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   Restaurierung der Tempeldecke im ägyptischen Esna (3)
  Autor/in  Thema: Restaurierung der Tempeldecke im ägyptischen Esna
Chontamenti  maennlich
Member



Restaurierung der Tempeldecke im ägyptischen Esna 
« Datum: 21.10.2023 um 18:41:35 »   

Fachleute aus Ägypten und Deutschland haben die Restaurierung der Decke des Tempels von Esna abgeschlossen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren hatten 30 Restauratorinnen und Restauratoren unter Leitung von Ahmed Emam mehrere Hundert Figuren mit astronomischen Darstellungen von Schmutz befreit und so in den ursprünglichen Farben wieder sichtbar gemacht. „Mit dem Abschluss der Deckenrestaurierung hat das Projekt sein erstes und vielleicht wichtigstes Etappenziel erreicht“, sagte Professor Christian Leitz vom Institut für Alte Kulturen des Orients an der Universität Tübingen: „In den kommenden Jahren wollen wir vor allem die Innenwände des Pronaos sowie die verbleibenden Säulen vom Ruß befreien“
Die Restaurierung des Tempels von Esna ist ein gemeinsames Projekt des ägyptischen Ministeriums für Tourismus und Altertümer und der Universität Tübingen. Auf ägyptischer Seite lag die Projektleitung in den Händen von Dr. Hisham El-Leithy. Die farbenprächtigen Deckenreliefs zeigen Gottheiten, mythologische Figuren und Darstellungen von Sonne, Mond, Sternbildern und unterschiedlichsten astronomischen Konstellationen. Bei der Restaurierung kamen neben den Farben auch fast 200 Tintenaufschriften zu Tage, die vorher zur Gänze unbekannt waren. Mit ihrer Hilfe konnte zahlreiche Darstellungen erstmals identifiziert werden.

Astronomie von großer Bedeutung
„Die thematische Breite der Darstellungen unterstreicht die große Bedeutung, die der Astronomie im alten Ägypten zukam“, sagte der Tübinger Ägyptologe Dr. Daniel von Recklinghausen. Die Decke ist in insgesamt sieben Abschnitte aufgeteilt, die unterschiedliche Themen behandeln. Dazu gehören beispielsweise der tägliche Lauf der Sonne, die Mondphasen, die unterschiedlichen Nachtstunden oder auch der Neujahrstag. „Im zuletzt freigelegten Abschnitt spielt die Darstellung der Gottheiten Orion, Sothis und Anukis eine wichtige Rolle“, erklärte von Recklinghausen.
Orion steht stellvertretend für das gleichnamige Sternbild. Neben ihm dargestellt wird Sothis, was die altägyptische Bezeichnung des Sternbildes Sirius ist. „Sirius ist im Jahresverlauf 70 Tage lang am Sternenhimmel unsichtbar, bis er im Osten wieder aufgeht“, erläuterte Leitz: „Dieser Zeitpunkt war im alten Ägypten der Neujahrstag und kündigte zugleich den Beginn der jährlichen Nilüberschwemmung an.“ Die dritte Göttin Anukis war im Verständnis der Ägypter hingegen verantwortlich für den Rückgang der Nilflut rund 100 Tage später. Mit der jetzt abgeschlossenen Restaurierung besitzt Ägypten nun zwei herausragend erhaltene astronomische Decken in Tempeln. Die eine befinden sich im Tempel von Dendara rund 60 Kilometer nördlich von Luxor, hier sind die dominanten Farben Weiß und Hellblau. Im Tempel von Esna sind die Themen teilweise ähnlich, aber die Farbgebung völlig anders, die dominanten Farben sind hier vor allem Gelb und Rot. Die Arbeiten in Esna wurden gefördert von der Ancient Egypt Foundation, dem American Research Center in Egypt und der Gerda-Henkel-Stiftung.
Vom Tempel in Esna, 60 Kilometer südlich des ägyptischen Luxor, ist nur noch die Vorhalle (der sog. Pronaos) erhalten, diese aber vollständig: Mit 37 Metern Länge, 20 Metern Breite und 15 Metern Höhe wurde der Sandsteinbau spätestens unter dem römischen Kaiser Claudius (41–54 n. Chr.) vor das eigentliche Tempelgebäude gesetzt und dürfte dieses in den Schatten gestellt haben. Die Lage mitten im Stadtzentrum hat wohl dazu beigetragen, dass die Vorhalle erhalten blieb und nicht wie andere Gebäude während der Industrialisierung Ägyptens als Steinbruch zur Gewinnung von Baumaterial genutzt wurde. Schon zu Napoleons Zeiten erregte der Pronaos in Fachkreisen große Aufmerksamkeit, da man ihn als Idealbeispiel altägyptischer Tempelarchitektur betrachtete.
https://antikewelt.de/2023/10/18/restaurierung-der-tempeldecke-im-aegyptischen-esna-abgeschlossen/
Lolli2u  maennlich
Member



Re: Restaurierung der Tempeldecke im ägyptischen Esna 
« Antwort #1, Datum: 11.12.2023 um 21:19:01 »   

Hi Chontamenti,

die in den Jahren 2018 - 2023 im Chnum Tempel zu Esna durchgeführten Restaurierungsarbeiten lassen die bis dahin von einer Rußschicht verdeckten astronomischen Darstellungen wirklich in einer überaus schönen Weise hervortreten. Den von Christian Leitz und Daniel von Recklinghausen (IANES), sowie Hisham El-Leithy und Mustafa Ahmed (MoTA) geleiteten Teams ist es im Zuge der Konservierung gelungen, die alten Farben zu bestimmen und erneut zur Geltung zu bringen. Ich ergänze den von Dir verlinkten Beitrag hier daher um den des tübinger Instituts für die Kulturen des Alten Orients (IANES), sowie um zwei weitere Beiträge zum Thema aus den Portalen Archaeologie-Online und Das Alte Ägypten.

Bericht des IANES der Universität Tübingen : Der Tempel von Esna. Berichtsstand : 12. September 2023.

IANES Bericht : https://uni-tuebingen.de/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/altertums-und-kunstwissenschaften/institut-fuer-die-kulturen-des-alten-orients-ianes/forschung/aegyptologie/projekte/der-tempel-von-esna/  

siehe dazu :

Archaeologie Online : https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/forschungsteam-legt-weitere-deckengemaelde-im-tempel-von-esna-frei-5560/

sowie :

Das Alte Ägypten, Eintrag Chnum : https://www.aegypten-geschichte-kultur.de/chnum-schoepfergott

Weitere wichtige Kultstätten des Chnum lagen demnach in Elephantine, Hypselis und Herur. Leider wurden die dortigen Tempelanlagen weitgehend zerstört, oder blieben, wie etwa in Herwer, unentdeckt, und sind selbst in Elephantine bislang nicht abschließend erforscht worden, wie aus der von Martin Bommas dazu erstellten Dissertation hervorgeht.

Martin Bommas : Der Tempel des Chnum der 18. Dynastie auf Elephantine, Teil 1 u. 2, Heilbronn 2000.

https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/3383/1/Bommas.pdf

Umso erfreulicher ist es, das die Restaurierung des überaus gut erhaltenen Chnum Tempels von Esna in den letzten 50 Jahren solch herrliche Ergebnisse zeitigte.

Gruß Lolli    
« Letzte Änderung: 11.12.2023 um 22:19:44 von Lolli2u »
> Antwort auf Beitrag vom: 21.10.2023 um 18:41:35  Gehe zu Beitrag
Chontamenti  maennlich
Member - Themenstarter



Re: Restaurierung der Tempeldecke im ägyptischen Esna 
« Antwort #2, Datum: 13.12.2023 um 15:03:29 »   

Zur Stadt Herwer, die ja bis heute vollständig unentdeckt ist:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Herwer
> Antwort auf Beitrag vom: 11.12.2023 um 21:19:01  Gehe zu Beitrag
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