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   Hungersnot-Stele (3)
  Autor/in  Thema: Hungersnot-Stele
otto  
Member

  

Hungersnot-Stele 
« Datum: 17.03.2020 um 11:42:01 »   

Hallo Lutz,

Ich lese gerade Maria Carmela Betro "Heilige Zeichen", und die schreibt s. S. 84:

Zitat:
Auf diese Insel, (verm. Elephantine) auf der Nähe des ersten Nilkataraktes hatte Chnum das berühmteste Kulturzentrum; hier lenkte der Gott die Überschwemmungswasser und konnte, wie die ptolemäische Hungersnot-Stele erzählt, nach seinem Gutdünken intervenieren, um den sieben schmerzlichen Hungerjahren eine Ende zu setzen.

Ich mußte da natürlich sofort an Dein Diktum denken:

Zitat:
" Weder ein in dieser Sammlung [Fünf Bücher Mose] beschriebenes Ereignis noch eine der handelnden Personen sind durch externe Quellen zu belegen. "

Nun sind sieben Hungersjahre derselbe Topos wie in der Josephsgeschichte. Die Autorin schrieb, die Stele stamme aus ptolemäischer Zeit. Ist es denn nicht verwegen anzunehmen, die Chnum-Pristerschaft beruft sich - den eventuell bekannten - LXX Text? Ich denke auch, daß es genauso verwegen ist, anzunehmen, die Priesterschaft habe sich diese sieben Jahre ausgedacht, um Ansprüche zu untermauern. Sie hätten dann auch 8 oder 5 nehmen können. Wenn die Inschrift echt ist, denke ich, die Priesterschaft beruft sich dort auf ein Ereignis, eine wirklich im historischen Gedächtnis der Ägypter verankerten Hungerzeit. Man darf sich Priester nicht ständig als Betrüger denken.

Mal angenommen, es gab in der langen Geschichte wirklich eine 7-jährige Hungersnot. Das beweist ja noch lange nicht, aus ägyptologischer Sicht, die Existenz einer Gestalt namens Joseph, stattet aber doch die dort geschilderten Ereignisse zumindest  mit einem kleinen Bischen Mehr an Wahrscheinlichkeit aus. Wie siehst Du diese Sache?
« Letzte Änderung: 17.03.2020 um 11:52:04 von otto »
Lutz  maennlich
Member

  

Re: Hungersnot-Stele 
« Antwort #1, Datum: 17.03.2020 um 14:50:46 »   

Francis Amadeus Breyer : Ein aramäisches Lehnwort für 'Katarakt' in der Beschreibung Elephantines auf der Hungersnotstele und Überlegungen zur Datierung derselben anhand der Nennung eines meroitischen Funktionärs. - In: Egyptian and Semito-Hamitic (Afro-Asiatic) Studies in Memoriam W. Vycichl. - Leiden / Boston : Brill, 2004. - S. 13 - 32 :
Zitat:
Seite 17: ... Grundvoraussetzung für die folgenden Überlegungen ist die Datierung der Hungersnotstele in die Ptolemäerzeit und die Tatsache, daß seit der Perserherrschaft auf Elephantine ein aramäisch sprechender Bevölkerungsteil nachzuweisen ist.

Was liegt da näher, als bei einem unverständlichen Wort mit Elephantine im Kontext an das Aramäische zu denken. Die Inschrift gibt uns geradezu die Lösung vor, heißt es doch über grf 3bw : xr=tw r=f  "sagt man dazu" und mit "man" werden sicherlich die Bewohner der Insel, d.h jene aramäisch sprechenden Juden gemeint sein. ...

Seite 30-31: ... Aus dieser Warte besehen, war der Zweck der Hungersnotstele die Bekräftigung meroitischer Ansprüche auf den Dodekaschoinos. Vielleicht erklärt sich dadurch die geringe Qualität des Textes.

Als Autor des Textes käme so kein gut ausgebildeter königlicher Schreiber in Betracht, sondern nur ein wenig versierter Verfasser aus der Umgebung, möglicherweise mit aramäischem Hintergrund.



Carsten Peust : Hungersnotstele. - In: Texte aus der Umwelt des Alten Testaments - NF 1 : Texte zum Rechts- und Wirtschaftsleben. - Gütersloh : Gütersloher Verlagshaus, 2004. - S. 208 - 217 :
Zitat:
Seite 212 : ... C. H. Gordon (Sabbatical Cycle or Seasonal Pattern? in: Orientalia 22 [1953] 79-81) bestreitet schließlich überhaupt einen direkten Zusammenhang. Er führt mehr oder weniger klare weitere Belege für siebenjährige Hungersnöte aus mesopotamischen und ugaritischen Quellen an und schließt daraus, daß es sich um ein gemeinaltorientalisches Motiv handele. ...



Nach wie vor gilt : " Weder ein in dieser Sammlung [Fünf Bücher Mose] beschriebenes Ereignis noch eine der handelnden Personen sind durch externe Quellen zu belegen. ".
« Letzte Änderung: 17.03.2020 um 22:17:21 von Lutz »
> Antwort auf Beitrag vom: 17.03.2020 um 11:42:01  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Hungersnot-Stele 
« Antwort #2, Datum: 19.03.2020 um 16:33:54 »   

Hallo,

die von Lutz zitierte Übersetzung von Carsten Peust gibt es online, und zwar hier. Sie enthält weitere Hinweise auf die bisherigen Diskussionen zur Stele und zu ihrer Datierung.

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 17.03.2020 um 14:50:46  Gehe zu Beitrag
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