Ägyptologie-Blatt

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SÄK - Nachlese
Ein persönlicher Kurzbericht zur diesjährigen Tagung
Von naunakhte am 30.06.2008 um 12:19:38 

Die gut organisierte Tagung begann fachlich mit einem Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Wilfried Seipel. Dass er nach eigenem bekunden die Ägyptologie seit längerem eher von außen betrachtet (er ist Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums Wien) empfand er als Vorteilhaft bei der Schilderung eines historischen Abrisses der Entwicklung der Ägyptologie und SÄK. Da er nicht eingebunden ist in Lehrbetrieb und Diskussionen um BA und Evaluierungen verwies er die Anwesenden auf die insgesamt guten Erfolge und Akzeptanz des Faches und rührte nicht an der, die letzten Jahren das Fach und die SÄKs beherrschenden Existenzangst.
Als "Museumsmensch" brachte er interessante Einblicke in das Ausstellungswesen.
Das große öffentliche Interesse an Ägypten und der damit verbundene Erfolg ägyptischer Ausstellungen stellt Museen vor riesige Anforderungen. Gerade am Beispiel der zur Zeit parallel laufenden zwei Tutanchamun-Ausstellungen zeigt sich, dass dies von den Museen allein nicht mehr zu bewältigen ist.
Dem unbestrittenen Erfolg der zuerst in Basel, dann Bonn, USA und nun noch in London gezeigten Ausstellung folgt nun eine zweite zur Zeit in Wien zu sehende Ausstellung. Diese wird übrigens im Anschluss an die in Wien verlängerte Ausstellungszeit durch die USA touren.
Der logistische Aufwand, die Vermarktung und Finanzierung läuft inzwischen über Spezialfirmen. Die Leihgebühren für die Objekte betragen mehrere Millionen Euro. Eine finanzielle Leistung die ein Museum alleine nicht aufbringen kann. Man muss also versuchen einmal Fremdfinanziers zu finden und zweitens das finanzielle Risiko durch gute Vermarktung abzufangen. Zum Teil leider auf Kosten museumsdidaktischer Konzepte zugunsten publikumswirksamerer Zusammenstellungen.
Die hohen Leihgebühren sollen z. Bsp. das neue Grand Museum in Kairo finanzieren. Mit Ägypten lässt sich Geld machen - so kam es zumindest bei mir rüber. Eine Feststellung die man in letzten Jahren öfter treffen kann.
Seiner positiven Darstellung der Ägyptologie folgte rasch die Ernüchterung: die Berichte der einzelnen Institutionen.

In den Berichten aus den Institutionen werden alljährlich Kurzberichte zur Situation und Arbeit in den einzelnen ägyptologischen Instituten abgegeben. Leider schwindet scheinbar jährlich die Zahl der anwesenden Vertreter dieser Institutionen. Hier beherrschten die Umstellung auf BA und Master sowie Evaluierungen des Faches die Berichte. Allerdings gab es auch einige recht positive Entwicklungen zu vermelden. Doch entweder wird der Ton rauher - oder ich werde empfindlicher. So manchen bösen Seitenhieb auf Kollegen empfand ich eindeutig als überflüssig.

Der Samstag wird traditionell durch Kurzvorträge beherrscht. Die Zahl der Vorträge macht zwei parallel laufende Veranstaltungen nötig. So hat man die Qual der Wahl welche man nun besuchen soll. Hier konnte man mit seiner Entscheidung durchaus falsch liegen, nicht immer entsprach der Titel den Erwartungen der Zuhörer. Manchmal hätte vielleicht ein Blick in die mitgelieferten Abstracts gutgetan. Die Themen der Vorträge unterlagen keinem bestimmten Oberthema und waren somit breit gefächert - ihre Qualität auch.

Am Sonntag wurde das Projekt Propylaeum vorgestellt. Eine virtuelle Fachbibliothek der Altertumswissenschaften. Hier sollte jeder am Thema Interessierte unbedingt mal reinschauen.
Die Aussage, dass unter die Internetressourcen nur fachlich geprüfte und für gut befundene Seiten aufgenommen wurden hat so manchen der anwesenden Forumsteilnehmer vielleicht etwas für die Arbeit entschädigt.  

Es folgten Berichte über die letztjährigen Arbeiten des Schweizerischen Instituts für ägyptische Bauforschung und Altertumskunde in Kairo, des Österrerichischen Archäologischen Instituts, Zweigstelle Kairo und es Deutschen Archäologischen Institutes, Abteilung Kairo. Es waren interessante Berichte der Arbeiten und jüngeren Forschungsergebnisse.

Die folgende Schlusssitzung war kurz, doch gingen ihr sicherlich längere interne Verhandlungen voraus. Ein Problem war im vergangenen Jahr bereits die Festlegung auf den folgen Tagungsort. Die Organisation der Tagung mit inzwischen durchaus gut 300 - 400 Teilnehmern ist aufwendig und übersteigt sicherlich so manche Ressourcen der Institute - Würzburg hat doch gerade erfolgreich bewiesen dass es geht!. Ein fehlender Tagungsort lässt jedoch immer fürchten, dass die Institution der Tagung ansich einschlafen könnte. Wie bereits im vergangenen Jahr erklärte sich Prof. Dr. Erhard Graefe bereit der "Notnagel" zu sein falls sich kein anderes Institut finde. Wie auch im vergangenen Jahr versicherte er sich öffentlich der Zustimmung seiner Studenten, ohne deren aktive Mithilfe, gerade in der letzten Phase - der Tagung selber - nichts läuft. Ein charmanter Zug. Da Dr. Graefe allerdings Ende Februar 2009 in den Ruhestand tritt/treten muss ist es eine Aufgabe die er damit aber auch seinem Amtsnachfolger als Einstiegsgeschenk übergibt. Hoffen wir auf die Zustimmung der Universität Münster und freuen uns auf einen neuen Ausstragungsort (für die zwei darauf folgenden Jahre gibt es bereits Angebote).

Das Schlusswort gebührt dem anwesenden Doyen, in diesem Falle Prof. Dr. Rolf Gundlach. Der Jubiläumssituation (es war die 40. SÄK) entsprechend berichtete er kurz über Entstehung und Entwicklung der SÄK. Er zog auch Parallelen, befasste sich doch die SÄK in den 70er Jahren intensiv mit der Umsetzung des von der Politik geforderten Magister-Studienganges. Dieser Studiengang wird nun, wiederum auf Anordnung der politisch Verantwortlichen, durch ein BA-/Masterstudium ersetzt. Sein Wunsch, dass die Politik diesmal nicht solange benötige um diese Studiengänge wieder abzulegen bekam stürmischen Beifall.

Mein Dank geht hier neben den offiziellen Organisatoren gerade an all die stillen Helfer im Hintergrund für ihren gelungenen Einsatz.


gez. naunakhte

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Kommentare zu diesem Artikel
naunakhte30.06.2008 um 12:37:42
Am Rande der Tagung hatte man wieder Gelegenheit die zahlreich anwesenden Teilnehmer unseres Forums zu treffen - zum Teil auch erstmalig persönlich kennenzulernen. Ein schöner Nebeneffekt der SÄK. Ich hoffe ihr seid alle wieder gut Zuhause angekommen!

Hemet01.07.2008 um 18:17:36
Ja danke liebe Naunakhte. Auch dafür, dass Du den o.g. Artikel so treffgenau formuliert hast. Es war eine gelungene Veranstaltung und die Würzburger haben das ganz toll gemacht. Schön, dass ich Euch kennenlernen durfte.
Herzliche Grüße Irmi




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