bedrohungen zu schützen, wie Beschädigung, Plünderung, und den Handel mit in Wracks gefundenen Gegenständen.
Abdel-Moneim sagte, dass alle Experten, sowohl ausländische als auch ägyptische, zugaben, dass der richtige Platz für das Museum der Osthafen sei, da das am passendsten war und einfach die beste Position. Das nicht nur, weil es eine geschlossenen Bucht ist, wo die Bewegung von Wellen kontrolliert werden kann, sondern auch, weil es die Geschichte einer einzigartigen Zivilisation erzählt, einer jetzt versunkenen Stadt, die einst über einen großen Teil der antiken Welt herrschte. Auf dem Meeresboden liegt das königliche Viertel der Ptolemäer mit seinen Tempeln, Palästen und gepflasterten Straßen. Dort lagen auch der Palast der Königin Cleopatra und die Insel Antirhodos, im Haupthafen zwischen Qait Bei-Festung im Norden, Sisila Gebiet im Osten, und Mahattat Al-Raml im Süden.
Abdel-Moneim erklärte, dass das geplante Museum eines der modernen Weltwunder sein würde. Es würde auf drei Ebenen liegen, die erste ein Gebäude an Land, das die vorher versunkenen Objekt von überall in Alexandria ausstellt, nicht nur aus dem Osthafen, sondern auch andere Objekte, die in Zukunft entdeckt werden, aber nicht in situ gelassen werden könnten. Die 2. Ebene würde wichtige Objekte aus dem Meer zeigen, das in ihrer ursprünglichen Umgebung in Aquarien ausgestellt werden könnten. Die 3. Ebene würde ein Plexiglas-Unterwassertunnel sein, der ein einzigartiges Fenster auf die versunkene Hauptstadt der Ptolemäer zur Verfügung stellt.
"Diese Ebene würde sich zuerst nur einige Kilometer entlang auf dem Meeresboden oder um ein Gebiet der versunkenen Stadt erstrecken, uns mit ersten Erfahrungen zu versorgen, bis  wir den Erfolg der Technologie bewerten können und, falls es irgendwelche Nachteile gibt, vermeidet, dass sie in weiteren Ausbauten wiederholt werden," sagte Abdel-Moneim.
Der Vorschlag, ein Glasboot oder Unterseeboot als schwimmendes Museum zur Verfügung zu stellen, wurde von den Mitgliedern des Workshop mit der Begründung zurückgewiesen, dass dies eine Bedrohung für die versunkenen Schätze darstellen würde, sagte Abdel-Moneim. Alle Experten gaben zu, dass solch ein Boot die Topografie der versunkenen Stadt verändern könnte, während es unterhalb der Wasserlinie manövriert. "Deshalb wird es Booten und Jachten verboten, innerhalb der Bucht des Osthafens zu segeln, weil ihre Motoren gegen einen versunkenen Block stoßen konnten," sagte er.

Der Workshop hob auch die Notwendigkeit hervor, die Anzahl der Wracktaucher zu reduzieren. Das Tauchen würde in Zukunft nur unter der Aufsicht des SCA erlaubt.

Während der viertägigen Workshops zeigten Professoren der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten von Kairo und Alexandria die Ergebnisse ihrer ausführlichen Untersuchungen zum Wasserspiegel in der Osthafen-Bucht, der Wasserwindgeschwindigkeit und allen Bewegungen innerhalb der Bucht. Sie sagten, dass im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte die Bucht stark ausgebeutet  worden war, z.B. durch in dem ein Teil des Hafens verfüllt worden war. Deshalb sagte Abdel-Moneim Al-Ahram Weekly, der Workshop habe empfohlen, alle Tätigkeiten im Meer sowie Entwicklung und Investitionen innerhalb des Hafens bis zum Beschluss der Machbarkeitsstudie des Museums und der Entwicklung eines Masterplans zum Hafen als Ganzes einzustellen.
"Das Museum, wird nach meiner Überzeugung den Hafen retten und wird mit seinen legendären Problemen Schluss machen," sagte Abdel-Moneim. Er fügte hinzu, dass, wenn das Museum vollendet würde, die Behörden immer darauf scharf sein würden, die Reinheit des Wassers aufrechtzuerhalten.

Das Ministerium für Kultur hat jetzt ein Exekutivteam zusammengestellt, um die Empfehlungen des Workshops umzusetzen und alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Machbarkeitsstudie des Projektes nach und nach umzusetzen. Diese 18-monatige Studie wird durch die Einnahmen der Ausstellung von Ägyptens versunkenen Schätzen finanziert – die zurzeit in Berlin ist und später nach Frankreich geht. "Das Museum wird Alexandrias Wahrzeichen des 21. Jahrhunderts sein." sagt Abdel-Moneim.

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