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   Ausstellung Völklingen (13)
  Autor/in  Thema: Ausstellung Völklingen
naunakhte  weiblich
Moderatorin

  

Ausstellung Völklingen 
« Datum: 03.08.2014 um 12:05:57 »   

Derzeit läuft in der Völklinger Hütte eine Ausstellung mit Stücken des im Umbau befindlichen Turiner Museums.
Bereits 2012, damals in Speyer, war eine Ausstellung mit Turiner Stücken zu sehen.

Nun hätte ich am 12. August die Möglichkeit die Völklinger Ausstellung zu besuchen. Die Frage ist aber: lohnt es sich? Oder ist die Ausstellung weitgehend mit der in Speyer idenisch?

Völklingen liegt für mich nicht gerade um die Ecke.

Deshalb: war schon jemand in Völklingen - eventuell sogar zuvor in Speyer - und kann mir etwas zur Ausstellung berichten?

Danke
nauna
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Ausstellung Völklingen 
« Antwort #1, Datum: 04.08.2014 um 12:06:13 »   

Hallo, Nauna,

in einem Bericht der Saarbrücker Zeitung heißt es:

Zitat:
„Doch wer in Speyer war, kennt noch nicht das, was hier zu sehen ist“, baut Grewenig Wiederholungsängsten vor. Da das Museum in Turin derzeit umgebaut wird, habe man nun aber 250 Exponate für Völklingen freigegeben.

Insofern lohnt sich ein Besuch wohl auch dann, wenn man schon in Speyer war.

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 03.08.2014 um 12:05:57  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Ausstellung Völklingen 
« Antwort #2, Datum: 04.08.2014 um 16:25:52 »   

Danke Michael,

dann werde ich mich wohl mal auf den Weg machen und Euch hinterher berichten ob die Aussage stimmt.

LG nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 04.08.2014 um 12:06:13  Gehe zu Beitrag
Haremhab  maennlich
Member

  

Re: Ausstellung Völklingen 
« Antwort #3, Datum: 08.08.2014 um 00:17:22 »   

Wann wirst du in etwa fahren wollen?

Danke
Haremhab
> Antwort auf Beitrag vom: 04.08.2014 um 16:25:52  Gehe zu Beitrag
Lutz  maennlich
Member

  

Re: Ausstellung Völklingen 
« Antwort #4, Datum: 08.08.2014 um 14:31:03 »   


Zitat:
... in einem Bericht der Saarbrücker Zeitung heißt es: „Doch wer in Speyer war, kennt noch nicht das, was hier zu sehen ist“, baut Grewenig Wiederholungsängsten vor. Da das Museum in Turin derzeit umgebaut wird, habe man nun aber 250 Exponate für Völklingen freigegeben."

Mir liegt seit heute auch der Katalog Völklingen vor. Die ein oder andere Überschneidung mit Speyer gibt es schon, wie ja wohl auch nicht ernsthaft anders zu erwarten war ... (z.B. der steinerne Blanco-Scheck von Thutmosis III. für Min-Horus).

Zitat:
... Insofern lohnt sich ein Besuch wohl auch dann, wenn man schon in Speyer war.

Letzteres ist natürlich trotzdem zu unterstreichen.

Gruß, Lutz.
« Letzte Änderung: 08.08.2014 um 16:38:30 von Lutz »
> Antwort auf Beitrag vom: 04.08.2014 um 12:06:13  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Ausstellung Völklingen 
« Antwort #5, Datum: 13.08.2014 um 10:16:20 »   

Ich hatte versprochen nach dem Besuch in Völklingen eine Rückmeldung zu geben.
Noch nie ist mir dies so schwer gefallen wie diesmal.

30 Jahre Ägyptologie, 30 Jahre Erfahrung im Museums- und Ausstellungsbesuch, von Natur aus eher etwas kritisch eingestellt – würde ich mich nun gerne mit „mir fehlen die Worte“ einfach aus meinem Versprechen rausmogeln. Doch das wäre nicht fair. Einfach nur zu fragen „Habt ihr mich gestern nicht schreien gehört?“ – wäre der Ausstellung gegenüber auch nicht ganz gerecht. Mit einem kurzen Kommentar ist es hier nicht getan. Nur meine Eingangsfrage, ob die Ausstellung mit Speyer identisch sei lässt sich schnell beantworten: Nein. Es sind zwei völlig unterschiedliche Ausstellungen – auch vom (wenn vorhanden) Konzept her.

Völklinger Hütte, Weltkulturerbe im Saarland – sagte mir erstmal garnichts. Zu dieser Bildungslücke stehe ich. Im Vorfeld habe ich mich übers Netz erst mal kurz schlau gemacht. Ein riesiges Industriedenkmal. Stahlbau. OK, wir haben Buderus vor der Tür – habe ich blauäugig gedacht. Doch wer aus einer Ecke kommt, die die Bierwerbung  immer mit „im Herzen der Natur“ preist – für den ist die Anfahrt auf dieses Weltkulturerbe dann doch ein Schock! Das die Ausstellungsmacher hier vor einer besonderen – nicht mit einem normalen Museumsbau vergleichbaren – Präsentationsproblematik stehen machte der Bau schon klar.

Die Ausstellung wird nicht in einer leeren Halle präsentiert sondern steht zwischen den Überresten der früheren Produktionsstätten. Schwarze, übergroße Maschinen mit vielen Ecken und Kanten und abstehenden Rohren (darf ich aus Unkenntnis der Geräte bitte einfach so laps formulieren). Ein nicht ganz ebener Boden ist wohl auch der Zu- und Ablieferung der ehemaligen Arbeiten mit den Maschinen geschuldet. Bedeutet, da unter einem Bodenbelag versteckt: bitte etwas Vorsicht beim Begehen der Ausstellung. Vorsicht auch, weil Ausstellungspodeste mit dem Bodenbelag bedeckt und nicht aus Podest farbig abgesetzt sind. Stolperfallen!
Der empfindliche Besucher nimmt noch immer einen Geruch von Schmieröl wahr.

Im Klartext heißt das: der Besucher wird im Hauptteil der Ausstellung am Rande der Halle entlang geführt und zwischen den riesigen Maschinen ist der Zwischenraum sackgassenähnlich in die Halle hinein mit Vitrinen gefüllt. Der Ausstellungsbereich hebt sich mit seiner Lila Farbgebung angenehm von dunklen, schwarzen Weltkulturerbeteil ab. Die Vitrinen stehen durchaus etwas gedrängt wenn man an die erwartenden Besucherzahlen denkt. Die Befüllung der Vitrinen lässt den Objekten jedoch viel Raum. Im Klartext: auch Kleinstobjekte (5 cm großes Gefäß) haben durchaus eine eigene Vitrine. Was einem zu der zugegebenermaßen bösen Vermutung verleitet, dass die Ausstellung künstlich gestreckt wurde. Ein Eindruck der sich an verschiedenen Stellen der Ausstellung auf unterschiedliche Weisen aufdrängt.


Mein Text ist zu lang, ich muss ihn teilen. Was ich versuche sinnvoll zu tun
> Antwort auf Beitrag vom: 04.08.2014 um 16:25:52  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Ausstellung Völklingen 
« Antwort #6, Datum: 13.08.2014 um 10:16:49 »   

Ausstellungskonzept:
Der Titel „Götter. Menschen. Pharaonen. Ägypten; Meisterwerke aus dem Museum Egizio Turin“ ist so nichtssagend wie vielschichtig interpretier- und umsetzbar.
Im Vorwort des Kataloges spricht der Autor von: „Im Weltkulturerbe Völklinger Hütte wird das Alte Ägypten erstmalig vor dem Hintergrund der industriekulturellen Vorraussetzung, die zu seiner Erforschung maßgeblich beigetragen hat, präsentiert.“
Industrie und Altes Ägypten passt duchaus zusammen. An vielen Objekten lässt sich die en masse Produktion, die Vorratshaltung an Gütern durchaus zeigen. Sollte sich dieser Gedanke im Ausstellungskonzept wiedergespiegelt haben, so hat er sich mir leider nicht erschlossen. Der Begriff der „Meisterwerke“ der im Titel genannt wird ist interpretierbar. Was ist ein Meisterwerk? Vom handwerklichen ist die Herstellung eines 5 cm großen Gefäßes aus Diorit sicherlich ein Meisterwerk – doch erschließt sich dies dem Normalbesucher? Hinweise darauf in der Beschriftung der Objekte fehlen jedenfalls. Die Ausstellung zeigt ein paar sehr schöne, interressante und auch außergewöhnliche Stücke. In der Masse hatte ich jedoch eher das Gefühl hier b und c Ware gezeigt zu bekommen. Oder nett ausgedrückt: man hat die Tore der Magazine geöffnet. Was dann folgerichtig in der Werbung als ‚noch nie oder selten  … gezeigte Stücke‘ deklariert wird.
Noch immer bleibt die Frage nach dem Ausstellungskonzept. Hatten sie überhaupt eines? Die Ausstellungsobjekte wurden in der Regel chronologisch präsentiert. Aus jeder Epoche etwas, viele Uschebtis, Kanopenkrüge und Holzsärge. Einige Stelen, Statuen und Schmuckstücke. Themenblöcke? Eher weniger, was bei einer chronologischen Platzierung auch schwierig wäre. Also eher weniger ein Konzept?
Tja, die Frage nach dem Konzept hat bei mir während des Besuches schon Haareraufen hervorgerufen. Man betritt die Ausstellung und sieht als erstes die Description de l’Égypte. Viele Bände hochkant aufgestellt, ein Tafelband aufgeschlagen. Was dieses Werk ist und für die Ägyptologie bedeutet erklärt die Multimediapräsentation der Ausstellung. Allerdings muss man dazu bereits den langen Weg durch die Halle zurückgelegt haben und durch eine Sonderpräsentation (darauf komme ich gleich zurück) einer angrenzenden Halle zu der Multimediapräsentation gelangt sein.
Es folgen mehrere Holzmodelle ägyptischer Tempel aus dem 19. Jh. nach Chr. Hierbei handelt es sich – wie man am Ende der Präsentation der Modelle erfährt – um Nubische Tempelanlagen. Wohl dem Besucher, der dies aus den, den Modellen beigefügten, Tempelnamen schon erschließen konnte. Alle anderen: shit happens, wie die Jugend heute gerne sagt. – Persönlich bin ich extra nochmal zurück gelaufen, weil ich das Gefühl hatte diesen Teil der Ausstellung von der falschen Seite betreten zu haben, da die Erklärungen ja eher Rückläufig (aber nicht retrograd ) waren. Kopfschüttelnd musste ich aber feststellen, ich lief richtig oder zumindest wie von den Machern gewollt.

Am Ende des Ganges hat man die Auswahl. Nach links zu Multimedia, oder rechts auf eine riesige, leere Plattform.
Da schon etwas Verwirrung bei uns vorherrschte entschieden wir uns für Multimedia, in der Hoffnung auf Klärung. Wie gesagt, die Description de l’Égypte wurde – wenn auch recht spät - erklärt. Der Rest, nicht der Rede wert.
Im Vorfeld der Multimediapräsentation findet man noch eine Schau von Papyri der Uni Trier und eine Fotoausstellung mit ägyptischen Motiven.
Wie man dem Besucherbuch am Ende der Ausstellung entnehmen kann, sind auch andere von der Beschriftung der Vitrinen der Papyri verwirrt. Erklärungen enden hier mitten im Satz und werden (was wohl nicht jeder erfasst hat) an anderen Vitrinen fortgeführt. Eine simple Andeutung durch die in der deutschen Schreibkunst gebräuchlichen drei … wäre vielleicht hilfreich.
Die Fotos sind schön anzusehen. Ihre Beischriften aber ein graus. Nicht nur, dass man Tempelnamen bitte richtig schreiben sollte (Konombo), so ist unter dem „Tal der Könige“ eben nicht die komplette Westbank von Luxor zu verstehen. Wenn man dann nur Ausschnitte der Grabdekoration von Senedjem und Senenmut zeigt, ist das eine Irreführung ahnungsloser Besucher. Ansonsten darf man bei der Beschriftung Abydos und Dendera, neben der dann wahllos durcheinander Ausschnitte der Dekoration beider Tempel gezeigt werden, einen Ratewettbewerb unter den Besuchern ausschreiben. Präsentiert man zwei Bilder, oben eine Sphinx und darunter eine der Gänse von Medum, ist die Beischrift von nur „Sphinx“ wohl etwas spärlich. An dieser Stelle der Ausstellung hättet ihr mich „schreien hören können“. Leider habe ich nämlich die Vorstellung dass Besucher eine Ausstellung mit einem Mehrwissen verlassen können sollten.
Dieser Raum hat übrigens eine mehteilige Tür die hier als Notausgang gekennzeichnet war, mich jedoch später zu der Überlegung veranlasste ob das Konzept der Ausstellung nicht zu einem früheren Zeitpunkt von diesem Raum als Startpunkt angelegt war – der Eingang aus unerfindlichen Gründen jedoch verlegt wurde.
Zurück zum ursprünglichen Gang und der mindestens 150-200 qm großen, leeren Plattform. Neben dem Zugang ein kurzer – beziehungsloser - Erlärungstext zum Begriff Pharao. Seitlich auf der Plattform eine Treppe zu einer weiteren, leeren Plattform, daneben ein Erklärungstext zu Hieroglyphen. Der Sinn erschloss sich mir hier nicht. Auf der gegenüberliegenden Seite der Plattform zwei Treppen hinunter in einen Gang der an der Wand entlang lief und der dann die oben beschriebene chronologische Präsentation der Turiner Objekte mit den Nebenabzweigen beherbergte
> Antwort auf Beitrag vom: 13.08.2014 um 10:16:20  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Ausstellung Völklingen 
« Antwort #7, Datum: 13.08.2014 um 10:42:21 »   

Versuch eines Fazits und durchaus Kritik:
Die Ursprungsfrage Speyer – Völklingen identisch, kann in allen Punkten verneint werden.
Die unterschiedliche Präsentationsfläche (Museumsareal und Industriehalle) kann reizvoll sein und Vorteile haben. Völklingen hat meines Erachtens seine Möglichkeiten nicht genutzt. Mir fehlt ein klares Konzept, eine deutlich erkennbare Struktur in der Ausstellung. Und ganz besonders fehlt mir – und meiner Begleitung – ein Erkenntnisgewinn aus dem Besuch der Ausstellung. Die Beschriftung der Virtinen ist mager, dafür aber dreisprachig. Die Wandflächen wurden für Erläuterungen nur selten, und wenn dann recht knapp genutzt. So haben wir am Beginn der Ausstellung (Nubische Tempelanlagen) eine Lagekarte der Tempel vermisst. Dies wäre dem Besucher sicherlich hilfreich und wohl auch nicht schwer umsetzbar gewesen.
Speyer hatte Themenblöcke in seiner Ausstellung umgesetzt. Viel Multimedia zur Erklärung der Präsentation beigefügt. Dies mag sich in Völklingen in den Hallen schwerer umsetzen lassen. Doch den Teil aus Speyer, wo man sich auf Bänken in den Räumen niederlassen konnte und über Handtafeln weitere Infos zu den Objekten des Raumes erlesen konnte wäre wohl auch in Völklingen möglich.

Zumal es nicht erwünscht scheint den Ausstellungskatalog als Informationsquelle mit in die Ausstellung zu nehmen. Schon beim Erwerb an der Kasse meinte die freundliche Kassiererin sie sei sich nicht sicher ob mich das Aufsichtspersonal damit in die Ausstellung lasse.
Hier sei angemerkt, dass Handtaschen größer als 20x30 cm in Schließfächern verwahrt werden sollen und nicht mit in die Ausstellung dürfen (ein Maßband hatten die Aufseher wohl nicht, da durchaus größere Taschen Einlass fanden). Mein Katalog sorgte jedoch tatsächlich für Probleme mit dem Aufsichtspersonal. Er war, zusammen mit einer Lesebrille und einer kleinen Packung Bonbons (gegen trockenen Hals) in einer Klarsichtplastiktasche. Der Inhalt deutlich sichtbar. Tatsächlich erhielt ich beim Zugang der Ausstellung erstmal unwirsch die Aufforderung mein Handy abzuschalten (hatte ich garnicht dabei) und die Tüte bitte unten einzuschließen. Ich ließ mich auf die Diskussion ein, den Katalog mit in die Ausstellung zu nehmen um dort eventuell weitere Informationen zu den Objekten zu erhalten. Nach dem man mir dies zugestand sollte ich trotzdem die Tüte wegschließen. Naja, ich habe noch erklärt, dass ich in meinem Alter leider auf die Lesebrille angewiesen sei und wenn ich nun alles in den Händen tragen muss der Besuch recht unbequem wird. Und dann bin ich einfach rein. Ärgerlich.

Dienstags ist der Ausstellungsbesuch ab 15 Uhr ohne Eintritt möglich. Dies führt zu einem sehr großen Andrang in dieser Zeit. Jedenfalls standen gestern Schlangen an den Kassen als wir um kurz nach 3 gingen. Während unseres Aufenthaltes in der Ausstellung war es eher ruhiger. Nur selten war der Platz vor einer Vitrine belegt und man musste warten. Die Anzahl der Besucher war also für den Besucher angenehm, für die Macher sicherlich etwas gering. Was sich nach 3 dann ja schlagartig änderte.

Zur Aufenthaltsdauer in der Ausstellung. Wir waren gestern knapp 3 Stunden dort, und diese Zeit haben wir gebraucht. Das lag aber eher daran, dass ich meiner Begleitung doch recht viel zusätzlich zu den Objekten erklärt habe.

Gruß
nauna

die noch viel mehr berichten könnte …
> Antwort auf Beitrag vom: 13.08.2014 um 10:16:49  Gehe zu Beitrag
Lutz  maennlich
Member

  

Re: Ausstellung Völklingen 
« Antwort #8, Datum: 14.08.2014 um 22:56:17 »   

"Ausstellung in der Völklinger Hütte : Totenkult im Alten Ägypten - Es Begann in Memphis" (Frankfurter Neue Presse, Gernot Gottwals, 12.08.2014)

Zitat:
"... Die meisten Besucher scheinen von diesem Aufeinandertreffen von uralter und moderner Kultur überwältigt. Doch gibt es auch kritische Stimmen, die mehr Struktur und Inszenierung des Pharaonenreiches durch Kulissen, Requisiten und Begleitvideos vermissen. „Wenn man keinen persönlichen Bezug zur Eisenindustrie hat, lassen einen auch die Maschinen kalt“, sagt eine Besucherin von der Nordsee.

Gruß, Lutz.
> Antwort auf Beitrag vom: 13.08.2014 um 10:42:21  Gehe zu Beitrag
unas  maennlich
Member

  

Re: Ausstellung Völklingen 
« Antwort #9, Datum: 23.08.2014 um 12:41:59 »   

Hallo Nauna,

in Deiner interessanten Beschreibung der Ausstellung erwähnt, dass Du den Ausstellungskatalog gekauft hast.

Kannst Du diesen empfehlen? Ist es einer von vielen Ausstellungskatalogen oder enthält er auch interessante Informationen und Beschreibungen, die einen Kauf eher lohnen würden?


Viele Grüße
unas
> Antwort auf Beitrag vom: 14.08.2014 um 22:56:17  Gehe zu Beitrag
Lutz  maennlich
Member

  

Re: Ausstellung Völklingen 
« Antwort #10, Datum: 24.08.2014 um 13:46:31 »   

"Ägypten. Götter. Menschen. Pharaonen. - Meisterwerke aus dem Museum  Egizio Turin". - [Edition Völklinger Hütte, Katalog zur Ausstellung, Hrsg. Meinrad Maria Grewenig]. - Heidelberg : Das Wunderhorn, 2014. - 290 S., 4-farbig. - ISBN : 978-3-88423-484-6. - € 24,50.

Auf dem Paperback des Einbandes prangt (wie auf den Plakaten) das Oberteil des Steinsarges eines Sohnes Ramses II. vor lila-violettem Hintergrund. Wer jedoch im Katalog die Turiner Inventar Nummer des Stückes oder Angaben zur (vermuteten) Herkunft sucht, findet beides nicht. Dazu muss man dann doch den Internetauftritt des Museums bemühen : "Coperchio di sarcofago".

Damit wäre mein Hauptkritikpunkt gleich am Anfang genannt. Derartige Daten erwarte ich schon in einem Ausstellungskatalog dieser Kategorie ... sehr ärgerlich und eigentlich unnötig wie ich finde.

Die Beschreibungen zu den einzelnen Stücken sind recht kurz gehalten. Sie bieten wenig mehr an Information als die Texte auf der Internetseite des Museums - nur eben auf Deutsch.

Vorangestellt sind sechs kurze Essays : zur Ausstellungskonzeption, zum Museum in Turin und, in wohl eher populärwissenschaftlicher aber durchaus gelungener Form, allgemein zum Alten Ägypten. Die Texte wenden sich klar an den wenig bis gar nicht ägyptologisch vorgebildeten Besucher.

Die überwiegend ganzseitigen Farbfotos sind von sehr guter Qualität. Die konsequent durchgehaltene Hintergrundfarbe ist sicher Geschmackssache aber zumindest nicht störend.
Gelungen und hilfreich ist eine doppelseitige Zeitleiste die parallel zu den bekannten Epochen der Ägyptischen Geschichte Eckdaten aus Mesopotamien, Israel und Europa aufzeigt.

Den Abschluss bildet ein Text zur Geschichte des Museums Turin. Hier findet man vier Abbildungen von Tempelmodellen (Nefertari in Abu Simbel, Gherf Hussein, Derr & Debod) aus dem frühen 19. Jahrhundert („Holz, stuckiert und farbig gefasst“). Zu diesen Modellen hätte ich mir noch ein paar Informationen gewünscht ...

Gruß, Lutz.
> Antwort auf Beitrag vom: 23.08.2014 um 12:41:59  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Ausstellung Völklingen 
« Antwort #11, Datum: 24.08.2014 um 18:13:48 »   

Hallo Unas,

Lutz hat im Grunde schon alles zu dem Katalog gesagt. Vom Inhalt her bietet er wenig. Gut sind Einzig die Fotos. Das lohnt sich dann aber im Grunde auch nur wenn man Kataloge als Bild(er)quellen sammelt.

Sucht man einen guten Katalog zu den ägyptischen Beständen im Turiner Museum mit guten Texten, dann muss man weiterhin auf die Trilogie von Donadoni Roveri: Das Alte Ägypten aus dem Jahr 1988 verweisen.

Gruß
nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 23.08.2014 um 12:41:59  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Ausstellung Völklingen 
« Antwort #12, Datum: 08.10.2014 um 17:48:25 »   

Eine Freundin war gestern in Völklingen und ist damit einverstanden ihren Kommentar hier veröffentlichen zu lassen, was ich mit leichten Kürzungen tun werde. Die Ausstellung läuft ja noch eine Weile, und es sollte nicht nur mein Eindruck hier stehenbleiben.

Selbst meine beiden Mitbesucherinnen, ... aus Bochum ..., die Industriedenkmäler im Ruhrgebiet gewöhnt sind, waren angesichts der bedrückenden Häßlichkeit des Ex-Stahlwerks entsetzt. ...

Der Fabrikduft in der stählernen Werkshalle ist alles andere als dezent, er ist penetrant, legt sich sofort auf die Stimmbänder und verursacht Schwindel - nach einer Viertelstunde, in der sich meine Augen auch noch an die Dunkelheit gewöhnen mußten, wurde ich richtig taumelig, was mir noch nie passiert ist.

Es waren nur wenige Besucher vor Ort, ein Zustand der auch nach 15.00 Uhr noch anhielt, als freier Eintritt gewährt wurde. Man muß froh darüber sein, denn manche Ecken mit Ausstellungsobjekten sind so klein konzipiert, daß schon vier Personen alles blockieren.

Aber: die Ausstellung ist opulent und vor allem sehr vielseitig bestückt, die Exponate hervorragend, man kann keinerlei Qualitätsmängel in der Wahl der Objekte feststellen. Es gibt keine sog. "B-Ware" die mal eben aus den Magazinen zusammengestellt wurde, da muß ich [nauna] doch resolut widersprechen, denn Aegyptiaca sind grundsätzlich niemals zweitrangig. Jedes Stück, auch das optisch bescheidene Werk, hat seinen ihm eigenen Wert !
Das Desaster in Völklingen liegt darin begründet, daß die Ausstellungsmacher das Charakteristische und die Besonderheiten, sowie die Einordnung sämtlicher Einzelstücke in den kulturellen Zusammenhang nicht vermitteln. Es mangelt an didaktischen Konzepten.
Wenn es eine "B-Ware" in der Völklinger Pharaonen-Ausstellung gibt, dann trifft man sie ganz klar in der Arbeit der Wissenschaftler und Ausstellungsbeauftragten an. Es ist mir völlig unverständlich, wie sich Fachleute mit einem so banalen und dürftigen Informationskonzept zufriedengeben können und dieses Manko im Ausstellungkatalog nicht ausgleichen. Dazu unten noch mehr.

Die häßlichen Tempelmodelle und die belanglosen Ägyptenphotos als "Hors d'oeuvre" ließen wir links liegen, das sind reine "Füllstoffe", die z.T. völlig falsche Legenden aufweisen ..., es ging sofort auf eine gähnend leere riesige Stahl-Plattform mit der Abbildung einer Zeitschiene und ich gab erst einmal eine Grundeinführung in die Landesnatur und Basisinformationen zur Chronologie ...
Das fiel meinen zwei Mitbesucherinnen sofort auf: keine Ägyptenkarte, keine gescheite Dynastien-Tafel, keinerlei Information bezüglich der geographischen Besonderheiten des Landes.  ...

Die Ausstellung weist nur eine Grobordnung auf - sie ist chronologisch arrangiert - ansonsten sucht man vergeblich nach einem roten Faden, ein Themenkonzept innerhalb der chronologischen Schiene existiert nicht.
Die Begleittexte sind extrem kurz und inhaltlich flach - meine Begleiterinnen merkten übrigens nach wenigen Minuten (!), daß die Gruppenführungen durch die Ausstellung genau so "abgemagert" gehalten werden wie die Texte an den Wänden.

Die Vitrinen sind fast alle an die Wände positioniert, was größte Mühen beim Betrachten der Stücke bereitet: Gipfel des Präsentations-Dilettantismus ist wohl die Aufstellung des Pyramidion des Chonsu aus Deir el-Medine, das brachte nicht nur mich in Rage!
Ein Prachtexemplar, mit herrlichen Darstellungen der Erscheinungsformen des Sonnengottes auf den Schauseiten. Hier wäre eine exzellente Gelegenheit gewesen, Besuchern die Grundlagen des Sonnenzyklus zu erklären, dem dominanten Thema der Architektur und Dekoration ägyptischer Gräber des NR.
Drei Seiten kann man bewundern, die vierte dekorierte Fläche erfordert zum Betrachten gymnastische Geschmeidigkeit, wir blieben aber ohne Blessuren trotz vorkragender Stahlrohre!

Ärgerlich auch die hohen Podeste auf denen mehrere der wunderbaren Särge der 3. Zwischenzeit und Spätzeit standen. Bei einige Stücken kann man nur die Seiten richtig gut sehen. Schade, denn die Turiner Särge sind wirklich prächtig in ihrer Farbigkeit und dem Bildprogramm.
Skandalös z.B. der Mangel an Informationen zum Sarg des Bekenchons und seiner Person, über die wir so viele Informationen besitzen. Mit keiner Silbe wird dem Publikum etwas von seiner Tätigkeit in der thebanischen Nekropole verraten, seiner interessanten Familie, der spannenden Transitphase in Theben Ende der 20./Anfang 21. Dynastie, seinem Umfeld.

Die Informations-Mängelliste ließe sich endlos für jedes einzelne Exponat fortführen.




Welche Besucher profitieren von der Ausstellung und was sollte man bei einem Besuch beachten?

1. Wer eine sehr lange Anreise in das Saarland hat sollte sich den Besuch gut überlegen, man benötigt viel Zeit zum Betrachten der Stücke. Spätestens gegen 12.00 Uhr muß man vor Ort sein.

2. Dringend ausreichend Proviant und Getränke mitnehmen - ein Catering für Besucher in der Ausstellung existiert nicht, was dem ungastlichen Eindruck des Ausstellungsgebäudes übrigens einen ganz eigenen Akzent hinzufügt.

4. Schockresistenz angesichts des Eintrittspreises von satten 15.- Euro ist Bedingung !! Studenten genießen freien Eintritt - Ausweis nicht vergessen, sonst klafft eine breite Lücke im Bestand des Portefeuille.

3. Es ist ein Tag, der auch physische Kraft abverlangt wenn man aus großer Entfernung anreist, egal welches Transportmittel genutzt wird. Aus Marburg bzw. Bochum kommend wurde es für uns drei Personen ein 18-Stunden-Tag, der nur rentabel ist, wenn man sich in der Ausstellung wirklich Zeit lässt. Wir sind aber dennoch fit - "the day after" (grins).
Kleiner Tipp aus Erfahrung: in Gesellschaft Gleichgesinnter macht diese "Hardcore-Expedition" viel mehr Spaß, vor allem sollte man die vor sich hinrostende Stahlarchitektur des "Weltkulturerbes Völklinger Hütte" und den Ort selbst, die zusammen eine schwer depressive Grundstimmung ausstrahlen, mit dezidiert britischem Humor nehmen:
Das werden WIR den nachkommenden Generationen einmal hinterlassen - welch ein Kontrast zur Hinterlassenschaft der ägyptischen Zivilisation! Man kann trefflich darüber philosophieren - oder lästern, je nach Laune, schmunzel.

4. Wer herrliche Objekte aus Turin bewundern möchte und einen soliden Wissenshintergrund besitzt, wird an der Ausstellung in der Völklinger Hütte ganz sicher Freude haben, so erging es uns. Überfüllung ist nicht zu erwarten, was große Vorteile hat. Wir waren 6 Stunden mehr als beschäftigt, bei gut 250 Exponaten reichte kaum ein voller Nachmittag um alle Ausstellungsstücke gebührend zu würdigen.
Interessierte Besucher ohne Fachkenntnisse sind zwar mit schönen Aegyptiaca reichlich versorgt, müssen sich aber damit abfinden, daß ihre Fragen in den Begleittexten auf den Wänden der Ausstellungsräume nur ungenügend bzw. meist gar nicht beantwortet werden.

5. Der Ausstellungskatalog hilft nicht weiter. Er ist das was man in Englisch "a disgrace" nennt.
Schöne Photos - aber keine Inventarnummern oder Herkunftsangaben zu den Leihgaben. Man muß lange suchen um aus den letzten 30 Jahren einen vergleichbar schlampig abgefassten Katalog zu finden.
Wen haben sich die Autoren als Zielgruppe vorgestellt: offenbar nur ein "Bunte-Bilder-Gucker-Publikum", denn für jeden fachlich versierten und/oder interessierten Besucher ist das Buch entbehrlich, er kann sich auf der Homepage der Turiner Sammlung umfassender informieren.
Wie konnten die Autoren dergleichen hinnehmen und in Druck gehen lassen?

Völklingen ist die erste Ägyptenausstellung, von der ich mir keinen Ausstellungskatalog mitgenommen habe - aufgrund der geschilderten Mängel - und das nach über 30 Jahren Museums- und Ausstellungsbesuchen! Ohne Bedauern.

6. Ich bin der Auffassung, daß diese Turin-Ausstellung - neben der didaktischen Mängelbehebung - einen angenehmeren Austellungsort dringend verdient hätte. Sie wird - falls ich richtig informiert bin - nach Völklingen nur noch in Belgien und Frankreich zu sehen sein. Wünschen wir ihr ein angenehmeres Ambiente!!


Soviel von anderer Stelle.
> Antwort auf Beitrag vom: 13.08.2014 um 10:42:21  Gehe zu Beitrag
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