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   Ägyptische Götterwelt (273)
   Atum = Adam? (3)
  Autor/in  Thema: Atum = Adam?
GEOARKADIA  maennlich
Member



Atum = Adam? 
« Datum: 06.08.2022 um 01:19:45 »   

Haben die Hebräer sich an der ägyptischen Götterwelt bedient?
Bei den Ägyptern und Hebräern ist Atum/Adam der Ur-Vater der Menschheit und bei beiden existiert ein eschatologischer Kontext über die Vernichtung der Welt.

Existieren historische Aufzeichnungen die diesen Einfluss bestätigen können?
Chontamenti  maennlich
Member



Re: Atum = Adam? 
« Antwort #1, Datum: 12.08.2022 um 09:22:59 »   

Haben sie definitiv nicht -   in der Bibel ist Adam (wörtlich aus dem Hebräischen: der Mensch, der Mann) der erste von Gott geschaffene Mensch, in der Mythologie der Ägypter ist er in einer der verschiedenen Schöpfungslehren ein Gott, der zwar die Welt und die ersten Götter erschuf, aber weder der "Urvater" der Menschen ist, noch sie überhaupt erschaffen hat. Die Erschaffung des Menschen nimmt in den ägyptischen Kosmogonien überhaupt keinen wichtigen Platz ein, es gibt keine ersten Menschen wie Adam und Eva, auch ist mir allgemein keine ägyptische Sage über die ersten Menschen bekannt. Zitat:
Zitat:
...und bei beiden existiert ein eschatologischer Kontext über die Vernichtung der Welt.
Wo hast du das wieder her? Eine Besonderheit der ägyptischen Religion war, dass sie eben KEINE Vorstellung vom Weltuntergang hatten - das schlimmste zukünftige Übel, das die Ägypter sich vorstellen konnten, ist bereits eingetroffen - niemand verehrt mehr ihre Götter...
> Antwort auf Beitrag vom: 06.08.2022 um 01:19:45  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member



Re: Atum = Adam? rmjt_in_WB_II_417.jpg - 23,85 KB
« Antwort #2, Datum: 12.08.2022 um 21:29:31 »   

Hallo, Chontamenti,

die Erschaffung der Menschen wird im Alten Ägypten durch ein Wortspiel erklärt: rmT "Mensch" (Wb II, 421) und rmj.t "Träne" (Wb II, 417). So sagt der Allherr im berühmten Spruch 1130 der Sargtexte (Übersetzung: Jan Assmann, Ägyptische Religion. Totenliteratur, Frankfurt am Main / Leipzig, 2008, S. 362):

Zitat:
Ich habe die Götter aus meinem Schweiß entstehen lassen,
die Menschen aber aus den Tränen meines Auges.

Im Hymnus 5 des Kairener Amun-Hymnen-Zyklus (CG 58038 oder auch Papyrus Boulaq 17) heißt es (Übersetzung: Jan Assmann, Ägyptische Religion. Götterliteratur, Berlin, 2018, S. 329):

Zitat:
Du bist der eine, der alles Seiende geschaffen hat,
der Eine Einzige, der schuf, was ist.
Die Menschen gingen aus seinen Augen hervor,
und die Götter entstanden aus seinem Mund.

Und im ptolemäischen Papyrus Bremner-Rhind liest man (Übersetzung: a.a.O., S. 209):

Zitat:
Ich weinte über sie [Schu und Tefnut], und so entstanden die Menschen
aus den Tränen, die aus meinem Auge fielen.

Was aber stimmt, ist, dass die ersten Menschen weder einen Namen haben, noch beschrieben wird, was sie getan haben oder was ihnen zugestoßen ist.

Auch über das Weltende wurde geschrieben, wenn auch nicht oft. Am bekanntestem ist in diesem Zusammenhang das faszinierende Gespräch zwischen Atum und Osiris im Totenbuch Spruch 175 (Übersetzung: Erik Hornung, Das Totenbuch der Ägypter, Zürich / München, 1979, S. 367):

Zitat:
"Wie steht es nun mit der Lebenszeit,
die dort [im Totenreich] verbracht wird?", so fragte Osiris.
[Atum:] "Du wirst Millionen und Abermillionen [von Jahren verbringen],
eine lange Zeit von Millionen [Jahren].
Ich aber werde alles, was ich geschaffen habe, zerstören.
Diese Welt wird wieder in das Urgewässer zurückkehren,
in die Urflut, wie bei ihrem Anbeginn.
[Nur] ich bin es, der übrigbleibt, zusammen mit Osiris,
nachdem ich mich in andere Schlangen verwandelt habe,
welche die Menschen nicht kennen und die Götter nicht sehen."


Viele Grüße,
Michael Tilgner


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> Antwort auf Beitrag vom: 12.08.2022 um 09:22:59  Gehe zu Beitrag
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