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  Ägyptologie Forum
   Alltagsleben der Ägypter (219)
   Amulette (33)
  Autor/in  Thema: Amulette
Sadjehuti  
Gast - Themenstarter

  
Re: Amulette 
« Antwort #15, Datum: 27.06.2003 um 19:34:26 »     

Hi Eve,
darf ich dich auf die Texte von mir weiter oben aufmerksam machen?!  

Marcel
> Antwort auf Beitrag vom: 27.06.2003 um 18:33:44  Gehe zu Beitrag
evelyn_o_connell  
Gast

  
Re: Amulette 
« Antwort #16, Datum: 27.06.2003 um 20:28:59 »     

Nicht nötig, ich kann lesen! aber ich glaube eher an das was in dem Buch steht, als dir!
> Antwort auf Beitrag vom: 27.06.2003 um 19:34:26  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Amulette 
« Antwort #17, Datum: 28.06.2003 um 10:33:22 »     

Nicht zu vergessen: jede Menge Sachmet-Amulette:







Derartige Amulette werden in den Thebaner Bergen den Besuchern zum Kauf angeboten. Angeblich echte Stücke. Ich glaub's nicht so ganz.


Zitat:
Welches Material war denn das billigste?


Ich vermute - ohne es genau zu wissen - am preiswertesten und für jeden erschwinglich waren aus Lehm/Nilschlamm geformte, gebrannte Amulette. Wie die auf den Fotos.

Interessanterweise sind in "Giza - Ausgrabungen im Friedhof der Cheopspyramide von Georg Steindorff" einige dort gefundene Amulette aus der Spätzeit verzeichnet. Unter anderem auch ein "gebeugter Arm" rnm. Es wird vermutet, dass dieses Amulett dem Träger Schlagkraft und Durchsetzungsvermögen verleihen sollte.

Gitta
« Letzte Änderung: 28.06.2003 um 10:34:07 von Gitta »
> Antwort auf Beitrag vom: 26.06.2003 um 21:02:24  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Amulette merkur.jpg - 20,12 KB
« Antwort #18, Datum: 28.06.2003 um 15:18:44 »     

Obwohl schon der griechische Hermes neben seinen zahlreichen Eigenschaften auch als Handelsgott verehrt wurde, hat sich die starke merkantile Betonung in römischer Zeit entwickelt. Erst bei den Römern hält Merkur neben dem caduceus, der ihn als Götterbote auszeichnet, das marsupium in Händen, einen Geldbeutel, der typischerweise aus dem roh gearbeiteten Balg kleiner Tiere gearbeitet ist. Oft sind noch die Extremitäten zu erkennen. Merkur gehörte zu den beliebtesten Göttern bei den Römern und findet sich sowohl im italisch-römischen als auch im provinzialrömischen Bereich auf vielen Denkmälerarten. Besonders zahlreich sind Bronzestatuetten überliefert, aber auch auf Münzen, Gemmen, in der Wandmalerei und vor allem auf Grabdenkmälern begegnet uns dieser Gott. Fast immer trägt er dabei das marsupium als Zeichen des Reichtums und Wohlstandes, nur selten kommt diesem Attribut eine andere Bedeutung zu.

Quelle

M
ichaela Staudigl
Das Geld im Leben und in der Kunst der Römer
(unveröffentl. Diplomarbeit Innsbruck 2001)


« Letzte Änderung: 28.06.2003 um 15:20:18 von Gitta »
> Antwort auf Beitrag vom: 27.06.2003 um 20:28:59  Gehe zu Beitrag
Asetana  
Gast

  
Re: Amulette 
« Antwort #19, Datum: 21.07.2003 um 10:37:45 »     

Hallo Gitta,
welche Eigenschaften schrieb man den Sachmetamuletten zu?

lg
Asetana
> Antwort auf Beitrag vom: 28.06.2003 um 10:33:22  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Amulette 
« Antwort #20, Datum: 21.07.2003 um 12:47:06 »     

Hallo Asetana,

soviel ich weiss, waren die Sachmet-Amulette hauptsächlich für die Gesundheit zuständig.

Amenophis III. hat in Karnak rund 600 etwas größere Sachmet-Amulette, nämlich Statuen  , aufstellen lassen, die ihm bei der Wiederherstellung seiner angeschlagenen Gesundheit helfen sollten. Ich weiß nicht, ob's was genützt hat.

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 21.07.2003 um 10:37:45  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Amulette 
« Antwort #21, Datum: 21.07.2003 um 18:29:44 »   

Sakhmet ist die "Seuchenbringerin", daher schützen die Amulette auchin diesem Falle.

Iufaa
> Antwort auf Beitrag vom: 21.07.2003 um 12:47:06  Gehe zu Beitrag
Sobeknefer  weiblich
Member

  

Re: Amulette 
« Antwort #22, Datum: 22.09.2003 um 16:56:52 »   

könnten amulette der sakhmet nicht auch allgemein zu Stärke verhelfen ?
bez. Im Kriegsfall zum Sieg führen ?
> Antwort auf Beitrag vom: 21.07.2003 um 18:29:44  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Amulette 
« Antwort #23, Datum: 22.09.2003 um 18:25:53 »   

Dreh´n wir die Frage doch mal:

Haben sie denn?

Iufaa
> Antwort auf Beitrag vom: 22.09.2003 um 16:56:52  Gehe zu Beitrag
Gast  
Gast

  
Amulette 
« Antwort #24, Datum: 23.09.2003 um 18:05:09 »     

Hallo!

Wenn solche vereinfachten Gleichungen wie

Ankh = für X
Sachmet = für Y etc

aufgestellt werden, sollten die betreffenden Personen, die so etwas posten bitte dazuschreiben wie sie darauf kommen (woher haben sie diese Weisheit?)...

Alles was hier über den "Nutzen" von Sachmet-Amuletten, Skarabäen, Bes-Figürchen etc. geschrieben wurde, basiert auf rein spekulativen und induktiven Schlüssen aus unseren eher rudimentären Kenntnissen über ägyptische Kultpraxis.
Wir gehen dabei ja leider meist so vor:

Gleiche Form (zB. Bes) = gleiche Funktion (Kindersegen/Geburtshilfe).

Was hier völlig fehlt ist der KONTEXT.
Der Bes im mythologischen Papyrus einer Tempelbibliothek oder als ptolemäisches Relief im Mammisi, der hier eine Schutzfunktion für den jungen Gott oder könig innehat soll also (nur wegen Namens- und Formgleichheit) denselben Zweck auch als Amulett ausfüllen. Diese Gleichung ist so kaum zulässig.

@Gitta:

Zitat:
soviel ich weiss, waren die Sachmet-Amulette hauptsächlich für die Gesundheit zuständig.
Amenophis III. hat in Karnak rund 600 etwas größere Sachmet-Amulette, nämlich Statuen  , aufstellen lassen, die ihm bei der Wiederherstellung seiner angeschlagenen Gesundheit helfen sollten.


So dürften die Sachmet-Statuen die wohl paarweise (nach verbreiteter Auffassung für jeden Tag des Jahres 2 Statuen) die Prozessionswege zwischen karnak und Luxor säumten kaum als Beweis für die Gesundheitspolitik Amenophis' III. herhalten, da sie in paralleler Linie zu den Schutzgötter-Alleen des Tempel-Dromos zu sehen sind. Diese aber waren ab Amenophis III. (erstmals in Soleb) fester Bestandteil der Bau- und Kultpolitik am ägyptischen Tempel und hatten keine parallele Funktion zu Amuletten und Anhängern.

Wann und wo die Amulette gebraucht wurden ist bislang ungeklärt. Überzeugende Theorien sprechen von einer Verwendung im ägyptischen Festgeschehen. Aber wer sich wann, und aus welchen Gründen ein Bastet-Amulett umband ist unbekannt!
Hier ist allerdings die - ebenfalls ungeklärte - Frage nach dem sozialen Stand der Festteilnehmer wichtig. Wer durfte überhaupt welche Götter verehren und gab es einen nicht-staatlichen Kult bei dem solche (meist recht billigen) Amulette Verwendung fanden? Spätzeitliche Statuen von hohen Priestern zeigen manchmal kleine Naoi und Amulett-Anhänger am Hals der Personen. Andererseits zeigen zB. die mannigfaltigen Grababbildungen von Personen aus dem AR, MR und NR keine Amulette oder Skarabäen-Anhänger. Andere Anhänger, die zB. auf den Statuen des MR belegt sind ("Beutel"-Anhänger) begegnen dagegen in realitas nie.

Eine Vielzahl der Amulette (die mehrheitlich aus dem Handel stammen) gehören wohl in den Grabkontext (ptol. Papyri zeigen zB. säuberlich aufgeschlüsselt den Anbringungsort von Amuletten an Mumien). Hier bietet sich zB. das Totenbuch mit seinen Sprüchen zu einzelnen Amuletten (Herz-Sprüche etc.) als Interpretations-Basis an. Aber auch das ist nur ein indirekter Beleg für die mythologische Funktion der Amulette, da diese Interpretation somit ja nur auf einer einzigen Informationsquelle (dem Totenbuch) beruhen würde. Andere funeräre Textgattungen (die nicht auf uns gekommen sind) würden eventuell ein ganz anderes Bild zur mythologischen Verwendung der Amulette zeichnen.

Natürlich können die hier diskutierten Amulette ja auch rein dekorativen Charakter besessen haben. Hier wäre dann aber wieder erstaunlich, warum in den zahllosen Bankett- und Alltags-Szenen der Grabdekoration diese Amulette nicht abgebildet waren. Wieso sollten die Leute zB. die auch in späteren Zeiten massenhaft produzierten Skarabäen mit der Kartusche Thutmosis' III. so gemocht haben? Fanden sie den Schriftzug so schön? Wohl kaum!

Wenn also Marcel (#0) nach der Formenvielfalt gefragt hat, so kann ihm dies zwar beantwortet werden, aber über die Funktion der Formen lässt sich herzlich wenig sagen...

Gruss, A.
> Antwort auf Beitrag vom: 22.09.2003 um 18:25:53  Gehe zu Beitrag
Udimu  maennlich
Member

  

Re: Amulette 
« Antwort #25, Datum: 23.09.2003 um 19:44:25 »   

Hallo A.,

ein paar Sachen seien noch klargestellt.

Die Verbindung Bes- Mutter/Kind ergibt sich aus diversen Quellen. Bes-Figuren wurden häufig in Bestattungen von Mutter und Kind gefunden. Bes-Figuren erscheinen auch auf den sog. Zaubermessern. Ein Zaubermesser wird im Grab des Sobeknacht von einer Amme gehalten (Wildung, Sesotris und Amenemhet, fig. 85).

Amuelette werden sehr wohl auch in Grabdarstellungen wiedergegeben. Ein sog. Krallenanhänger erscheint im Grab des Wahka (W.M. Flinders Petrie. Antaeopolis. The Tombs of Qau. British School of Archaeology in Egypt. LI. London 1930, pl. XXIV - Originale siehe: C. Aldred, Jewels of the Pharaohs, pl. 36). Ein Fischanhänger in einem Grab in Meir, Aldred, ebenda, Seite 141 - Originale sind auf Tafel 77-78 zu sehen).

Im Neuen Reich sind Amulette sowieso in Privatkontext nicht mehr so häufig, folglich erscheinen sie auch nicht in den Grabdarstellungen.

Die grosse Zeit der Amulette sind die Dritte Zwischenzeit und die Spätzeit, wobei aber auch hier festzustellen ist, dass sie eher in Kindergräbern zu finden sind (Kinder sind wohl besonders schutzbedürftig) und in Bestattungen von besonders hoch gestellten Personen vorkommen.

Ein gutes Buch zum Thema:
Claudia Müller-Winkler. Die ägyptischen Objekt-Amulette. OBO Series Archaeologica 5. Freiburg Schweiz 1987

Gruss
Udimu
« Letzte Änderung: 23.09.2003 um 19:47:28 von Udimu »
> Antwort auf Beitrag vom: 23.09.2003 um 18:05:09  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Amulette sennefer.jpg - 17,03 KB
« Antwort #26, Datum: 23.09.2003 um 21:37:01 »     

Hallo Gast,


Zitat:
So dürften die Sachmet-Statuen die wohl paarweise (nach verbreiteter Auffassung für jeden Tag des Jahres 2 Statuen) die Prozessionswege zwischen karnak und Luxor säumten kaum als Beweis für die Gesundheitspolitik Amenophis' III. herhalten, da sie in paralleler Linie zu den Schutzgötter-Alleen des Tempel-Dromos zu sehen sind. Diese aber waren ab Amenophis III. (erstmals in Soleb) fester Bestandteil der Bau- und Kultpolitik am ägyptischen Tempel und hatten keine parallele Funktion zu Amuletten und Anhängern.


Die Sache mit dem angeblich schlechten Gesundheitszustand Amenophis' III. scheint eine Art allgegenwärtiger "Volksglaube" zu sein. Unterstützt wird dies natürlich auch durch populärwissenschaftliche Literatur wie z.B. "Echnaton..." von Nicholas Reeves, der zum Tode Amenophis' schreibt Als der Letztgenannte (Amenophis), dick, kahlköpfig und schlechtgelaunt wegen schlimm eiternder Zähne, in seinem 38. Regierungsjahr endlich eins wurde mit seinen Vorfahren...., und auch durch die Interpretation von späten Darstellungen dieses Königs. Und da Priester der Sachmet wohl eine enge Verbindung zur Ärzteschaft hatten (Bonnet, Seite 645) und die Göttin selbst für die Abwehr der Feinde des Königs stand (Bonnet, Seite 644, nach Roeder), hat sich vielleicht in den Köpfen festgesetzt, sie wäre "für die Gesundheit zuständig".

Bonnet schreibt auch, dass die zahlreichen Sachmet-Figuren, die Amenophis III. in den Tempel der Mut weihte, Bilder der Letzteren sein sollen. Sie sind bedeutsam durch die Menge der Beinamen und Titel, die sich zumeist auf Sachmet beziehen (Gauthier/Sethe). Wegen der zahlreichen Beinamen müsste ich direkt mal in unserem Museum nachschauen, ob ich sie ausmachen kann . Da stehen nämlich zwei dieser Statuen.

Aber ich geben Dir Recht: mit den Amuletten hat diese Statuenansammlung sicher nichts zu tun.

Abschließend noch ein schönes Foto (Copyright Frank Dörnenburg) aus dem Grab des Sennefer in Theben-West. Es zeigt den Grabinhaber mit zwei Herzamuletten. Oder täusche ich mich?

Gitta
« Letzte Änderung: 23.09.2003 um 21:38:13 von Gitta »
> Antwort auf Beitrag vom: 23.09.2003 um 18:05:09  Gehe zu Beitrag
Gast  
Gast

  
Amulette 
« Antwort #27, Datum: 24.09.2003 um 01:59:47 »     

Hallo Udimu


Zitat:
Die Verbindung Bes- Mutter/Kind ergibt sich aus diversen Quellen. Bes-Figuren wurden häufig in Bestattungen von Mutter und Kind gefunden.


Die archäologische Vergesellschaftung  sagt hier nur wenig aus. Denn Bes-Figuren sind auch aus zahlreichen Männergräbern bekannt und selbst Tut hatte in seinem Inventar einige Bes-Darstellungen (soviel zum „Volksglauben“). Die originäre Rolle des Gottes Bes liegt im offiziellen Tempelkult in seiner Funktion als solarer Schutzgott . Er vernichtet die Feinde des jugendlichen Sonnengottes und ermöglicht diesem die Überfahrt am Himmel (in diesem Kontext sind auch die zahlreichen Bes-Figuren auf den Horus-Stelen zu deuten, in denen Krokodile, Gazellen, Schlangen und Skorpione – alles Manifestationen der Sonnenfeinde – vernichtet werden). Wir können also aus dem Befund höchstens folgern: Bes kommt im privaten Grabkontext vor. Sein mythischer Hintergrund ist jedoch nicht mit diesem Kontext verbunden (die Wiedergabe von Volksglauben in einem so wichtigen Objekt wie dem Grab ist meiner Meinung nach unwahrscheinlich. Hier hatte nur „offizielle“ Theologie Platz). Eine Verallgemeinerung der speziellen Kultrolle des Bes als solarer Schutgott hin zu einer generellen und unspezifizierten Schutzfunktion dieser Figur kann nicht begründet werden und ist spekulativ.

Wogegen ich aber oben versucht habe zu argumentieren, ist nicht die Frage ob und wo es solche Amueltte gegeben hat oder nicht, sondern die Reduzierung von Symbolen auf konkrete Funktionen. Formen sind innerhalb der ägyptischen Mythologie austauschbar. Die Beziehung zwischen Form und Inhalt für uns also nur eingeschränkt nachvollziehbar. Auch die Bes-Darstellungen im Grab-Kontext von Kinderbestattungen zeigen nicht, dass Bes generell für Kinder oder deren Geburt etc. zuständig war, sondern nur, dass die Geburt selbst als Akt verstanden wurde, der auf mythischer Ebene mit Bes verknüpft war. Diese mythische Ebene kann aber eine ganz andere als die der Geburtssituation sein. Daher wäre die – für uns augenfällige – Inbezugsetzung Bes = Geburt sehr vereinfacht und nicht dem ägyptischen Verständnis von Bes entsprechend.
Bonnets Methode zu verallgemeinern ist m.E. nicht der richtige Weg ägyptische Mythologie zu verstehen. Anstatt die mythische Situation zu untersuchen in der Bes seine apotropäische Funktion ausübt wird ihm generell eine „Schutzfunktion“ zugeschrieben (S. 105).

Bonnet hat ja (Relallexikon, S. 29) auch schon bemerkt, dass alle Gegenstände durch entsprechende magische Besprechung zum Amulett gemacht werden können. Daher ist es in erster Linie das magische Ritual bzw. die Mythologisierung des banalen Gegenstandes die diesem Wirksamkeit verleiht. Entscheidend für die magische Funktion des Amuletts ist dann aber letztendlich der Mythos, weniger seine äussere Form (Bonnet unterscheidet aber – anders als Petrie – in seiner Klassifizierung der Amulette ausschliesslich nach deren Form). Wenn es in vielen der magischen Sprüche heisst „Zu sprechen über einer Statue aus ... oder einem (Amulett) XY...“ so bedeutet dies nicht, dass tatsächlich eine solche Statue benötigt wurde um die entsprechende Magie zu entfalten sondern ein anderer Substituent herhalten konnte (Lehmklumpen etc.).

Nehmen wir als Beispiel für das Dilemma Form-conta-Inhalt die bekannten Kopfstützen-Amulette : Sie sind im Tb. 166 thematisiert und könnten – wenn wir diese Quelle nicht hätten – als Scheinobjekt / Ersatz für echte Kopfstützen missverstanden werden (entsprechend den Gerätefriesen des AR und MR und wie es generell bei den ganzen Tieramuletten oder Nahrungs-Amuletten geschieht). Aus dem Totenbuch wissen wir nun aber, dass die Kopfstützen im Totenbuchkontext u.a. ein Symbol für das Sich-Erheben des Toten vom (Totenbett) sind um den Sonnengott bei dessen Aufgang zu sehen. Weiterhin wissen wir dass in funerären Texten die Kopfstütze die Gefahr des Kopfabschlagens im Jenseits bannen soll wie es ja zB. das Pfortenbuch eindringlich darstellt. Der Inhalt/Sinn des Objektes bzw. dessen Funktion ist also nicht direkt aus seiner Form zu erschliessen. Andererseits kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Kopfstützen-Amulette durchaus auch Ersatzbeigaben darstellen (parallel zu ihrer mythologischen Funktion) oder dass ihr ursprünglicher Sinn  als Ersatzbeigaben (Gerätefriese) von nachträglichen mythologischen Ausdeutungen überlagert wurde und verloren ging.

Genauso wie aus ägyptischen „Hymnen und Gebeten“ nicht mittels reinem Übersetzen, Wort-für-Wort der echte Inhalt herausgelesen werden kann, genausowenig sollte die äußere gegenständliche Form als einfach „übersetzbar“ gehalten werden.
In diesem Sinne sind auch die oben bereits angesprochenen ägyptischen „Erklärungen“ zu einigen Amuletten (Herz, Kopfstütze, Isisblut, Djedpfeiler etc.) im Totenbuch  (zB. Kapitel 29B und 30B, 155, 156 und 166) nicht zu generalisieren. Zum einen sind auch diese Texte (wie zB. die Pyramidentexte) sehr kryptisch und verbergen die mythologische Sinnebene hinter Wortspielen und Umschreibungen zum anderen stellen sie eine Interpretation dieser Symbole im Kontext nur dieser Textgattung dar. Sie machen also nur ein Spektrum des Sinngehaltes eines Symboles greifbar. Ausserhalb eines Grabes kann dieselbe Form einen völlig anderen Bedeutungsgehalt haben.

Daher meine Meinung zu Gleichungen nach dem Schema „Isis = magische Inspiration“ und „Bastet = Gesundheit“ :

Gleiche Form transportiert nicht immer gleichen Inhalt.


=> wir wissen über die Funktion ägyptischer Amulette so gut wie gar nichts! (wie pessimistisch! )

@ Gitta: Danke für den Verweis auf die Anhänger-Darstellungen in Gräbern (@Gitta: sehr schön auch im Sennefer-Grab: Überreichen von Skarabäuskette und Tjt/Djed-Kette an Sennefer durch seine Frau; TT 96 Pfeilerdekoration).

Gruss A.
> Antwort auf Beitrag vom: 23.09.2003 um 21:37:01  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Amulette 
« Antwort #28, Datum: 24.09.2003 um 14:17:09 »     

Hallo Gast A,

auf Bes würde ich gern noch einmal zurückkommen:

Hannelore Kischkewitz führte in einem Berlin Vortrag über Zaubermesser Folgendes aus:

Die guten Götter und Dämonen schützen im Mythos den täglich neugeborenen Sonnengott. Übertragen wurde diese Vorstellung auf die Menschenwelt. Daher wurden die ungeborenen und die kleinen Kinder dem Sonnengott gleichgesetzt und wie der Sonnengott dem Schutz der numinosen Mächte empfohlen. Zur besseren Wirksamkeit der Stäbe wurden sie in die Nähe der Kinder gelegt, über sie gehalten, auch von den Schwangeren auf dem Leib getragen oder von den Geburtshelfern während der Entbindung zu beruhigendem Zauber benutzt. Gelegentlich spielen diese Zaubermittel bei besonderen kultischen Tänzen eine Rolle. Sie werden auch - eine noch wenig gedeutete Ausnahme der Anwendung des Brauches - als Neujahrsgeschenk überreicht (Grab des Rechmire, um 1350 v. Chr.). Gefunden wurden Zauberstäbe auschließlich in Frauen- oder Kindergräbern. Auffällig ist, daß auf den Stäben neben dem Namen der Mutter nur der des männlichen Kindes genannt wird. Bekannt sind bis jetzt 139 Zauberstäbe. Das Verbreitungsgebiet liegt zwischen dem nubischen Kerma und dem palästinensischen Megiddo. In letzterem Falle hat eine Frau mit einem akkadischen Eigennamen (Wemu-Baalat) durch diesen Gegenstand einer fremden Religion sich Hilfe erhofft. Die Nutzung dieser Stäbe blieb auf die Zeit zwischen 2000 v. Chr. und 1600 v. Chr. beschränkt. Zauberstäbe waren Gegenstände des Alltags. Abnützungsspuren und Reparaturen beweisen die wichtige und helfende Rolle von Zauber und Magie. Zum Schutz von Mutter und Kind wurden im Mittleren Reich, nahezu gleichzeitig zu den bildhaften Zauberstäben, Zaubersprüche formuliert und aufgeschrieben.

Es ging dabei u.a. um ein in der Berliner Sammlung befindliches Zaubermesser der Senaaib, datiert auf ca. 1750 v.Chr., Herkunft leider unbekannt. Unter den darauf eingeritzten Darstellungen befinden sich sowohl ein Bes als auch eine Beset:

Drei Zeilen Inschrift betonen, daß viele Götter gekommen sind zum Schutz der Senaaib, die von der Herrin des Hauses Senebsemaj geboren wurde. Diesem Text folgt ein Schakalkopfzeichen mit Messer, ein Greif, eine Inschrift: "Es soll zitiert werden von diesen Schutzzeichen die sprechen: Wir sind gekommen, damit wir den Schutz über Senaaib ausbreiten". Es folgt ein männlicher Dämon in Besgestalt, der (böse) Schlangen packt und ein weiblicher Bes, der (böse) Hasen packt. Die folgende Inschrift betont wiederum die Ankunft der Götter zum Schutz. Diesem folgt eine Löwengottheit, ein falkenköpfiger Löwe und ein Krokodil, darüber Menschenköpfe als Feinde.

Aus all dem folgt für mich, dass es keine große Diskrepanz zwischen der Kultfunktion des Bes als solarer Schutzgott und der Übernahme eben dieser Eigenschaften in andere Bereiche gibt und dass hier sogar "gleiche Form gleichen Inhalt transportiert". Zaubermesser (oder Zauberstäbe / Apotropaia) sind sehr stark auf Mutter/Kind und Geburt fixiert.

Widerlegt das nicht Deine Ausführungen? Oder habe ich einfach nur ein Verständnisproblem?

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 24.09.2003 um 01:59:47  Gehe zu Beitrag
Gast  
Gast

  
Amulette 
« Antwort #29, Datum: 26.09.2003 um 00:20:37 »     

@ Gitta:

Danke für den stichhaltige Conter.
Mein Beitrag bezieht sich v.a. darauf, nicht nur oberflächlige Parallelen als Problemlösung zu präsentieren. Sehr gerne wird bei den Amuletten ja von „Volksglaube“ bzw. „Aberglaube“ gesprochen. Alle Theorien, die dies als Basis für Argumentation machen, müssen berücksichtigen, dass es für diese Trennung (Staatsglaube vs. Volksglaube) keine Belege gibt und sie methodisch reine Willkür ist. Allerdings gibt einem die Theorie vom „Volksglauben“ viel argumentative Freiheit, was bei den Amuletten dankbare Abnehmer findet.
Hinter den Besamuletten,–bildern oder Zaubermessern einfache Fellachen als abergläubische Nutzer der mythischen Kräfte zu sehen ist zwar bequem aber nicht durch die Funde gestützt (viele der von dir zitierten Zaubermesser gehörten Königen oder Prinzessinnen und Bes begegnet vor allem im kgl Kontext und auch Deir el-Medineh ist kein Beispiel für eine „normale“ altägyptische Bauernsiedlung).

Deine Zitate von Fr. Kischkewitz beruhen durchweg auf der Untersuchung zu den Zaubermessern durch Altenmüller, der ihre Bedeutung und Funktion entschlüsseln konnte  (Altenmüller H., Die Apotropaia und die Götter Mittelägyptens, Diss. München 1965 sowie Altenmüller H., Ein Zaubermesser des Mittleren Reiches, SAK 13 (1986), 1-27) und entsprechen tatsächlich dem, was ich oben bemerkt habe:

Altenmüller hat akribisch und methodisch genau die einzelnen Symbole und Götter der Zaubermesser analysiert und mit einem mythologischen Ursprung in Verbindung gebracht. Das ist absolut o.K. Aber meine Kritik richtete sich nicht dagegen, sondern v.a. gegen weitverbreiteten Interpretationen von Amuletten oder Symbolen, die diesen mythologischen Hintergrund unbeachtet lassen!

Wenn also Bes von vielen Autoren – offenbar in Unkenntnis seiner mythischen Rolle – als „Geburtsgott“ oder „Kinder- und Schlafzimmergott“ (so M. Görg in: Schulz/Seidel, Ägypten, Welt der Pharaonen, S. 443 Nr. 38) betitelt, oder als „Musikgott“ (Charvat, ZÄS 107, S. 46 betitelt ihn als „god of sensual pleasure“!!!) bezeichnet wird, so ist dies m.E. falsch! Denn hier wird zB. einfach das Musikinstrument des Gottes zur dominierenden Instanz inder Argumentation gemacht, ohne zu berücksichtigen, dass Musik im Kult dieselbe Funktion haben konnte wie ein Messer, nämlich die Abwehr der (Sonnen-) Feinde. Bes ist also kein Musikgott, nur weil er auf einem Instrument spielt. Die Form „Instrument“ hat also nicht den Inhalt „(erheiterndes bzw. funktionsloses) Musizieren“ sondern „Feinde abwehren“ (Dass Musik eine solche apotropäische Funktion haben kann, ist für moderne Westeuropäer in Zeiten von Britney Spears ja nur bedingt nachvollziehbar). Und das ist doch gleich eine ganz andere Bedeutungsebene, auf der wir uns da bewegen.

Neben der Musik ist es auch der Tanz der Bes immer zugesprochen wird. Dass Bes trotz der Bes-Tattoos auf den Beinen von Tänzerinnen kein lustiger Tanzbär ist, erklärt sich daraus, dass auch der Tanz zum Tempelkult und als apotropäisches Mittel galt (Im Sonnenmythos gehörte der Siegesjubel und -tanz über die Sonnenfeinde zum Festprogramm).

Die Wiedergabe eines Bes auf einem Handgelenkschutz eines Bogenschützen der Pan-grave-Kultur (Brunton, 1937, S. 128) wäre in seiner Rolle als „Kinder- und Schlafzimmergott“ oder als „Musiker- oder Tänzer“ wohl kaum zu erklären. Seine Rolle als Kämpfer gegen die Sonnenfeinde gibt aber auch diesem martialischen Kontext einen Sinn.

Selbst die Messerform der Apotropaia verweist konsequent auf den Sonnenmythos. Re verteidigt sich beim Kampf im „See der Messer“ mit „Krummhölzern“ (Sethe, Pyramidentexte § 908b) und Messern (De Morgan, Kom Ombos II, S. 231 Nr. 293) gegen seine Feinde.

Einer bedauernswerten Analysemethodik wird Bes zumeist auch in der Erscheinung sogenannter Bes-Jugs unterzogen. Diese, mit Bes-Köpfen/Szenen dekorierten Gefäße (Besiakon), sollen nach der Meinung der meisten Befürworter der „Kinder- und Schlafzimmer“-Fraktion (zB. Doetsch-Amberger) berauschende Lotus-Getränke enthalten haben (so ja Homer in der Ilias!), die dann von Gläubigen durch Strohhalme konsumiert wurden (moderne Parallelen kennen wir aus Mallorca und Ibiza) um sich völlig bewußtlos zu trinken oder ausgelassen zu musizieren (Grunge?).
Woher kommt diese Meinung? Nun, auf vielen dieser Gefäße sind Lotos-Blüten und/oder Lotusdickichte abgebildet sowie tanzende/musiziernede Bes-Figuren. Der Lotus ist aber auch Symbol für Harpokrates bzw. das Sumpfdickicht der mythologische Zufluchtsort des jungen Sonnengottes und die Fundsituation der Gefäße spricht für einen kultischen Hintergrund (zB. im Magazinbereich des Ramesseums).
Wir müssen also den Ägyptern kein Drogenproblem unterstellen um die Darstellung zu interpretieren. Die Verbindung zum kultischen Fest und Mythos sollte also immer gesucht werden, um nicht Belege singulär zu interprtieren.
...
(sorry, dass es wieder so ausufernd geworden ist, aber das Thema ist so spannend! )
> Antwort auf Beitrag vom: 24.09.2003 um 14:17:09  Gehe zu Beitrag
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