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   Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze? (14)
  Autor/in  Thema: Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze?
thomas  maennlich
Member

  

Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze? 
« Datum: 02.01.2013 um 16:32:14 »   

Liebe Gemeinde des Forums,

folgende Tatbestände sollen als Anhaltspunkt für mein Gedankenspiel dienen:

1.) Sätze der Suffixkonjugation mit einem Verb als Prädikat haben normalerweise die Reihenfolge Verb – Subjekt – Objekt – Adverbiale Bestimmungen.

2.) In der Konstruktion Nomen + Verbum der Suffixkonjugation wird das Nomen durch ein pronominales Element, in bestimmten Fällen durch ein Adverb, an einer Stelle hinter dem Verbalstamm wieder aufgenommen. Daraus ergibt sich, daß in jedem Fall ein kompletter Satz übrig bleibt, wenn man das vorangestellte Nomen wegläßt.

3.) James P. Allen, Kapitel 23, Seite 333: Most Egyptian adjectives themselves, in fact, are nothing more than active participles of adjectiveverbs: the adjective nfr “good, the one who is good,” for example, is an active participle of the verb nfr “become good, be good,” just as the participle mr “loving, the one who loves” is an active participle of the verb mrj “love.” Because you are already well acquainted with adjectives, you already know a good deal about how participles work.
Participles, however, are more than simple one-word adjectives. They are also verb forms, and like other verb forms they can be used as the predicate in a clause of their own, with the same kinds of objects, datives, adverbs, and dependent clauses that accompany other verb forms. Unlike other kinds of clauses with a verbal predicate, however, participial clauses do not have a separate subject. This is because the participle contains in itself both the verb and its subject.

4.) Partizip Perfekt Aktiv hat keine speziellen Endungen ausser denen des Geschlechts und der Anzahl.

Zu meiner Ausführung:

Zitat:
Das Pseudopartizip ist von Hause aus so angelegt, daß die pronominalen Subjekte nicht einfach durch nominale ersetzt werden können; daß darüberhinaus sogar ein pronominales Element in jedem Fall obligatorisch ist.

(Wolfgang Schenkel, Beiträge zur mittelägyptischen Syntax, 1966; Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde; Seite 47-72).

Grundbeobachtung dort: Das Pseudopartizip ist eine Verbalform. Ein Satz mit Pseudopartizip und pronominalen Subjekt hat die syntaktische Form Verbum – Pronomen, z. B. sDm.w. Setzt man statt des pronominalen "Subjekts" ein nominales ein, so entsteht ein ganz andere Form: Nomen + (Verbum – Pronomen), z. B. xrw + sDm.w.

Meine Gedanken dazu: Ein Pseudopartizip ist ein Verbaladjektiv, kein Verb. Sätze mit Pseudopartizip sind Adjektivalsätze, dessen Subjekt zur Betonung vorangestellt wurde. Daher gilt: Subjekt (Substantiv oder abhängiges Personalpronomen) – Prädikat (Verbaladjektiv oder Partizip). Vorangestellte Subjekte werden auf Prädikat-Seite durch ein entsprechendes pronominales Element wieder aufgenommen. Bei einem Adjektiv oder Partizip sind das die "Stativendungen"; bei einem Verb wären es die pronominalen Elemente der Suffixkonjugation.

xrw sDm.w "Die Stimme wurde gehört"; sDm (=Partizip Perfekt Aktiv) xrw "Die Stimme wurde gehört".
prr=j Hzj.kw "Mein Erscheinen wurde gelobt"; Hzj prr=j "Mein Erscheinen wurde gelobt".
mk sw prj.w "Siehe, er ist hervorgekommen"; prj sw "Er ist hervorgekommen".

Ich bitte um eure geschätzte Meinung!

Gruß
Thomas
Maketaton  
Member

  

Re: Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze? 
« Antwort #1, Datum: 03.01.2013 um 18:43:00 »   

Lieber Thomas,

wenn ich davon ausgehe, was ich gelernt habe, dann hinken Deine Beispiele. Z.B. die Form prr drückt Allgemeingültiges oder Wiederkehrendes Haus. Man übersetzt das (bisher) etwa mit: Ich ging regelmäßig fort, indem ich gelobt wurde. Ich weiß nicht, wie du auf "Erscheinen" kommst. Die beiden anderen Beispielen würde ich emphatisch übersetzen, wodurch die Betonung verlagert würde.
Vielleicht habe ich aber auch einfach nicht verstanden, worum es Dir geht.

Grüße
Maket-Aton  
> Antwort auf Beitrag vom: 02.01.2013 um 16:32:14  Gehe zu Beitrag
thomas  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze? 
« Antwort #2, Datum: 03.01.2013 um 21:37:19 »   

Hallo Maket-Aton,

die Beispiele sind wohl nicht so klug gewählt, daher ein weiterer Versuch:

prr=j Hzj.kw m aH ist der komplette Satz.

prr ist Generalis/Aorist (§ 70 Boyo Ockinga) von prj: herauskommen; herausgehen; Wb 1, 518-525.3. Es ist eine substantivische Verbform, die entweder an initialer Position erscheint oder an Stelle eine Substantivs.
Die komplette Übersetzung lautet: Ich ging fort, gelobt im Palast. Den betonten adverbialen Ausdruck bildet das Pseudopartizip.

Mit "Ich ging fort" kann ich nicht so ganz konform gehen, es fehlt mir die Vokabel "fortgehen" dazu, sondern eher mit hervorkommen im Sinne von "Erscheinen". Das sei aber nur am Rande erwähnt.

Ich will aber auf etwas anderes hinaus. Betrachte dir bitte einmal den Adjektivalsatz. Hier gilt die Syntax Prädikat – Subjekt. Prädikat ist ein Adjektiv oder ein Partizip, Subjekt ist ein Substantiv, ein enklitisches Pronomen oder n + Suffix. Beispiel: nfr.wj sw "Er ist aber schön". ".wj" ist eine admirative Endung. Man könnte sie statt mit "aber" auch mit "Oh" übersetzen: Oh (wie) schön ist er.
Will ich das Subjekt eines Adjektivalsatzes betonen, so entsteht ein Konstrukt, dass mehr nach einem Pseudopartizip aussieht: sw nfr.wj. Das Pronomen müsste noch durch eine Partikel gestützt werden z.B. m=k sw nfr.w(j) "Siehe, er ist schön".

Daher meine Idee: Pseudopartizipien sind Verbaladjektive, keine Verben. Beispiel: prr=j ist das vorangestellte Subjekt (Generalis/Aorist anstelle eines Substantivs), Hzj.kw das Verbaladjektiv (Partizip). "Mein Fortgang ist/wurde gelobt", um bei der üblichen Übersetzung zu bleiben. Die Betonung liegt hier auf "Mein Fortgang".

Gruß
Thomas
> Antwort auf Beitrag vom: 03.01.2013 um 18:43:00  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze? 
« Antwort #3, Datum: 04.01.2013 um 01:09:18 »   

Lieber Thomas,

um es gleich vorweg zu sagen: Obwohl ich mich schon lange mit Mittelägyptisch und seiner Grammatik beschäftige, fühle ich mich nicht kompetent genug, um z.B. das Pseudopartizip und die pseudoverbale Konstruktion in allen ihren Feinheiten zu würdigen. Dazu müsste man mehr über Grammatiktheorie und auch andere semitische Sprachen und ihre Grammatiken wissen.

Zur Einordnung der pseudoverbalen Konstruktion reicht ein einfacher Mustervergleich mit dem Adjektivalsatz m.E. nicht aus.

Zu Deinen Überlegungen:

"Ein Pseudopartizip ist ein Verbaladjektiv"

Diese Aussage verstehe ich nicht. Nach Durchsicht verschiedener Lehrbücher wird unter Verbaladjektiv die sDm.tj=fj-Form verstanden, ein (zumeist) aktives Partizip mit futurischer Bedeutung. So z.B. Edel, Altägyptische Grammatik, § 679: "Das Verbaladjektiv entspricht seiner Bedeutung nach einem Partizip des Futurs." Oder Schenkel, Tübinger Einführung (Ausgabe 2012), S. 276: "Futur Aktiv/Passiv (...) Diese Form wird gerne als Verbalform sDm.tj=fj (...), oder als Verbaladjektiv bezeichnet (im letzteren Fall wäre besser: futurisches Verbaladjektiv)." Allen, Middle Egyptian (Ausgabe 2000) nennt es "prospective participle" (Abschnitt 23.8). Ich vermute, dass Du das nicht so gemeint hast.

"Sätze mit Pseudopartizip sind Adjektivalsätze, dessen Subjekt zur Betonung vorangestellt wurde"

Ein Adjektivalsatz hat die Form Adjektiv + Substantiv oder Adjektiv + abhängiges Personalpronomen (Gardiner, Egyptian Grammar, § 137). Für das erste steht als Beispiel: nfr mtn=j "my path is good". Hier könnte man auch meinen, dass eine sDm=f-Form vorliegt. Im zweiten Fall sieht es jedoch anders aus: nfr tw Hna=j "thou art happy with me". Hier ist der Unterschied klar, da ein abhängiges Personalpronomen steht und kein Suffixpronomen.

Ein Subjekt (oder allgemeiner: ein Satzbestandteil), der hervorgehoben werden soll, wird an den Satzanfang gestellt und dann im Satz mit einem Suffixpronomen wiederaufgenommen (Gardiner, §§ 147-148). Beispiel: mk nTr rdj.n=f anx=k "behold, god has caused thee to live". Hier wird Gott (nTr) an den Anfang gestellt und im Satz mit =f referenziert (im rdj.n=f).

Wie müsste ein Adjektivalsatz mit Betonung des Subjektes demnach aussehen? Meiner Meinung nach etwa so: mtn=j nfr sw Siehe auch das Beispiel in Gardiner, § 147: xbsw.t=f wr sy r mH 2 "his beard, it was greater than two cubits".

Also: Ein Adjektivalsatz mit Betonung des Subjekts wird gebildet: Subjekt (Substantiv) + Adjektiv + abhängiges Pronomen.

Ein "Satz mit Pseudopartizip" sieht anders aus: Substantiv + Pseudopartizip. Bei Gardiner wird er unter pseudoverbale Konstruktion mit erfasst. Allen hat ihn als "Stative" bezeichnet (Kapitel 17): "The stative is a form that Egyptian shares in common with most of the Afro-Asiatic languages to which it is related, from ancient Akkadian to modern Arabic and Berber."

Beispiele

Auch mit Deinen Beispielen habe ich Verständnisschwierigkeiten.

"sDm (=Partizip Perfekt Aktiv) xrw "Die Stimme wurde gehört"."

Wieso Partizip Perfekt Aktiv? Es ist doch offenbar Passiv. Wieso Partizip? Ich würde es als sDm.w-Form auffassen (.w-Passiv).


"prj sw "Er ist hervorgekommen"."

Müsste es nicht prj=f heißen?


Auch den Beispielsatz prr=j Hzj.kw m aH fasse ich anders auf: prr=j ist imperfektisches sDm=f und schon ein vollständiger Satz: "Ich ging heraus" (pflegte herauszugehen). Es folgt dann das Pseudopartizip als adverbiale Bestimmung des Umstands (siehe Gardiner, § 314): "indem ich im Palast gelobt war". Das "Herausgehen" als Substantiv hat ein eigenes Wort pr.t. Ich bezweifle auch, dass "mein Herausgehen" mit einem Suffixpronomen 1. Person wieder aufgenommen werden könnte. Nicht sein Fortgang wurde gelobt, sondern er verließ den Palast als Gelobter!

Kurz: Deiner These "Ein Pseudopartizip ist ein Verbaladjektiv, kein Verb. Sätze mit Pseudopartizip sind Adjektivalsätze, dessen Subjekt zur Betonung vorangestellt wurde." kann ich mich nicht anschließen.

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 03.01.2013 um 21:37:19  Gehe zu Beitrag
thomas  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze? 
« Antwort #4, Datum: 04.01.2013 um 11:32:18 »   

Hallo Michael,


Zitat:
um es gleich vorweg zu sagen: Obwohl ich mich schon lange mit Mittelägyptisch und seiner Grammatik beschäftige, fühle ich mich nicht kompetent genug, um z.B. das Pseudopartizip und die pseudoverbale Konstruktion in allen ihren Feinheiten zu würdigen. Dazu müsste man mehr über Grammatiktheorie und auch andere semitische Sprachen und ihre Grammatiken wissen.

Zur Einordnung der pseudoverbalen Konstruktion reicht ein einfacher Mustervergleich mit dem Adjektivalsatz m.E. nicht aus.


Da stimme ich dir voll und ganz zu und reihe mich noch weiter hinter dir ein.

Ich kratze absolut nur an der Oberfläche und ohne die grammatischen Aussagen der Fachwelt des Ägyptischen zum "Verbaladjektiv" zu berücksichtigen, bin ich zunächst ganz allgemein vorgegangen. Verbaladjektive sind Adjektive verbalen Ursprungs. Ihr Bedeutungsgehalt lässt sich von einem entsprechenden Verbalstamm herleiten.

Dies geschieht entweder durch Suffigierung, indem der Verbstamm mit einem Suffix zu einem Adjektivstamm verbunden wird oder durch Konversion, indem Verben zu Adjektiven umgewandelt werden, ohne dass dabei Wortbildungselemente hinzugefügt werden. Die Partizipien fallen darunter.

Die Suffigierung habe ich dann näher betrachtet, besonders den Punkt "Suffigierung mit Fremdsuffixen": profi(tieren) + abel = profitabel. Da das Pseudopartizip, Stativ oder Old Perfectiv eine direkte Entsprechung zum Akkadischen hat, kam ich auf die vielleicht fixe Idee in den Personalendungen des Pseudopartizips ein ägyptisches "Fremdsuffix" zu sehen.

Da im Akkadischen das Stativ nur mit Nomen, Adjektiven und Verbaladjektiven gebildet wird, ging ich noch einen Schritt weiter und stellte die ägyptische Verbalform als direkte Entsprechung zum "akkadischen Stativ" auf den Prüfstand. Leider sind meine Beispiele nicht gut gewählt, aber das lässt sich ja vielleicht erklären und/oder verbessern.

Zunächst deine Beispiele zum Adjektivalsatz Gardiner, Egyptian Grammar, § 137:
(1) nfr mTn=j; Adjektiv + (Substantiv+Possesivpronomen); Prädikat + Subjekt
mTn; Wb 2, 176.1-7; Substantiv männlich: Weg; rechte Lebensweise
(2) nfr Tw Hna=j; Adjektiv + abhängiges Pronomen + (Päposition+Suffix); Prädikat + Subjekt + Averbiale Ergänzung.

Hier glaube ich, interpretierst du falsch.

"Tw" ist das Subjekt! "Du bist vollkommen zusammen mit mir".
Will ich das Subjekt betonen, entstünde: Tw nfr Hna=j. Das abhängige Pronomen müsste noch durch ein Partikel oder ähnliches gestützt werden z. B. m=k Tw nfr Hna=j.
Hna; Wb 3, 110.12-111.4; Präposition: zusammen mit; gleichzeitig;

Ich nehme nun genau dieses Beispiel und setzte es im Vergleich zu einem Satz mit Pseudopartizip:
(a) m=k Tw nfr … "Siehe, du bist vollkommen …"
(b) m=k wj jy.kw … "Siehe, ich bin gekommen …" (pWestcar 8, 12)


An dieser Stelle setzt mein Gedankenspiel ein – aber dazu werde ich erst noch tiefer in die Materie einsteigen und mich später nochmals rückmelden. Einstweilen Danke für deine ausführlichen Gegenargumente.

Gruß
Thomas
> Antwort auf Beitrag vom: 04.01.2013 um 01:09:18  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze? 
« Antwort #5, Datum: 06.01.2013 um 16:50:24 »   

Hallo, Thomas,

zu Akkadisch kann ich mich mangels eigener Kenntnisse nicht äußern.

Zitat:
(2) nfr Tw Hna=j; Adjektiv + abhängiges Pronomen + (Päposition+Suffix); Prädikat + Subjekt + Averbiale Ergänzung.

Hier glaube ich, interpretierst du falsch.

"Tw" ist das Subjekt! "Du bist vollkommen zusammen mit mir".

Naja, ich habe nur Gardiner (zustimmend) zitiert. Und wenn ich ihn richtig verstehe, sieht auch er tw als Subjekt.

Zitat:
Will ich das Subjekt betonen, entstünde: Tw nfr Hna=j. Das abhängige Pronomen müsste noch durch ein Partikel oder ähnliches gestützt werden z. B. m=k Tw nfr Hna=j.

Soweit ich weiß, wird ein betontes Pronomen im Adjektivalsatz mit einem unabhängigem Personalpronomen ausgedrückt (Gardiner, § 136). Beispiel: jnk asA mr.t "I am one rich in serfs." Die Betonung kann noch durch die Partikel js "indeed" hervorgehoben werden. Dabei sind Beispiele, die nicht 1. Person sind, äußerst selten.

Wenn überhaupt denkbar, müsste das Beispiel in etwa so aussehen: *ntk nfr Hna=j. Auch das weicht von einer pseudoverbalen Konstruktion deutlich ab.

Wenn ich mir diese Beispiele durch den Kopf gehen lasse, so werde ich das unangenehme Gefühl nicht los, dass wir uns auf ganz dünnem Eis bewegen! Da gibt es ein Für und Wider, ohne dass es handfeste Kriterien gibt, sich für das eine oder andere zu entscheiden.

Ich versuche, die Grammatik (d.h. für mich vor allem Gardiner und Allen) zu verstehen und auf vorliegende Texte anzuwenden. Ich sehe mich völlig außerstande, Grammatikkonzepte neu zu entwickeln. Dafür fehlen mir die Voraussetzungen. Ich kann Dir daher auch nicht sagen, ob Deine Idee völlig daneben liegt oder doch vielleicht einen tieferen Sinn hat. Das ist möglicherweise frustrierend, und eigentlich möchte ich Dich nicht frustrieren. Aber ich glaube, diese Art von Diskussion führt zu nichts. Viel ergiebiger ist es, ein Totenbuch zu übersetzen - oder eine noch nicht übersetzte Scheintür zu bearbeiten!

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 04.01.2013 um 11:32:18  Gehe zu Beitrag
thomas  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze? 
« Antwort #6, Datum: 21.01.2013 um 20:01:46 »   

Hallo zusammen,

es hat einen Augenblick gedauert, aber hier nochmals meine Auffassung in einer etwas besseren Form der Darstellung:

Zunächst von Boyo Ockinga, § 56 Adjektivalsatz; Prädikat – Subjekt
Das Prädikat ist ein Adjektiv oder ein Partizip
Das Subjekt ist ein Substantiv (und alles, was als solches fungieren kann; auch susbstantivierte Adjektive) oder ein Abhängiges Personalpronomen (meistens der 2.ten und 3.ten Person, seltener der 1.sten)

Dann zwei Beispiele zum Adjektivalsatz von Alan Gardiner, Egyptian Grammar, § 137:

(1) nfr mTn=j; Adjektiv + (Substantiv+Possesivpronomen); Prädikat + Subjekt; »Mein Weg ist gut«
mTn; Wb 2, 176.1-7; Substantiv männlich: Weg; rechte Lebensweise
(2) nfr Tw Hna=j (Sin. B 31); Adjektiv + abhängiges Pronomen + (Päposition+Suffix); Prädikat + Subjekt + Präposition + Suffix. Hier ist "Tw" das Subjekt! "Du bist vollkommen mit mir". Hna; Wb 3, 110.12-111.4; Präposition: zusammen mit; gleichzeitig.

Wollte ich das Subjekt von (2) durch die Methode "Voranstellung" betonen, entstünde: Tw nfr Hna=j. Ein Satzkonstrukt, das mich an den Adverbialsatz erinnert, daher würde ich hier "Tw" durch die Partikel "m=k" stützen, also: m=k Tw nfr Hna=j.

Ich nehme nun genau dieses Beispiel und setzte es im Vergleich zu einem Satz mit Pseudopartizip:
(a) m=k Tw nfr … "Siehe, du bist vollkommen …"
(b) m=k wj jy.kw … "Siehe, ich bin gekommen …" (pWestcar 8, 12)


An dieser Stelle setzt mein Gedankenspiel ein.

Ist (a) ein Satz mit Pseudopartizip? Muss es «nfr.tj» heißen?

Dazu passend Alan Gardiner § 135 Sentences with adjecival predicate:

Zitat:
To most Egyptian adjectives there corresponded an adjective-verb … Thus «nfr» is a verb «be beautiful, good» and the adjective «nfr» may well mean «beeing good».
We shall frequently have occasion to note that some form of the adjective-verb is substituted for the adjektive itself in constructions where the latter cannot be used, just as we found the verb «wn» substituted for «iw» where the latter cannot be used; in fact, the two cases will be shown to be remarkably analogous and parallel.

(Wir werden öfters notieren können, dass einige Formen des Adjektiv-Verbs stellvertretend für ein Adjektiv stehen werden, wo letzteres nicht benutzt werden kann, gerade so wie das Verb „wn“ „iw“ ersetzt, wenn dieses nicht benutzt werden kann; tatsächlich werden die zwei Fälle bemerkenswert analog und parallel sein.)

Dazu erweiternd nochmals Alan Gardiner I'm § 320 The Pseudo-Verbal Construction:

Zitat:
"Some comment is needed in regard to the adjective-verbs. Whenever a seemingly adjectival predicate follows its subject, it is not the adjektive itself, but the old perfective of the adjective-verb"


(Einige Kommentare sind in Bezug zu den Adjektiv-Verben notwendig. Wann immer ein scheinbar adjektivisches Prädikat seinem Subjekt folgt, ist es nicht das Adjektiv selbst, sondern das Old Perfective des Adjektiv-Verbs.).


Zitat:
This ist proved by examples like the following, where the endings are written out in full. «iw Hnksyt=k nfr.ti m bAH PtH-Skr» Thy hair is beautiful in the present of Ptah-Sokar.

(zur Schreibung von Hnksyt DZA 26.975.140)

Daraus leite ich für (a) ab: m=k Tw nfr.tj … Partikel + Subjekt + adjektivales Prädikat in seiner Form als Old Perfectiv. Laienhaft ausgedrückt wird durch die "Betonung" des Subjekts aus dem Adjektivalsatz ein Adverbialsatz in seiner besonderen Form der Pseudoverbalen Konstruktion.

Müsste also für (b) nicht gelten: «Das Verb trägt die Endung eines Pseudopartizips, also ist es ein adjektivales Prädikat in seiner Form als Old Perfective?»

Gruß
Thomas
> Antwort auf Beitrag vom: 06.01.2013 um 16:50:24  Gehe zu Beitrag
Manachpiria  maennlich
Member

  

Re: Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze? 
« Antwort #7, Datum: 22.01.2013 um 08:48:55 »   

Lieber Thomas,

nur kurz auf die Schnelle: In einem Satz mit pseudopartizipialen oder stativischen (für welche Terminologie auch immer man sich entscheidet) Prädikat ist das vorangestellte Subjekt keineswegs betont. Wolfgang Schenkel visualisiert das mit den Satznamen Jmn-Htp(.w) (Amenhotep) und Jmn-m-HA.t (Amenemhet): Der erste bedeutet "Amun ist zufrieden" (mit stativischem Htp(.w)), der zweite "Amun ist an der Spitze". In beiden "Sätzen" ist das Subjekt ("Amun") gleichermaßen unbetont. Die Voranstellung im ersten Fall ist schlicht durch die Satzsyntax gefordert. Damit ist Deine Prämisse - eine Konstruktion aus nominalem Subjekt+Pseudopartizip betone das Subjekt - hinfällig.

Viele Grüße
Manachpiria
> Antwort auf Beitrag vom: 21.01.2013 um 20:01:46  Gehe zu Beitrag
thomas  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze? 
« Antwort #8, Datum: 22.01.2013 um 12:43:49 »   

Hallo Manachpiria,

die Stoßrichtung meines Beitrages zielt eigentlich nicht auf die Betonung des Subjektes sondern auf die Einordung des Pseudopartizips als adjektivales Prädikat.

Ergänzend daher die Antwort auf deinen Einwand als Nebenthema:

Zitat:
In einem Satz mit pseudopartizipialen oder stativischen (für welche Terminologie auch immer man sich entscheidet) Prädikat ist das vorangestellte Subjekt keineswegs betont.

Ich kann das nicht so generalisieren, wie du es getan hast. Bleiben wir bei der Einordnung des Stativs als finities Verb, so könnte durch das stets vorhandene pronominale Subjekt ein "Verbalsatz" angenommen werden.

Zitat:
Wolfgang Schenkel visualisiert das mit den Satznamen Jmn-Htp(.w) (Amenhotep) und Jmn-m-HA.t (Amenemhet): Der erste bedeutet "Amun ist zufrieden" (mit stativischem Htp(.w)), der zweite "Amun ist an der Spitze". In beiden "Sätzen" ist das Subjekt ("Amun") gleichermaßen unbetont. Die Voranstellung im ersten Fall ist schlicht durch die Satzsyntax gefordert.

Gemessen an diesem Beispiel, wäre allein Htp(.w) [Wb 3, 188.2-192.10, Vb., 3rad.: zufrieden sein] bereits ein vollständiger Satz: Er ist zufrieden. Wird das pronominale Subjekt zusätzlich durch ein Substantiv benannt: Jmn Htp(.w), so ist keine Betonung vorhanden, sondern lediglich eine "Benennung" des pronominalen Subjekts – obwohl dieser Vorgang sehr den Gepflogenheiten, ein vorangestelltes Subjekt durch ein entsprechendes Pronomen im Satz wieder aufzunehmen und damit zu betonen, ähnelt.

Anders würde ich es sehen, wenn das pronominale Subjekt durch ein weiteres – im gängigen Fall durch ein abhängiges Pronomen – "bestätigt" und damit "hervorgehoben" wird. In einem Fall wie m=k wj jy.kw: Siehe, ich bin gekommen, würde ich sehr wohl eine Bentonung des Subjekts "Ich" sehen.

Zurückgeführt auf meine Prämisse, im Pseudopartizip ein adjektivales Prädikat zu sehen, wäre aus meiner Sicht Htp(.w) ein Adjektiv oder Partizip (Verbaladjektiv), das eher wie ein Prädikativum fungiert, also die Eigenschaft des Subjekts beschreibt.

Bezogen auf Jmn Htp(.w): Amun ist ein Zufriedener … Amun ist zufrieden; oder m=k wj jy.kw: Siehe, ich bin ein Gekommener (ein gerade angekommener Reisender) … Siehe, ich bin gekommen.

Ich sehe aber ein, hier ein Thema angestoßen zu haben, dass nicht wirklich eine Lösung erfahren kann, ausser der, welche in den Grammatiken schon anklang gefunden hat. Insgesamt hat es mir aber geholfen, ein tieferes Verständnis für "das Stativ" zu entwickeln …

Gruß
Thomas
> Antwort auf Beitrag vom: 22.01.2013 um 08:48:55  Gehe zu Beitrag
Tawabet  weiblich
Member

  

Re: Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze? 
« Antwort #9, Datum: 02.03.2013 um 17:51:54 »   

Lieber thomas,

Pseudopartizipien gelten in der ägyptischen Grammatik (nach der sog. Standardtheorie) als adverbiale Prädikate. Sie sind eben gerade nicht adjektivisch wie das "echte" Partizip, denn sie werden zur Angabe von Umständen verwendet. Daher handelt es sich beim Pseudopartizip nicht um "Verbaladjektive".

Der Pseudoverbalsatz mit PsP in Prädikatstellung hat dieselbe Struktur wie der Adverbialsatz:

Subjekt - Prädikat
mk wj  - ij.kwj
mk wj - m pr

Das PsP muss tatsächlich das Subjekt voranstellen, außer in den seltenen Fällen, dass es als Prädikat eines Wunschsatzes steht oder als hist. Perfekt der 1.P.sg. genutzt wird.


Hingegen hat der Adjektivalsatz die Struktur:

Prädikat - Subjekt
nfr(.wj) - sw


-- Tawabet



> Antwort auf Beitrag vom: 22.01.2013 um 12:43:49  Gehe zu Beitrag
thomas  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze? 
« Antwort #10, Datum: 03.03.2013 um 16:02:27 »   

Hallo Tawabet,

obgleich das Stativ immer ein pronominales Suffix hat, geht es oft mit einem zusätzlichen Subjekt einher, welches ein Substantiv (oder Nominalphrase) oder ein abhängiges Pronomen sein kann, das vor dem Stativ selbst gesetzt wird. Diese Kombination bezeichnet James P. Allen in seiner Mittelägyptischen Grammatik als die «Subjekt-Stativ-Konstruktion»: zum Beispiel
tA Aq.w r Aw (Petersburger Prophezeiung, p1116 B, Dyn. 18, Zeile 23; DZA 20.084.420). Allen übersetzt: »The entire land is ruined« »Das ganze Land ist zugrunde gegangen«.

Wie dieses Beispiel zeigt, stimmt das Stativ in Geschlecht und Zahl mit seinem Subjekt überein.
Man beachte, dass das Stativ und sein "Zusatzsubjekt" durch kein anderes Satzglied getrennt wird: In diesem Fall steht das Stativ Aq.w direkt nach dem Subjekt tA und vor dem Zusatz "r Aw".
Man beachte auch: Der Zusatz modifiziert dass dem Stativ innewohnende pronominale Subjekt und nicht das Verb. Der Zusatz schleift sich somit auf das zusätzliche benannte Subjekt durch. Es heißt also nicht: »Das Land ist ganz zugrunde gegangen«, sondern: »Das ganze Land ist zugrunde gegangen«.

Das wird noch deutlicher, durch folgendes Beispiel:
jtr.w Sw.(w) nw km.t (Petersburger Prophezeiung, p1116 B, Dyn. 18, Zeile 26) »The river of Egypt is dried up«. Das Genitivpartikel "nw" bezieht sich auf jtr.w: Fluss; Kanal; Nil; Wb 1, 146.10-147.1 und nicht auf das Verb Swi: trocken sein; austrocknen; Wb 4, 429.5-9.
Ohne Stativ würde es heißen: "Fluss des schwarzen Landes" (km.t: Das Schwarze Land (Ägypten); Wb 5, 127.4-127.17).

Intuitiv würde ich damit das Stativ als adjektivisches Prädikat einordnen. Das zusätzliche Subjekt ist nötig um vom Stativ modifiziert werden zu können. Der trockene Fluss des schwarzen Landes. Gleiches gilt für »Das ganze, zugrunde gegangene Land«.

Aber wie ich schon sagte: Das Thema steigt so tief in die Grundzüge der Grammatik ein, dass ich es mit meinem "Mitteln" nur streifen kann.

Gruß
Thomas
> Antwort auf Beitrag vom: 02.03.2013 um 17:51:54  Gehe zu Beitrag
Manachpiria  maennlich
Member

  

Re: Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze? 
« Antwort #11, Datum: 04.03.2013 um 09:59:38 »   

Lieber Thomas,

dass r Aw hinter dem Stativ steht, hat den simplen syntaktischen Grund, dass es eine adverbiale Erweiterung ist und diese im Ägyptische normalerweise hinter Subjekt und Prädikat stehen. Bei Deinem zweiten Beispiel liegt bei dem Subjekt ein indirekter Genitiv vor, der es zulässt, dass andere Ausdrücke dazwischengesetzt werden können. Das ist bei attributiven Adjektiven der Fall, woran Du hier denkst, aber auch bei dem pw in pw-Sätzen und auch bei anderen Satzgliedern. Das von Dir zitierte Beispiel ist wunderbar zu vergleichen mit dem letzten von Gardiner, Egyptian Grammar, § 86 gegebenen: xtm.wt jm=f n.t pr-HD: "Kostbarkeiten des Schatzhauses waren darin". Hier ist das adverbiale Prädikat jm=f in den direkten Genitiv hineingestellt worden.

Dass der(!) Stativ unmittelbar seinem nominalen Subjekt folgt, liegt natürlich in der Natur der für die Grammatiken gewählten kurzen und überschaubaren Beispielsätze. Es ist durchaus möglich, dass das nominale Subjekt durch Attribute oder dergleichen erweitert wird und der Stativ erst danach steht.

Vielleicht überzeugt Dich ja die Erweiterung der betrachteten Satzmuster von der nicht-adjektivischen Natur des Stativs. Nimm Sätze des Musters wn.jn=f Hr sDm. Das Hr sDm ist, wie andere Verbindungen aus Präposition + Nominalphrase, eine adverbiale Verbindung; der Satz ist also syntaktisch ein Adverbialsatz. Anstelle von Hr sDm kann auch ein Stativ stehen, der damit also die Position einer adverbialen Verbindung, nicht aber die eines Adjektivs hat. Sätze des Musters *wn.jn nfr sw sind mir unbekannt.

Viele Grüße
Manachpiria
> Antwort auf Beitrag vom: 03.03.2013 um 16:02:27  Gehe zu Beitrag
Tawabet  weiblich
Member

  

Re: Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze? 
« Antwort #12, Datum: 04.03.2013 um 17:53:09 »   

Lieber Thomas,

du darfst bei der Bewertung des Ägyptischen niemals von der deutschen Übersetzung ausgehen. Der Stativ/das PsP eines transitiven Verbums bzw. eines Zustandsverbums wird im Ägyptischen (bis auf die genannten Ausnahmen Wunschsatz und hist. Perfekt) v.a. auch als unmarkierter Umstandssatz (= adverbialer Nebensatz) verwendet:

is.t=n ij.tj aD.tj = Unsere Mannschaft ist angekommen, indem sie wohlbehalten ist --> Unsere Mannschaft ist wohlbehalten angekommen.

Du kannst "wohlbehalten" durch "wie?" "unter welchen Umständen" erfragen, daher ist das ein Adverb.
Im Deutschen wird diese Funktion vom Partizip übernommen, im Ägyptischen steht hier das Pseudopartizip.

Wie Manachpiria dir schon erklärt hat, entspricht das Satzmuster anderen Pseudoverbalsätzen und Adverbialsätzen. Lass dich bitte von der Personalendung nicht stören, die das Pseudopartizip besitzt. Pseudoverbalsätze mit PsP verwenden im Prädikat eine finite Verbalform, aber sie müssen das Subjekt dieser Form regelmäßig voranstellen. In der alten "Standardtheorie" wurden solche Sätze in der Hilfsübersetzung so aufgelöst, dass das PsP als Umstandssatz übersetzt wurde:

"Unsere Mannschaft ist, indem sie angekommen und wohlbehalten ist."

Obwohl in den letzten beiden Jahrzehnten die Standardtheorie relativ aus der Mode gekommen ist, hilft sie hier doch, die Satzstrukturen zu verstehen.

Also in Kürze:

Verbalsatz: (Erw.) - P - S
Adjektivalsatz: P (.wj) - S
Adverbialsatz: (Erw.) - S - P
Substantivalsatz: P - S oder S - P

Die Pseudoverbalsätze entsprechen in der Satzstruktur dem Adverbialsatz:

mit Infinitiv: wn.jn=s Hr Sm.t
mit PsP / Stativ: wn.jn=s Sm.tj


Grüße,

Tawabet
> Antwort auf Beitrag vom: 04.03.2013 um 09:59:38  Gehe zu Beitrag
thomas  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Pseudopartizipsätze sind Adjektivalsätze? 
« Antwort #13, Datum: 14.03.2013 um 12:52:44 »   

Hallo Tawabet und Manachpiria.

Vielen Dank für eure Ausführungen, die ich alle gut nachvollziehen kann. Ich nehme an, ihr habt beide das Thema studiert.

@Tawabet
Erlaube mir eine weitere Anmerkung:

jz.wt=n jy.t(j) aD.t(j) [pPetersburg 1115, Die Geschichte des Schiffbrüchigen, Zeile 7]
Unsere Mannschaft ist (zurück)gekommen (und) wohbehalten.

Die Vokabeln:
jz.t: [Subst., f.] Truppe, Mannschaft; Wb 1, 127.11-19
=n: [Pers. Pron.] [Suffix Pron. pl.1.c.] (wir; uns; unser (suffix pron., 1st per. pl.)); Wb 2, 194
jwi: [Vb., anom.] kommen; Wb 1, 44.1-45.6
aD: [Vb., 2rad] wohlbehalten sein; Wb 1, 237.11-238.12

Anmerkung:
Wir haben hier den Stativ von jwi und aD, die beide unmittelbar aufeinander folgen. Man beachte: Beide sind kongruent im Genus zum Substantiv jz.t; der Bezug ist nicht untereinander, sondern eben so. Nach meiner Lesung haben wir hier zwei Zustände: Die Mannschaft ist (zurück)gekommen; die Mannschaft ist wohlbehalten – daher eine "Und"-Verknüpfung. Das zweite Stativ ist keine Umstandsbestimmung.

Insgesamt hätte ich dieses Beispiel als weiteres Indiz für ein adjektivisches Prädikat gesehen. Auch wenn im Ägyptischen keine Vokale bekannt sind, so mutet sich das Aneinanderreihen von subjektmodifizierenden Satzgliedern mehr wie eine Deklination an. Hier wird kein Verb konjugiert, auch wenn das von mir erneut und wiederholt nur intuitiv ist und die Diskussion ohne echte Belege strapaziert.

Daher abschließend vielen Dank von allen für die Argumente. Bis bald – mit einem neuen Thema …

Gruß
Thomas
« Letzte Änderung: 14.03.2013 um 18:16:42 von thomas »
> Antwort auf Beitrag vom: 04.03.2013 um 17:53:09  Gehe zu Beitrag
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