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Ägyptologie Forum >> Pharao & Hofstaat


1) Echnaton
anch am 04.04.2004 um 23:32:02

hi leute!

mich würde mal interessieren was ihr über den pharao echnaton haltet und warum ihr diese einstellung habt?!



2) Re: Echnaton
heka-waset am 04.04.2004 um 23:46:44

Was soll man denn auf diese Frage schreiben Kannst du das mal präzisieren bitte

> Antwort auf Beitrag vom: 04.04.2004 um 23:32:02



3) Re: Echnaton
anch am 04.04.2004 um 23:50:56

ich wüsste halt gerne was ihr denkt?! glaubt ihr er sei ein reformator, ketzer, wahnsinniger oder ein machtsüchtiger gewesen, oder was auch immer!?

> Antwort auf Beitrag vom: 04.04.2004 um 23:46:44



4) Re: Echnaton
manetho am 05.04.2004 um 00:42:39

Machtsüchtig:
sicher nicht mehr, wie jeder andere Pharaoh auch. Wobei Machtsüchtig sehr untreffend ist - er war die Macht. Allerdings sah er sich sicher eher als so etwas wie die Exekutive des Gottes (bei Echnaton speziell des Einen), oder eher noch als sein Mittler an.

Wahnsinniger:
das sicher nicht

Ketzer:
Kommt auf den Standpunkt des Betrachters an. Für seine Anhänger nicht, für viele die nach ihm kamen und seine Veränderungen rückgängig machten sicher ja.
Für mich nicht. Denn - was ist Ketzerei? Nur in andere Richtung denken? Dogmen in Frage stellen? Oder was?

Reformator:
Ja. Denn er veränderte bestehendes.

> Antwort auf Beitrag vom: 04.04.2004 um 23:50:56



5) Re: Echnaton
heka-waset am 05.04.2004 um 17:48:10

Er war sicher ein Despot, er setzte auch sicher Gewalt zur Durchsetzung seiner Interessen ein - die vielen, vielen Soldatendarstellungen in Amarna sprechen eine deutliche Sprache.

Das er ein Reformator war ist unbestritten, allerdings setzte ich seine Leistung nicht so hoch an wie manch anderer, bereits seine Vorgänger legten den Grundstein für die Amarna-Revolution, die keineswegs aus dem "Nichts" kam.

Ein Verrückter? Wer weiß... sicher ein Mensche der seiner Zeit weit voraus war....

Machtmensch? Immerhin erhöhte er den Status des Pharao und seiner Familie in kaum gekanntem Maße...

> Antwort auf Beitrag vom: 05.04.2004 um 00:42:39



6) Re: Echnaton
Seschat am 05.04.2004 um 19:10:55

Da er "kurz" nach seiner Thronbesteigung unglaublichen Stress mit der Amunpriesterschaft hatte, gründete er kurzerhand eine neue Stadt: "Achet-Aton" – quasi aus dem Nichts. Und das sagt - meiner Meinung nach schon unglaublich viel über diesen ungewöhnlichen Pharao aus.
Ich finde ihn nach alldem was ich bislang über ihn erfahren und gelesen habe, sehr faszinierend. Er brach mit Traditionen, koste es was es wolle (?)... Das klassische Jenseits soll er abgeschafft haben. Und gehuldigt wurde nicht mehr in dunklen Tempeln sondern im Freien ...
In meinen Augen war er auch kein Kriegstreiber, er hatte zwar ein Heer, doch im Grunde war er friedliebend und mochte den Krieg nicht. Sein Glaube war ihm das Wertvollste.

> Antwort auf Beitrag vom: 05.04.2004 um 17:48:10



7) Re: Echnaton
manetho am 05.04.2004 um 19:16:02


Zitat:
Er war sicher ein Despot, er setzte auch sicher Gewalt zur Durchsetzung seiner Interessen ein - die vielen, vielen Soldatendarstellungen in Amarna sprechen eine deutliche Sprache


Wieso sicher? Woher, aus welchen Belegen nimmst Du die Sicherheit? Von einigen wenigen erhaltenen Darstellungen, die nichteinmal Gewalt zeigen, kann dies wohl nicht abgeleitet werden. Es lässt sich ja nicht einmal belegen, dass er gewaltsam die frühere Religion bekämpfte, also beispielsweise Tempel niederreißen liess und deren Personal hinrichten liess.



Zitat:
Machtmensch? Immerhin erhöhte er den Status des Pharao und seiner Familie in kaum gekanntem Maße..


Wodurch erhöhte er den Status des Pharaoh und seiner Familie? In Amarna und nur dort uebernimmt Echnaton die Rolle des lebenden Sonnengottes auf Erden (DAS ist aber noch nichts revolutionäres oder absolut neues. Es war auch vor ihm so, dass der Horuspalast der "Ach", also der Horizont des Sonnengottes war.
Neu ist wohl, dass das Familienleben des Pharaoh nun auch bildlich und für alle sichtbar wurde - soll es dies (lediglich nicht so offensichtlich für alle sichtbar) nicht auch vorher gegeben haben. Eigentlich trat doch dadurch eher wieder das Gegenteil ein: er wurde in diesem Punkte wieder menschlicher, näher

> Antwort auf Beitrag vom: 05.04.2004 um 17:48:10



8) Re: Echnaton
Haremhab am 05.04.2004 um 19:20:27

Zitat:

Zitat:
Ein Verrückter? Wer weiß... sicher ein Mensche der seiner Zeit weit voraus war....


Wie kommst Du denn auf die Idee? Und komm mir bitte nicht damit, dass er eine monotheistische Religion geschaffen hätte.

Gruß

Haremhab

> Antwort auf Beitrag vom: 05.04.2004 um 17:48:10



9) Re: Echnaton
manetho am 05.04.2004 um 19:27:02

Du brauchst Echi inzwischen nicht mehr in Schutz zu nehmen, hast ihm schon lange genug gedient.

Es war sicher nur falsch formuliert. Das "seiner Zeit voraus" ist sicher von Heka subjektiv geprägt und ohnehin abhängig vom Standpunkt des Betrachters.
Unbestritten sollte wohl aber sein, dass er für seine Zeit "anders" war, mit traditionellem gründlicher oder radikaler brach.

> Antwort auf Beitrag vom: 05.04.2004 um 19:20:27



10) Re: Echnaton
Nefer-Aton am 05.04.2004 um 19:55:11 - Anhang: strahlen_des_Aton.gif

Hi!

Sicherlich halte ich Echnaton nicht für wahnsinnig - denn er hatte m.E. schon durch seine Erziehung am Hofe von Amenophis III., seinem Vater, die wachsende Einflußnahme und Macht der Amunpriester, die wohl zunehmend ein Staat im Staate zu werden schien, miterlebt. Schon Amenophis III. versuchte dieses zu unterbinden und einzuschränken, indem er dem Sonnenkult eine immer größere Bedeutung gab.

In Heliopolis erhielt Aton als eigenständige Gottheit erstmals einen eigenen Tempel.
(hier muss ich als Quelle leider wieder die besagte Joan Fletscher anführen: Tagebuch eines Pharaos)  
Amenophis III. führte die Taktik zur Destabilisierung der Macht der Amunpriester durch konsequente Förderung des Sonnengottes Re in Form des Aton während seiner Regierungszeit geschickt ein.

Im Gegensatz zu seinem Vater, der den Bruch mit dem mächtigen Amunkult taktisch klug durchführte und die Macht des Pharaos erhöhte, gegen den Willen der Priester, vollführte Amenophis IV. diesen Schritt abrupt und erklärte dem Amunglauben den "Krieg". Aber wir wissen nicht inwieweit er diese "Reformen" aus eigener Antriebskraft oder mit Unterstützung seiner Königin Nofretete vorantrieb.

Meines Erachtens war dieser voreilige Schritt unklug - aber deshalb von einem machtsüchtigen Despot zu sprechen.... Außerdem könnte es sein, dass sich bei ihm die Erkenntnis durchsetzte, dass ein Nebeneinander von zwei starken religiösen Kulten nicht gutgehen konnte und deshalb verbot er den Kult des Amun. (Zunächst bestanden ja in den ersten Jahren seiner Regierung beide Kulte in Karnak nebeneinander!)

Auch andere Pharaonen setzten Gewalt als Mittel zum Zweck ein, das damalige Ägypten war nunmal keine Demokratie!

Außerdem versäumten beide es, an die Zeit der Nachfolge zu denken, denn wenn ein Gott nur durch die Person seines einzigen Priesters zugänglich war, endet sie mit dessen Tod!


Reformator?..Sicherlich richtig....aber ein ungeschickter m. E. - Ketzer? - Was ist ein Ketzer? Auch Galileo Galileis galt als ein Ketzer in den Augen der Kirche!

Echnaton war sicherlich kein hartherziger,knallharter, machtlüsterner Mensch - dagegen stehen die vielen innigen Familienszenen und die Trauerszenen bei dem Tode seiner Töchter. Er war fähig Gefühle darzustellen und auszuleben.

Der Ausdruck "übermotiviert" in seinem Glauben oder wegen seiner Hingabe zu seinem Gott "den Blick fürs Wesentliche"   verloren kommt mir dabei in den Sinn? Denn schließlich ist ein Pharao nicht nur "Mittler" oder Exekutive des Gottes - sondern ist auch verantwortlich für die Sicherheit des Staates und des Wohles seiner Bewohner.

Außerdem hat seine neue Art der Darstellung die Kunst in Ägypten von Grund auf verändert und auch die Macht der Amunpriester ist nie wieder so dominant geworden wie vor seiner Regierung. - Also war er doch im großen und ganzen ein Reformator!!

Meine Erklärung ist leider etwas lang geworden - war eigentlich nicht meine Absicht - aber ich trage ja den Namen "Aton" in meinem Namen!  

Nefer


> Antwort auf Beitrag vom: 04.04.2004 um 23:50:56



11) Re: Echnaton
Tawabet am 05.04.2004 um 22:39:18

Liebe Nefer-Aton,


Zitat:
Echnaton war sicherlich kein hartherziger,knallharter, machtlüsterner Mensch - dagegen stehen die vielen innigen Familienszenen und die Trauerszenen bei dem Tode seiner Töchter. Er war fähig Gefühle darzustellen und auszuleben.


Sicher würden die Männer auf den folgenden Fotos auch niemandem etwas zu Leide tun, oder?










Tut mir leid, wenn das jemandem zu krass ist, ich wollte nur zeigen, daß man von Bildern nicht unbedingt auf die Realität schließen darf.

Tawabet

> Antwort auf Beitrag vom: 05.04.2004 um 19:55:11



12) Re: Echnaton
heka-waset am 05.04.2004 um 23:23:43

Danke Tawa, genau das meine ich! Echnaton war bestimmt nicht der verträumte, nette Pharao, der in seiner Traumstadt saß. Er musste wohl oder übel gewalttätig sein um seine Religion durch zu setzen.

Und noch mal zur Erhöhung des Status des Königs: Wer die Amarna-Theologie kennt weiß, dass König, Königin und königliche Familie innerhalb der Theorie die Dreiheit Atum/Tefnut/Schu ersetzt und die königliche Familie auf den Darstellungen die Götterkonstellationen ersetzt.

Pharao ist persönlicher Gott des Einzelnen - eine solche Art der Verehrung des Königs findet sich sonst nicht in der ägyptischen Religion

> Antwort auf Beitrag vom: 05.04.2004 um 22:39:18



13) Re: Echnaton
amenophis am 06.04.2004 um 01:25:22

Hallo,
ich habe Eure interessanen Beiträge zu Echnaton gelesen. Auch ich beschäftige mich schon einige Zeit mit ihm und seinem Umfeld. Bei allem was gesagt oder besser geschrieben wurde möchte ich mich der Meinung manethos anschließen.
Echnaton als Person zu bewerten ist sehr schwer. Ich bin schon froh darüber, daß ihm niemand einen kranken Geist oder Körper unterstellt. Denn alle Interpretationen gehen auf Bildwerke - ggf idealisierte Bildwerke für die jeweilige Zeit zurück. Seinen Körper hat man ja noch nicht gefunden. Wie auch immer. Ich denke, daß es richtig ist davon auszugehen, daß Echnaton zunächst sehr unter dem Einfluß seines Vaters stand, der sich in Malqatta nieder lies und nicht wie sonst üblich Wohnung in der nähe der Tempel bezog. Darüber erfuhr Echnaton wie sich sein Vater in sehr geschickter Weise von der Amunpriesterschaft zu lösen versuchte. Das alles nahm einen gewissen Einfluß auf ihn. Zu seinem Regierungsantritt stand noch die ebenso starke Teje seine Mutter an sseiner Seite auch durch sie wurde er meiner Meinung nach weiterhin beeinflußt. Alle Richtungen die nun mit dem Glauben oder der Religion zusammen hängen beruhen bei den Ägyptern auf einer gewissen "Logik" die sie sich erschufen und einer gehörigen portion Naturbeobachtung. Warum soll es also so nicht auch bei Echnaton gewesen sein, gepaart mit den starken Einflüssen seiner Eltern. Wer schon einmal in der Nähe von Amarna einen Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang erleben durfte, der wird sich dabei erwischt haben wie er begann philosophischen Gedanken nach zu gehen. Und Echnaton ? Warum soll er nicht einfach ein Mensch gewesen sein, der einer Philosophie nach ging, die für ihre Zeit noch etws zu früh war. Der Ägypter konnte und wollte diesem Wandel nicht folgen. Tatsache sind Familiendarstellungen, die eine ehrliche Offenheit zeigen. Die stereotypen Darstellungen aus der Zeit davor und danach haben solche Darstellungen nicht mehr hervor gebracht. So kann es doch durchaus sein, daß aus der Idee heraus Ängste zu nehmen begonnen wurde Ägste aufzubauen ohne daß diese als machtinstrument genutzt werden sollten.
Soweit erst mal meine Stellungnahme. Eigentlich könnte ich noch viel mehr dazu sagen aber dazu reicht der Platz hier nicht ganz aus.
Liebe Grüße Amenophis

> Antwort auf Beitrag vom: 05.04.2004 um 23:23:43



14) Re: Echnaton
Nefer-Aton am 06.04.2004 um 16:57:17

Hi Amenophis!

Danke für deinen überaus konstruktiven Beitrag!  
So gut hätte ich es nicht formulieren können - aber es ist genau das, was ich meinte.

Meine Formulierung zu seiner Fähigkeit, Gefühle darzustellen - war vielleicht etwas unglücklich gewählt -aber es sind keine Daten überliefert, ob er "privat" hartherzig, gewalttätig oder machtlüstern war,(diese Charakterisierung könnte man im übrigen bei einigen Pharaonen anwenden!)ebensowenig wie wir nicht wissen, inwieweit wirklich brutale Gewalt angewandt wurde gegen die Amunpriester und den Amunkult!

@ Tawabet: Natürlich weiß ich, dass von der propagandistischen Darstellung der obigen Personen mit ihren Angehörigen nicht auf eine Charakterisierung als "guter Mensch" zu schließen ist, der keiner "Fliege was zuleide tun kann"
Wie gesagt,er war m. E. kein Mensch, der seine Reformen "durch die Hintertür" einbrachte, wie vielleicht sein Vater Amenophis III. in Bezug auf die Machtbeschneidung der Amunpriester, sondern fällte seine Entscheidungen wahrscheinlich notwendigerweise sofort und "einschneidend"!

@ heka-waset: Niemand hat gesagt, dass Echnaton ein "verträumter,netter Pharao" war, der in seiner Traumstadt Achet-Aton saß und seinen religiösen Gedanken nachhing! Ich bin sicher, dass er fähig war, abzuschätzen, welche Auswirkungen seine Reformen hatten,vielleicht war aber die Zeit und auch das Volk noch nicht "reif" für die Idee eines einzigen Gottes oder nicht/noch nicht bereit oder auch willens - wie auch immer - seine Philosophie zu folgen.
Auch der Zeitfaktor spielt hier vielleicht eine Rolle - wie wäre es geworden, wenn ihm 50 oder 60 Jahre Regierungszeit gegeben wären, wie etwa Ramses II.?

@ Amenophis: Deine Gedanken zu der philosoph. Wirkung der Naturbetrachtung in Bezug auf Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge bei Armarna finde ich beachtenswert!  

Aber man bedenke, alles was wir hier in die Person und den Charakter von Echnaton hineininterpretieren ist Spekulation!

Ich finde die "Amarna-Epoche" hatte gesamt gesehen auf Ägypten - auch in Hinsicht auf Kunst und Literatur - keineswegs nur negative Auswirkungen!

Nefer

> Antwort auf Beitrag vom: 06.04.2004 um 01:25:22



15) Re: Echnaton
manetho am 07.04.2004 um 09:42:32

Fuer die Schliessung des Karnak-Tempels kenne ich keine Belege. Man schließt dies lediglich aus Tutanchamun's "Restaurationsstele", in der gesagt wird "die Tempel waren geschlossen und die Gotteshaeuser waren zu Ruinen geworden". Allerdings ist dies lediglich ein gängiges literarisches Topos und muss deshalb keinen realen Hintergrund haben.

Eine zweite Folgerung: Der Hohepriester von Karnak wird "in die Wueste geschickt".
Wer aber kann belegen, das dies eine Verbannung oder Amtsenthebung war? Der Hohepriester Mai wird tatsächlich in die Steinbrueche geschickt. Aber das Datum ist unsicher! Es könnte nämlich auch das frühe Jahr 4 gewesen sein.

(Siehe dazu: Goyon G., Nouvelles Inscriptions rupestres du Wadi Hammamat, Paris 1957, S. 25 Nr. 90;
Redford D.B., in: JAOS 83 (1983), S. 240f.;
Hikade T., Das Expeditionswesen im  ägyptischen Neuen Reich, in: SAGA 21 (2001); Nr. 98 (=G 90 [Goyon G., Ouadi Hammamat, Pl. XXV]); Name: May: Titel: Hm-nTr tpj n Jmn; Dat.: Jahr 4, III. AXt, Tag 10; Nr. 99 (= 91); Gleiche Expedition)

Man kann vermuten, dass der Auftrag dieser Expedition die Beschaffung von Steinen fuer den Nordtempel des Re-Harachte des Echnaton in Karnak war, bis zum Umzug nach Armana die thebanische Großbaustelle. Demnach sollte Echnaton sogar eher noch daran interessiert gewesen sein, dass diese Expedition schnell zurueckkommt. An der administrativen Zusammensetzung dieser Expedition ist nichts ungewöhnlich. Sie wird von mehreren Beamten aus Achmim und Memphis begleitet, die ja üblicherweise solche Aktionen durchfuehren

(siehe dazu: Hikade T., Das Expeditionswesen im  ägyptischen Neuen Reich, in: SAGA 21 (2001); Nr. 100 (=93); Genannte Titel: jmj-ra nw.w HAs.t; Name: anx.w Mn.w-nxt).

> Antwort auf Beitrag vom: 06.04.2004 um 16:57:17



16) Re: Echnaton
Ti am 07.04.2004 um 18:58:08

Hallo manetho,

war es denn üblich, den Hohepriester eines Tempels als Expeditionsleiter zur Materialbeschaffung loszuschicken?

Zu Echnaton etwas Persönliches zu sagen, ist außerordentlich schwierig und außerordentlich verlockend. Man verfällt so leicht in eine Art Paläopsychologie. Es läßt sich gerade dadurch, daß er eben "anders" war, trefflich in alle Himmelsrichtungen spekulieren. Das Problem wäre, wenn ich jetzt damit anfange, höre ich so schnell nicht mehr auf. Und das kann ich hier keinem zumuten.



Liebe Grüße Ti

> Antwort auf Beitrag vom: 07.04.2004 um 09:42:32



17) Re: Echnaton
manetho am 09.04.2004 um 16:58:00

Es war zumindest nicht ungewöhnlich.
Etwas lax könnte man sagen: Je wichtiger der Auftrag, desto höher der Dienstgrad des Expeditionschefs

> Antwort auf Beitrag vom: 07.04.2004 um 18:58:08



18) Re: Echnaton
Geistsucher am 14.02.2007 um 12:03:05

Das Rätsel Echnaton.
Mir kommt er einerseits "total ägyptisch", andererseits "total unägyptisch" vor.

Weiß jemand eine Antwort auf die Frage, warum er die anderen Götter [dann vollends] verboten hat ?

(Wer oder) was war der Grund für seine "Wandelung" ?

Geistsucher

> Antwort auf Beitrag vom: 09.04.2004 um 16:58:00



19) Re: Echnaton
naunakhte am 14.02.2007 um 21:56:07

Alle Antworten auf diese Frage wären reine Spekulation.

> Antwort auf Beitrag vom: 14.02.2007 um 12:03:05



20) Re: Echnaton
Amun-_Re am 14.02.2007 um 22:43:34

Hallo Geistsucher,
sind nicht, laut Jahn Assman, alle "anderen" Götter Erscheinungsformen des Sonnengottes Re. Es handelt sich hier seiner Meinung nach um eine Art "Monotheismus". Das Achenaton auf einmal diese Erscheinungsformen auf Aton beschränkt kommt meiner Meinung nach einer Reformation gleich. Im Christentum hat schliesslich Dr. Martin Luther auch eine Reformation gestartet die, unter anderem, eine Anbetung von Heiligen Märtyrer und Maria untersagt. Denn in der Bibel steht geschrieben "...neben mir gibt es für dich keine anderen Götter" 2. Buch Mose Exodus die Zehn Gebote. Ich möchte hier nicht die Katholischen Leser in ihren religiösen Gefühlen verletzen. Aber der Vergleich ist nicht schlecht.

Gruß Amun- Re

> Antwort auf Beitrag vom: 14.02.2007 um 12:03:05



21) Re: Echnaton
Mubarek am 14.02.2007 um 23:27:08

@Ti:

Sehr ausführlich wird dieses Thema von Eichler behandelt:

Eichler, Eckhard; Untersuchungen zum Expeditionswesen des ägyptischen Alten Reiches; Göttinger Orientforschungen; IV. Reihe: Ägypten, Band 26; Harrassowitz Verlag 1993.

Die im Alten Reich gelegten Grundlagen des Expeditionswesens sind auch in den folgenden Zeitabschnitten beibehalten worden.


@ Amun-Re:

Deutlicher als Assmann gibt Hornung der göttlichen Erscheinungsvielfalt Transparenz:

Hornung, Erik; Der Eine und die Vielen - Ägyptische Gottesvorstellungen; Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1971


@ Amun-Re:
Luther war nicht der erste Vertreter reformatorischen Gedankengutes. Als ersten Reformator betrachtet die moderne Theologie Marcion von Sinope, der 144 wegen Häresie aus der Römischen Kirche ausgeschlossen wurde. Luther hat zum Teil auf dessen Schriften zurückgegriffen.


> Antwort auf Beitrag vom: 14.02.2007 um 22:43:34



22) Re: Echnaton
Iufaa am 15.02.2007 um 10:18:37

Hi Amun_-Ra,

das war die Frage.

Zitat:
Weiß jemand eine Antwort auf die Frage, warum er die anderen Götter [dann vollends] verboten hat ?

Herr Assmann - und andere mehr -  mögen mehr oder weniger zutreffende Vorstellungen haben, was damals abgelaufen ist.

Warum Echnaton genau dies oder jenes getan hat, kann man allerdings nur vermuten und nicht wissen - es sei denn, jemand findet endlich mal Echnatons Tagebuch.
Über Intentionen historischer Personen kann man nur spekulieren, und mit genügend Quellenstudien auch mehr oder weniger wahrscheinliche Aussagen machen, wissen kann man da nix - auch nicht mit Hilfe Luthers.

Iufaa

> Antwort auf Beitrag vom: 14.02.2007 um 22:43:34



23) Re: Echnaton
Ti am 07.03.2007 um 11:20:58

Huch, ich hätte nicht gedacht, daß dieser thread noch einmal aufgewärmt würde.  

@Mubarek:

Ganz lieben Dank für den Literaturtip.   Ich hoffe, ich bekomme das Buch über Fernleihe.

Daß jetzt auch noch der arme Luther mit in die Diskussion gezogen wurde, lenkt von der Sache m. E. eher ab, als daß sie diese weiterbringt (sofern das überhaupt noch möglich ist). Die Voraussetzungen Luthers (historisch und persönlich) waren denen Echnatons völlig entgegengesetzt. Wie immer man das, was Echnaton getan hat, auch nennen mag (Revolution, Reformation (was wörtlich Rückformung bedeuten würde und davon kann ja nun wirklich keine Rede sein - oder Ketzerei), Tatsache ist, es kam aus der obersten Machtetage und nicht von "einem Mann aus dem Volke".

Liebe Grüße Ti

> Antwort auf Beitrag vom: 15.02.2007 um 10:18:37



24) Re: Echnaton
Merienptah am 15.03.2007 um 00:24:36

Hallo ihr...

Interessant was man hier so alles für Meinungen über Echnaton zu lesen bekommt.
Allerdings muss ich meinen Vorrednern damit Recht geben dass alles was die Beurteilung der Persönlichkeit Echnatons betrifft reine Spekulation ist. Soweit ich weiss ist kein Tagebuch von ihm gefunden worden...  

Fest steht nur dass er viel in seinem Land verändert hat.
Ob mit oder ohne Unterstützung des Volkes steht auf einem ganz anderen Blatt.
Und ob man seine Veränderungen (oder Reformen) nun gut oder schlecht heissen soll weiss ich auch nicht so recht.

Dass er (wie auch schon vor ihm sein Vater Amenophis III.) die enorme Machtfülle der Amunpriester beschneiden musste steht ausser Frage, da sie m.E. die Position des Pharao schwächten und zu viel Einfluss auf die Regierung ausüben wollten. Irgendwann (wohl in seinem vierten Jahr) muss es dann zu einem Eklat gekommen sein, der ihn dazu veranlasste den Hof aus dem Einflussbereich der Amunpriester heraus nach Achetaton zu verlegen. Dies muss dann wohl die angespannte Lage eher noch verschlechtert haben, was meiner Meinung nach zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen geführt hat in denen sich das Land in zwei Lager spaltete.
Wie gesagt, meine Meinung   Kann ich nicht beweisen, ist nur meine Interpretation der Geschichte.

Allerdings ist er dann m.E. nach zu weit gegangen in dem er den Kult des Amun und aller Götter die eng mit dessen Kult verbunden waren verbot. Soweit ich weiss ist er nicht mit allen Göttern so streng verfahren. (In Amarna wurden auch Statuetten der sagen wir mal zweitklassigen Götter Bes und Thoeris gefunden - die es ja bei einer rein monotheistischen Aton-Lehre gar nicht hätte geben dürfen!)

Dass er seine Reformen auch mit Gewalt durchsetzte oder durchsetzen musste ist m.E. nur die logische Schlussfolgerung. Da kann ich nur die häüfigen Darstellungen von Soldaten auf Grabreliefs in Amarna als Beweismittel anführen, die auf Darstellungen anderer Zeiten fehlen.

Ob das jetzt für Echnaton als einen Despoten spricht oder nur der Ausdruck eines erhöhten Sicherheitsbedürfnisses der königlichen Familie durch die schon beinahe extreme Nähe zum Volk ist, bleibt der Interpretation jedes einzelnen überlassen.
Es gibt schliesslich auch keine Aufzeichnungen darüber was das Volk dachte...

So das wars erstmal. Konnta ja gar kein Ende finden.

Gruss Merienptah

> Antwort auf Beitrag vom: 07.03.2007 um 11:20:58



25) Re: Echnaton
Mubarek am 15.03.2007 um 16:25:10

@ Merienptah:

Eine mit 7,50 Euro sich für Dich sicher lohnende Investition:

Schlögl, Hermann A.; Echnaton - Amenophis IV. Echnaton; Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg,
6. Auflage 2004.
ISBN 3 499 50350 6

> Antwort auf Beitrag vom: 15.03.2007 um 00:24:36



26) Re: Echnaton
Merienptah am 15.03.2007 um 19:51:27

@Mubarek

Sollte ich mir mal zu Gemüte führen.

Aber ist meine Sicht der Dinge falsch?

Gruss
Merienptah

> Antwort auf Beitrag vom: 15.03.2007 um 16:25:10



27) Re: Echnaton
Mubarek am 16.03.2007 um 09:51:54

Meinungen sind nicht nur eine sehr individuelle Angelegenheit, sonden auch eine sehr wacklige, nämlich immer dann, wenn sie nicht durch Beleg gestützt werden.
Darüber hinaus sind Meinungen ohne greifbaren Informationsgehalt überflüssig, insbesondere bei in die Breite gehender Präsentation.
Bezüglich Echnaton noch eine Literaturempfehlung:

Krauss, Rolf; Das Ende der Armarnazeit; Hildesheimer Ägyptologische Beiträge 7; Gerstenberg Verlag Hildesheim 1978

> Antwort auf Beitrag vom: 15.03.2007 um 19:51:27



28) Re: Echnaton
Lutz am 16.03.2007 um 10:52:16

Hallo zusammen,

Zitat:
Meinungen sind nicht nur eine sehr individuelle Angelegenheit, sonden auch eine sehr wacklige, nämlich immer dann, wenn sie nicht durch Belege gestützt werden.

womit wir wiedereinmal bei der inhaltlichen Ausrichtung unseres Forums wären ...  

Zitat:
Dass er (wie auch schon vor ihm sein Vater Amenophis III.) die enorme Machtfülle der Amunpriester beschneiden musste steht ausser Frage, ...

Das dies " ausser Frage steht " wäre mir neu. Könntest Du das bitte anhand archäologischer Befunde näher erläutern ?

Zitat:
Allerdings ist er dann m.E. nach zu weit gegangen in dem er den Kult des Amun und aller Götter die eng mit dessen Kult verbunden waren verbot.

In welchem Dokument / Text aus der Zeit Echnatons wird der Kult des Gottes Amun verboten ?

Zitat:
Dass er seine Reformen auch mit Gewalt durchsetzte oder durchsetzen musste ist m.E. nur die logische Schlussfolgerung. Da kann ich nur die häüfigen Darstellungen von Soldaten auf Grabreliefs in Amarna als Beweismittel anführen, die auf Darstellungen anderer Zeiten fehlen.

Um die immer wieder gern als Beleg für polizeistaatliche Verhältnisse unter Echnaton angeführten Darstellungen in den Gräbern von Amarna wirklich beurteilen zu können müsste man vergleichbare Darstellungen (König und Familie bewegen sich " frei " zwischen ihren Untertanen) aus anderen Epochen der ägyptischen Geschichte kennen.
Dies ist jedoch, m.W., leider nicht der Fall.

Darum halte ich jede Wertung der Präsenz " bewaffneter Organe " bei solchen Anlässen für rein spekulativ.

Gruß, Lutz.

> Antwort auf Beitrag vom: 16.03.2007 um 09:51:54



29) Re: Echnaton
Geistsucher am 02.02.2008 um 19:45:50

... Hat hier eine Profanisierung und Materialisierung /
Abstrahierung des Sonnengottes hin zur bloßen "Scheibe"
stattgefunden ?

> Antwort auf Beitrag vom: 16.03.2007 um 10:52:16



30) Re: Echnaton
Geistsucher am 20.09.2015 um 08:40:48

Hallo nochmals !

Klären wir noch das Problem von vor sieben Jahren:

Die von Echnaton gemachte „mosaische Unterscheidung“ (Jan Assmann) „Götter sind Nichtse“ führte zu exakt derjenigen verkehrten Welt, vor der ihn seine heidnischen Vorfahren explizit gewarnt hatten !

Schöne Grüße von Geistsucher

> Antwort auf Beitrag vom: 02.02.2008 um 19:45:50



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