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  Autor/in  Thema: Übersicht verschollene Kunstwerke
Chontamenti  maennlich
Member



Übersicht verschollene Kunstwerke 
« Datum: 24.03.2022 um 15:20:25 »   

Hallo  zusammen, weiß jemand, wo es eine Übersicht aller seit ihrer Entdeckung verschollenen (auch gestohlenen) bzw. zerstörten altägyptischen Fundstücke gibt? Bis jetzt habe ich dazu nämlich rein gar nichts gefunden. Danke schon im Voraus
Chontamenti.
Michael Tilgner  maennlich
Member



Re: Übersicht verschollene Kunstwerke 
« Antwort #1, Datum: 24.03.2022 um 18:26:24 »   

Hallo, Chontamenti,

ich habe vor Jahren einen hochinteressanten Vortrag einer Vertreterin des Art Loss Register auf einer SÄK gehört. Danach dient der illegale Kunsthandel vor allem der Erpressung oder Geldwäsche oder anderen Mafia-Aktivitäten. Die Vorstellung, dass sich ein reicher Kunstliebhaber im Keller so ganz allein an einem Kunstwerk erfreut, ist völlig weltfremd.

Ob es neben diesem Register weitere Datenbanken gibt, weiß ich nicht, erscheint mir aber wahrscheinlich.

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 24.03.2022 um 15:20:25  Gehe zu Beitrag
Chontamenti  maennlich
Member - Themenstarter



Re: Übersicht verschollene Kunstwerke 
« Antwort #2, Datum: 24.03.2022 um 19:19:51 »   

Vielen Dank, sehr interessante Seite!
> Antwort auf Beitrag vom: 24.03.2022 um 18:26:24  Gehe zu Beitrag
Lolli2u  maennlich
Member



Re: Übersicht verschollene Kunstwerke 
« Antwort #3, Datum: 25.03.2022 um 17:10:32 »   

Hi Chontamenti,

die von dir aufgeworfene Frage bezüglich der verschollenen Kunstwerke der altägyptischen Kultur ist vom Ansatz her wirklich sehr wichtig, richtig und hilfreich, denn sie führt zu einem weiteren Problemfeld hin : Die Nichtbeachtung und fehlende wissenschaftliche Publikation der in den Depots der Museen dieser Welt befindlichen Fundstücke.

Ich möchte dies hier anhand eines Vorganges verdeutlichen, welcher beispielhaft für den glücklichen Verlauf einer Wiederentdeckung von bedeutenden Fundstücken steht, welche sich bereits in den Depots der Museen befinden. Es handelt sich um die insgesamt 153 Sarkophage der 21. Dynastie, welche Georges Daressy 1891 auf dem Gelände vor dem Tempel der Hatschepsut in der Cachette von Bab el-Gasus entdeckte.

Nach ihrer Bergung wurden 1906 etwa 80 von ihnen im Zuge eines Losverfahrens an die berühmtesten Museen der Welt verschenkt, weil die Ägyptischen Museen in Kairo und Alexandria damals nicht über genügend Platz verfügten, eine so große Zahl von Sarkophagen fachgerecht zu konservieren und aufzubewahren. Wenn man von den in die Niederlande und Russland übersandten Sarkophagen einmal absieht, blieben die meisten von ihnen ohne wissenschaftliche Publikation. Die große Mehrzahl war nur unzulänglich restauriert und konserviert worden und lagerte rund 100 Jahre unbeachtet in den Depots. Erst als Niwinski 1988 in einer Publikation auch eine größere Zahl von Sarkophagen aus der Cachette von Bab el-Gasus darstellte, wuchs das Interesse an diesen in den Depots befindlichen Artefakten wieder. Zahlreichen Einzelinitiativen ist es zu verdanken, dass in den zuständigen Museen schließlich die Bereitschaft entstand, eine Restauration dieser Sarkophage der Priester und Priesterinnen des Amun vornehmen zu lassen. Sehr aufschlußreich ist hier unter anderem der von Sylvia Karner und Wolfgang Baetz für das Kunsthistorische Museum in Wien erstellte Bericht.  

Nigel Fletcher-Jones berichtete im Jahre 2016 schließlich, dass es der Cachette von Bab el-Gasus erst 125 Jahre nach ihrer Entdeckung gelungen sei, aus ihrem Schatten zu treten. Zu diesem Gelingen hatte zuletzt auch der Vatikan beigetragen. Alessia Amenta, sowie Rogério Sousa und Kathlyn Cooney konnten der interessierten Öffentlichkeit im Jahre 2021 schließlich eine weitere, umfassende Publikation zur Cachette von Bab el-Gasus und des damit in Zusammenhang stehenden geschichtlichen Kontextes der 21. Dynastie vorlegen. 115 Jahre nach der Zuteilung von rund 80 Sarkophagen der Cachette von Bab el-Gasus an die berühmtesten Museen dieser Welt, hatten diese ihre Aufgabe, namentlich die ihnen anvertrauten Fundstücke fachgerecht zu restaurieren und konservieren, sowie zu publizieren und auszustellen, erfüllt. Es war ein mühsamer, aber überaus erfolgreicher Weg, der hier gegangen wurde, gerade auch vor dem Hintergrund der teils trostlosen Zustände, in welchen sich die Fundstücke zuvor befunden hatten.              

Hier im Forum hatten zunächst Ann und Lufaa (2005), sowie zuletzt dann Andreas 1860 und Lutz (2020) im Beitrag "Cache II 1891" darüber berichtet. Einige der im Text genannten Quellen seien hier wie folgt hinzugefügt bzw. erneut dazu angeführt :

Quellen

Daressy, Georges : Les cercueils des Prêtres d'Ammon. In : ASAE No. 8, Annales, Kairo 1907, S. 3 - 38.

Haag, Sabine ; Hölzl, Regina : Ein ägyptisches Puzzle. Die Restaurierung des Sargdeckels der But-har-chonsu, Katalog zur Ausstellung, Wien 2015.

Niwinsky, Andrzej : 21.th Dynasty Coffins from Thebes, Mainz 1988.

Sousa, Rogério ; Cooney, Kathlyn : The Tomb of the Priests of Amun, Vol. 1, Leiden 2018.

Sousa, Rogério ; Amenta, Alessia ; Cooney, Kathlyn : Bab el-Gasus in Context, Rom 2021.

Gruß

Lolli  

   
« Letzte Änderung: 26.03.2022 um 04:50:16 von Lolli2u »
> Antwort auf Beitrag vom: 24.03.2022 um 19:19:51  Gehe zu Beitrag
Chontamenti  maennlich
Member - Themenstarter



Re: Übersicht verschollene Kunstwerke 
« Antwort #4, Datum: 25.03.2022 um 20:20:45 »   

Noch ein ähnliches Beispiel: Ende Februar 1914 wurden bei der badischen Grabung in El-Hibe unter einer Steinplatte im Scheschonk-Tempel einige bronzene Gegenstände gefunden:
Ein "Stück wie daß Kapitell einer Lotossäule",eine Schaufel, ein Räucherarm und eine 30 Zentimeter hohe Amun-Statuette.
Der Fund wurde sehr unzureichend dokumentiert, die Statuette verschwand schon während der Grabung, die Schaufel (heutiger Aufbewahrungsort unbekannt) ging nach Freiburg. Räucherarm und Lotoskapitell kamen nach Heidelberg, wo sie zunächst verschwanden, bis sie 1971 wiederentdeckt wurden - unter einem mehrere Kilo schweren Opferstein, der sie in zahlreiche Stücke zerdrückt hatte. Der Räucherarm und das Lotoskapitell - letzteres einst Teil des Arms- konnten vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz fachmännisch zusammengesetzt und restauriert, nur das Verbindungsstück ist bis heute verschollen. Nach der Restaurierung bemerkte man, daß der Räucherarm eines von weltweit nur fünf Exemplaren dieses Typs war. Schließlich bekam er doch noch seine Würdigung in Form eines ausführlichen Artikels von Horst Beinlich - 57 Jahre nach seiner Entdeckung!
Quelle: Horst Beinlich: Ein altägyptischer Räucherarm in Heidelberg, Heidelberg 1971
> Antwort auf Beitrag vom: 25.03.2022 um 17:10:32  Gehe zu Beitrag
Udimu  maennlich
Member



Re: Übersicht verschollene Kunstwerke 
« Antwort #5, Datum: 26.03.2022 um 15:18:18 »   

das ist schlicht und einfach eine unmögliche Aufgabe. Viele Museen haben im Zweiten Weltkrieg ihre Sammlungen zum Teil oder ganz verloren. Nicht immer wurden alle Objekte registriert. Man weiss also gar nicht, was wirklich verloren ging. Museen rechnen mit einen Verlust von etwa 5 % an Objekten pro 100 Jahre, also Objekte werden gestohlen, verfallen einfach oder werden einfach versetzt.

Bei alten Grabungen sind oftmals nur besondere Stücke registriert worden (also Kunst im engeren Sinne, oder lange Inschriften), der Rest gelangte in Privatsammlungen oder in Magazine. Wo magst Du die Grenze ziehen? Willst Du nur Kunstobjekte registrieren oder einfach alles, was gefunden wurde? Emery fand bei seinen Grabungen in Saqqara gut 1000 (!!!) Gefässe pro Grab. Diese Keramik ist heute in Magazinen, sie ist auch publiziert wurden, als Typen, aber viel zu vereinfacht für den modernen Forscher. ich weiss aber nicht, ob jeder Pot eine Nummer bekam. Also selbst wenn man die Magazine aufmacht, kann man eventuell die Kermaik nicht mehr den einzelnen Fundorten zuordnen.

Gruß
> Antwort auf Beitrag vom: 25.03.2022 um 20:20:45  Gehe zu Beitrag
Chontamenti  maennlich
Member - Themenstarter



Re: Übersicht verschollene Kunstwerke 
« Antwort #6, Datum: 26.03.2022 um 16:27:45 »   

Ich meinte eigentlich die Stücke, die registriert und später gestohlen bzw.  vermutlich zerstört wurden... der Aufbewahrungsort der von Emery gefundene Stücke z.b. ist ja bekannt, auch wenn die Zuordnung zu einem bestimmten Grab schwierig ist.
> Antwort auf Beitrag vom: 26.03.2022 um 15:18:18  Gehe zu Beitrag
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