Ägyptologie-Blatt

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Mumien-DNA offenbart Geburtsort einer antiken Geißel
Neue DNA-Untersuchungen an Mumien
Von Iufaa am 09.10.2006 um 21:51:54 

In Scientific American berichtet David Biello am 6. Okt. 2006:

Jahrhunderte des der Stille können antike ägyptische Mumien nicht davon abhalten, ihre Geheimnisse mit Wissenschaftlern zu teilen. Jetzt geben solche Mumien auch Hinweise auf Krankheiten der Vergangenheit, indem sie Informationen, die in verschlüsselter Form in ihrer DNA liegen, preisgeben.

Leishmaniase - eine durch Leishmanien (intrazellulär parasitierende Protozoen der Klasse Mastigophora) ausgelöste und durch Phlebotomen (Sandmücken) übertragene Infektionskrankheit - verursacht in der kutanen Form schmerzhafte wunde Hautstellen, in ihrer bösartigsten Form, der viszeralen Leishmaniase (syn. Kala-Azar), führt sie zu meist subakut bis chronisch verlaufenden Allgemeininfektionen und ist für mindestens 500,000 Todesfälle pro Jahr weltweit verantwortlich.
Die tödliche Form - die Eingeweide-Leishmaniase, auch bekannt als Kala-Azar, oder schwarzes Fieber in der Hindi-Sprache Indiens, wo die Krankheit zuerst von britischen Ärzten entdeckt wurde - tritt besonders häufig im Sudan auf, und einige Behörden haben behauptet, dass sie dort entstanden ist.

Albert Zink von Ludwig-Maximilians Universität in München und seinen Kollegen untersuchten die DNA aus Knochen-Proben von 91 alten ägyptischen Mumien und 70 aus dem altem Nubien - dem modernen Sudan -, um festzustellen, ob sie unter Leishmaniase gelitten hatten.
In neun der 70 nubischen Mumien - die aus Gräbern stammen, die bis 550 v. Chr. zurückreichen - wurde die mitochondriale DNA des Parasiten entdeckt, was beweist, dass die Krankheit zumindest in dieser Zeit dort endemisch war.
Wahrscheinlich sind die Wurzeln aber noch älter: vier der ägyptischen Mumien, von denen jede in die Periode des Mittleren Reich (2050 bis 1650 B.C) datiert wurde, als die Handelsbeziehungen mit Nubien am stärksten waren, trugen die DNA des Parasiten mit sich.

Ägyptische Mumien aus früheren und späteren Perioden zeigten dagegen keine Zeichen der Krankheit, wie in der Oktoberausgabe von Emerging Infectious Diseases berichtet wird.
"In dieser Studie haben wir keine Beweise für Leishmania-DNA in den Proben aus dem Neuen Reich bis in die Späte Periode gefunden, die 500 bis 1000 Jahre jünger sind als die aus dem Mittleren Reich." Bemerkte Zink. "Deshalb denken wir, dass die Anwesenheit von Leishmaniase eine Folge der engen kulturellen Kontakte der Ägypter und des Nubier während des MR war."

Die Ergebnisse werfen nicht nur ein Licht auf die Bedeutung der kulturellen Kontakte zwischen Ägypten und Nubia, sondern sie unterstützen auch die Hypothese, dass diese Eingeweide-Leishmaniase sich zuerst in der heute als Sudan bekannten Region entwickelte.

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