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Abusir (Ort, Pyramiden)
Saqqara (Ort)
Nekropole
Abydos (Ort)
Apries (König, 26. Dyn)
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  Armee
Im Alten Reich gab es noch kein stehendes Heer, vermutlich gab es aber bereits eine königliche Leibwache. Die Aushebung von Truppen diente meist der Durchführung von Steinbruch- und Handelsexpeditionen oder Bauvorhaben, größere Feldzüge waren relativ selten. So schildern Inschriften in der Grabkapelle des Weni in Abydos (um 2300 v.u.Z.) den Palästinafeldzug einer Armee von "Zehntausenden von Einberufenen", die der König von den verschiedenen Gaufürsten eingefordert hatte.

In den Inschriften des Uni ist erkennbar, dass die ausgehobenen Leute unter dem Kommando des Beamten standen, unter dem sie auch sonst arbeiteten. Da die meisten Ägypter damals auf Gütern in Arbeitertrupps organisiert und namentlich in Listen der Zentralverwaltung erfasst waren, ließen sich solche Aushebungen sehr leicht realisieren. Grundsätzlich waren alle Personen dieser Aushebung unterworfen, erst Ende des Alten Reiches gab es Dekrete, die besonders Angehörige von Götter- und Totentempel der Könige davon ausnahmen.
Für die Durchführung der Steinbruch und Bauarbeiten bestand eine eigene Verwaltung. Unter den "Siegler der beiden großen Flotten des Gottes" standen als eigentliche Expeditionsleiter "Gottessiegler", die sich gleichzeitig auch "Heeresvorsteher" nannten. Ihnen unterstanden die "Abteilungsführer", gleichzeitig als Vorsteher der Steinbrucharbeiten bezeichnet. Die Abteilungen scheinen dann mehrere Schiffe umfaßt zu haben.
Bei Expeditionen wurden weiter die Milizen ausgehoben, wobei jetzt die oberste Leitung beim Schatzmeister lag, während die eigentliche Leitung von Beamten der Schatzhausverwaltung oder der des königlichen Besitzes wahrgenommen wurde.
Die Einteilung der Arbeitertruppe ist in der Sinai-Inschrift Nr. 85 ersichtlich: Die dort aufgebotenen 100 Mann sind in Gruppen zu je 10 eingeteilt, wobei der erstgenannte der Gruppenführer ist. Je 5 solcher Gruppen bilden eine "Hälfte" - der Gruppenführer der 1. Gruppe der zweiten Hälfte ist zugleich Leiter der ganzen Hälfte, während der Gruppenführer der 1. Gruppe als "General" zugleich alle 100 Mann führt. Diese Milizen bestanden im Neuen Reich weiter, hatten jedoch dann keine militärischen Aufgaben mehr, sondern dienten dann hauptsächlich Steinbruchunternehmungen.

Erst die inneren Auseinandersetzungen der 1. Zwischenzeit lassen ein Heer entstehen. Scheinbar haben hier Gaufürsten eigenen Truppen rekrutiert. Die nubischen Feldzüge der frühen 12. Dynastie sind vermutlich von Verbänden solcher lokalen Einheiten durchgeführt worden. Der Bau großer Festungen und Garnisonen unter Senweseret III. (1874-1855 v.u.Z.) sowie die Beschneidung der Macht der Provinzen forderte jedoch die Bildung einer "nationalen" Armee.
Ende des Mittleren Reiches werden zahlreiche neue Waffentypen eingeführt, beispielsweise der Kompositbogen oder der Streitwagen. Dies ist ohne eine Spezialisierung und Berufssoldatentum nicht mehr zu beherrschen, eine militärische Organisation und Hierarchie entwickelt sich. Es entstanden "Rückwärtige Dienste", da dieses Heer ohne eine gute Infrastruktur nicht mehr zu führen und zu versorgen war. Aus Textquellen wie den "Berichten aus Semna" geht hervor, dass diese Infrastruktur mit Bürokraten und Schreiber bereits recht gut ausgebaut war.
"Frontoffiziere" treten aus der Masse der Militärbeamten im Neuen Reich kaum noch hervor, das Ansehen der kämpfenden Truppe einschließlich seiner Offiziere war relativ gering. Und dies trotz königlicher Belohnungen für hervorragende Heldentaten in Form von Edelmetall ("Ehrengold"), Landbesitz oder Schenkung von Sklaven in der 18. Dynastie Militärbeamte gewinnen besonders in der späten 18. Dynastie bedeutenden politischen Einfluß. Sie widmen sich besonders der Organisation des Heeres und überlassen den Kampf oft auslädischen Söldnern. Nubier und Lybier wurden bereits im Alten Reich eingesetzt, im Neuen Reich kommen Neger, syrische Hilfstruppen und Seevölker, in der Spätzeit Juden und Griechen dazu. Hier bilden die Ausländer selbständige Einheiten, ihre höheren Offiziere sind aber Ägypter.

Die Armee des Neuen Reiches bestand aus Berufssoldaten, die in Friedenszeiten auf die Garnisonen in Oberägypten und Unterägypten, Nubien und Asien verteilt waren. Für größere Feldzüge nach Asien, Mitanni oder zur Niederschlagung von Aufständen ergänzte man das Heer durch ein Zehntel der Wehrfähigen aus den Tempeln.
Die Infanterie (mnf't) war in Kompanien (Phylen) zu 200 bis 250 Soldaten in 20 Zügen eingeteilt. Aus diesen Kompanien setzte sich eine Division mit 5000 Mann zusammen, die unter dem Banner einer lokalen Gottheit stand.
Kompanieführer hatten den Rang eines "Bannerträgers", etwa eines Hauptmann. Er trug als äußeres Zeichen einen Stab mit dem Kompaniezeichen.
Eine Division wurde von einem "Truppenvorsteher" befehligt. Die Divisionen waren jeweils nach einem Gott benannt. In ramessidischer Zeit gab es die Divisionen "Amun", "Re", "Ptah" und "Seth".
Die Gleichsetzung der ägyptischen Dienstgrade mit den heutigen ist etwas problematisch. Der Divisionskommandeur ist etwa mit einem General vergleichbar. Der höchste Titel, etwa der eines Armeeoberbefehlshaber, war der Titel eines "Obersten Truppenvorstehers" oder "Generalissimus", der im Neuen Reich i.d.R. von einem Kronprinzen getragen wird.

Nach der Hyksoszeit werden in der ägyptischen Armee selbständige "Wagentruppen" aufgestellt. Streitwagentruppen wurden in Einheiten zu 50 Wagen zusammengefasst, befehligt durch einen "Stallvorsteher", etwa einem Major. Einheiten aus mehreren Streitwagengruppen wurden durch einen "Pferdevorsteher", etwa ein Oberst oder Generalleutnant, befehligt.
Die Streitwagen des Neuen Reiches waren sehr leicht gebaut und wendig. Sie dienten weniger dem Schutz seiner Besatzung als vielmehr der Flexibilität und Schnelligkeit im Einsatz. Ein Wagen war mit zwei Mann besetzt, dem Kämpfer, dem der Wagen gehörte (snn) und dem Fahrer (ktn). Der Wagenlenker war nicht bewaffnet, aber durch Leder- oder Bronzehelm und Brustpanzer geschützt. Der Wagenkämpfer war mit Pfeil und Bogen sowie mit Wurfspeer bewaffnet.
In der Infanterie bestand die Bewaffnung aus Wurfspeeren, Dolchen und kurzen Krummsäbeln, die Rüstung beschränkte sich auf gepolsterte Kappen, ovalen Schilden aus Häuten und dreieckigen Felltaschen.
Die gefürchtesten Einheiten waren die Bogenschützen. Sie wurden als eigenständige Bataillone eingesetzt oder waren auch Infanterieeinheiten zugeordnet. Ihre Waffen war im Neuen Reich der Kompositbogen.
Die Militärtaktik ist relativ unklar, die Kampfweise muss aber recht geordnet und auch relativ offensiv gewesen sein. Bei Schlachtordnungen wurde schon in Zentrum und Flanke unterschieden.
Belagerungen gehörten nicht zur Stärke der Armee, hier wurde recht passiv vorgegangen. Eine Belagerung gelang in der Regel erst, wenn sich die Belagerten ausgehungert ergaben. Belagerungsturm und Rammbock wurde erst in der Spätzeit aus Asien übernommen.

Die Versorgung der Truppe unterstand zwei "Heeresstellvertretern", die Aushebung von Truppen während des Neuen Reiches sowie der Küstenschutz war Aufgabe der "Rekrutenschreiber".

Die ägyptische Flotte, deren Flußschiffe sich beispielsweise in den Kämpfen gegen die Hyksos bewährt haben, operierte immer in engem Zusammenwirken mit Landtruppen.

Eingestellt durch: manetho (10.09.2003)
Bearbeitet durch: -
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