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   Lebensgrosse DIORIT-Statuen im Louvre! (3)
  Autor/in  Thema: Lebensgrosse DIORIT-Statuen im Louvre!
triplefive  
Gast

  
Lebensgrosse DIORIT-Statuen im Louvre!  
« Datum: 09.01.2007 um 18:15:13 »     

Hallo liebe Ägyptologen-Community,

habe mich als absoluter Ägypten-Laie nur hier eingetragen, um eine Frage loszuwerden, die mich seit einer Woche brennend interessiert:

Bei einem Besuch des Louvre sah ich letzte Woche etwa ein halbes Dutzend lebensgroßer Statuen verschiedener ägyptischer Gottheiten, die angeblich aus DIORIT bestünden.

Leider war dort kein kompetenter Ansprechpartner zu finden und die knappen Texte neben den Exponaten sagten nichts über deren Bearbeitung.

Falls sich diverse Internet-Foren mit Diorit-Bearbeitung durch die Ägypter beschäftigen, dann wird meistens über die erstaunlichen Bohrlöcher in Diorit-Blöcken geschrieben, über Kernbohrungen mit Diamant- bzw. Korund  und Kupfer- oder sogar Bronze(?)-Rohren...

Im Louvre stehen aber keine einfachen "Diorit-Löcher", da stehen fein bearbeitete, mannshohe Statuen mit der lapidaren Kennzeichnung "Osiris, Diorit". Eine Vielzahl von Bearbeitungstechniken ist erforderlich, um solche Statuen zu schaffen...

Ich kann mir zwar auch vorstellen, daß man unter Aufbietung einer intelligenten Bohr-Konstruktion, viel Arbeitsenergie und Geld eine Materialschlacht Kupfer/Diamant gegen Diorit bzw. Kupfer/Korund gegen Diorit gewinnen kann, wenn es darum geht, ein einziges mal ein Loch für einen hochsakralen Zweck in einen Diorit-Block zu bohren. Aber diese großen Statuen... ?

Die "massenhafte" Erzeugung aber von mannshohen Statuen so hoher Qualität setzt tmho voraus, daß die groben elementaren Bearbeitungstechniken wie bohren, sägen, schleifen von Diorit sowieso bekannt waren und die grobe Bearbeitung so harten Gesteins eine "alltägliche" Angelegenheit war, oder?

Eine andere Möglichkeit... Die Mitarbeiter des Louvre können - so wie ich... - Diorit nicht von anderem harten schwarzen Gestein unterscheiden und die Statuen sind gar nicht aus Diorit... - aber das wäre wohl schon jemandem aufgefallen, oder ?

Aber selbst wenn es sich dabei "nur" um Granit handelte, so ist dies doch nicht wesentich einfacher zu bearbeiten...?!

Falls also diese ca. 2m hohen, massiven schwarzen, beinahe glänzenden und teils leicht weiß/grau gesprenkelten Statuen im Louvre wirklich aus Diorit sind... (hätte doch meine Kamera mitnehmen sollen...):

WIE UND WOMIT HABEN DIE ÄGYPTER VOR 4000(!?) JAHREN DIE DIORIT BLÖCKE AUS DEM FELSEN UND DANN DIE STATUEN AUS DEN BLÖCKEN GEARBEITET

Weiß das heute irgendjemand ?

So ne Dioritstatue ist schließlich keine Nachmittagsbeschäftigung, das ist richtig Arbeit...!!!

Glaube zwar nicht wirklich, hier eine endgültige Antwort darauf zu finden, aber mußte diese Frage einfach mal loswerden...


und noch was Lustiges zum Schluß:

Dort (im Louvre) ist in einem Schaukasten auch ein Spielwürfel zu sehen - also, quasi ein "Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Würfel"! Genau gleich den heutigen Würfeln, nur mit richtig eckigen Ecken ! STAUN...
Ein paar Tausend Jahre alt und aus Stein oder Holz, aber mit demselben Punktemuster für die Zahlen 1-6, wie die heutigen Würfel!!! Wußte nicht, daß die Ägypter die Spielwürfel erfunden haben... und dann gleich das heutige Modell Respekt !

Gehabt Euch Wohl !
555
NebTauiAmunRe  maennlich
Member

  

Re: Lebensgrosse DIORIT-Statuen im Louvre!  ME0000041292_3.jpg - 179,87 KB
« Antwort #1, Datum: 11.01.2007 um 15:31:14 »   

Ich kanns nicht lassen, verzeiht mir, aber auf diese Frage muss ich antworten, denn man sollte den Kopf über das Niltal hinwegstrecken und gen Osten blicken. Im südlichen Mesopotamien war die Bearbeitung von Diorit bereits Mitte des 3. Jts. gut entwickelt. Es begann alles mit der Akkade-Zeit, aus der wir z.B. einige Statuenfragmente von Manishtusu haben. Aber besonders viele Diorit-Statuen kennen wir von Gudea, einem Stadtfürsten des südmesopotamischen Lagash. Da die Statuen fast allesamt aus Tello, dem antiken Girsu, stammen und dies eine franz. Ausgrabung war, befinden sie sich im Louvre in Raum 2 der altorientalischen Sammlung, die auch einen Raum weiter die Gesetzesstele des Hammurapi ausstellt (meiner Meinung war der alte Standort aufgrund der Lichtverhältnisse besser), deren Anblick man bei keinem Louvre-Besuch auslassen sollte. Aber ebenfalls wurde nicht nur die Statuen hergestellt, sondern auch mit Keilschrifttext praktisch "überzogen". Dabei wurden die Zeichen nicht irgendwie eingeritzt, sondern richtig gemeißelt (natürlich). Anbei eine Abb. von Gudea Statue B, die die längste Beischrift trägt, die sich über 9 Kolumnen zieht. Bei http://www.insecula.com/salle/MS00072.html sind noch mehr Aufnahmen zu sehen. Also, du siehst, Ägypten hatte kein Monopol auf die Dioritbearbeitung.

Aber wie haben die das hinbekommen? Das kann ich dir nicht sagen und mir ist jetzt auf die Schnelle kein Artikel bekannt, der die Dioritbearbeitung behandelt. Aber ich werde mich schlau machen.

Ach ja, dem Diorit wird in der sumerischen Komposition "Lugal-e ud mé-lam-bi nir-gál" ein gutes Schicksal zugewiesen:

"463-465My King stood before the esi stone. ...... he spoke in hymnic language. Ninurta son of Enlil fixed its destiny:

466-478"Esi (diorite), your army in battle changed sides separately (?). You spread before me like thick smoke. You did not raise your hand. You did not attack me. Since you said, "It is false. The Lord is alone the Hero. Who can vie with Ninurta, son of Enlil?" -- they shall extract you from the highland countries. They shall bring (?) you from the land of Magan. You shall shape (?) Strong Copper like leather and then you shall be perfectly adapted for my heroic arm, for me, the Lord. When a king who is establishing his renown for perpetuity has had its statues sculpted for all time, you shall be placed in the place of libations -- and it shall suit you well -- in my temple E-ninnu, the house full of grace."

Neb
« Letzte Änderung: 11.01.2007 um 15:37:30 von NebTauiAmunRe »
> Antwort auf Beitrag vom: 10.01.2007 um 17:01:37  Gehe zu Beitrag
Mubarek  
Gast

  
Re: Lebensgrosse DIORIT-Statuen im Louvre!  
« Antwort #2, Datum: 11.01.2007 um 17:19:40 »     

Für Details der Figur werden zunächst Konturschablonen aus Holz gefertigt.
Der Dioritblock wird grob mit Schlegel und Bronzemeissel zugehauen.
Durch wechselweises Bearbeiten mit Feuer und Wasser, gefolgt von Schlägen mit dem stumpfen Hammer und Brechen mit dem Flachmeissel, wird der Stein entzundert.
Weiterbearbeitung mit den Anforderungen entsprechend geköpften Bronzemeisseln.
Grobschliff mit grobkörnigem, feuchtem Sand im Lederlappen; Feinschliff mit feinem Sand.
« Letzte Änderung: 11.01.2007 um 17:23:38 von Mubarek »
> Antwort auf Beitrag vom: 11.01.2007 um 15:31:14  Gehe zu Beitrag
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