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   Pharao & Hofstaat (290)
   Orakel, Nachtrag aus Die Krone des Pharao (1)
  Autor/in  Thema: Orakel, Nachtrag aus Die Krone des Pharao
heka-waset  maennlich
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Orakel, Nachtrag aus Die Krone des Pharao 
« Datum: 24.01.2004 um 23:03:02 »   

Noch mal ein Nachtrag zum Orakelthema aus dem Thema die Krone des Pharao: Natürlich ist es deutlich , dass sich Herrscher, deren Legitimät zweifelhaft war, gern durch Geburtsmythen und Orakelentscheidungen bestätigen ließen (Hatschepsut, Thotmoses IV, die ersten Könige der 5.Dynastie usw.), aber auch Könige deren Legitimät nicht angezweifelt wurde berufen sich auf Orakelentscheidungen doer Erwählungen durch Gott schon im Mutterleib/göttliche Zeugung, man denke an Amenhotep III, Ramses II usw. und andere Beispiele illegitimer Pharaonen die auf einen Orakelspruch verzichteten, z.B. Eje, Haremhab oder Ramses I.

Meines Erachtens muss man die Orkalebefragungen und Geburtsmythen erst trennen, dann sorgfältig analysieren und dann mögliche Zusammenhänge herstellen.

In meinen Augen ist die Orakelerwählung in zweifacher Hinsicht sehr interessant - Gott greift hier unmittelbar ins Geschehen ein, ist plötzlich bewegtes Schicksal und auch Herr über den König. Das ist neu im Neuen Reich wo das Orakelwesen erstmals auftritt. Der König ist plötzlich abhängig von der Willensbekundung Gottes - eine eindeutige Machtminderung des Königs also. Aber gleichzeitig lässt sich im Neuen Reich eine Steigerung der persönlichen Göttlichkeit des Königs mit den drei Höhepunkten AmenhotepIII (Selbstanbetung in Soleb und Theben-West), Echnaton (persönlicher Schicksalsgott des Einzelnen, zentrum der persönlichen Frömmigkeit)und Ramses II (selbstanebtung in Abu Simble) beobachten. Wie lässt sich das vereinbaren? Die Institution des Königtums wird schwächer, m. E. verschwimmen die klaren Grenzen des Königtums, die Gestalt des individuellen Königs trott nun deutlicher hervor. In Zeiten starker Herrscherpserönlichkeiten lässt so der persönliche Vergottungskult um den König die mit dem Orakelwesen und der persönlichen Frömmigkeit schwindende Macht der Institution Königtum in den Hintergrund treten, ja lässt die Bedeutung und Besonderheit des Königs noch stärker hervortreten, ist er doch der von Gott gezeugte und vor aller Welt bestätigte König.

Erst mit einer Inflation von Orakelentscheidungen und den schwachen Herrschern des späten Neuen Reiches verliert das Königtum und der König deutlich an Macht, da er nun auf das Orakel angewiesen ist! Erst das Orakel macht den König legitim, es ist nicht mehr Beiwerk wie noch unter den Thotmosiden, wo die Orakelbefragung scheinbar teil einer perfekt durchorganisierten Propaganda war, sondern ist zum selbstläufer geworden, eine waffe die auch gegen das Königtum gerichtet werden kann.

Ich denke aber auch, dass in den Zeiten der allerletzten Pharaonen kurz vor Alexander dem Großen die Einsetzung des Königs durch ein Orakel der letzte formale Rest eines göttlichen Königtums war- ein Rest der den Griechen aber immer noch Großartig und nachahmenswert erschien.
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