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   Der Kuss, Motiv einer mesopotamischen Tonbulle (4)
  Autor/in  Thema: Der Kuss, Motiv einer mesopotamischen Tonbulle
Lolli2u  maennlich
Member



Der Kuss, Motiv einer mesopotamischen Tonbulle Der_Kuss_The_Kissing_Tonbulle_Mesopotamiens_Foto_The_British_Museum_Arboll_u_Rasmussen_2023_Lizenz_CC_BY_NC_SA_4.0_.jpg - 377 KB
« Datum: 22.02.2024 um 00:35:54 »   

Der Assyrologe Troels Pank Arbøll und die Biologin Sophie Lund Rasmussen entdeckten bei der Untersuchung mesopotamischer Tontafeln unter anderem das Motiv eines Kusses und andere Darstellungen zwischenmenschlicher Zuneigung. Das Motiv des Kusses konnte damit für die Zeit um 1800 v. Chr. in Mesopotamien als Ausdruck für die romantische Beziehung zwischen Menschen nachgewiesen werden. Liegen uns für Ägypten ähnliche Zeugnisse vor ?

Siehe dazu : https://www.morgenpost.de/vermischtes/article241676662/kuss-beziehung-geschichte-herpes-liebe-sex.html

Lolli
« Letzte Änderung: 22.02.2024 um 00:48:14 von Lolli2u »


- Vollbild -
Michael Tilgner  maennlich
Member



Re: Der Kuss, Motiv einer mesopotamischen Tonbulle Kuss_in_LAe_III_Sp_901-902.pdf - 2,02 MB
« Antwort #1, Datum: 22.02.2024 um 15:28:58 »   

Hallo, Lolli,

vielen Dank für den interessanten Hinweis auf die neueren Forschungen zum Küssen im Alten Orient!

Im alten Ägypten war der Riech- und Nasenkuss verbreitet. Der Mundkuss wurde nur in der Amarna-Zeit zwischen Mutter und Kind dargestellt. Weiteres im Beitrag "Kuss, küssen" im Lexikon der Ägyptologie, Bd. III, Sp. 901-902.

Darin werden nicht die Szenen aus dem Grab des Nianchchnum und Chnumhotep (5. Dyn.) erwähnt, hier ein Beispiel: Es wird als Beleg für eine homosexuelle Beziehung gedeutet; andere interpretieren, dass es sich bei den beiden Männern um ein Zwillingspaar handelt. Auf jeden Fall eine der ältesten Darstellungen eines Nasenkusses.

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 22.02.2024 um 00:35:54  Gehe zu Beitrag
Lolli2u  maennlich
Member - Themenstarter



Re: Der Kuss, Motiv einer mesopotamischen Tonbulle 
« Antwort #2, Datum: 22.02.2024 um 19:21:40 »   

Interessant ! Dann ist der in Ägypten verbreitete Riech- und Nasenkuss anhand der Darstellung im Grab des Nianchchnum und Chnumhotep (Saqqara Nr. 38) also bereits für die Zeit um 2420 - 2380 v. Chr. nachgewiesen worden ?
« Letzte Änderung: 23.02.2024 um 11:14:00 von Lolli2u »
> Antwort auf Beitrag vom: 22.02.2024 um 15:28:58  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member



Re: Der Kuss, Motiv einer mesopotamischen Tonbulle Moussa_Altenmueller_S_149.jpg - 183 KB
« Antwort #3, Datum: 23.02.2024 um 15:01:42 »   

Hallo, Lolli,

so muss man das wohl sehen! Insgesamt gibt es drei Szenen dieser Art im Grab. Ein anderes Beispiel (Szene 32.3 "Die beiden Grabherren in gegenseitiger Umarmung") ist auf der Westwand der Felsenkammer. Ich hänge einen Auszug an, aus der Beschreibung in: Ahmed M. Moussa, Hartwig Altenmüller, Das Grab des Nianchchnum und Chnumhotep, Mainz am Rhein, 1977, S. 149 (leider ist diese Veröffentlichung nicht online). [Der Querverweis auf Szene 39.2 ist in 39.1 zu korrigieren.] - Die andere von mir oben bereits angegebene Szene (39.1) trägt den gleichen Titel (Ostwand der Opferhalle). Zur dritten Szene (42.2; Westwand der Opferhalle) schreiben die Autoren (S. 172):

Zitat:
Die Umarmungsszene ist hier weitaus distanzierter als in den beiden vergleichbaren Szenen des Grabes gehalten. Die Köpfe der beiden Grabherren nähern sich nicht einander, sondern sind, trotz der Umarmung, deutlich voneinander getrennt.

Beispiele des Mundkusses aus der Amarnazeit:

"Königin und Prinzessin": Brooklyn Museum of Art, Inv.-Nr. 60.197.8. Die Königin wird auf der Webseite des Museums als Nofretete identifiziert, im Katalog Pharaohs of the Sun, 1999, S. 92 aber als Kiya.

"Statue des Echnaton mit Tochter": Kairo, Ägyptisches Museum, Inv.-Nr. JE 44866.

"Echnaton und Nofretete": Berlin, Neues Museum, Inv.-Nr. ÄM 14511. - Wohl eher ein Nasenkuss.

Übrigens gehen die Autoren Arbøll und Rasmussen in ihrem Artikel nicht auf die ägyptischen Belege ein (The ancient history of kissing, in: Science, Bd. 380, Nr. 6646, S. 688-690 (2023)).

Viele Grüße,
Michael Tilgner
« Letzte Änderung: 23.02.2024 um 16:36:00 von Michael Tilgner »

> Antwort auf Beitrag vom: 22.02.2024 um 19:21:40  Gehe zu Beitrag
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