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   Ostrakon Kairo CG 25216 (JE 27419) (5)
  Autor/in  Thema: Ostrakon Kairo CG 25216 (JE 27419)
Astrodoc  maennlich
Member



Ostrakon Kairo CG 25216 (JE 27419) CG25216_verso.gif - 52,21 KB
« Datum: 08.04.2006 um 20:13:01 »   

Hallo allerseits!

Nach langer Pause habe ich wieder mal eine Frage:

Kann jemand diesen Text, der sich auf der Rückseite des Ostrakons CG25216 befindet (Vorderseite: Beginn der Sinuhe-Erzählung) einem literarischen Werk zuordnen?



Schöne Grüße

Astrodoc


Quelle: G. Daressy - Ostraca, S. 46-47.
Daressy führt hier lediglich aus: "Au revers est ce texte, sans rapport avec celui du recto:" [Es folgt die Transliteration.]
« Letzte Änderung: 08.04.2006 um 20:16:10 von Astrodoc »


- Vollbild -
Astrodoc  maennlich
Member - Themenstarter



Re: Ostrakon Kairo CG 25216 (JE 27419) 
« Antwort #1, Datum: 16.04.2006 um 11:53:12 »   

Ich weiß, die Frage ist schwer  

Aber traut sich nicht einmal jemand an eine Übersetzung? Es scheint mir lediglich der Beginn eines Briefes an eine höhergestellte Dame zu sein.

Ich fange mal an:

wab onj.t +Hw.tj +Hw.tj-Hr-mk.t
Der Wabpriester der Sänfte des Thot, Djehuti-her-maket*, (er sagt):
* Ist dieser Name belegt? Führt H. Ranke, Personennamen I, ihn auf?

wj Hr nD-xr.t n nb.t(-pr) WAH-///
Ich grüße die Herrin (des Hauses?) Wah-///

/// m  anx.w-wDA.w-snb.w
/// in Leben-Heil-Gesundheit

m Hs.wt Jmn-Ra nsw-nTr.w
und in der Gunst des Amun-Ra, des Königs der Götter.

wHm Dd sp 2
(Wiederholt zu sprechen zweimal!)
= Bekräftigung des Grußwunsches


Schöne Grüße
Astrodoc
« Letzte Änderung: 16.04.2006 um 11:56:28 von Astrodoc »
> Antwort auf Beitrag vom: 08.04.2006 um 20:13:01  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member



Re: Ostrakon Kairo CG 25216 (JE 27419) 
« Antwort #2, Datum: 16.04.2006 um 13:37:05 »   

Hallo, Astrodoc,

ach so, das war eine Aufforderung zur Übersetzung!

Wie Du schon ausgeführt hast, handelt es sich offensichtlich um einen Brief.

Die hier verwendete Einleitungsformel ist:

Absender Hr nD-xr.t (n) Empfänger
"Absender erfragt das Befinden von Empfänger"

&tj Hr nD-xr.t (n) Ppj "[epist (= Briefstil), als Begrüßung Gleichgestellter] Teti fragt nach dem Befinden des Pepi" (Hannig, Ägyptisch-Deutsch, S. 448)
Zum Briefaufbau allgemein: Friedrich Junge, Neuägyptisch. Einführung in die Grammatik, 1996, S. 310-313 - Dort wird diese Phrase als "familiär" gekennzeichnet.

nD-jx.t ist als Variante von nD-xr.t anzusehen (Hannig, S. 447) - Siehe auch Hannig, S. 612: "xr.t Sache cf. jx.t Sache; mit überschneidender Bedeutung zu Xr.t"

Auf dieser Basis läßt sich auch der Name besser abgrenzen als

+Hw.tj-Hr-mk.t-wj
"Thoth schützt mich"

Einen ähnlichen Namen verzeichnet Ranke, Personennamen, Bd. I, S. 408, Nr. 16 [= PN I, 408.16]

+Hw.tj-Hr-mk.t-f
"Thoth schützt ihn"

Der Name der Empfängerin fehlt hier. Ich vermute, daß es sich um einen Titel wie nb.t wAH[-jb] "Herrin (Besitzerin) von Freundlichkeit" oder so etwas handelt.

Danach folgt eine weitere Briefformel

m anx wDA snb m Hsw.t Jmn-Ra nsw-nTr.w
"(sei) in Leben, Heil und Gesundheit; in der Gunst des Amun-Re, des Königs der Götter"

Dieser Teil ist auch der Anfang einer längeren Briefformel bei Hannig, S. 145 (rechte Spalte, Mitte); sh. auch Junge, S. 311

Grammatikalisch handelt es sich um ein adverbielles Prädikat, bei dem das Subjekt weggelassen wurde (Gardiner, Egyptian Grammar, § 153 "Emphatic use of adverbial predicate"). Junge weist darauf hin, daß diese Verwendung im Mittelägyptischen als Relikt im Neuägyptischen anzusehen ist.

Du hast anx.w wDA.w snb.w geschrieben und wahrscheinlich das übliche Beiwort eines Königs oder einer verehrten Person im Sinn gehabt, das üblicherweise als Pseudopartizip gedeutet wird (Gardiner, § 313 "Exclamatory use of the 2nd and 3rd persons"). Das ist aber hier nicht der Fall.

... der Rest folgt später.

Viele Grüße,
Michael Tilgner



> Antwort auf Beitrag vom: 16.04.2006 um 11:53:12  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member



Re: Ostrakon Kairo CG 25216 (JE 27419) 
« Antwort #3, Datum: 16.04.2006 um 16:52:23 »   

Lieber Astrodoc,

es schließt sich an:

... tw.t ... niw.t

Aufgrund der Lückenhaftigkeit kann ich damit im Moment nichts anfangen.

mtw=j Hr Dd n Jmn Mw.t #nsw nTr.w nb ntj m *swA.w n njw.t
"Ich bitte Amun, Mut, Chons und alle Götter, die in der Umgebung der Stadt (= Theben) sind: ..."

Auch dieser Satz gehört zu den Briefformeln: die Segen erbittende Anrede, die der Begrüßung folgt.

tw=j (Hr) Dd n Gott NN (ggf. weitere Götter) jmj snb=k
"Ich bitte NN, daß 'er' Dich (den Empfänger) gesund sein lasse" oder
"Ich bitte NN: Laß 'ihn' (den Empfänger) gesund sein"
(Junge, S. 312) Junge merkt an: "... in beiden Fällen muß einer der Pronomialbezüge angepaßt werden, man kann die ägyptische Konstruktion in der Übersetzung nicht nachbilden."

Grammatik: Hier handelt es sich um die neuägyptische Verbform des sog. Präsens I (Junge, S. 117-129): tw + Suffix + (Hr) + Infinitiv bzw. tw + Suffix + Pseudopartizip. Hier sehen wir aber eine andere Konstruktion, nämlich mit mtw + Suffix. Bei dieser Verbform handelt es sich um den sog. neuägyptischen Konjunktiv, der z.B. nach einem Imperativ oder einem Wunsch verwendet wird (Junge, S. 246-254). Leider läßt sich der vorangegangene Satz wegen der Lücken nicht angeben, so daß sich nichts Genaueres sagen läßt. Zu den Einzelheiten dieser Verbformen muß ich auf die neuägyptischen Grammatiken verweisen (Erman, Junge).

Grammatik: "Wie die Adjektive und Partizipien des Neuägyptischen allgemein kongruiert ntj nicht mit seinem Bezugsnomen." (Junge, S. 69) Deshalb habe ich nicht zu ntj(.w) - und auch nicht zu nb(.w) - ergänzt.

*swA.w (*xbs.w, *sw) *Bezirk, Gebiet; Umgebung ntj m swA.w der in der Umgebung ist ... [Lesung nicht gesichert, wegen ähnlicher Aussprache mit '6' ist die Lesung swA.w vorzuziehen, cf. aber xbs.w]" (Hannig, S. 675) - Zu xbs.w ist aber nichts zu finden, außer xbs "Hackfeld, Acker, Feld" (S. 592)
njw.t "... Stadt Theben .." (Hannig, S. 392)


Das folgende stellt eine kleine Hürde dar: Es steht jpn sdb da, worin ich aber keinen Sinn finde. Aufgrund der allgemeinen Briefformel und der folgenden Formulierungen nehme ich folgendes an:

jmj sDb=k jmj wDA=k jmj pt[r=j tw snb.tj] ...
"Mögest Du leben, mögest Du heil sein, möge [ich Dich gesund] sehen ..."
[Nach Junge: "Laßt 'ihn' leben, laßt 'ihn' heil sein, laßt ihn 'mich' gesund sehen ..."]

jmj "[Imperativ zu rdj geben, veranlassen] ... [Neuägyptisch, als Optativ vor sDm=f] jmj wn=k m Hsw.t Jmn-Ra mögest Du in der Gunst des Amun-Re sein" (Hannig, S. 68-69)
sDb "ins Leben kommen, sich am Leben erhalten rdj sDb=f (anx=f) veranlassen, daß er lebe" (Hannig, S. 793) - Hier ist sehr knapp ausgedrückt, daß sDb als Synonym von anx dienen kann (klarer im Wörterbuch, Bd. IV, S. 380)

Den Schluß habe ich mit einer gängigen Brieffloskel ergänzt. Gesucht ist ein Verb, das mit pt... beginnt; da kommen nicht viele in Frage.
ptr "sehen" (Hannig, S. 298)
Das paßt zu: "Die Inhalte der Bitten können auch persönlichere Varianten zeigem, etwa '(ich bitte Ptah und alle Götter,) jmm ptr=j tw snb.tj mH qnj jm=k daß 'sie' mich Dich gesund wiedersehen und in die Arme schließen lassen' ..." (Junge, S. 312) - Junge transkribiert jmm, was ich oben nach Hannig mit jmj wiedergegeben habe.

Eine Schwierigkeit habe ich bis jetzt übergangen, daß nämlich im Text genaugenommen steht:

jmj sDb=j jmj wDA=j ...
"Möge ich leben, möge ich heil sein ..."

Das scheint mir ein Fehler zu sein. Vielleicht habe ich aber auch nur alles falsch übersetzt ...


Viele Grüße,
Michael Tilgner
« Letzte Änderung: 16.04.2006 um 17:27:24 von Michael Tilgner »
> Antwort auf Beitrag vom: 16.04.2006 um 13:37:05  Gehe zu Beitrag
Astrodoc  maennlich
Member - Themenstarter



Re: Ostrakon Kairo CG 25216 (JE 27419) CG25216_vs_TLA.gif - 26,47 KB
« Antwort #4, Datum: 21.04.2006 um 18:06:29 »   

Hallo Michael!

Ich habe ein wenig im TLA gestöbert und bin auf den u.a. Zettel gestoßen. Scheinbar konnten die Berliner auf dem Ostrakon noch mehr erkennen als Herr Daressy :-D Er hatte das Zeichen V29 zu lesen geglaubt, die Berliner sehen O1 & Z1  

Auch der weibliche Name scheint doch noch partiell lesbar zu sein.


Schöne Grüße
Astrodoc


- Vollbild -
> Antwort auf Beitrag vom: 16.04.2006 um 16:52:23  Gehe zu Beitrag
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