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   Die Schrift (448)
   Älteste Opferformel (5)
  Autor/in  Thema: Älteste Opferformel
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Älteste Opferformel 
« Datum: 19.12.2005 um 00:39:27 »   

Liebe Ägyptenfreunde,

laut Winfried Barta, Aufbau und Bedeutung der alt-ägyptischen Opferformel, Glückstadt, 1968, S. 3 befindet sich die älteste uns überlieferte Opferformel im Grab des Ra-Htp in Medum; von hier stammen auch die berühmten Statuen (mit seiner Frau Nfr.t) im Kairener Museum.

Zitat:
Sie befindet sich in Senkrechtschreibung neben Titeln und dem Namen des Verstorbenen auf der schmalen Rückwand der Scheintürnische und nennt allein die Götterformel gefolgt von einer kurzen Bitte.

Das heißt, daß der übliche Beginn (nach Barta: die "Königsformel") Htp dj nsw "ein Opfer, das der König gibt" fehlt. Auch wird hier eine andere Bitte genannt als die, die wir bisher in unseren Beispielen angetroffen haben.

Die Abbildung stammt aus William Matthew Flinders Petrie, Medum, London, 1892, Tafel XIII. Die Opferformel habe ich rot umrandet.


Htp Dj Inpw "Ein Opfer, das Anubis gibt, ..."
Da diese Inschrift aus der 4. Dynastie datiert, ist die altägyptische Lesung Dj für X8 anzusetzen; mittelägyptisch wird es als dj transkribiert.

Nach Barta, S. 8 ist "Anubis der einzige Gott, der in der Götterformel der 4. Dynastie genannt wird. Als Schreibung dient in allen Fällen die Hieroglyphe des liegenden Caniden."


(jw=f) m nb jmAx r jmnt.t "... (er möge kommen) als Ehrwürdiger / Versorgter zum Westen (= zur Nekropole)"

Das jw=f - bei Petrie zerstört - konnte früher noch erkannt werden (nach Barta, S. 298).

Diese Bitte wird bis zum Ende des Neuen Reiches nur einmal, nämlich hier, verwendet. Nach einer Diskussion mit verschiedenen Auffassungen kommt Barta zum Schluß, daß diese Bitte "demnach nichts anderes bedeuten (wird), als daß der Verstorbene in den Westen zu gelangen wünscht, nachdem ihm die Bestattungszeremonien vollzogen worden sind." (Barta, S. 297-298)


Viele Grüße,
Michael Tilgner
« Letzte Änderung: 19.12.2005 um 11:31:13 von Michael Tilgner »
Gitta  
Gast

  
Re: Älteste Opferformel 
« Antwort #1, Datum: 19.12.2005 um 14:52:13 »     

Hallo Michael,

die "Bitte um Bestattung" finden wir scheinbar im AR öfter in den Opferformeln. Auszug aus meinem "Demokratie"-Artikel:

Interessant in diesem Zusammenhang ist aber das Erscheinen des Osiris im nichtköniglichen funerären Zusammenhang. Im späten Alten Reich wird er erstmalig in der Einleitung von Opferformeln genannt. So heißt es am äußeren Architrav des Grabes der Hemetra in Giza, das auf die 4. oder 5. Dynastie datiert wird, „Ein Opfer, das der König gibt (und) ein Opfer, das Anubis, Herr der westlichen Nekropole und der Balsamierungshalle, gibt (und) ein Opfer, das Osiris gibt“, gefolgt von der Bitte um Bestattung und Opferritual.  Die Nennung des Osiris an dritter Stelle ist nur selten belegt. Häufiger erscheint jedoch schon die Opferformel als „Ein Opfer, das der König gibt (und) Osiris (als großer Gott)“, gefolgt von der Bitte um das Opferritual.

Es ging mir in dem Artikel zwar eigentlich um das erste Auftauchen des Osiris, aber dabei bin ich auch auf die Opferformel gestoßen. Meine Quelle ist Fitzenreiter, der sich wiederum auf Lapp und Barta stützt.

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 19.12.2005 um 00:39:27  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Älteste Opferformel 
« Antwort #2, Datum: 20.12.2005 um 10:24:36 »   

Liebe Gitta,

die Opferformel ist bis in die griechisch-römische Zeit auf tausenden von Inschriften verwendet worden und hat natürlich in dieser Zeit vielfache Veränderungen erfahren. Mir ging es in diesem Posting darum, die älteste Fassung vorzustellen.

Zu Deinem Kommentar kann ich ergänzend noch die "Belege" anführen:

Zitat:
Am Ende der 5. Dynastie treten erstmals neben Anubis noch andere Götter auf, und der Königsformel können von jetzt an mehrere Götterformeln hintereinander geschaltet folgen. Besonders Osiris und sehr viel seltener auch Chontamenti werden als Gnadenspender angerufen. Selbst der "große Gott" (nTr aA) und Geb erscheinen je einmal in der Götterformel [in der 5. Dynastie]. (Winfried Barta, Aufbau und Bedeutung der altägyptischen Opferformel, Glückstadt, 1968, S. 15)

In dem Werk Günther Lapp, Die Opferformel des Alten Reiches. Unter Berücksichtigung einiger späterer Formen, Mainz, 1986 werden - soweit ich sehen kann - nur kurz die Schreibungen der Götter Osiris und Anubis analysiert, ohne im einzelnen auf Fragen der Datierung näher einzugehen (§§ 16-19).

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 19.12.2005 um 14:52:13  Gehe zu Beitrag
Rolf  
Gast

  
Re: Älteste Opferformel HieraticInscriptionsQurna_k.jpg - 40,73 KB
« Antwort #3, Datum: 20.12.2005 um 13:16:38 »     

Hallo Michael,

Ich habe mir das Ganze noch nicht zu Ende überlegt - aber möglicherweise hilft uns ein Auszug (Anhang) aus den

"Hieratic Inscriptions from the Quarry at Qurna: an interim Report Shin-ichi Nishimoto, Sakuji Yoshimura, and Jiro Kondo"

weiter - und ergibt eine Übersetzung, deren Inhalt mit der deinen, wohl schon vorbereiteten, einen Sinn ergeben könnte, dessen Bedeutung "slightly different" sein könnte (a limestone quarry at the northeast end of the West Bank of Thebes, close to the beginning of the road leading to the Valley of the Kings).

Mit Gruss
Rolf
> Antwort auf Beitrag vom: 20.12.2005 um 10:24:36  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Älteste Opferformel nishimoto.pdf - 515,89 KB
« Antwort #4, Datum: 20.12.2005 um 13:28:17 »   


Zitat:
Ich habe mir das Ganze noch nicht zu Ende überlegt - aber möglicherweise hilft uns ein Auszug ....


Man darf gespannt sein, zu welchen Ergebnissen die Überlegungen zu diesen hieratischen Inschriften aus einem Steinbruch der 18. Dynastie kommen.

Derweil für alle anderen als Anhang eine PDF-Version der Publikation aus BMSAES, Heft 4, December 2004.

Zu Abb. 6 schreiben die Autoren:

Gallery A, east wall (Fig. 6):
Some marks with a dog (Anubis?), painted in red ink. These marks seem to be similar to that described
on the ostraca found around KV 22.

Und verweisen auf die Fussnote 7:
Kondo, in Wilkinson (ed.),
Valley of the Sun God, 32; id. in Hawass and Jones (eds),
Eighth International Congress of Egyptologists: Abstracts of Papers , 101; Yoshimura and Kondo,
Egyptian Archaeology 7 (1995), 18, colour plate.
These signs seem to represent individual workmen’s names; cf Haring, GM 178 (2000), 45–55


Iufaa
> Antwort auf Beitrag vom: 20.12.2005 um 13:16:38  Gehe zu Beitrag
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