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   Ägyptische Götterwelt (251)
   Fragen zu 'Synkretismus' (19)
  Autor/in  Thema: Fragen zu 'Synkretismus'
rehnahvah  
Gast

  
Re: Fragen zu 'Synkretismus' 
« Antwort #15, Datum: 15.03.2004 um 18:05:30 »     

@Gast A:

Ganz einfach und kurz (vielleicht auch naiv) ausgedrückt: Je nachdem, was für Eigenschaften von einem Gott benötigt wurden, machte man eine entsprechende Verbindung?
> Antwort auf Beitrag vom: 15.03.2004 um 02:07:18  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Fragen zu 'Synkretismus' 
« Antwort #16, Datum: 16.03.2004 um 00:00:04 »   

@Tahemet:

Zum Thema der Begrifflichkeit der ägyptischen Theologie gesteht auch E. Hornung klar Entscheidungsschwierigkeiten ein. Weder ein Monotheismus, Polytheismus, Henotheismus oder Pantheismus noch eine Monolatrie hält er für geeignet die ägyptische Gotteskonzeption hintergründig zu umschreiben. Auch dein Konzept von Netjer kann so nicht mit Hornung begründet werden:

„Die Durchsicht der Quellen hat gezeigt, daß der Ägypter mit nTr  ‚jeden beliebigen Gott’ meint. Einmal diesen oder jenen konkreten Gott Amun, Re und Ptah usw... Bisher ist uns kein Beispiel dafür begegnet, daß gerade der Eine, hinter den Gottheiten stehende Gott in den ägyptischen Texten kurzweg als nTr, „Gott“ bezeichnet würde. Damit ist die Annahme, die Weisheitslehrer hätten mit ihrem nTr diesen Einen, höchsten Gott der Theologen gemeint, in hohem Grade fragwürdig, ja unwahrscheinlich geworden, mag sie in dieser Strenge auch nicht zu widerlegen sein.“ (S. 45).

An anderer Stelle (S. 49) heisst es:
„Bisher ist in keinem Einzelfall, auch in den Weisheitslehren nicht, der Nachweis gelungen, daß der Ägypter mit „Gott“ den Einzigen – ohne alle anderen – oder auch nur den Einen und Höchsten über den Göttern gemeint habe. Er hat also mit seinem Gottesbegriff terminologisch niemals – in pharaonischer Zeit jedenfalls nicht – monotheistische Vorstellungen verbunden, wie es in begrifflicher Unschärfe immer wieder behauptet wird; selbst henotheistische oder pantheistische Vorstellungen lassen sich im Gebrauch des Wortes „Gott“ nicht mit Sicherheit ablesen.“

Zum Pantheismus hat Hornung folgendes zu sagen (S. 117):
„Wenn also die ägyptischen Religion in der Häufung von Erscheinungsformen und Götterverbindungen Phänomene hervorgebracht hat, die an Pantheismus erinnern, so ist diese Verwandtschaft eine zufällige und oberflächliche. Der der Ägypter hat niemals den Wunsch und WIllen zur Allvergöttlichung gehabt. Der ägyptische Schöpfergott offenbart sich auch in der Schöpfung, aber er geht nicht in ihr auf.“

Auch einen Monotheismus sieht Hornung m.E. zu Recht in der ägyptischen Theologie nicht realisiert oder vorbereitet (S. 247f.):
„Der apologetische Versuch, in ägyptischen Gottesvorstellungen Vorläufer eines monotheistischen Glaubens zu sehen, führt an dieser Wirklichkeit vorbei, und die zu eng gefaßte Alternative Monotheismus/Polytheismus scheint ungeeignet, sie uns aufzuschließen. Auch der Begriff Pantheismus steht der kultischen Wirklichkeit zu fern, um für ägyptische Verhältnisse zu passen.“

Den Terminus Henotheismus oder Monolatrie lässt Hornung nur begrenzt und unter Vorbehalt zu (zB. S. 37), da er zu stark mit indischen, alttestamentarischen oder vorderasiatischen Konzepten verbunden ist, die sich klar von ägyptischen Aussagen unterscheiden. Es handelt sich nach Hornung auch eher um einen zeitlich eng begrenzten „Phasen-Henotheismus“, der nicht verallgemeinert werden darf und daher auch mit dem Begriff Henotheismus nur unzureichend umschrieben wird.

Ziel wäre es also m.E. eine adäquate Terminologie für die ägyptische Gottesvorstellung zu finden, die nicht auf den bekannten Begriffen aufbaut. Hornung wagt diesen Schritt noch nicht (wie bislang noch keiner in der Ägyptologie). Wir können die ägyptische Kultur nicht emisch (also in ihrer eigenen Begrifflichkeit) beschreiben, da uns kein ägyptisches „Lehrbuch der Gottesvorstellung“ erhalten ist. Es ist aber ebenso wenig sinnvoll religionswissenschaftliche Termini in falschem Zusammenhang auf Ägypten anzuwenden um damit irgendwie Abhilfe zu schaffen. Wenn „jeder selbst entscheiden soll“ verdeutlicht dies nur noch deutlicher wie unkonkret und schwammig die bisherige Terminologie ist, denn damit schafft man nur Chaos in Diskussionen und findet letztendlich keine Annäherung an die ägyptische religiöse Wirklichkeit.

Gruß A.
> Antwort auf Beitrag vom: 15.03.2004 um 06:08:00  Gehe zu Beitrag
heka-waset  maennlich
Member

  

Re: Fragen zu 'Synkretismus' 
« Antwort #17, Datum: 16.03.2004 um 22:08:08 »   



Zitat - Gast_A:
(die einzelnen Elemente der Epitheta-Ketten werden von Ägyptologen leider gern als hohle Phrasen betrachtet und als sinnentleerte Lobeshymnen auf „die eine“ Gottheit gewertet, ohne ihren dynamisch-zyklischen Inhalt zu erkennen).


Deine Beiträge sind wie immer an Fülle erschlagend. Ich selbst kenne "Der Eine und die Vielen" von Hornung sehr gut. Kann mich deiner Meinung aber nicht ganz anschließen. Gerade dein Amunbeispiel ziegt für mich vielmehr, dass es sich hier doch um EINEN Amun handelt, der in verschiedenen Sphären (z.B. der lokalen) erscheint - als Aspekt des einen, gleichen universellen Amun.
> Antwort auf Beitrag vom: 16.03.2004 um 00:00:04  Gehe zu Beitrag
Irjnefer_d.J.  
Gast - Themenstarter

  
Re: Fragen zu 'Synkretismus' 
« Antwort #18, Datum: 17.03.2004 um 09:46:09 »     

Hallo,

mir gefällt jedenfalls "der Amun-Re- A s p e k t   des Amun" besser als "die Amun-Re- P h a s e   des Amun", wenn man eben nicht gleich sagen will, kultisch sind Amun und Amun-Re   z w e i   Gottheiten.

Viele Grüße

Irjnefer d.J.
> Antwort auf Beitrag vom: 16.03.2004 um 00:00:04  Gehe zu Beitrag
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