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1) Katimala (Königin, 21. Dynastie, Nubien)
Das wichtigste Zeugnis der Königin Katimala fand sich auf der Außenwand des Tempels des Gottes Dedwen in Semna auf der Westseite des Nils. Semna liegt in der Landschaft Wawat (W3w3t) in Unternubien (1) und wurde erstmals durch Frédéric Cailliaud topographisch erfasst. (2) Als Cailliaud 1820 den dortigen Tempel des Dedwen zeichnerisch dokumentierte, gab er die nubische Königin Katimala, welche an der Außenwand auf einem großen Relief mit der gefiederten Doppelkrone des Gottes Amun gezeigt wird, als Mann wieder, obwohl sie ein langes Kleid trägt. (3) Dieser Fehler wurde erst 1907 im Rahmen einer von James Henry Breasted geleiteten Expedition in den Sudan korrigiert, als Horst Schliephack in seinem Auftrag die damals noch sehr gut erhaltenen Inschriften und Bildreliefs auf den Innen- und Außenwänden photographisch neu dokumentierte. Dabei erwies sich die auf dem Photo P. 3348 gezeigte Person, welche die doppelte Federkrone des Gottes Amun trug, eindeutig und zweifelsfrei als eine Frau, genauer genommen sogar als eine Königin. (4)(5)

Dieser in Semna am Nil befindliche Tempel des nubischen Gottes Dedwen wurde bereits zur Zeit einer Strafexpedition des ägyptischen Pharao Thutmosis III. (1479 - 1425) errichtet, während Nehi (1498 - 1450) Vizekönig von Nubien war. (6)(7) Der Tempel des Dedwen zeigt auf seinen Wänden denn auch häufig Bildreliefs der nächtlichen Barkenfahrt, wobei diese durch die Pharaonen Sesostris III. und Thutmosis III. besetzt gedacht wurden. (8) Als der für das Verständnis des Neuen Reiches und der Dritten Zwischenzeit höchst bedeutsame Tempel des nubischen Gottes Dedwen dann im Jahr 1960 wegen der bevorstehenden Fertigstellung des Assuan Staudammes seiner Reliefs und Inschriften entkleidet und danach im staatlichen sudanesischen Museum von Khartum wieder neu aufgebaut wurde, (9) nahm der Ägyptologe Ricardo Caminos im Vorfeld einige sehr genaue epigraphische Untersuchungen vor und belegte dabei erneut, dass es sich bei der auf der Außenwand des Dedwen Tempels in Semna dargestellten Königin um die nubische Pharaonin Katimala handelte. (10)(11)

Mit ihrer Verifizierung durch Caminos kam es schließlich durch Bennet zu der Konkretisierung, dass diese Pharaonin Katimala eine Tochter Osorkon des Älteren sein wird. (12) Als Tochter Osorkon des Älteren unterstellte sie ihrem Neffen, dem Pharao Osorkon I. (979 - 964) offenbar die von ihrem General Zerah geführten nubischen Truppen. (13) Dies deckt sich mit den von Frédéric Colin anhand der Stele von Napata erzielten Ergebnissen. (14) Timothy Kendall vertrat hierzu schon früh die Auffassung, dass die nubische Königin Katimala ihre Herrschaft durch eine Heirat mit dem ägyptischen Pharao Siamun gefestigt habe. (15) Fachkreise ordnen die nubische Königin Katimala der "frühen Dritten Zwischenzeit" zu. (16) Daher dürfte die Lebenszeit der Königin Katimala etwa in die Jahre 1035 - 970 v. Chr. zu setzen sein. Sie wurde demnach in der Zeit der ägyptischen Pharaonen Amenemope und Osorkon des Älteren sozialisiert. Die Amtszeit der Königin Katimala dürfte ungefähr in die Jahre 1005 - 970 v. Chr. fallen. Sie war offensichtlich eine Enkelin der Königin Mehetenweskhet. (17) Die Kartusche des in der Inschrift der Pharaonin Katimala als "seine Majestät" bezeichneten Königs war zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung bereits ausgekratzt, weshalb der Name ihres Gemahls anonym blieb. (18) (19) (20)


Quelle:
(1) Gardiner, Alan : Egyptian Grammar, 3. ed. Oxford 1957, S. 559.
(2) Cailliaud, Frédéric : Voyage a Méroé et au Fleuve blanc, Paris 1823, Vol. II, Planche XXIII.
(3) Cailliaud, Frédéric : Voyage a Méroé, Vol. II, Planche XXIV. Ebenfalls fehlerhaft ist an dieser Stelle selbst die Zeichnung von Ernst Weidenbach in : Lepsius, Carl Richard : Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien, III. Abt. Tafeln, Bd. 5, Berlin 1849 - 1858, Blatt 47 - 56 (Tempel von Semneh)
(4) Schliephack, Horst : Gallery of the Oriental Institute of the University of Chicago, Semna-West, Photo P. 3348.
(5) Coleman Darnell, John : The Inscription of Queen Katimala at Semna. Textual evidence for the Origins of the Napatan State, New Haven u. Yale 2006, S. 111, Platte VII.
(6) Larson, John : Lost Nubia : A centennial Exhibit of Photographs from the 1905 - 1907 Egyptian Expedition of the University of Chicago, Chicago 2006, S. 44 - 45, Foto 22a, Stele des Nehi (heute : Chicago Oriental Institute Museum, Inv. No. 9052)
(7) Lobban, Richard Andrew : Historical Dictionary of Ancient and Medieval Nubia, Lanham u. Oxford 2004, S. 410 - 411 (Liste der nubischen Vizekönige)
(8) Larson, John : Lost Nubia, Chicago 2006. Sowie : Schliephack, Horst (1907), Oriental Institute, Gallery Semna-West, P. 3338 - 3383.
(9) Keating, Rex : Nubian rescue, London u. New York 1976, S. 124. Sowie : Dunham, Dows ; Reisner, George ; Janssen, Jozef : Semna - Kumma, Second Cataract Forts, Bd. 1, Boston 1960. So auch : Willeitner, Joachim : Nubien, antike Monumente zwischen Assuan und Khartum, München 1997, S. 54.
(10) Caminos, Ricardo Augusto : The New-Kingdom Temples of Semna and Kumma, Part I : The Temple of Semna, London 1998, Platte 15.
(11) Coleman Darnell, John : The Inscription of Queen Katimala at Semna, New Haven u. Yale 2006, S. 108, Platte IV. Sowie : Sargent, Cara Lia : The Napatan Royal Inscriptions : Egyptian in Nubia, Yale 2004.
(12) Bennet, Chris : Queen Karimala, daughter of Osochor ? In : Göttinger Miszellen, Band 173, Göttingen 1999, S. 7 - 8. Siehe dazu auch : Coleman Darnell, John : The Inscription of Queen Katimala at Semna, Yale 2006, S. 59.
(13) Schulman, Alan : The Kushite Connection. In : Manuelian, Peter Der ; Freed, Rita : Studies in Honor of William Kelly Simpson, Volume 2, Boston 1996, S. 713 - 715. Siehe dazu erneut : Coleman Darnell, John : The Inscription of Queen Katimala at Semna, S. 59.
(14) Colin, Frédéric : Le faiseur de rois et de chefs libyens, sur la stéle de Napata au Musée de Khartoum, SNM 1851. In : Archimède, Carnet de Laboratoire en Archéologie Égyptienne, Straßbourg 2020.
(15) Kendall, Timothy : The Origin of the Napatan State :El Kurru and the evidence for the Royal Ancestors. In : Wenig, Steffen : Studien zum antiken Sudan. Akten der 7. Internationalen Tagung für meroitistische Forschungen, Wiesbaden 1999, S. 3 - 118. Siehe dazu : Coleman Darnell, John : The Inscription of Queen Katimala, S. 55 - 59.
(16) Coleman Darnell, John : The Inscription of Queen Katimala, S. 55 - 59. Sowie : Bennet, Chris : Queen Karimala, daughter of Osochor ? In : Göttinger Miszellen, Band 173, Göttingen 1999, S. 7 - 8. Sowie : Kendall, Timothy : The Origin of the Napatan State. In : Wenig, Steffen : Studien zum antiken Sudan, Wiesbaden 1999, S. 59 - 63.
(17) Siemer, Eckhard : Über die Provenienz der im Oktober 2019 im Al-Asasif gefundenen Sarkophage und ihre Bedeutung für die Chronologie der ägyptischen Pharaonen der 21. und 22. Dynastie (1091 - 736 v. Chr.), Goslar 2021, S. 56 - 60.
(18) Lepsius, Carl Richard : Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien, Textbände, Vol. 5 : Nubien, Sinai, Europäische Museen, Leipzig 1913, S. 192 u. 198. (Semne : S. 190 - 205)
(19) Lohwasser, Angelika : Das Paneel der Katimala in Semna. In : Der antike Sudan, Mitteilungen der Sudanarchäologischen Gesellschaft, Heft 29, Berlin 2018, S. 89 - 96. Hier zitiert S. 94.
(20) Caminos, Ricardo Augusto : Notes on Queen Katimala's Inscribed Panel in the Temple of Semna. In : Berger, Catherine ; Clerc, Gisèle ; Grimal, Nicolas : Hommages à Jean Leclant, Volume 2 : Nubie, Soudan, Éthiopie, Kairo 1994, S. 73 - 80.

Eingestellt durch: Lolli2u (03.05.2021)
Bearbeitet durch:  Lolli2u (05.05.2021)


2) Nehi (Vizekönig von Kusch)
Nehi war während der Zeit der Pharaonin Hatschepsut und ihres Sohnes Thutmosis III. in Nubien als Vizekönig tätig, wie unter anderem aus seiner in Semna am 2. Katarakt gefundenen Stele hervorgeht. Seine Amtszeit fällt ungefähr in die Jahre 1498 - 1450 v. Chr.


Quelle:
(1) Stele des Vizekönigs Nehi, Chicago Oriental Institute Museum, Inv. No. 9052.
(2) Schliephack, Horst : Gallery of the Oriental Institute of the University of Chicago, Semna-West, 1907, No. P. 3295 u. P. 3367.
(3) Larson, John : Lost Nubia : A centennial exhibit of photographs from the 1905 - 1907 Egyptian Expedition of the University of Chicago, Chicago 2006, S. 44 - 45 (Photo 22a : Nehi)
(4) Lobban, Richard Andrew : Historical Dictionary of Ancient and Medieval Nubia, Lanham u. Oxford 2004, S. 410 - 411 (Liste der Vizekönige von Nubien nach Reisner 1920)

Eingestellt durch: Lolli2u (03.05.2021)
Bearbeitet durch:  Lolli2u (03.05.2021)


3) Mehetenweskhet (Königin, 21. Dyn)
Der Name der Königin Mehetenweskhet findet sich unter anderem in einem Priesterstammbaum, welcher im 7. Regierungsjahr des Pharao Takelot I. in das Dach des Tempels des Gottes Chons in Karnak gesetzt wurde. (1) Ein weiteres bedeutendes Denkmal zur Dokumentation ihrer Persönlichkeit stellt die von Auguste Mariette im Serapeum von Memphis entdeckte Pasenhor Stele dar. (2) Die Königin Mehetenweskhet gehört der 5. Generation der in der Pasenhor-Stele dargestellten Genealogie des libyschen Hauses der Meschwesh und Tjehenu an. (3) Damit wird ihre Blüte in den späten Jahren des Hohepriesters Herihor, oder kurz danach, begonnen haben. (4) Ihre ungefähre Lebenszeit wird daher in die Jahre zwischen 1090 - 1030 v. Chr. zu setzen sein. Lepsius und Flinders Petrie erwarben in den Jahren 1843 und 1887 in Theben einige ihrer Uschebtis, wodurch sie zu der Überzeugung gelangten, dass die Überreste ihres Grabes ebendort zu finden seien. (5)

Der Name der Königin Mehetenweskhet schließt das Wort "Mehet" ein, was soviel wie "die Nördliche" bedeutet und der Name einer im Buch Amduat genannten Göttin ist. (6) Die Göttin Mehet (MHt), auch Mehen (MHn) genannt, ist jene, welche sich in Gestalt einer Schlange um die Kabine des Sonnengottes Re wickelt, damit dieser während seiner nächtlichen Barkenfahrt nicht von der feindlichen Unterweltsschlange Apophis angegriffen werden kann. Sie gibt dem im Bug stehenden Seth den Befehl, diese feindliche Schlange zu töten, als diese die Nachtbarke angreift. (7) Der Name Mehetenweskhet war demnach mit einer machtvollen Göttin verbunden zu denken.

Über die Herkunft der Königin Mehetenweskhet lassen sich nur Vermutungen anstellen. Am Schluss der Pasenhor Stele, welche ihren chronologischen Anfang darstellt, finden sich zwei Djedpfeiler dargestellt, welche entsprechend dem Bericht des Wenamun für den Pharao Smendes I. und seine Gemahlin Tentamun stehen könnten. (8) Demnach wäre die Königin Mehetenweskhet eine Tochter der Tentamun und des Smendes I. und damit zugleich eine Schwester der ebenfalls in Theben bestatteten Prinzessin Henuttawy. Doch der Verfasser der Pasenhor Stele, namentlich der gleichnamige memphitische Priester Pasenhor, auch Harpeson genannt, leitete seine eigene Abstammung ebenfalls aus dieser durchgehenden Genealogie ab und bezeichnete die dort genannten Könige zuletzt als "Prinzen von Kusch" in Nubien. Demnach könnte die Königin Mehetenweskhet auch aus Napata stammen, was hier aber zugunsten der Tentamon verworfen wird. (9)

Königin Mehetenweskhet ist die Gemahlin des Königs Schoschenq I. des Älteren. (10) Dessen Lebenszeit wird hier, ähnlich derjenigen der Mehetenweskhet, in die Jahre 1095 - 1030 v. Chr. gesetzt. Der durch den Pharao Takelot I. im Dach des Chonstempels zu Karnak in Theben inschriftlich gesetzte Priesterstammbaum berichtet, dass Königin Mehetenweskhet die Mutter Osorkon des Älteren gewesen ist, wie Flinders-Petrie, sowie später erneut auch Yoyotte, nachweisen konnten. Dort heißt es unter anderem : "Tashaenkheper, the royal wife of Pharao Osorkon, the child of Mehetenweskhet." (11) Osorkon der Ältere ist demnach also der Sohn der Mehetenweskhet und des Scheschonq A. Er ist Nachfolger des Pharao Amenemope und Vorgänger des Siamun. (12) Daher wäre ihr Sohn Osorkon entsprechend seiner Kartusche eigentlich als Pharao Osorkon I. anzuerkennen und die bisher übliche Folge der Könige "Osorkon" neu durchzunummerieren. (13) In der Pasenhor Stele wird Osorkon der Ältere und seine Gemahlin Tashedkhonsu (Tashaenkheper) jedoch erst später, in der 8. Generation eingeführt, was jedoch fehlerhaft ist. (14) Flinders-Petrie zufolge fiel die 6. Generation Osorkon des Älteren einer doppelten Nennung des Namlot und der Tentsepeh zum Opfer, welche der 7. und 11. Generation angehören. (15) Tatsächlich scheint Tentsepeh die Enkelin der Mehetenweskhet gewesen zu sein, (16) weshalb zwischen dem Gemahl der Königin Mehetenweskhet und dessen Namensvetter, Pharao Schoschenq I., zwei ganze Generationen zu setzen sind. Erstens diejenige des Sitnebtaui Osorkon und seiner Gemahlin Tashaenkheper, als Zweite sodann diejenige des Namlot und der Tentsepeh.

Im Ergebnis ist Königin Mehetenweskhet demnach in der Zeit des späten Herihor aufgewachsen und könnte als die zweite Tochter der Königin Tentamun und des Pharao Smendes I. zu bezeichnen sein. Ihre Schwester wäre die Prinzessin Henuttawy, welche ihrerseits die Gemahlin des Hohepriestes Pinudjem I. war. Osorkon der Ältere ist nachweislich ihr Sohn, Tentsepeh vermutlich ihre Enkelin gewesen. Das in Theben vermutete Grab wurde bisher nicht gefunden.


Quelle:
(1) Flinders Petrie, William Matthew : History of Egypt, Vol. 3, London 1905, S. 244 - 245.
(2) Mariette, Auguste : La Sérapéum de Memphis, découvert et décrít par Auguste Mariette, Paris 1857, Platte 31.
(3) Breasted, James Henry : Ancient Records of Egypt, Historical Documents, Vol. IV, The Twentieth to the Twenty-Sixth Dynasties, Chicago 1906, S. 399.
(4) Lepsius, Carl Richard : Über die XXII. Ägyptische Königsdynastie, Berlin 1856, S. 264 - 265.
(5) Flinders Petrie, William Matthew : Ebenda, S. 251.
(6) Lepsius, Carl Richard : Ebenda, S. 268 - 269. Siehe dazu : Semataui, Lexikon, Art. Mehet u. Mehen.
(7) Hannig, Rainer : Die Sprache der Pharaonen (2800 - 950 v. Chr). Großes Handwörterbuch, Ägyptisch - Deutsch, Mainz 1995, S. 1209 - 1210.
(8) Mariette, Auguste : Ebenda, Platte 31.
(9) Lepsius, Carl Richard : Ebenda, S. 266 - 267.
(10) Lepsius, Carl Richard : Ebenda, S. 268 - 269. Sowie : Breasted, James Henry : Ebenda, § 787, S. 395 u. S. 399. Siehe dazu : Flinders-Petrie, William Matthew : S. 230 - 231.
(11) Flinders-Petrie, William Matthew : Ebenda, S. 244 - 245. Sowie : Yoyotte, Jean : Osorkon, fils de Mehytouskhé : Un Pharao oublié ? In : Bulletin de la Societé francaise d'égyptologie, tome 77 - 78, Paris 1976 / 1977, S. 39 - 54.
(12) Kitchen, Kenneth Anderson : The Third Intermediate period in Egypt : 1100 - 650 BC, Warminster 1986, §§ 6, S. 61 u. 69 u. S. 230 - 232.
(13) Schneider, Thomas : Lexikon der Pharaonen, Düsseldorf 2002, S. 184.
(14) Breasted, James Henry : Ebenda, S. 399.
(15) Flinders-Petrie : William Matthew : Notes on the later Egyptian Dynasties. In : Proceedings of the Society of Biblical Archaeology, Vol. XXVI, London 1904, S. 284.
(16) Lepsius, Carl Richard : Ebenda, S. 266.

Eingestellt durch: Lolli2u (13.04.2021)
Bearbeitet durch:  Lolli2u (14.04.2021)


4) Pedamenopet / Patuamenap (Prophet, 26. Dyn, TT33)
PA-dj-Jmn-jpA.t



Pedamenopet, Petamenophis, Padiamenopet oder auch Patuamenap gelesen war "Prophet" und "1. Vorleser" in der Saitenzeit, der 26. Dynastie.
Seine riesige Grabanlage befindet sich im Assasif (TT 33, Lepsius Nr. 20) und wird zu Recht von Duemichen als "Grabpalast" bezeichnet.
Pedamenopets Mutter war "Sistrum Spielerin des Amun" namens Nemenchesi, seine Frau hieß Tedi.

Zeichnung: ©semataui.de/Klaus Adams nach P&M

Dekoration
Vorhof
In die Seiten des Vorhofes sind zwei Gräber verbaut, die ebenfalls aus der Saitenzeit stammen: TT 388 und TT 242. Die seitliche Kolonnade diente so als Portikus für diese Gräber.
1. Auf quadratischem Hintergrund der Kopf des Grabherrn.
2. Texte. Ein Teil mit der Kartusche des Haremhab.
3. Gewölbtes Portal: [Ein Mann opfert dem Grabherrn]. Vier Register: [Opferträger, Opferliste und Schlachter].
4. [Ein Mann] opfert dem Grabherrn, vier Register: Opferliste, Ritual und Opferträger.
Fries-Texte, In der Mitte der Decke: Texte.

Halle I.
Wände und Pfeiler: Texte aus dem Totenbuch
5. Auf Rahmen und Gebälk Texte, unten der sitzende Grabherr. Im Durchgang der kniende Grabherr, Rê-Harachte anbetend.
6. Oben: drei-Götter-Szene

Halle II.
7. Auf dem Sturz Falkenköpfe und Djed-Pfeiler. Im Durchgang: der Grabherr verlässt mit seinen Dienern das Grab, links gefolgt von einer Gpttheit. Auf dem inneren Rahmen Texte.
8. Vier Register mit mythologischen Szenen:
II. ein Mann bringt eine Kuh und ein Kalb, ein Mann betet zum Benu-Vogel
IV. Boote
9. Reste einer [großen Szene]
10. Ein Mann vor drei Göttern
11. {Götter]
12. Heiliges Ruder, Stier, sieben Kühe, Opferliste darunter.

Halle III.
13. Eingang und Durchgang: der Grabherr mit Dienern links, mit seiner Frau rechts.
14. oben fünf mal der Grabherr mit Dienern, Texte auf jeder Seite des Durchgangs.
15. + 16. Texte aus dem Totenbuch
17. Der Grabherr und seine Frau sitzend. Krüge auf Ständern
18. Fünf Register Krüge
19. Scheintüre mit Opferträgern auf jeder Seite

Halle IV.
20. Sturz außen: Der Grabherr und seine Mutter sitzend. Texte. Opferformeln auf dem Rahmen. Im Durchgang links der Grabherr, geführt von Anubis und Maat, gefolgt vom Apis-Stier. Rechts Texte aus dem Totenbuch. Sturz innen: Krüge und der Grabherr und seine Frau sitzend.
21. Texte
22. Kleider, Halsketten, heilige Öle, darunter Texte.

Halle V.
23. Sturz außen: Doppelszene mit dem sitzenden Grabherrn und Opferträgern. Texte auf dem Rahmen. Im Durchgang links zwei Register mit dem Grabherrn:
I. Priester mit Vasen, Halsketten und Ritualinstrumenten.
II. Rechts mit seiner Mutter und Opfergaben.
Auf dem inneren Sturz und Rahmen Texte.
24. Auf dem Fries: Schlachter und Riten vor der Mumie, darunter Texte.
25. Ähnliche Szene und Texte: große Opferliste, sieben heilige Ölkrüge, eine Statue wird von Priestern getragen.

Raum VI.
26. Auf dem äußeren Sturz bringen Opferträger dem Grabherrn und seiner Mutter Gaben. Auf dem Rahmen Texte, der Grabherr sitzt unten. Über dem inneren Durchgang kniet Anubis, ein affenköpfiger Dämon. Der Grabherr vor widderköpfigen Göttern in einem Schrein darunter.
27. Der Grabherr, Isis, Horus, Dämonen, Gott mit einem Pelikan-Schnabel usw.
28. Der Grabherr

Raum VII.
29. Auf der Eingangswand der Grabherr und Texte
30. + 31. isis und andere Gottheiten

Raum IX.
32. Der knieende Grabherr vor einer Scheintüre
33. Wägungs-Szene, mit Maat, Thot usw. vor Osiris.

Raum X.
34. Text aus dem Totenbuch. Opferliste und Riten vor dem sitzenden Grabherrn.
35. Auf dem Fries kleine Szenen und Opfertexte.

Raum XI.
36. Text aus dem Totenbuch auf allen Wänden. Auf der Südwand zwei Anubisschakale.

Raum XII.
37. Auf dem Sturz außen: der sitzende Grabherr mit zwei Registern mit Opfergaben. Auf den Rahmen Texte über dem am Boden sitzenden Grabherrn, ebenso im Durchgang. Innerer Durchgang: Texte und die Horuskinder mit Kerzen.
38. Szenen aus dem Pfortenbuch

Korridor XIII.
39. Im Durchgang der Grabherr mit seinem kleinen Sohn.
Auf den äußeren Wänden Texte aus den Totenbüchern: Buch der Nacht, der Tore, der Erde und dem "was in der Duat ist".
40. Die Barke des Rê
41. Die Barke des Rê, gezogen von Göttern
Die inneren Wände sind in Gestalt eines Sarkophages ausgeführt, mit Scheintüren und Göttern in kleinen Nischen sowie Schutzgöttern an den Ecken: --> Chenti-cheti, Neith, Selkis, Hathor, Maat, Nut, Nephthis, Isis.

Raum XIV.
42. Auf der linken Wand eine zerstörte Szene mit dem Namen des Gottes --> Ruti. Auf der rechten Wand der Grabherr vor Sokar, Nut, Osiris, Isis, [Horus, Thot].
Rückwand: Reste einer Doppelszene mit Ptah im Schrein und Ptah-Sokar.

Raum XV.
43. Linke Wand: Opfer vor Osiris. Rechte Wand: Opfer vor Ptah mit der Barke des Sokar und Isis. Rückwand: in einer Doppelszene opfern der Grabherr und seine Frau Osiris.

Raum XVI.
44. Linke Wand: Opfer vor Ptah-Chenti-hatnub und der Barke des Sokar. Rechte Wand: Opfer vor Sokar-Chenti-hatnub und den Horuskindern. Auf der Rückwand eine Doppelszene mit Ptah-Chenti-hatnub, Horus und Ptahweb links sowie Nut, Isis, Nephthis und Ruti rechts.

Unterirdische Räume
XVII. - XIX. Auf den Wänden: Höhlenbuch
45. Auferstehung des Osiris, Horus mit Zepter.
Astronomische Deckenbemalung in Raum XIX.

Sargkammer XXII.
An den Wänden das "Buch von dem, was in der duat ist".

Funde:
Mauerblöcke mit
  • Kopf des Grabherrn, Brüssel M. roy. Cincantenaire (E.3057)
  • Kopf des Grabherrn, München (Inv. 2832)
  • Texten Washington Smithonian Inst. (1420)
  • Opferszenen, Reliefreste, Kairo
  • Text des Rê-Harachte, London (BM 786)
  • Statue des Grabherrn, Syracus
  • Zwei Basalt-Torsi, Kairo, Michaelidis Collection
  • Rote Granit-Opfertafel, Brüssel M. roy. Cincantenaire (E.5811)


Literatur.:
J. Duemichen, Der Grabpalast des Patuamenap, 1936
von Bissing in Ä.Z. lxxiv (1938)
Maspero, Le Tombeau de Pétéménophis, RdHdR (1897)
Wilkinson, Topography of Thebes
-Burton, MSS 25639
-Hay, MSS 29824


Nachsatz, Okt. 2007:
Der Nachlass von J. Duemichen wird von der Universität Straßburg verwaltet. Den dortigen Professoren Anni Schweizer und Claude Traunecker wurde vor  wenigen Jahren die Genehmigung erteilt, das seit über 100 Jahren verschlossene Grab zu betreten und eine Voruntersuchung vorzunehmen. Man stieß auf weitere, bisher nicht bekannte Gänge und Räume sowie Inschriften bisher unbekannten Ausmaßes. Prof. Traunecker sieht in dem Grabherrn "einen antiken Ägyptologen, der versucht hat, das damalige Wissen um die äg. Totenliteratur in seinem Grab für die Nachwelt festzuhalten".
Es bleibt zu hoffen, dass den Straßburgern die Mittel zur Verfügung stehen werden, um TT 33 systematisch zu dokumentieren.
Eine SWR-Fernsehdokumentation wurde am 23.09.2007 ausgestrahlt.


Nachsatz, Apr. 2021:
Aufgrund der erfreulichen Entwicklungen, welche sich in den Jahren 2004 bis 2019 eingestellt haben, folgt hier nun eine ergänzende Aktualisierung hinsichtlich der in diesem Grab erzielten Forschungsergebnisse.

Johannes Dümichen hatte die Grabanlage TT 33 des Petamenophis in den Jahren 1875 - 1882 erstmals systematisch untersucht. (1) Das Grab des Petamenophis findet sich im nördlichen Asasif der Nekropole Theben West. Es liegt mit seiner östlichen Seitenwand parallel zum direkt benachbarten Aufweg jener einstigen Prozessionsstraße, welche vom Nilufer zum Tempel der Königin Hatschepsut hinauf führt. Jenseits dieses Aufweges befindet sich an den Abhängen des Deir el-Bachit die Ruine einer kleinen Pyramide gelegen. Erstmals wurde sie durch Gardiner und Weigall topographisch erfasst. (2) Die genaue Lage findet sich in einer Karte bei Porter und Moss verzeichnet. (3) Sie ist zwischen den Grabanlagen TT 279 Pabasa und TT 196 Padihorresnet gelegen und hat in ihrer weiteren Nachbarschaft die Grabanlagen TT 37 Harwa und TT 34 Montuemhat.    

Das Grab des Petamenophis wurde von Dümichen einst zu Recht als "Grabpalast" beschrieben, denn die mächtigen Treppenhallen, Säle und Gemächer wurden auf vier Etagen über 20 Meter tief in den Felsboden hinein getrieben. Die Wände dieser Grabanlage sind über und über mit Texten und Bilddekorationen aus den ägyptischen Totenbüchern versehen. Dümichen hatte eine erstmalige Abschrift dieser Bücher vorgenommen, doch konnte er seine Ergebnisse nur noch teilweise veröffentlichen, weil er unerwartet verstarb. Obwohl sein Schüler Wilhelm Spiegelberg posthum noch einen dritten Band herausgab, ging ein wesentlicher Teil der von Dümichen erzielten Forschungsergebnisse in der Folgezeit verloren.
   
Seit dem Jahre 2004 nahm das Straßburger Institut für Ägyptologie unter der Leitung von Claude Traunecker die in den Sälen, Treppenhäusern und Gemächern der Grabanlage TT 33 befindlichen Hieroglypentexte und Dekorationen dann erneut auf.
Die epigraphischen Transkriptionsarbeiten konnten inzwischen für die folgenden Texte erfolgreich abgeschlossen werden bzw. werden seit ihrer Aufnahme nunmehr bearbeitet:

Silvia Einaudi : Die Totenbücher (4)
Daniel Werning : Das Höhlenbuch (5)
Isabelle Régen : Das Buch Amduat (6)
Isabelle Régen : Das Pfortenbuch (7)  
Barbara Engelmann von Carnap : Das Mundöffnungsritual (8)

Allein das Höhlenbuch, es ist eines der drei großen Unterweltsbücher, umfasst rund 12.000 Textwörter und beschreibt in 80 teils dekorierten Szenen die nächtliche Reise des Sonnengottes durch eine Folge von insgesamt sechs Höhlen der Unterwelt hindurch. Es ist in sehr geschickter Weise von den Handwerkern des Petamenophis auf jenen Wänden und Korridoren der Grabanlage TT 33 angebracht worden, welche zur Sarkophagkammer des Bauherren führen (Räume XVII - XIX). Die Schlußzene dekoriert ein Reliefbild, welches die "Erweckung des Osiris" zum Gegenstand hat.

Claude Traunecker gelang in einer vergleichenden Studie der Nachweis, dass der oberste Vorlesepriester Petamenophis bei der Anfertigung der in seinem Grab verewigten Totenbücher thematische Anleihen in den Gräbern Nubiens machte. Traunecker identifizierte im Grab des Petamenophis thematische Elemente, welche sich ebenso im Sudan, im Dekor der königlichen Pyramiden von Kourrou und Nouri, vorfanden. Daher ist davon auszugehen, dass der Vorlesepriester Petamenophis durch Darstellungen und Texte inspiriert wurde, welche ihren Ursprung im Gebiet des Königreiches von Napata haben. (9) Tatsächlich scheint der Priester Petamenophis im 7. Jahrhundert, in der Zeit des äthiopischen Pharao Taharqa, gewirkt zu haben, was dieser Entdeckung durchaus entgegen käme.


Quelle:
(1) Dümichen, Johannes : Der Grabpalast des Petaumenap in der Thebanischen Nekropolis, Erster Teil, Die Inschriften und Ansichten des Grabgebäudes, Leipzig 1884, S. VII - X und S. 1 - 5.
(2) Gardiner, Alan Henderson ; Weigall, Arthur : A Topographical Catalogue of the Private Tombs of Thebes, London 1913, Platte IX (El Khokhah).
(3) Porter, Bertha ; Moss, Rosalind ; Burney, Ethel : Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs and Paintings, Vol. 1, The Theban Necropolis, Part 1, Private Tombs, Oxford 1960, Map IV (El Khokha and 'Asasif).
(4) Einaudi, Silvia : Les textes funéraires dans les tombes monumentales tardives de l'Assassif - une vue d'ensemble. In : Albert, Florence ; Lenzo, Giuseppina : Les textes funéraires de la Troisième Période intermédiaire a la Basse Époque, IFAO, Lausanne 2021.
(5) Werning, Daniel A. : Das Höhlenbuch im Grab des Petamenophis (TT 33), Szenen, Texte, Wandtafeln, Berlin 2019.
(6) Régen, Isabelle : Menkhéperre A, Padiaménopé (TT 33) et Nectanébo II. La transmission du Livre de l'Amdouat de la Troisième Période intermédiaire à la Basse Époque. In : BIFAO, Bulletin de l'Institut Francais dÄArchéologie Orientale, Volume 120, Paris 2020.
(7) Régen, Isabelle : Le Livre des Portes de la tombe de Padiaménopé (Publié 2020, d'après des fac-simileès inédits)
(8) Carnap, Barbara Engelmann von : Zum Mundöffnungsritual im Grab des Padiamenope (TT 33). In : BIFAO, Vol. 118, Paris 2018, S. 127 - 141.
(9) Traunecker, Claude : Problématiques et bilan des principaux résultats. In : Traunecker, Claude ; Régen, Isabelle ; Einaudi, Silvia : TT 33 - Tombe de Padiaménopé (Thèbes-ouest). In : BAEFE, Bulletin archéologique des Écoles francaises à l'étranger, Paris 2020.

Eingestellt durch: semataui (28.02.2007)
Bearbeitet durch:  semataui (28.10.2007), Lolli2u (08.04.2021)


5) Iuwelot (Hohepriester, 22. Dyn)
Iuwelot, 1. Hohepriester des Amun zu Theben, Sohn des Pharao Osorkon I, Neffe des Generals Namlit, hatte mit seiner Gemahlin Tadenitenbasted einen Sohn Chaemwaset (Waskes ?). 22. Dynastie. Seine Kartusche bietet Kees (1964), S. 93.


Quelle:
Legrain, Georges : La stele dite de l'apanage. In : ZÄS, Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde, Bd. 36, Leipzig 1897, S. 12 - 16 u. S. 19 - 24.
Wallis Budge, Ernest : Guide to the Egyptian Galleries of the British Museum, London 1909, S. 215, No. 777 u. Platte XXVIII.
Schneider, Thomas : Lexikon der Pharaonen, Düsseldorf 2002, S. 140.
Kees, Hermann : Die Hohenpriester des Amun von Karnak, von Herihor bis zum Ende der Äthiopenzeit, Leiden 1964, S. 93 - 100.

Eingestellt durch: Lolli2u (10.03.2021)
Bearbeitet durch:  Lolli2u (10.03.2021)


6) Iuput (Hohepriester, 21. Dyn)
Iuput, 1. Hohepriester des Amun zu Theben, Nachfolger des 2. u. 3. HPA Djedptahefankh, Sohn des Pharao Scheschonq I. und der Mehetenwskhet. 21. Dynastie. Seine Kartusche bietet Kees (1964), S. 84.


Quelle:
Quibell, James Edward ; Spiegelberg, Wilhelm : The Ramesseum. Egyptian research Account 1896, London 1898, S. 21 u. Platte XXX a.
Lepsius, Carl Richard : Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien, Abt. III, Bd. 8, Berlin 1852, Blatt 254 c.
Wallis Budge, Ernest : Guide to the Egyptian Galleries of the British Museum, London 1909, S. 211, No. 765.
Schneider, Thomas : Lexikon der Pharaonen, Düsseldorf 2002, S. 139.
Kees, Hermann : Die Hohenpriester des Amun von Karnak, von Herihor bis zur Äthiopenzeit, Leiden 1964, S. 83 - 86.

Eingestellt durch: Lolli2u (10.03.2021)
Bearbeitet durch:  Lolli2u (10.03.2021)


7) Selket (Göttin)
Das Symboltier der Göttin Selket ist der Skorpion. Sie erscheint meist in Frauengestalt und trägt einen giftigen Skorpion auf ihrem Haupt. Ihr Name bezeichnet ihre Fähigkeit, "die Kehle atmen zu lassen", beispielsweise nach einem Skorpionstich. Sie war die Schutzgöttin der falkenköpfigen Kanope und zählte zu den vier Gottheiten, die an den königlichen Särgen Wache hielten. Die anderen Gottheiten sind --> Isis, --> Neith und --> Nephthys.

Eingestellt durch: semataui (07.07.2003)
Bearbeitet durch:  Apedemak (28.12.2014)


8) Sobek-hotep I / Cha-anch-Rê (König, 13. Dyn)
(Thronname: Chaanchre, Horusname: Semataui).

Wenig bekannter König der 13. Dynastie. Verschiedene Reliefs mit seinem Namen stammen aus Abydos, die Basis einer Statue kommt wohl aus Karnak (sie ist Amun-Re gewidmet). Die Länge seiner Regierungszeit ist unbekannt, wird aber kaum sehr lange gewesen sein.

PS vom 07.01.2014:
Via EEF und LuxorTimesMagazin kam die Nachricht, dass das Team der Universität von Pennsylvania das Grab des Sobekhotep gefunden hat, 1. König der 13. Dynastie.



Quelle:
K.S.B. Ryhold, The Political Situaton in Egypt during the Second Intermediate Period, Kopenhagen 1997, 339

Eingestellt durch: Udimu (30.10.2002)
Bearbeitet durch:  semataui (07.01.2014)


9) User-hat (Harimsaufseher, 18. Dyn, TT47)
Wsr-HA.t



Userhat war Aufseher des königlichen Harims zur Zeit des --> Amenhotep III.
Er war Sohn des Richters Neh und einer Senenu, verheiratet mit einer Majay.

Howard Carter hat in "Annales du Service des Antiquités de l`Egypte s. 177-8 (1903)" das Grab des Userhat (TT 47) beschrieben, das in --> el-Chocha (D/5) liegen soll.

Bereits P&M bezeichnet die Lage des Grabes mit "unauffindbar", und auch Kampp konnte es nicht mehr lokalisieren. So wird den heutigen Informationen nur noch Carters Beschreibung zugrunde gelegt, auch der Grundriss basiert auf dieser Beschreibung.

PS vom 07.01.2014
Zwischenzeitlich wurde das Grab lokalisiert. Japanische Archäologen entdeckten sogar bei Aufräumarbeiten unter dem Vorhof von TT 47 ein weiteres, das Grab des obersten Bierbrauers Chonsu-em-heb.

Dieses T-förmige Grab des Chonsu-em-heb, oberster Brauer der Göttin Mut, datiert in die Ramessidenzeit. Nach ersten Berichten der Ausgräber ist das Grab vollständig und farbig dekoriert und zeigt den Grabinhaber und seine Familie vor verschiedenen Gottheiten.

Zeichnung: ©semataui.de/Klaus Adams nach Eigner

Zwei Reihen Kegel mit dem Namen des Grabherrn sind von der Fassade beschrieben.
An Pos. 1., links des Eingangs zum inneren Raum soll es eine Abbildung geben, die den Grabherrn mit Helfern zeigt. Namen und Titel des Grabherrn sind angegeben. Sie opfern Ketten ihrem Herrscher Amenhotep III und der GKG Teje, die in einem Kiosk sitzen. Der Kopf der Teje ist heute in Brüssel, Musee Royale.







Quelle:
Porter, B., Moss, R.L., Topographical bibliography of ancient Egyptian hieroglyphic texts, reliefs, and paintings. Bd.I. - The Theban Necropolis. Oxford 1994
Kampp, F., Die Thebanische Nekropole. Zum Wandel des Grabgedankens von der XVIII. bis zur XX. Dynastie, Mainz 1996, S. 246 ff.

Eingestellt durch: semataui (06.05.2007)
Bearbeitet durch:  semataui (07.01.2014)


10) Nitokris (Königin, 6. Dyn)
um 2.218 - um 2.216 v. Chr.

Nt-jortj

Geburts- oder Eigenname: Neith-aqerti, Neith-iqeret (Nt-jortj) (Turin 4.7)

Die legendäre Königin Nitokris ("Neith ist vortrefflich"), die von der späteren Zeit (Turiner Papyrus, Manetho) an das Ende der 6. Dynastie gesetzt wird, ist zeitgenössisch mit keinem Denkmal bekannt. Ihre geschichtliche Existenz, an der gegenwärtig im allgemeinen festgehalten wird (zuletzt J. v. Beckerath, N. Grimal, J. Vercutter; anders H. Goedicke) kann daher vorläufig nicht untermauert werden.
Als Dauer ihrer Herrschaft gibt Manetho 12 Jahre an und schließt mit ihr die 6. Dynastie ab.

Weder die Königsliste aus Saqqara noch die aus Abydos nennen ihren Namen, ihre Identifizierung mit dem NTrj-kA-Ra (Netjerkare - Abydos A,40) oder Mn-kA-Ra (Menkare-Abydos A,41) ist ausgeschlossen. In der gesamten Abydosliste werden sowieso keine weiblichen Könige aufgeführt.

Lexikon der Pharaonen:
Verschiedentlich wurde versucht, sie mit inschriftlich bezeugten Personen zu identifizieren (mit Königin Neith, der Gemahlin des Pepi II, mit dem König Menkare, mit Netjerikare) um einen historischen Kern der Nitokrislegende zu finden. Namensähnlichkeiten von Menkaure (Mykerinos) mit dem angeblich mit Nitokris identischen Menkare, doch bleibt dies ohne neuere Funde äußerst spekulativ!

Königin Nitokris (nach S. Roth - ÄAT 46)
Die Rekonstruktion einer Regentschaft der Neith (Tochter Pepi I, Gemahlin von Merenre I und Pepi II, Königsmutter des Anch-ka-Rê/Antiemsaf II) für ihren noch unmündigen Brudergemahl Pepi II beruht auf dem wiederholten Versuch, ihre Identifizierung mit einer Königin Nitokris wahrscheinlicher zu machen, die sowohl vom Turiner Papyrus als auch von den Historikern unter den herrschenden Königen am Ende der 6. Dynastie aufgeführt wird.
Allerdings hat wohl diese Person mit der Gemahlin von Pepi II nicht viel mehr gemeinsam als den ersten Bestandteil ihres theophoren Personennamens.

Gleichwohl spielt Nitokris eine wesentliche Rolle bei der Ergänzung einer fragmentarisch erhaltenen Beischrift auf einem Relieffragment aus dem Pyramidentempel der Neith. Darauf erkannte Newberry in einer stark zerstörten Königskatusche den Namen Mn-kA-Raw - den Thronnamen eines Königs der 8. Dynastie, der zeitgenössig durch Rollsiegel belegt ist und auch von der Königsliste in Abydos aufgeführt wird (J. v. Beckerath, Nr. VIII.2).

Dem "Thronnamen der Neith" fehlte allerdings - wie von Newberry selbst angemerkt - der sonst übliche nj-swt-bjt-Titel - ein Umstand, der ein ganz anderes Verständnis der Beischrift nahe legt. Bei dem Namen Nt-jqrtj im Turiner Papyrus handelt es sich wohl um den Geburtsnamen der Königin, obwohl im Papyrus (Fragment 43) ihm der Titel nj-swt-bjt vorangeht.
Die Form des Namens ist weiblich!

Die früher oft geäußerte Vermutung, der Name Nitokris sei aus demjenigen der ersten Herrscher der 8. Dynastie, NTrj-kA-Ra (Abydos, A 40) entstanden, wird durch das Zeugnis des Turiner Papyrus (IV,7: Neit-aqerti) eindeutig wiederlegt.
Also alles in allem ziemlich "nebulös" diese Königin - aber einige Experten neigen doch gegenwärtig zu ihrer geschichtlichen Existenz! (siehe v. Beckerath, Grimal und Vercutter).
Manetho überliefert durch Afrikanus u. Eusebius ein edles Bild von ihr:

Zitat:
"die edelste und lieblichste der Frauen ihrer Zeit, von bräunlicher Hautfarbe, die die erste Pyramide errichtete"
oder
Zitat:
"die edelste und lieblichste Frau ihrer Zeit, blond und rosenwangig, die dritte Pyramide erbaute sie".

(Text: Nefer-Aton, Co-Autor J.H. Pirzer)

Verschiedentlich wird auch versucht hinter dem Namen keine Frau sondern einen Mann zu vermuten.

Insgesamt fehlen für genauere Angaben allerdings die Belege.


Quelle:
von Beckerath, J., Münchner Ägyptologische Studien (MÄS 46 und 49) Mainz 1997/99
Schneider, T., Lexikon der Pharaonen, Düsseldorf 2002
Clayton, P., Die Pharaonen, London 1994

Eingestellt durch: semataui (07.05.2003)
Bearbeitet durch:  Iufaa (14.04.2005), naunakhte (10.05.2005), semataui (10.08.2012)


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