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   Ägyptischer Marine-Stützpunkt (5)
  Autor/in  Thema: Ägyptischer Marine-Stützpunkt
Gast_A.  maennlich
Member

  

Ägyptischer Marine-Stützpunkt 
« Datum: 25.05.2005 um 01:52:12 »   

Hallo,

beim Stöbern bin ich auf folgenden Fundbericht gestoßen, der mit seinem Punt-Bezug auch wegen der momentan laufenden Hatschepsut-Apislauf-Debatte vielleicht von Interesse ist.

Archäologen entdecken alte Schiffe in Ägypten

von Tim Stoddard (Quelle: http://www.bu.edu/bridge/archive/2005/03-18/archaeologist.html)

(teilweise etwas freie) Übersetzung: Gast A.


Ihr bislang "schönstes Weihnachten" feierte Kathryn Bard im letzten Dezember, als sie das gut erhaltene Holz und die Takelage pharaonischer seetüchtiger Schiffe in zwei künstlich angelegten Höhlen an der Küste des Roten Meeres entdeckte. Es sind die ersten Relikte altägyptischer Hochseeschiffe, die jemals entdeckt wurden und zusammen mit hieroglyphischen Inschriften, die bei einer der Höhlen gefunden wurden, versprechen Licht auf das ausgeklügelte Seehandelssystem auf dem Roten Meer zu werfen.

Die CAS Archäologie-Professorin Bard und ihr früherer Student Chen Sian Lim (CAS ' 01) hatten am ersten Tag ihrer Ausgrabung an der ausgedörrten Küste am Wadi Gawasis noch kaum eine Stunde Sand geschaufelt, als sich ein faustgroßes Loch im Hang auftat. "Ich streckte meine Hand hinein, und es war der Eingang zur ersten Höhle" sagt Barde. "Dinge wie diese geschehen nicht allzu oft in der Archäologie."
Unter Leitung von Bard und dem italienischen Archäologen Rodolfo Fattovich der Universität von Neapel öffnete die Grabungsmannschaft den rechteckigen Eingang zu einer zweiten Höhle, der aus Zedernbalken und Kalksteinblöcken, die zuvor als Schiffsanker gedient hatten, errichtet war. Im Innern entdeckten sie ein Labyrinth aus großen Kammern und eine Reihe von Objekten aus der Seefahrt, darunter Taue, eine Holzschüssel, und eine Flechttasche. Man fand auch zwei gekrümmte Zedernbretter, die möglicherweise die Steuerruder eines 70 Fuß langen Schiffes waren, das zu der berühmten See-Expedition der Königin Hatschepsut  aus dem 15. Jahrhundert v.Chr. nach Punt gehörte, einem Expeditionsziel irgendwo im südlichen Bereich des Roten Meeres. In Sand vor der zweiten Höhle fand die Grabungsmannschaft ein Stück eines Taues, das noch - wie Bard glaubt - mit einem Seemannsknoten versehen ist.
"Es muss von einem Schiff stammen," sagt sie. "Es kann für nichts anderes verwendet worden sein." Keramikscherben, die in der Nähe gefunden wurden, datieren die frühe 18. Dynastie (um 1500 v.Chr.), und damit etwa in die Regierungszeit der Pharaonin Hatschepsut.

Die Archäologen entdeckten auch mehrere Stelen (Kalksteinplatten etwa von der Größe kleiner heutiger Grabsteine), die in Nischen außerhalb der zweiten Höhle aufgestellt waren. Die meisten waren undekoriert, aber Prof. Bard fand im Sand eine Stele, mit der Kartusche des Königs Amenemhets III., der ungefähr 1800 v.Chr. regierte. Der Text berichtet von zwei Expeditionen, die von Beamten nach Punt und Bia-Punt, dessen Position unsicher ist, durchgeführt wurden. "Dass diese Stelen sich über so einen langen Zeitraum unbeschadet erhalten haben ist ungewöhnlich" meint Prof. Bard "und der Erhaltungszustand des organischen Materials in den Höhlen ist wirklich bemerkenswert. Ich arbeite in Ägypten seit 1976 und ich habe so etwas noch nicht gesehen!“

Die Kollegen von Prof. Bard teilen ihre Begeisterung. "Ich denke, dass es eine sehr aufregende Entdeckung ist“ erklärt John Baines, ein Ägyptologe an der Fakultät für Near Eastern Studies der Universität Oxford. "Viele Leute neigen dazu anzunehmen, dass die Ägypter keine großen Anstrengungen im Bereich der Fernreisen unternahmen, weil nur sehr wenige diesbezügliche Spuren gefunden worden sind." Aus Texten, die Forscher vor mehr als einem Jahrhundert entdeckt haben, ist aber bekannt, dass die Ägypter See-Expedition nach Punt bereits im Alten Reich (2686-2125 v.Chr.) unternahmen. Im Punt erwarben die Ägypter Gold, Ebenholz, Elfenbein, Leopardenhäute, exotische Tiere wie Paviane, die als Haustiere gehalten wurden, sowie den für religiöse Rituale notwendigen Weihrauch.
Die Entdeckung Prof. Bards wirft Licht auf einen weiteren Aspekt des Seehandels am Roten Meer. „Bis wir diese Stelen entdeckten war nicht bekannt, dass König Amenemhet III. Expeditionen nach Punt entsandt hat." so Bard. "Das macht den Text zu einem wichtigen historischen Dokument." Das Grabungsteam fand außerdem Keramikfragmente in der kleinen Höhle, die - wie die italienischen Archäologen glauben - aus dem Jemen stammt. Dies lässt vermuten, dass die Ägypter entweder weiter segelten als bislang angenommen wird oder dass die Ägypter Teil eines komplexeren Handelsnetzwerkes waren.

Eine Fahrt nach Punt erforderte einen enormen Arbeitsaufwand. Ägyptische Schiffsbaumeister fällten Zedern an den Bergen des Libanon und transportierten das Holz den Nil aufwärts zu einer Werft, wo die Fahrzeuge zuerst gebaut und dann in transportfähige Stücke auseinander genommen wurden. Diese Einzelteile wurden wiederum in einem 10-Tagestrip über ca. 100 Meilen durch die Wüste zur Küste transportiert. "Die dafür notwendige Logistik war bewundernswert." so Bard. "Sie mussten dabei das ganze Süßwasser und den Proviant für die Reise mit sich tragen."

...
« Letzte Änderung: 25.05.2005 um 09:06:37 von Gast_A. »
Gast_A.  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Ägyptischer Marine-Stützpunkt 
« Antwort #1, Datum: 25.05.2005 um 01:55:20 »   

(Fortsetzung des Artikels)...

Handelsplätze

Während der 90er Jahre hatten Bard und Fattovich eine 10-jährige Ausgrabung nahe Aksum in Äthiopien geführt, wo sie Hinweise auf eine zuvor unbekannte Epoche der afrikanischen Menschheitsgeschichte fanden. Aber als 1998 der Krieg entlang der eritreischen Grenze ausbrach, entschieden sie sich dafür, zur ägyptischen Küstenlinie zu wechseln. Das Grabungsteam ging 2001 zum Wadi Gawasis, um "das andere Ende des Handels im Roten Meer zu erforschen," so Bard.
Fattovich wählte Wadi Gawasis aus, weil es in den 70er Jahren von einem ägyptischen Archäologen als die wahrscheinliche Position des alten Seehafens von Saaw identifiziert worden war. Saaw wird in Texten als der Ausgangspunkt von Expeditionen nach Punt beschrieben. Das Team beschränkt seine Ausgrabung auf die sechs Winterwochen zwischen jedem Semester, um so die extreme Hitze und Feuchtigkeit des Sommers zu vermeiden.

Obwohl Prof. Bard durch die neuen Entdeckungen in Aufregung versetzt ist, merkt sie an, dass man gerade erst begonnen habe, die Geheimnisse des Wadi Gawasis zu lüften. "Ich bin überzeugt, dass es noch mindestens eine weitere Höhle gibt, die wir noch nicht ausgegraben haben." sagt sie. "Es gibt vielleicht noch viel mehr. Wir haben gerade einmal den Eingang zur großen Höhle freigelegt, und sie ist gewaltig. Wir haben hier genug Arbeit für die nächsten Jahren."

Wenn sie im nächsten Dezember zurückkehrt, wird sie von einem Forscher begleitet, der  Bodenradar verwenden wird, um festzustellen, ob es weitere Höhlen gibt und um zu klären, wie weit sich die bereits bekannten Höhlen ausdehnen. Ein Ingenieur wird der Mannschaft helfen, die teilweise eingestürzten Decken einiger Höhlen abzustützen. "Es war der Fund fürs’ Leben," sagt Bard, "und es gibt dort noch viel mehr zu entdecken."

Eigener Kommentar für Interessierte:

Die von Prof. Bard angesprochene Identifizierung des Hafens von Mers Gawasis mit dem Ausgangspunkt der Punt-Expedition namens ¤Aww (auch ¤AwAw geschrieben) stammt von:
Abdel Monem A.H. Sayed, New Light on the Recently Dicovered Port on the Red Sea Shore, in: CdÉ 58 (1983), S. 23ff, (dort auch frühere Literatur zu diesem Themenkomplex),
Sayed hat in Mers Gawasis bereits Steinanker, und hieratische Topfaufschriften aus der 12. Dynastie entdeckt, die Expeditionen nach Punt erwähnen.
D. O’Connor, in: The Cambridge History of Africa Bd. I, London-NY 1982, S. 931.

Der Bau der Schiffe fand offenbar zunächst in Koptos statt (dort existierte eine große Werft). Die Schiffe hießen entsprechend „Koptos-Schiffe“. Hier wurden sie dann wohl auch demontiert und durch die Wüste transportiert.
> Antwort auf Beitrag vom: 25.05.2005 um 01:52:12  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Ägyptischer Marine-Stützpunkt 
« Antwort #2, Datum: 25.05.2005 um 12:09:03 »     

Siehe auch Ä-Blatt vom 20.03.2005

Den Zusammenhang mit dem Apislauf kriege ich aber nicht auf die Reihe

Gitta
« Letzte Änderung: 25.05.2005 um 12:09:24 von Gitta »
> Antwort auf Beitrag vom: 25.05.2005 um 01:55:20  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Ägyptischer Marine-Stützpunkt 
« Antwort #3, Datum: 25.05.2005 um 13:15:48 »   

Na, hätte ich mir ja eigentlich denken können, dass Dir das ganze schon mal untergekommen ist... dann kann man das hier ja löschen.
Den Bezug zum anderen Thread habe ich eher unter dem zeitlichen Aspekt (Hatschepsut) und der Frage nach der Historizität von ägyptischen Quellen gesehen (ist die Herrscherin da wirklich rumgelaufen? und wenn ja, kann man das aus den Abbildungen ab"lesen"? - als Vergleich ihre "Beschreibung" der Punt-Expedition) .

Gruß A.
« Letzte Änderung: 25.05.2005 um 13:17:09 von Gast_A. »
> Antwort auf Beitrag vom: 25.05.2005 um 12:09:03  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Ägyptischer Marine-Stützpunkt 
« Antwort #4, Datum: 25.05.2005 um 23:13:10 »     

Hallo Gast_A,


Zitat:
dann kann man das hier ja löschen.


nein, das wäre ja nun übertrieben. Aber Du hättest Dir ein Stück Arbeit sparen können

Den Zusammenhang habe ich nun auch begriffen.

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 25.05.2005 um 13:15:48  Gehe zu Beitrag
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