Ägyptologie-Blatt

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Ständige Ägyptologen-Konferenz (SÄK) in Mainz (1)
Ein Veranstaltungsbericht - Teil 1
Von Gitta am 12.07.2004 um 18:29:33 

Von 09. bis 11.07.2004 fand die diesjährige Ständige Ägyptologen-Konferenz (SÄK) statt - dieses Mal in Mainz. Die Gastgeberrolle hatte das Institut für Ägyptologie und Altorientalistik der Johannes Gutenberg-Universität übernommen und die Organisation ließ aus meiner Sicht nichts zu wünschen übrig.

Gleiches lässt sich leider von der Deutschen Bahn nicht sagen. Durch einen Oberleitungsschaden in Berlin hatten einige Gäste Mühe, rechtzeitig in Mainz zu erscheinen und waren deshalb nicht in der Lage, in den Genuss der Eröffnungsvorträge zu kommen. Das gesellige Beisammensein am Eröffnungsabend (Foto) entschädigte dann ein wenig. Viele Wissenschaftler und Gäste waren der Einladung des Musems für antike Schifffahrt zu Wein und Brezeln gefolgt.


Der Freitag (09.07.2004) stand vormittags zunächst im Zeichen der "Veränderungen an den Hochschulen" und bot in zwei Diskussionsrunden Professoren, Studierenden und Hochschulmitarbeitern Gelegenheit zum Austausch.

Am Nachmittag eröffneten Professor Dr. Jörg Michaelis, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität, und Professor Dr. Bruno Staib, Dekan des Fachbereichs 15 / Philologie III, mit ihren Ansprachen die eigentliche Konferenz. Dem folgte die Begrüßung durch Professor Dr. Ursula Verhoeven und Dr. Diana Wenzel, beide vom Institut für Ägyptologie und Altorientalistik in Mainz. Darauf folgten die Berichte aus den Institutionen sowie die Vorstellung von Dr. Wafaa El-Sadik, der neuen Direktorin des Ägyptischen Museums in Kairo. Frau Dr. El-Sedik ging erwartungsgemäß mit keinem Wort auf die jüngsten Nofretete-Schlagzeilen in der deutschen Regenbogenpresse ein. Nach der Kaffeepause sprach Dr. Marion Witteyer vom Landesamt für Denkmalpflege Mainz über das Isis- und Mater Magna-Heiligtum, ehe Dr. Francoise Labrique, Universität Besancon, den Festvortrag zum Thema "Frauenrollen in Kult und Mythos" hielt.

Über die soeben beschriebenen Aktivitäten kann ich leider nicht aus eigener Anschauung berichten, denn ich gehörte zu den Opfern der Bahn und traf daher viel zu spät am Veranstaltungsort ein.

10.07.2004

Am Samstag startete Dr. Maya Müller, Museum der Kulturen Basel, den Kongresstag mit ihrem Vortrag "Von Niltöchtern, Nymphen und der Nilbraut". Nach einer Legende aus dem 1. oder 2. Jahrhundert wurden dem Nil Jungfrauen geopfert. Zweck dieses Rituals war die Hoffnung auf eine fruchbarkeitsspendende Nilschwemme. Es handelt sich dabei um eine typisch römische Legendenbildung, die kaum als Tatsachenbericht anzusehen ist. Einen echten Vorfall mag es gegeben haben, der aber vielleicht eher als Akt der Rache an Pharao betrachtet werden muss, bei welchem die Prinzessin als "Nilbraut-Opfer" herzuhalten hatte. Nymphen als Wasserwesen gelten als Fruchtbarkeitssymbol, jedoch sollten sie nicht als Göttinnen betrachtet werden. Viel näher kommt ihrer Wesensart die Bezeichnung Genien. Kommen auch die häufigsten Nymphendarstellungen aus der Spätantike, so gibt es doch auch im dynastischen Ägypten Anklänge an diese Spezies - schon in den Pyramiden- und Sargtexten. Dort erscheint als Beispiel der Gott Sobek, umgeben von Gespielinnen, und "Nilwasser ist sein Samen". Die in der 18. Dynastie auftauchenden Salblöffel mit jungen Mädchen in Frontalansicht als hathorische Gottheit oder Mädchen in Entenbooten könnten ebenfalls in dieses Genre fallen. Der Mädchenopferlegende wurde von den frühen ägyptischen Moslems eine Ende bereitet. Von da an war nunmehr allein Allah zuständig für die Nilschwemme.

Richard Bussmann M.A., FU Berlin, betitelte seinen Vortrag "Pepi I. im Satet-Tempel von Elephantine". Im Gegensatz zu den königlichen Totentempeln waren die Göttertempel des 3. vorchristlichen Jahrtausends wohl eher als Provinztempel anzusehen, denen nur hier und da eine königliche Votivstiftung zugute kam. In Elephantine ging es in der Hauptsache um einen Granitnaos, der Pepi I. zugeschrieben wird. Richard Bussmann ist anhand dieser Datierung den archäologischen Befunden im Satet-Tempel nachgegangen. Nach der frühesten Schicht bestand das Heiligtum ursprünglich nur aus einer Felsnische, die zu einem späteren Zeitpunkt mit einer Mauereinfassung versehen wurde und mit einem sogenannten "Altar". Bei der Freilegung dieser Schicht stieß man auf ein Steintäfelchen in situ, das eine Aufschrift Pepi's I. trägt. Diese Reorganisation des Tempels war jedoch - soweit man das den Gründungsbeigaben entnehmen kann - keine königliche, sondern eine lokale  Initiative. Zusammen mit Mauereinfassung und "Altar" wurde in einer Ecke der Ummauerung auch ein Fundament freigelegt, das ohne weiteres die Basis des Granitnaos gewesen sein könnte, versehen vielleicht mit einer Sitzstatue des Königs. Demzufolge hätte Pepi I. nicht der Satet gestiftet, sondern seinen eigenen Königskult in den Provinztempel integriert. Der sogenannte "Altar" könnte auch als Rest eines Pfeilerfundamentes angesehen werden. Dies legt die Vermutung nahe, dass der Tempel zumindest in der 6. Dynastie mit einer Dachkonstruktion versehen war.

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(Foto: Gitta)

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Kommentare zu diesem Artikel
naunakhte12.07.2004 um 19:44:39
Nachtrag zu den Berichten aus den Institutionen:
Es wurde der Tod dreier Ägyptologen im Laufe des vergangenen Jahres bedauert: Arne Eggebrecht, Jürgen Settgast und Erich Lüddeckens.

Dieter Kurth verkündete, dass das Hamburger Ägyptologische Institut zum Frühjahr 2007 geschlossen wird. Er bedankte sich bei den Kollegen für die Unterstützung gegen diese Entscheidung. Leider hat die Universitätsleitung trotzdem so entschieden. Nach diesem Termin wird die Ägyptologie nur noch als kleiner "Annex" der klassischen Archäologen fortbestehen.

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Die Bonner Sammlung verkündete zu diesem Zeitpunkt lediglich in Zusammenarbeit mit der Bundeskunsthalle eine größere Ausstellung zu planen. Diese Meldung wurd dann am Sonntag von Frau Rößler-Köhler präzisiert indem sie verkündete die Baseler Ausstellung käme von November bis April nach Bonn.

Gitta E-Mail18.07.2004 um 15:40:56
Dank für die Ergänzung, nauna. Hätte ich doch fast vergessen



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