Ägyptologie-Blatt

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Mit Lumpen zu Reichtum
Papierindustrie in Maine
Von Iufaa am 02.10.2006 um 12:01:04 

Das Magazin of Maine berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über eine eher bizarre Geschichte aus der Papierindustrie im US-Bundesstaat Maine. Nach dieser Geschichte haben in der 2. Hälfte des 19. Jhds die Papierfabriken in Gardiner und Westbrook alte ägyptische Mumien importiert und die Leinenbandagen zu Papier verarbeitet. Desweiteren wird erzählt, dass die Mumien als Heizmaterial verwendet wurden und die Bandagen eine Cholera-Epedemie auslösten.
Nun zeigt sich, dass einige der Geschichten wahr sind und keineswegs als Altweibergeschwätz abgetan werden dürfen.

Recherchen haben nun gezeigt, das Papierfabriken an beiden Orten tatsächlich ab Mitte des 19. Jhds zunehmend auch Mumienbinden importierten und verarbeiteten.Um 1850 besuchte der Abenteuer und Chemiker Isaiah Deck Ägypten und kam mit der Nachricht zurück, dass die Mumifizierung nicht nur von Menschen, sondern auch von Tieren im alten Ägypten so populär gewesen sei, dass man diese nur einsammeln müsse, um die 800 Papierfabriken in den USA mit altem Leinen zu versorgen.

Isaac Augustus Stanwood, von der Gardiner-Papiermühle, begann während des amerikanischen Bürgerkrieges, als einheimische Lumpen knapp waren, mit dem Import von Mumienbinden aus Alexandrien, aber nicht von Mumien, da bei kompletten Mumien die Ausbeute an Leinen wohl zu knapp war.
Hinweise für die Auslösung von Krankheiten oder Belege für andere Erzählungen fanden sich aber kaum.

Die Praxis, Mumienbinden für die Papierherstellung zu verwenden, verschwand gegen Ende des 19. Jhds, nach der Entwicklung besserer Techniken bei der Ausbeute von Holz. Insgesamt gibt es jedoch wenig harte Belege über die Menge der verwendeten Mumienbinden, zum einen, weil die Papierindustrie ihre eigene Belege wieder in den Papierherstellungsprozess einschleuste, zum anderen, weil auf Mumienbinden kein Zoll erhoben wurde - also auch keine staatlichen Belege erhalten sind.

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