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   Neues aus der Ägyptologie (107)
   Erdbeben (17)
  Autor/in  Thema: Erdbeben
Amunet  
Gast

  
Erdbeben 
« Datum: 09.09.2004 um 12:11:11 »     


Hallo an alle ...  

Folgendes möchte ich voranstellen: Sollte dies nicht der richtige Platz für meine Fragen sein, bitte ich freundlich um Verschiebung in die gewünschte Rubrik.

Immer wieder wird die Vermutung aufgestellt, dass diverse Tempelanlagen  ( z.B. Bastettempel in Bubastis, oder Cleopatras Palast am  „großen Grünen“ - Mittelmeer...) durch Erbeben und/oder Flutwellen  vernichtet wurden.

Dazu habe ich verschiedene Fragen:

1. Gibt es evtl. belegte Hinweise auf Erdbeben in Form von Erwähnungen in Hieroglyphentexten oder anderer Aufzeichnungen?
(Ich gehe davon aus, dass die a. Ä. ja offensichtlich eher geneigt waren, das verlässlich und beständig Wiederkehrende zu "registrieren". Erdbeben waren, so scheint es mir, jedoch nicht unbedingt der Einzelfall ... ?)

2. Wenn überhaupt, wie wurden sie von den alten Ägyptern beschrieben bzw. interpetiert?
( Bitte entschuldigt, wenn das jetzt ein wenig nach Hollywood klingt, aber es soll nur als Beispiel dienen: Könnten sie als Zeichen der Götter, z. B. Seth oder Sachmet, gewertet worden sein? )

3. Was kann als Ursache der Erd-/ Seebeben angesehen werden?
(Dazu fallen mir in erster Instanz Vulkanausbrüche des Ätna und des Stromboli ein ( die Ägypter nannten sie , wenn ich richtig informiert bin, "Feuerberge" ). Gibt es evtl. noch andere mögliche Ursachen?
Die Auswirkungen können dann schon bis ins Deltagebiet reichen. Aber, reichten die Erschütterungen auch noch so stark bis in angrenzende  innere Landesteile, dass sie zu Beschädigungen bzw. Einsturz führen konnten ?
(Sahen die  a. Ägypter evtl. schon einen Zusammenhang mit den „Feuerbergen“?)

4. Kann man Aufzeichnungen anderer antiker Völker (z. B.  Zypern, Kreta, Türkei bzw. eben alter Völker, w. z. B. die Hethiter usw., dazu finden?
Haben Strabon oder Herodot von solchen Erlebnissen berichtet?

5. Gibt es neuzeitlich recherchierte und belegte Datierungen von solchen Erdbeben z. B. durch geologische oder seismologische Untersuchungen?

Ich habe schon im Internet danach gesucht, aber keine so recht befriedigenden Informationen dazu gefunden. (Evtl. unpassender  Suchbergriff?   )

Bitte, vielleicht könnt ihr mir ein wenig weiter helfen?


Vielen Dank und freundliche Grüße von

Amunett







naunakhte  weiblich
Moderatorin

  

Re: Erdbeben Erman-Grapow.jpg - 2,89 KB
« Antwort #1, Datum: 09.09.2004 um 12:27:03 »   

Hallo Amunett,

laut LÄ II, 427 sah man Erdbeben als Aktivitäten des Gottes Geb an.
Erdbeben sollten wohl auch den Himmelsaufstieg der Götter, des Pharaos begleiten.


Hinweise auf Erdbeben muß es geben. Die Wörterbücher führen zumindest einen solchen Begriff auf.
In welchem Zusammenhang der Beleg bei Erman Grapow kann ich Dir leider nicht sagen


Gruß
« Letzte Änderung: 09.09.2004 um 12:47:39 von naunakhte »
> Antwort auf Beitrag vom: 09.09.2004 um 12:11:11  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin

  

Re: Erdbeben Hannig.jpg - 3,43 KB
« Antwort #2, Datum: 09.09.2004 um 12:48:13 »   

auch das WB Hannig 1 hat eine Schreibung des Wortes
> Antwort auf Beitrag vom: 09.09.2004 um 12:27:03  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Erdbeben 
« Antwort #3, Datum: 09.09.2004 um 12:59:10 »     

Ob Ausbrüche von Stromboli und Ätna die Ägypter tangierten, weiss ich nicht. Auf jeden Fall muss jedoch m.E. der große Vulkanausbruch von Santorin sich auch auf Ägypten ausgewirkt haben. Datiert wird diese Katastophe wenn ich mich nicht irre etwa auf die Regierungszeit Thutmosis III.

Gitta
« Letzte Änderung: 09.09.2004 um 12:59:50 von Gitta »
> Antwort auf Beitrag vom: 09.09.2004 um 12:48:13  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Erdbeben 
« Antwort #4, Datum: 09.09.2004 um 14:19:31 »   

Hallo, Amunett,

es sollte auch der Anfang des sog. Kannibalenhymnus erwähnt werden (Pyr. 393):

"Der Himmel ist bewölkt, die Sterne verdunkeln sich"

nmnm pD.w.t sdA qs.w Akrw
"die Bogen [des Himmels = Himmelsgewölbe] beben, die Knochen des Aker [Erdgott = das feste Knochengerüst der Erde] zittern"

"... (wenn) sie Unas erblicken ..."

Ganz ähnlich heißt es auch an anderer Stelle in den Pyramidentexten (Pyr 956):

aD p.t nwr tA jj Hr Haj DHwtj
"Der Himmel ist aufgewühlt, die Erde bebt: Horus kommt, Thoth erscheint ..."

Hier wird das bereits erwähnte nwr tA "die Erde bebt" benutzt.

Ich glaube, damit ist Deine Frage (2) weitestgehend beantwortet.

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 09.09.2004 um 12:11:11  Gehe zu Beitrag
Amunet  
Gast - Themenstarter

  
Re: Erdbeben 
« Antwort #5, Datum: 09.09.2004 um 20:33:23 »     

Hallo ...

Danke auch an dich Michael!
Ja, eine Frage ist damit schon bestens geklärt.

Ich gebe zu, an Santorin und den benachbarten Amorgos habe ich heute Mittag gar nicht gedacht.

Zwar hatte ich im Hinterkopf so einen Gedanken an einen Erklärungsversuch bezüglich der vermutlichen Lage oder "Erfindung" von Atlantis nach Herodot oder Platon ... betraf aber eben nicht direkt Ägypten und das Thema Atlantis ist ja sowieso sehr spekulativ und keine Grundlage für derlei "Ermittlungen"

Allerdings habe ich noch folgendes gefunden, leider auch nicht ganz Zweifelsfrai bewiesen:


Zitat:
... "Eine umstrittene Hypothese besagt, der Untergang dieser Kultur sei auf die katastrophale Eruption des Vulkans Santorin zurückzuführen. Die Datierung von Baumringen und von Säurelagen im Grönlandeis sowie von Bimsablagerungen über dem Hyksos-Palast in Ägypten (XVIII. Dynastie) zeigen, dass dieser Vulkanausbruch um 1628/1627 v. Chr. stattgefunden haben muss. ..."


Quelle

Noch einmal Danke an euch alle!
Vielleicht kommt ja auch noch bei den anderen Fragen ein wenig Licht in`s Dunkle.  

Mit freundlichen Grüßen
Amunett


« Letzte Änderung: 09.09.2004 um 22:49:54 von Amunet »
> Antwort auf Beitrag vom: 09.09.2004 um 14:19:31  Gehe zu Beitrag
Manachpiria  
Gast

  
Re: Erdbeben 
« Antwort #6, Datum: 10.09.2004 um 09:18:50 »     

Hallo Amunett und hallo an alle,

falls Du noch nach Berichten über ein Erdbeben suchst, schau mal in die Unwetterstele des Ahmose(Hieoglyphentext bei Helck, KÄT 6, Übersetzung z.B. bei Klug, Königliche Stelen). Dieser Bericht wird übrigens häufig mit der Santorinikatastrophe in Verbindung gebracht.

So, das war jetzt hier quasi mein "Einstand". Hab zwar immer mal was bei euch gelesen, habs aber bisher noch nicht geschafft, mich auch mal an den Diskussionen zu beteiligen.

Gruß
Manachpiria
> Antwort auf Beitrag vom: 09.09.2004 um 20:33:23  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Erdbeben 
« Antwort #7, Datum: 10.09.2004 um 10:21:45 »   

Hallo Manachpiria und herzlich Willkommen!

Die Ahmose-Stele („Unwetterstele“; aus dem 3. Pylon in Karnak geborgen; Karnak Magazin „Karakol“; Inv. Nr. K41 - so laut C. Vandersleyen, in: RdE 20, 1968, S. 128 Anm. 3) ist in ihrer inhaltlichen Auseutung heftig umstritten. Die Bezüge nach Auaris und Thera sind größtenteils sehr gewollt (s.u. Auzug aus A. Klug) und aus dem Text durch nichts konkret zu belegen. Ein Erdbeben wird nicht genannt. Es ist nur von einem enormen Unwetter die Rede.

Die relevante Passage lautet:

„ [...] [Da haben] die Götter [veranlaßt] (?)
das Kommen des Himmels in einem Sturm des Regens
Die Dunkelheit ist am Ende des Westens des Himmels.
indem er (= Himmel) gewittert/bewölkt ist ohne [Unterlaß]
[indem er lauter war als] der Lärm der Menschen, [indem er] stärker [ als] ‚
/// [beim Toben] durch die Berge, mehr (?) als das Geräusch (?) der <beiden> Quellöcher (= Katarakt), die sich in Elephantine befinden.
Da sind alle Häuser und alle Stadtviertel, die sie (= Wassermassen o.ä.)
erreichten, [zu Grund gegangen]
[und die in ihnen Befindlichen starben],
[ihre Leichen] trieben auf dem Wasser,
wie Papyrusnachen, am Tor und im axnwtj (= Palast ?).
Während Tage nicht leuchtete eine Fackel in den beiden Ländern.

Da sagte seine Majestät:
„Wieviel größer ist dies als die bA.w (sichtbare Erscheinungsform) des großen Gottes
[und als] die Pläne der Götter!
Es is das Herabsteigen, das seine Majestät gemacht hat zu seinem Schiff, indem seine Beamten/Berater hinter ihm waren.
[Seine Truppen waren [im] Osten und Westen zur Abschirmung (?).
Nicht gab es eine Deckung (?)
nachdem die bA.w des Gottes entstanden waren.
Es ist das Gelangen, das seine Majestät gemacht hat nach Theben.
indem Gold dem Gold dieses Kultbildes entgegen ging
indem es (= Kultbild) den empfing, den es wünscht
Da brachte seine Majestät die beiden Länder in Ordnung
durch das Leiten der überfluteten Gebiete (?) für (?) seine Leut (?)
und durch das Ausstatten von ihnen ( den überfluteten Gebieten?) mit
Silber, Gold, Kupfer,
rnrh.t-Öl, Kleidung und allen Erzeugnissen (?) nach Belieben (?).

Es ist das Sich-Niederlassen/Ruhen, das seine Majestät gemacht hat im
Inneren des Palastes, LHG.
Da erinnerte man seine Majestät
an das Eindringen in die Nekropole (?).
das Einreißen der Gräber,
die Zerstörung der Tempel/Kultanlagen
und das Herunterstoßen (?) der Pyramiden
Das, was gemacht war, war als wäre es nicht gemacht worden

Da hat seine Majestät befohlen,
das Wiederherstellen der Tempel,
die im Verfall begriffen waren,
in diesem Land bis zu seiner Grenze,
das Trefflich-Machen der Denkmäler der Götter
das Wiederaufrichten ihrer (= Denkmäler) Mauern,
das Geben des Heiligen in die erhabene Kammer,
das Verbergen des geheimen Ortes,
das Eintreten-Lassen der Götterbilder in ihre Kapellen,
die auf den Boden gefallen waren, das Aufstellen der Feuerbecken,
das Errichten der Altäre,
das Festsetzen ihrer Opferkuchen,
das Verdoppeln der Einkünfte der Würdenträger,
das Geben des Landes wie sein voriger Zustand (war).


Da tat man es gemäß allem, was seine Majestät [zu tun] (?) befohlen hatte.“
...
> Antwort auf Beitrag vom: 10.09.2004 um 09:18:50  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Erdbeben 
« Antwort #8, Datum: 10.09.2004 um 10:24:53 »   

...
Eine Zusammenstellung der Inhaltsdiskussion findet sich bei der schon genannten A. Klug, Königliche Stelen, Brepols 2002, S. 44f.

Die auf der Unwetterstele beschriebenen Geschehnisse

Der Text der Unwetterstele beschreibt, daß sich Ahmose in SDfA-tA.wy aufgehalten hat, das möglicherweise mit Deir ei Ballas gleichzusetzen ist. GOEDICKE (Studies about Kamose and Ahmose, 1995, S. 143, 169) versteht den Ausdruck SDfA-tA.wy — der auf den Horusnamen des Kamose verweist — dagegen als „landing place (harbor) of Kamose“ Hierbei soll es sich um einen Ort im Delta handeln, an dem Kamose sein militärisches Camp aufgeschlagen hatte, um Apophis in Auaris anzugreifen. Er rekonstruiert die Ereignisse so, daß Ahmose seinen Bruder Kamose auf seinem Feldzug nach Auaris begleitet hat und nach dessen Tod nach Theben reiste, um hier gekrönt zu werden Auf seiner Fahrt dorthin brach das Unwetter über dem östlichen Teil des Deltas mit Zentrum in Auaris aus
Das Unwetter interpretiert HELCK (SAK 13, 1986, S. 128) als Ausdruck des „Unwillens der Götter“. Nach seiner Ergänzung will Amun von Ahmose, daß er in Theben residiert. Die Stele bezeuge demnach „den Sieg einer thebanischen Gruppierung im Kampf um den Einfluß auf den König, indem sie die Verlagerung der Residenz vom ‚Hafenplatz SDfA-tA.wy im Landbereich südlich von Dendara‘ nach Theben erzwingt“ ALLEN (JNES 57, 1998, S. 18) erklärt, die Ägypter hätten die Katastrophe als Manifestation von Amuns Wunsch über die Rückkehr des Königs nach Theben und von dem Wunsch der Götter über die Zuwendung zu ihrem vernachlässigten Kult verstanden GOEDICKE erkennt das Unwetter dagegen als „expression of the divine wrath“ wegen des gewaltsamen Todes des Karnose womit die Götter sich auf die Seite des Ahmose und gegen den Herrscher in Auaris aussprechen, über den sie ein Unwetter herniederkommen lassen. Dadurch ist s.E. deutlich, daß das Unwetter nicht in Theben stattgefunden haben kann, sondern die nordöstliche Delta-Region betroffen haben muß.

Während die editio princeps der Unwetterstele von VANDERSLEYEN davon ausgeht, daß sich das Unwetter auf den the banischeri Raum beschränkt habe, gibt es in jüngster Zeit Autoren, die andere Interpretationen präferieren, angeführt von GOEDICKE (Ägypten und Levante III, 1992, S. 60f.). Er kommt zu dem Schluß, daß die beschriebene Naturkatastrophe, die — wie bereits erwähnt — in der Gegend von Auaris stattgefunden haben soll, von den Ereignissen auf Thera verursacht worden sei, die eine Flutwelle ausgelöst habe. DAVIS (in: Thera in the Aegean World III, 1990, S. 234) stellt die Interpretation von GOEDICKE in Frage, da der König sich zum Zeitpunkt des Geschehens in der Nähe von Theben befunden habe, wo das weit entfernte Erdbeben nur schwerlich derartige Auswirkung gehabt haben könne. Ebenso lehnt MANNING (The Absolute Chronology of the Aegean Early Bronze Age, 1995, S. 25) seine Darstellung der Geschehnisse ab, für deren Bestätigung es s.E. keinerlei Hinweise gäbe. Auf die Seite von GOEDICKE stellen sich dagegen RITNER und FOSTER (JNES 55, 1996, S. 5-7), die VANDERSLEYENS Beschränkung des Unwetters auf den thebanischen Raum ablehnen, denn drei Textstellen sprächen vom ganzen Land (t3.wj, Z. R12, R15 bzw. m t A Dr=f, Z. F16 R18) Sie betonen, daß die in der Stele erwähnten Ereignisse einzigartig gewesen seien „and this very unconventiality lends credence to the historical validity of the text“ Sie kommen zu dem Schluß, daß die beschriebene Oberflutung das direkte Ergebnis eines starken Regenfalls in ganz Ägypten gewesen sei, ausgelöst durch die Nachwirkungen eines Vulkanausbruchs. Die Unwetterstele sei ein Augenzeugenbericht dieser Katastrophe, deren Auswirkungen auf Ägypten mit „pervasive darkness, unusual skies, and tremendously loud noises“ spezifiziert würden In dem zerstörten Teil der meterologischen Beschreibung vermuten sie die Erwähnung eines Erdbebens, das es nötig gemacht habe, das später aufgezählte Kultgerät zu ersetzen. Es müsse Ahmose also nicht nur angerechnet werden, daß er die Hyksos aus dem Land vertrieben hat, „but also led Egypt through the greatest volcanic event of the Bronze Age world“. ALLEN (JNES 57, 1998, S. 19f.) vermutet wie RITNER und FOSTER, daß sich das Unwetter nicht nur auf Theben beschränkte, sondern ganz Ägypten erfaßte, lehnt jedoch die Verbindung zu einem Erdbeben ab. Er, GOEDICKE und MORENZ (ÄUAT 20, 1006, S. 160) interpretieren die Tempelzerstörungen, die auf der Stele erwähnt werden, nicht als Auswirkungen eines Unwetters, sondern als Hinweis auf „Tempelzerstörungen während der Hyksosherrschaft“ Somit würde im Stelentext eine Parallele zwischen dem Unwetter und den Verwüstungen bzw. Vernachlässigungen der Kultanlagen während der Hyksos-Herrschaft gezogen, an die die Götter zu erinnern wüßten
Für eine Interpretation der Unwetterstele als „Tatzeugenbericht“ der Naturkatastrophe, die die gesamte mediterrane Welt erschüttert hatte, sind m.E. die Hinweise nicht ausreichend. Besser nachvollziehbar ist eine lokale Begrenzung der Ereignisse. Tatsache ist, daß im Friedhof der 17. Dynastie in Dra Abu el-Naga Anzeichen einer Überschwemmung der Gräber gefunden wurden Wie schnell und unerwartet große Wassermassen bei Regen in den Bergen entstehen können, die sich dann mit einer enormen Wucht ihren Weg durch das westliche Theben suchen und dabei große Zerstörungen anrichten, zeigte sich erneut Mitte der 90er Jahre. Auch die u.a. von ALLEN vertretene Theorie über den Hinweis auf die Hyksos-Herrschaft in Ägypten ist einleuchtend, insbesondere aufgrund der Wortwahl. Schon alleine der Ausdrucks sxA „erinnern“ deutet m.E. an, daß hier ein anderes Ereignis als das Unwetter angesprochen wird, das man nicht wie üblich „meldet“, da es in der Vergangenheit geschehen ist.“


Interessant ist die Deutung des Inhalts sicherlich auch für die Diskussion (Hallo Irinefer!) um die Herrscherlegitimierung (auch wenn mich jetzt einige für den link steinigen möchten )

Gruß A.
> Antwort auf Beitrag vom: 10.09.2004 um 10:21:45  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Erdbeben 
« Antwort #9, Datum: 11.09.2004 um 13:45:05 »   


Zitat:
... "Eine umstrittene Hypothese besagt, der Untergang dieser Kultur sei auf die katastrophale Eruption des Vulkans Santorin zurückzuführen. Die Datierung von Baumringen und von Säurelagen im Grönlandeis sowie von Bimsablagerungen über dem Hyksos-Palast in Ägypten (XVIII. Dynastie) zeigen, dass dieser Vulkanausbruch um 1628/1627 v. Chr. stattgefunden haben muss. ..."

Wenigstens lernen wir daraus noch, dass einige Hyksos-Könige offenbar noch in der 18. Dynastie im Ostdelta Paläste gebaut haben und der Beginn des Neuen Reiches doch schon 1628/27 v.Chr. anzusetzen ist. Das schmeißt ja die bisherige Chronologie und Geschichte ganz schön um! David Rohl würde sich aber sicher ärgern, wenn er erfährt, dass man nun alles rückdatieren muss!

Gruß A.
> Antwort auf Beitrag vom: 11.09.2004 um 12:58:52  Gehe zu Beitrag
Irjnefer_d.J.  
Gast

  
Re: Erdbeben 
« Antwort #10, Datum: 11.09.2004 um 19:12:03 »     

Lieber A.,
die Unwetterstele klingt wie eine Pressemeldung heute.
Auch keine breitgetretene Lewinski-Affaire kann doch der "Herrschaft" eines Bill Clinton ernstlich etwas anhaben.

Oder - ach so vielleicht - schicken die   G ö t t e r   solches Erdbeben u. dergl. ? - Dann dient diese Stele der   B e s ä n f t i g u n g   des Zorns der Götter ... (?) Oder aber der Kg. verewigt sein weiteres Copyright-Zeichen ?

Ist echt erfreulich hier       !

Irjnefer d.J.

P.S.: Ein so früher Beginn des NR ? Ist das sicher ? Das wäre +/- revolutionär.
« Letzte Änderung: 11.09.2004 um 19:16:47 von Irjnefer_d.J. »
> Antwort auf Beitrag vom: 11.09.2004 um 13:45:05  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Erdbeben 
« Antwort #11, Datum: 11.09.2004 um 19:35:19 »   

@Amunett:

Zu Punkt 4 deiner Frage(n): In der Forschung wird gerne der Untergang der chinesischen (!!!) Xia-Dynastie um 1630 v.Chr. auf die Thera-Eruption zurückgeführt. Anormale Himmerlserscheinungen wurden dabei gesichtet und der Klimawandel soll mehrjährige Missernten und "Frost im Juli" hervorgerufen haben (so berichten es zumindest die sogenannten Bambus-Annalen).
Wenn Du im Internet googelst orientier dich einfach mal nach den Stichworten "Xia-Dynastie", "Kaiser Qin (oder Yin Jia)", "Bambus-Annalen", "Bambusleisten-Annalen" oder nur "Annalen" (chinesich: Zhu Shu Ji Nian) und "China/Thera"..." "Vulkanausbruch/Eruption" o.ä... dabei solltest Du auf derartige Bezüge stoßen.
Die Thera-Auswirkungen wollen sogar noch nordamerikanische Dendrochronologen in Pinienhölzern der Zeit nachgwiesen haben. Original Schriftliches aus der Ecke dürftest Du aber kaum finden...  

Gruß A.

anonsten gibt es darüber meines Wissens keine Aufzeichnungen. Nur haufenweise archäologische Indizien (Vulkangestein in Tell el-Dab'a, Asche im Nilschlamm und an der kleinasiatischen Küste...)
> Antwort auf Beitrag vom: 09.09.2004 um 12:11:11  Gehe zu Beitrag
Peter_Simon  
Gast

  
Re: Erdbeben 
« Antwort #12, Datum: 14.09.2004 um 07:58:02 »     

Hallo

Hinweis auf ein Regenunwetter findet sich auch auf der Rückseite des Papyrus Rhind,welches in Jahr 33 des Apophis datiert ist.Dort protokolliert ein Hyksos-Sympathisant den Fortschritt der Rückeroberung Ahmoses.Dort findet sich unter Regierungsjahr 11(des letzten Hyhsosherrschers):

i.Monat achet:..the birthday of Seth-a roar was emitted by the Majesty of this god.The birthday of Isis - the sky poured rain
Dieses Unwetter fand offensichtlich während der Rückeroberung Ahmoses statt.D. Redford meint,daß es auf der Hand läge,daß die geschlagenen Hyksos dieses Unwetter als Strafe Gottes für die Vertreibung angesehen hätten.
Weitergehende Mutmaßungen darüber erspare ich lufaa

Gruß
Peter
> Antwort auf Beitrag vom: 11.09.2004 um 19:35:19  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Erdbeben 
« Antwort #13, Datum: 18.09.2004 um 12:49:39 »     


Zitat:
anonsten gibt es darüber meines Wissens keine Aufzeichnungen. Nur haufenweise archäologische Indizien (Vulkangestein in Tell el-Dab'a, Asche im Nilschlamm und an der kleinasiatischen Küste...)


Mein Hinweis weiter oben auf die Datierung "Thutmusis III." bezog sich auf eine EEF-Diskussion vor einiger Zeit. Ich habe sie jetzt in meinem Archiv wiedergefunden. John Wall schrieb im August 2003 dort im Zusammenhang mit einer anderen Frage u.a. folgendes:


Zitat:
Moving swiftly on from Manfred Bietak's placement of Theran pumice in a Tuthmosis III strata and his consequential dating of the Theran eruption to shortly before his reign (and that of Hatshepsut)


Das hört sich ganz so an, als seien die archäologischen Indizien ziemlich aussagekäftig.

Und vielleicht doch noch ein Wort zu


Zitat:
Interessant ist die Deutung des Inhalts sicherlich auch für die Diskussion um die Herrscherlegitimierung


Ahmose: dieser hatte es möglicherweise mit einer Opposition (schon wieder so ein unpassend modernes Wort - mir fällt nichts Altägyptisches ein ) zu tun. In einem Bericht des Offiziers Ahmose ist von schweren innenpolitischen Konflikten die Rede, von einem Aufstand "jenes Verbrechers mit Namen Teti'an" (Quelle: Schneiders Lexikon).

Soviel zur nächsten
Zitat:
teilweise verzweifelten Suche nach einer irdisch-praktischen Begründung für die "Legitimationsversuche"


Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 11.09.2004 um 19:35:19  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Erdbeben tetian.jpg - 41,27 KB
« Antwort #14, Datum: 18.09.2004 um 13:18:09 »     

Hier der entsprechende Auszug aus Ahmoses Biografie (nach Sethe):

Urk. IV 6-8

6. Vernichtung des Rebellen Teti'an.(11)

Es kam jener Feind (12), namens Teti'an, nachdem er sich
die Ubelgesinnnten (XAkw-jb) versammelt hatte. Seine Majestät tötete ihn, seine Bande (jst) war vernichtet (1). Mir wurden gegeben 3 Kopfe und 5 Aruren Acker in meiner Stadt.

11) "Teti ist schön", ein häufiger ägypt. Personenname dieser Zeit.
12) xr, eigentl. der Gefallene, eine verächtliche Bezeichnung für den Feind.
1 ) Wörtl. "war nicht existierend".


Gitta
« Letzte Änderung: 18.09.2004 um 13:18:59 von Gitta »
> Antwort auf Beitrag vom: 18.09.2004 um 12:49:39  Gehe zu Beitrag
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