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   Ägyptische Götterwelt (251)
   Cheops-Kult (10)
  Autor/in  Thema: Cheops-Kult
Echnaton  
Gast

  
Cheops-Kult  
« Datum: 23.09.2001 um 17:36:42 »     

Hi,

ich habe gerade einen Bericht, der beweist, dass Cheops in der 26. Dynastie als Gott verehrt wurde. Und ich möchte
gerne wissenm, wie es dazu kommen konnte.
Bericht:
Japanische Archäologen haben erstmals in Sakkara bei Kairo einen Beweis für den Cheops-Kult der 26. Dynastie (664-525 v.Chr.) entdeckt. Wie der Ausgrabungsleiter Nozunu Kawai erklärte, fanden die Wissenschenschaftler  in einer
grabähnlichen Kammer Fragmente von mindestens 15 Statuen. Eine davon, eine zwischen zwei Löwenbeinen sitzende sphinxähnliche Figur, trägt den Namen des Pharaos Cheops
(ca.2620-2580 v.Chr.), dem Erbauer der großen Pyramide von Giseh. "Statuen mit dem Namen des Cheops sind sehr selten",
sagte Kawai, "deshalb ist unser Fund ein wichtiger Beweis dafür, dass er in der späten 18. Dynastie tatsächlich als
Gott verehrt wurde." Zudem fanden die Japaner in der ursprünglichen versiegelten Steinkammer mehrere Statuen aus ungewöhnlichen Materialien. Eine zeigt eine Frau mit dem Kopf eines Löwen, eine andere Horus als Kind, das an seinem
Daumen lutscht.  dpa

So, das war's.
manetho  maennlich
Member

  

Re: Cheops-Kult  
« Antwort #1, Datum: 23.09.2001 um 17:55:02 »   

eine stichhaltige Begründung, warum gerade Cheops vergöttlicht wurde, kann ich Dir nicht anbieten, zumal mir diese Meldung auch neu war und ich an derer Stelle noch nicht darauf gestoßen war.  Beispielsweise sind in Edfu fast 1000 Götter an den Mauern verewigt, dass Cheops dabei ist, entzog sich allerdings meiner Kenntnis (wobei ich alledings auch bei weitem nicht alle kennne). Aber selbst bei D.Kurth )Leiter des Hamburger Edfu-Projektes) ist nix zu finden. (u.a. "Treffpunkt der Götter")
ganz allgemein aber folgendes: Cheops wäre bei weitem nicht der erste. Es ist bekannt, dass bedeutende Personen bzw. Personen mit überragenden Eigenschaften oder Leistungen auch lange Zeit nach ihrem Tode noch verehrt bzw. sogar vergöttlicht wurden. Dies betrifft sowhl Pharaonen als aus Personen nichtköniglichen Geblütes. Bei den Pharaonen wäre dies beispielsweise Amenophis I., der ebenso wie seine Mutter Ahmose-Nefertari vergöttlicht wurde und Schutzgottheit der thebanischen Nekropole war. Oder das vielleicht bekannteste Beispiel ist Imhotep. Es gibt aber noch weitere Beispiele, so Amenhotep, Sohn des Hapu (um 1430-1350 v. Chr.), er diente Amenophis III. als Schreiber und oberster Verwalter (Wesir). Er besaß Kultkapellen in den Tempeln von Deir el-Medina und wurde insbesondere wegen seiner Weisheit und seiner heilenden Kräfte verehrt. Oder Heqaib, ein Gaufürst von Elephantine - ebenfalls mit eigenen Kultanlagen.
Möglicherweise liegt die Sachlage bei Cheops ähnlich.
Sepp  
Gast

  
Re: Cheops-Kult  
« Antwort #2, Datum: 04.02.2002 um 12:00:50 »     

Ausgangspunkt einer "göttlichen" Verehrung des Cheops ist wohl kaum seine Leistung als "Pyramidenbauer", sondern die Rolle von Gize als Kultort des Horus und der Isis. Daß Cheops die Pyramide von Gize erbauen ließ war schon in der 1. Zwischenzeit nicht mehr bekannt und eine Verehrung oder ein Kult fand in dem Areal auch nicht mehr statt. Das Areal war sozusagen "out".
Auch im Neuen Reich finden sich keine Hinweise daß Cheops mit den Pyramiden in Zusammenhang gebracht wurde. Auch die Sphinx-Stele Amenophis' II. nennt ihn ja nur in Zusammenhang mit der Spinhx, nicht mit der Pyramide!
Ab der 21. Dynastie wurde neben einer Königinnenpyramide an der Cheopspyramide ein kleines Kultzentrum für Isis eingerichtet, das dann in der 26. Dynastie eine große Erweiterung erfuhr. Just eben in der Zeit, in der auch unsere Statuen anzusetzen sind.
Aber in den Inschriften dieses Tempelchens wird nicht Cheops als Pyramidencrack bezeichnet, sondern Isis heißt hier
"Isis, Herrin der Pyramide" (Graffito, Kairo, JdE 38990).
Und wieso dann Cheops, wenn man doch von dem guten Herrn gar nichts mehr wußte?
Nun, in jedem anständigen Tempel gab es eine Reihe von Ahnengöttern und Ahnenkönigen. Wie die Liste des Palermosteines zeigt, waren diese Listen z.T. ziemliche detailiert. Andere waren nur reine Auflistungen von Namen, die von Papyruslisten abgeschrieben wurden. Vollständigkeit wurde aber nie angestrebt. Wie ein Vergleich der einzelnen erhaltenen Listen zeigt,
[Bei D.B. Redford (Pharaonic King-Lists, Annals and Day-Books, Mississauga 1986) findet sich eine chaotische aber vollständige Zusammenstellung]
existierten auch regional unterschiedliche Listen, also Saqqara-Listen, Memphis-Listen, Theben-Listen etc.
Cheops wird wohl in einer dieser Gize-Saqqara Listen genannt gewesen sein und so seinen Eingang als "Ahnenkönig" in den lokalen Gize-Kult gefunden haben. Im Kult wurden diese Statuen der Ahnenkönige als "Bau", also sogenannte "Seelen" verehrt. Durch sie sollte die endlose Kontinuität des Pharaonentums und seines Kultes veranschaulicht werden. Diese Statuen und ihre Feststandarten wurden bei Prozessionen auch mit dem Götterbild herumgetragen und verehrt.

Mit seinem Pyramidenbau ist seine verehrung aber m.E. nicht zusammenzubringen (So wurde ja später zB. die Mykerinos Pyramide einer Pharaonin Rodophia zugeschrieben!)

Das waren ein paar Ideen zu den "neuen" Statuen...


Gruß Sepp
Benedikt  
Gast

  
Re: Cheops-Kult  
« Antwort #3, Datum: 04.02.2002 um 16:31:02 »     

Hallo

Das es eine Theorie in der Antike gab, das die Mycerinospyramide, vielleicht auch für die Hetäre Radophis errichtet wurde habe ich bei Diodor gelesen. Ergibt aber auch den Namen Mycerinos als möglichen Erbauer an. Auch erwähnt er für die zweitgrößte Pyramide einen Kephren als Erbauer. Hat man nicht zumindest in der Ptolemäer- und Römerzeit die Erbauer der Pyramiden gekannt.

benne
semataui  maennlich
Member

  

Re: Cheops-Kult  
« Antwort #4, Datum: 05.02.2002 um 10:40:21 »   

Hi,


Zitat:
Daß Cheops die Pyramide von Gize erbauen ließ war schon in der 1. Zwischenzeit nicht mehr bekannt und eine Verehrung oder ein Kult fand in dem Areal auch nicht mehr statt.


nach Verner und Lehner wurde der Chufu-Kult noch in der 6. Dyn. ausgeübt. Ich denke, dann war auch in der 1. ZZ der Erbauer der Pyr. noch bekannt.

Gruss
semataui
Sepp  
Gast

  
Re: Cheops-Kult  
« Antwort #5, Datum: 05.02.2002 um 13:33:19 »     

"35 der insgesamt 60 überlieferten Namen von Domänen des Chufu gehören noch der zweiten Hälfte der IV. Dynastie an, währen die restlichen 25 Domänen nur in Gräbern der V. Dynastie belegt sind. Aus der VI. Dynastie, der zeit also, in der die Zahl der Totenpriester des Chufu unvermindert groß bleibt, kennen wir kein einziges Stiftungsgut mehr. Offensichtlich ist also der Totenkult als wirtschaftliche Institution nicht mehr von Bedeutung." (Wildung, 1969, S. 158). Für die I. Zwischenzeit gibt es nur einen unsicheren Beleg zu einem Priester des Cheops und die 12. dynastie hat gar keine Priester mehr, sondern nur noch 2 Ortsnamen, die mit dem namen des Königs gebildet sind (Achet-Chufu und Menat-Chufu). Wie Goedickes Untersuchung der Steinblöcke von Lisht und der Pyramiden des MR belegt, wurden die Pyramiden- und Taltempel der Gize Anlage bereits im frühen MR als Steinbruch genutzt. Dasselbe Schicksal erlitt ja auch Abusir, wo die Könige der 5. Dynastie schon nach der 6. Dynastie vergessen waren und ihre Pyramidenanlagen verwehten und als Steinbruch/Grabplatz dienten.
Was ich mit meiner Aussage, daß kein Kult mehr bestand sagen wollte, ist, daß ich nicht glaube, daß ein Kult im Pyramidentempel bestand, der eine klare Zuordnung von Pyramide und Erbauer gestattet hätte. Natürlich wurde Cheops als Ahnengottheit auch weiterhin in (einigen) Landestempeln verehrt und in Königslisten aufgeführt. Schon die Nennung des Cheops in der Sphinx-Stele zeigt ja daß seine Name mit Gize allgemein noch zusammen gebracht wurde. Wie ich untern anhand des Isistempels zeigen möchte, aber eben in seiner Rolle als Kultstifter (In diesem Fall dem Kult des Sphinxtempels) und nicht als historische Person, die mit Pyramiden oder sonstigen Phänomenen in Verbindung gebracht wurde. Seine Verehrung fand vielleicht nur im Rahmen der üblichen Verehrung der Ahnenkönige statt. Einen besonderen Kult wegene seiner Rolle als Pyramidenbauer dürfte er aber m.E. nicht genossen haben.
Sepp  
Gast

  
Re: Cheops-Kult 
« Antwort #6, Datum: 05.02.2002 um 13:35:51 »     

und Manethos Frage:

Mal eine kleine Rundumbetrachtung der „späteren„ Quellen zu den Pyramiden von Gize:
Herodot (Historien II, 100 und 124ff.): Herodot spricht die Pyramide ganz richtige dem Cheops, einem Nachfolger des Rhampsinitos zu. Seinen Nachfolger nennt er Chefren (S. 127), der aber gegen Herodt sicher nicht sein Bruder war. Herodot setzt dann direkt zu Mykerinos über. Herodot wird also in seinen Histories hauptsächlich Informationen von Einheimischen am Gizeplateu selbst erhalten haben. Dort werden die Namen der Pyramidenbauer vermutlich noch bekannt gewesen sein (aus alten Königslisten und aus den überall sichtbaren Denkmälernfragmenten) aber ein Verbindung zu einzelnen Pyramiden dürfte eher zufällig gewesen sein, da diese ja keine Inschriften trugen und auch ihre Tempelanlagen zerstört waren (Siehe H. Goedicke, Re-used blocks, 1971, S. 11-13). Es ist doch erstaunlich daß immer nur die Bauherren des Gize-Plateaus genannt werden, während zB. Schepseskaf oder Djedefre nicht genannt sind, die ja ihre Grabanlagen nicht in Gize haben.
Die Erklärung hierfür könnte also lauten, daß Herodot in Gize nur Geschichten über die dort noch als „Lokalheilige„ bekannten Herrscher erfahren hat. In der Phantasie der Einheimischen wurden diese Namen mit den dortigen Pyramiden zusammengebracht. Wie konfus hier das allgemeine Bild war zeigt ja mein zitiertes Graffito, in dem Isis als Herrin der Pyramide bezeichnet wird. Cheops aber wurde im Isisheiligtum als Erbauer des ältesten Tempels der Isis verehrt (dies ist ja wieder die bekannte geschichte der Kultlegitimation durch lange Tradition; vgl. Hungernotstele), was auch sicher falsch ist, da der Tempel an dem das Isisheiligtum errichtet wurde ein alter Verehrungstempel einer Königsgemahlin des Cheops ist und erst viel später (ab NR) zu einem Isistempelchen umgebaut wurde.
Cheops wurde also auch im Zusammenhang mit dem Isiskult nie als „Pyramidenbauer„ gesehen sondern immer nur als Kultstifter des Isisheiligtums. Daß einige der Familienmitglieder der Priester des Isiskultes (Vgl. Zusammenstellung bei Wildung, Rolle der ägyptischen Könige, in: MÄS 17, S. 187) neben Namen mit Isis-Bestandteil auch „Chufu„ und „Chufuemachet„ heißen ist kein Argument für eine genaue Kenntnis um die Rolle des Cheops als Pyramidenbauer. Es gibt auch im NR noch Sesostris’se und in der Spätzeit Thutmosis’se. Als Stifter des Isiskultes war Cheops bekannt und in seinen Kult wurde der Kult der anderen Pyramidenbauer vom Gizeplateau mitverwehrt, aber m.E. eben nicht als Pyramidenbauer, sondern als besonders „maat-gerechte„ Herrscher die alte Kulte gestiftet haben.

Manetho (Aegyptiaca Fragment 20 des Syncellus nach Africanus) nennt die Baumeisterin der dritten Pyramide „Nitokris„. Nach derselben Kopie richtete sich offenbar auch Eusebius (Aegyptiaca, Fragment 21), der der Nitorkis aber anstelle der 12 Jahr bei Africanus 13 Regierungsjahre zugesteht.
Diodor (Diod. 1.I sect II. Art. XV-XVII) bringt das Dilemma der zeit auf den Punkt: „...Über die Pyramiden findet man übrigens bei den Eingeborenen sowohl als bei den Geschichtsschreibern durchaus keine übereinstimmenden Nachrichten. Denn einige behaupten sie seinen von jenen drei Königen (Chemmis, Chephren, Mykerinos), andere sie seien von andern erbaut (Armäus, Amasis, Inaros). Aber auch Diodor zitiert den Hass des Volkes auf diese Herrscher, der dazu geführt haben soll, daß sie sich nicht in den Pyramiden bestatten liessen.
Strabon (64 v. Chr.-21 n. Chr.) weist die Mykerinos Pyramide wie schon Diodor der Kurtisane des Cheops zu (Rodophia/Rodophis) und merkt an, daß Sappho diese Frau Doricha nennt (Strabon, Géographie XVII. 1,33)
Plinius (Histoire Naturelle, XXXVI. XVII. 82) stimmt mit den anderen Historikern überein.

Die Christen folgten meist der biblischen These von Joseph als Erbauer der Pyramiden (Kornspeicher). Diese Theorie bestand bereits seit dem 4. Jh. n. Chr. Erst ab dem 15. Jh. setzte sich wieder die Meinung durch, daß die Pyramiden Gräber seien. Von wem und von wann war aber total unbekannt.
In islamischer Zeit scheint dann nur noch Märchen und Phantasien geprägt zu sein:
Ibtahim Ibn Wasif Schah (12. Jh.) gibt an, daß die Pyramiden wegen der Sinnflut errichtet wurden. Der Erbauer heißt bei ihm Saurîd und ließ die Pyramide mit Schätzen füllen (soso!), Geheimtexten vollständig dekorieren (ahh ja!) und er gibt an, daß die (Cheops-)Pyramide vollständig mit Brokat verkleidet wurde. In der Chefrenpyramide (die auch von Saurîd erbaut worden sein soll, ließ er dann 30 Grabkammern anlegen, die mit magischen Gegenständen (unzerstörbare Waffen, unzerbrechliches Glas ect.) gefüllt waren.
Die koptische Legende, daß der König Saurîd die Pyramiden erbauen hat lassen stützt sich wohl auf die arabische Erzählung. Auch sie ist frei von jeglicher Realität.
Außer Masûsî, der die Pyramide dem Agathodaimon zuschreibt, die mittlere dem Hermes (der 1000 Jahre später gelebt haben soll), gehen alle späteren arabischen Erzähler nicht mehr auf die Erbauer, sondern nur noch auf die Riesenschätze ein, die sich im Inneren der Pyramiden befunden haben sollen (Al-Masûdî, Al-Kaisî, Abd al-Latîf).
Lauer (1980) bringt die Unstimmigkeiten auf den Punkt: „In der Tat scheinen die Namen der wirklichen Erbauer der Pyramiden im Laufe der zeit der Vergessenheit anheimgefallen zu sein.„ (Ph. Lauer, 1980, S: 23).

Die griechisch-römische Tradition des Stoffes ist auffallend negativ geprägt. Die 4. Dyn. ist demnach eine gottlose Zeit und eine Phase der Unterdrückung und Zwangsarbeit. Rodophis wird sogar als Kurtisane dargestellt (inwieweit das zur damaligen Zeit negativ war, bleibt natürlich dahingestellt). Dies passt aber nicht zu dem Bild das sich uns von Cheops und seinen Söhnen in der Spätzeit bietet. Denn wie oben dargestellt, wurde ja Cheops als ganz besonders frommer Kerl verehrt, der das Isisheiligtum gegründet haben soll. Hie passen also viele Sachen nicht zusammen, was vielleicht dadurch erklärbar wird, wenn man akzeptiert, daß die Pyramiden auch für die Ägypter des NR und danach ein Phänomen waren und ihre Zuweisung an bestimmte Herrscher nicht mehr klar war.

Wie M. Verner (Chentkaus) es darstellt, handelt es ich bei der Rodophis-Erzählung um eine Volksmythe, die sich wohl auf die 4. Pyramide von Gize, die der Chentkaus I., bezieht. Somit verlieren die griechischen, römischen und christlichen Texte auch den letzten Funken Historizität. Vom Gize-Plateau war vermutlich außer einem Konvolut an Sagen, Märchen und Touristen-Fänger-Geschichten nicht mehr viel „geschichtliches„ bekannt. Die griechisch-römischen Besucher werden ihre Informationen wohl von den Einheimischen „Touristenführern„ erhalten haben, die nicht wenig Phantasie bewiesen...

So! Jetzt erst mal genug gefaselt!

P.S: manetho, wenn dich das thema so brennend interessiert, kann ich dir auch eine Zusammenstellung der Tradition hierzu bei den arabischen Historikern zukommen lassen, falls du sowas bräuchtest/möchtest etc.! Ist sehr blumig aber weniger aufschlußreich als die griechisch-römischen Autoren...

Ramses1605  
Gast

  
Re: Cheops-Kult  
« Antwort #7, Datum: 05.02.2002 um 17:18:12 »     

Wie Goedickes Untersuchung der Steinblöcke von Lisht und der Pyramiden des MR belegt, wurden die Pyramiden- und Taltempel der Gize Anlage bereits im frühen MR als Steinbruch genutzt.


Hallo Sepp,

Wie gesichert ist diese Aussage eigentlich ? Ich sehe da durchaus auch die Möglichkeit, dass die Steine lediglich aus den gleichen Steinbrüchen stammen.
Welche Hinweise gibt es dafür, dass sie den Bauwerken entnommen wurden...?

Ramses
Sepp  
Gast

  
Re: Cheops-Kult  
« Antwort #8, Datum: 05.02.2002 um 18:38:35 »     

Wie Stadelmann meiner Meinung nach recht überzeugend dargestellt hat, ist es ziemlich unwahrscheinlich (ohh! ein archäologischer Superlativ!! ), daß ein Nachfolger in der 4. Dynastie an einer Pyramide des Vorgängers noch groß herumgebaut hat (Stadelmann, Prag 2000). Somit stand nach Vollendung der Mykerinos-Anlage und dem Bau des Chentkaus Bezirkes das Gize-Plateau fast vollgebaut und abgeschlossen da. Die Dynastie zog um nach Saqqara-Nord, dann nach Abusir und anschließend wieder nach Saqqara. Gize war also - wie ich oben geschrieben hab - "out", weil vollgebaut.

Sehen wir uns zB. die Verfallsentwicklung des Mykerinos-Pyramidenkomplexes an, so stellt Reisner hierzu fest (Reisner, Mycerinus, 1931, S. 33): "Abandonment of the temple soon after (i.e. der VI. Dyn.); collapse of the roofs of magazines; decay of crude-brick casing walls and formation of a mud surface of decay in the court and the entrance corridor."
Reisner gibt dann noch an, daß alle Granitbestandteile, also die tragenden Elemente des Komplexes entfernt wurden, was wohl den Einsturz des Baus beschleunigt haben dürfte.

Speziell zur Pyramidenstat des Mykerinos gibt Reisner noch an (op. cit. S. 50): "Once the Privileges (ein einer Pyramidenstadt zu leben) ceased to exist, all incentive to live in the city or to maintain the temles was destroyed, so that the site was abandoned and fell rapidly into decay. Situated as it was (nämlich im Taltempel und Verehrungstempel), the ruined temple and the city were soon covered with sand and their existence forgotten."

Wie schnell so ein Verfall gehen kann ist hier also dargestellt.

Die Blöcke stammen übrigens sicher nicht aus Steinbrüchen, da sie alle beschriftet und dekoriert sind.
Speziell zu den Blöcken (Heute im Museum of Fine Arts, Boston, 58.322; und im MMA 22.1.19; 22.1.7 und MMA 22.1.3; 22.1.25; 09.180.6 und einige andere vgl. Goedicke,S. 29ff.), die aus dem Bezirk des Cheops stammen und im Fundament der Mastaba des Rehu-ir-djer-den und dem Zentralmauerwerk der Pyramide Amenemhets' I. gefunden wurden (in Lisht), ist eine Herkunftsbestimmung aus dem Taltempel des Cheops sehr wahrscheinlich. Goedickes Ansatz basiert hier auf der Reliefgestaltung der Blöcke. Zum einen zeigen sie die Kartusche des Cheops und Motive die normalerweise zur Ausgestaltung des Taltempels und AUfweges gehören.

Übrigens fanden sich hier auch Blöcke des Chefren und von Pyramiden der 5. Dynastie.

Amenemhet I. hat also wenig Pietät gegenüber seinen Vorgängern gezeigt und sich schamlos bedient.

Hoffe das beantwortet deine Frage.
Ganz Sicher ist wie immer nichts, aber in dem fall doch ziemlich sicher.  
Crossinger  
Gast

  
Re: Cheops-Kult  
« Antwort #9, Datum: 05.02.2002 um 18:38:56 »     


Zitat - Ramses1605:
Wie gesichert ist diese Aussage eigentlich ? Ich sehe da durchaus auch die Möglichkeit, dass die Steine lediglich aus den gleichen Steinbrüchen stammen.
Welche Hinweise gibt es dafür, dass sie den Bauwerken entnommen wurden...?

Ramses


Ganz einfach: Auf den Steinen sind ausgezeichnete Relief-Arbeiten!

Tschüss

C.
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