Kleopatra die VII. stammt aus dem Hause Ptolemaios. Die ursprünglich makedonische Dynastie der Ptolemäer war häufig von Rivalitäten, Inzest und Mord geprägt. Geheiratet wurde in der Regel die eigene Schwester, so wie Ptolemaios II. Philadelphos (285–246) es eingeführt hatte. Vermutlich nahmen sie dabei sogar die mythologische Geschwisterehe von Isis und Osiris zum Vorbild.
Kleopatra kam 69. v. Chr. als Tochter des Ptolemaios XII. Neos Dionysos zur Welt, welcher seit 80 v. Chr. an der Macht war. Ihre Mutter war vermutlich eine Hathor Priesterin unbekannten Namens, denn Kleopatra VI. Tryphaina fiel mit ihrer Geburt in Ungnade, obwohl sie die Schwester und Gemahlin Ptolemaios XII. war. Nachdem ihr Vater Ptolemaios XII. im Jahre 58 v. Chr. nach Rom fliehen musste, herrschten zunächst ihre Schwester Berenike IV. und Kleopatra VI. Tryphaina mit ihrem zweiten Gatten Archelaos über Ägypten. 55 v. Chr. schlägt Marcus Antonius jedoch im Auftrag des Pompeius das Heer des Archelaos und sorgt für die Wiedereinsetzung Ptolemaios XII. Dieser beginnt im Jahre 54 v. Chr. mit den Bauarbeiten des Hathor-Tempels in Dendera. Da ihre Schwester Berenike IV. von ihrem Vater ermordet wird, besteigt Kleopatra VII. Philopator nach dessen Tod im Jahre 51 v. Chr. den Thron. Hölbl zufolge wird sie überragend an Intelligenz gewesen sein, verfügte über Esprit, war von hoher Bildung und Kultur und wirkte durch den Charme ihres Verhaltens in einer geradezu unwiderstehlichen Weise.
Mit ihrer Thronbesteigung im Jahre 51 v. Chr. schiebt Kleopatra VII. zunächst einmal ihren erst 12 Jährigen Bruder Ptolemaios XIII. beiseite und regiert bis zum Herbst 50 v. Chr. alleine, wie auch die Stele des Onnophris zu Snonais deutlich erkennen lässt. Im Sommer 49 v. Chr. wird Kleopatra VII. jedoch von der Gegenfraktkon ihres Bruders zunächst zum Rückzug in die Thebais, dann zur Emigration nach Syrien gezwungen. Da der im römischen Bürgerkrieg gegen Caesar stehende Pompeius den Ägyptern für seine Anerkennung Ptolemaios XIII. jedoch im Rahmen eines Freundschaftsvertrages hohe Steuern abverlangt, kann Kleopatra VII. im Sommer 48 v. Chr. bei Pelusium militärisch erfolgreich ihre Rückkehr erzwingen, woraufhin der inzwischen nach Ägypten geflohene, militärisch unterlegene Pompeius dort von den Anhängern der Partei des Ptolemaios XIII. erschlagen wird. Nachdem Ptolemaios XIII. von Caesar als Geisel genommen wird, marschiert das nunmehr von Kleopatra befehligte ptolemäische Heer mit einer Stärke von 20.000 Mann unter dem begeisterten Beifall der Bevölkerung in Alexandria ein. Nach dem Ende ihres Bruders Ptolemaios XIII. und der Flucht ihrer Schwester Arsinoe IV. unterwirft sich Kleopatra VII. zu Beginn des Jahres 47 v. Chr. dem siegreichen Caesar und unternimmt mit ihm eine gemeinsame Reise auf dem Nil.
Von 47–44 v. Chr. ist Ägypten erstmals ein römisches Protektorat und untersteht der Besatzung des Rufio. Zugleich wird am 23. Juni 47 v. Chr. der gemeinsame Sohn des Caesar und der Kleopatra, namentlich Ptolemaios XV. Kaisarion geboren. Nach dem Ende des Caesar in den Iden der März 44 v. Chr. kehrt Kleopatra VII. jedoch mit ihrem Sohn Kaisarion nach Ägypten zurück und übernimmt in den folgenden Jahren mit ihrem Strategen Kallimachos die Herrschaft über das von Hunger und Seuchen geplagte Land. Als im Herbst des Jahres 42 v. Chr. dann dem Triumvirn Marcus Antonius erneut die Organisation des Ostens des römischen Reiches zufällt, kann ihn Kleopatra mit ihrem Charme ebenso erobern, wie zuvor bereits den siegreichen Caesar. Im Jahre 40 v. Chr. bringt sie die Zwillinge Alexander Helios und Kleopatra Selene zur Welt, die Antonius als Mitglied des auf Zeit geschlossenen ersten Triumvirats offiziell anerkennt. Im Jahre 36 v. Chr. bringt sie mit Ptolemaios Philadelphos II. für Antonius das 3. gemeinsame Kind zur Welt. Im Jahre 34 v. Chr. wird Kleopatra VII. von ihm als Königin über Ägypten und Zypern bestätigt.
In den Jahren seit ihrer Rückkehr aus Rom nach Ägypten hatte Kleopatra VII. in Dendera den von ihrem Vater zu Ehren der Göttin Hathor begonnenen Bau eines Tempels fortgesetzt, welcher heute zu den mit Abstand am Besten erhaltenen Bauwerken der altägyptischen Zeit gehört. Hier proklamierte sie 44 v. Chr. in einer monumentalen Inschrift die Herrschaft ihres damals erst 3 jährigen Sohnes Kaisarion. Die Entwicklung der Lage erscheint überwiegend günstig zu sein. Als sich Antonius im Jahre 34 v. Chr. jedoch zur Heirat der Kleopatra entschließt und sich von seiner bisherigen Frau Octavia scheiden lässt, kommt es zum Konflikt zwischen ihm und ihrem Bruder Octavian, welcher sich mit dem Ende des 2. Triumvirats am 31. Dezember 33 v. Chr. noch deutlich verschärft. Mitte 32 v. Chr. veranlasst Octavian, dass seinem bisherigen Verbündeten Antonius die Designation für das Amt des Konsuln und seine militärische Befehlsgewalt für den Osten aberkannt wird. Mit der Erklärung Kleopatras zum Staatsfeind befand sich das ptolemäische Haus der Ägypter seit dem Herbst 32 v. Chr. mit Rom de facto im Krieg.
Marcus Antonius und Kleopatra beschlossen in Süd-Italien zu landen, um von dort aus dann direkt die römische Hauptstadt anzugreifen, doch ein schwerer Sturm beschädigte weite Teile der ägyptischen Flotte. Sie drehten deshalb bei und zogen sich mit ihren Schiffen in einen bei Actium gelegenen, natürlichen Hafen zurück, wo sie von der von Marcus Agrippa befehligten Flotte des Octavian gestellt wurden. Mit dem Rückzug der von Kleopatra VII. geführten Flottenteile aus der Seeschlacht bei Actium kommt es 31. v. Chr. zum Abfall der römischen Legionen von Marcus Antonius. Als im August 30 v. Chr. auch die Flotte zu Octavian überläuft und Alexandria eingenommen wird, begehen Antonius und Kleopatra am 12. August 30 v. Chr. Selbstmord. Während Kleopatras Sohn Kaisarion bei der Flucht über das Rote Meer ermordet wird, werden seine Geschwister Kleopatra Selene und Alexander Helios von Octavia, der früheren Gemahlin des Marc Anton, aufgezogen und fallen erst in der Zeit des Caligula.
Wie Sueton Divus Augustus 17–18 mitteilt, gewährte Octavian der toten Königin Kleopatra und ihrem geliebten Antonius die Ehre einer Bestattung in einem eigenen Mausoleum. Die Grablege der Kleopatra VII. und ihres Gemahls Antonius wurde vermutlich im Januar 2021 von der Archäologin Kathleen Martínez in Taposiris Magna, 45 Kilometer westlich von Alexandria, bei Abusir entdeckt. Möglicherweise wurde ihre Grabstätte im dortigen Heiligtum des Osiris durch Einheiten der Legio III. Cyrenaica kontrolliert, denn hier hatte der Besitz des Hauses der Ptolemäer seinen Anfang genommen. Doch obwohl sich dort unter anderem eine für Kleopatra bezeugte, vergoldete, mit Hörnern und Uräusschlange besetzte Krone samt Halskragen, sowie die Überreste eines goldenen Lorbeerkranzes fanden, hat diese Entdeckung keine entsprechende Würdigung erfahren. Da Kleopatra VII. ihre in Griechenland lebende Schwester Arsinoe IV. bereits 34 v. Chr. durch Marcus Antonius ermorden lässt, erlischt das ptolemäische Reich in Ägypten mit ihrem Tod und dem Tod ihres Sohnes Kaisarion. Das am Nil gelegene ägyptische Reich, welches seine Glanzzeit spätestens mit der Fremdherrschaft der Perser hinter sich hatte, verlor nun endgültig seine Souveränität und politische Unabhängigkeit und wurde eine Domäne des römischen Kaisers, was zugleich auch eine weitgehende Beseitigung der ägyptischen Rechtsformen zur Folge hatte.
Kleopatra VII. in Gestalt der Göttin Isis mit ihrer Kartusche. Relief aus dem Tempel zu Dendera in Ägypten. Standort: Musée du Louvre, Paris, CC BY-NC-SA 4.0.
Quelle: * Stefan Pfeiffer: Die Ptolemäer: im Reich der Kleopatra, Stuttgart 2017.
* Carina Felske: Kleopatra – Letzte Königin Ägyptens. In: Selket's Ägypten 1999–2025 https://www.selket.de/pharaonen/kleopatra/
* Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen, Düsseldorf & Zürich 2002, S. 224–225 Artikel Ptolemaios XII. Neos Dionysos.
* Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen, Düsseldorf & Zürich 2002, S. 145–147 Artikel Kleopatra VII. Philopator.
* Günther Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches: Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung, Darmstadt 1994.
* Philip Harland: Soknopaiou Nesos (Fayum region Egypt), Stele des Jahres 51 v. Chr. des Louvre Museum (Inv. E 27113). In: Associations in the Greco-Roman World (AGRW): A Sourcebook. An Expanding Collection of Inscriptions, Papyri, and other Sources in Translation, Item of March 10, 2014, modified May 26, Berlin u. Waco 2021 https://philipharland.com/greco-roman-associations/meeting-place-of-an-association-devoted-to-snonais/.
* Carl Richard Lepsius: Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien, Band 9, Abt. 4, Denkmäler aus der Zeit der griechischen und römischen Herrschaft, Berlin 1850, Blatt 53, Dendera – Großer Tempel, Äußere Hinterwand, Inschrift Kleopatra VII. und des Kaisarion https://iiif.nypl.org/iiif/3/44073/full/5096,/0/default.jpg.
* Bernard P. Grenfell, Arthur S. Hunt: The Oxyrhynchus Papyri, Part XIV, edited with translations and notes, London 1920, S. 8–10, No. 1629 u. S. 189 Indices mit Platte 1, No. 1628 u. 1629 https://archive.org/details/pt14oxyrhynchusp00grenuoft/page/6/mode/2up?view=theater.
* Ernest Alfred Wallis Budge: The Book of the Kings of Egypt, Vol. 2 : Macedonians, Ptolemies, Roman Emperors, Kings of Napata and Meroe, Index, London 1908, S. 151–153 https://archive.org/details/bookkingsegypt01budggoog/page/n164/mode/2up.
* Berthold Huber: Die Beziehung zwischen Caesar und Kleopatra. In: Markus Janka, Sueton, WS 2013/2014 https://www.fachdidaktik.klassphil.uni-muenchen.de/studium_lehre/lehrverans/winter_13-14/hauptseminar-sueton/referat_sitzung-3_ii.pdf.
* Maximillian Ihm: C. Suetoni Tranquilli Opera, Vol. 1, De vita Caesarem libri VIII, Leipzig 1908, Reprint Stuttgart 1993, S. 54–56, Divus Augustus 17,1–18,2 https://archive.org/details/devitacaesarumli0000suet/page/54/mode/2up?view=theater.
* Kathleen Martínez, Stefan Pfeiffer, Daniel von Recklinghausen: New evidence for the worship of Isis and Osiris from Taposiris Magna. In: Janice Kamrin et al.: Guradian of Ancient Egypt: Studies in honor of Zahi Hawass, Vol. 2, Prag 2020, S. 1001–1022.
* Selket: Führen zwei Mumien zu Kleopatras Grab in Taposiris Magna ? In: Selket's Ägypten, Blog vom 05. August 2020 https://blog.selket.de/aus-der-archaeologie/fuehren-zwei-mumien-zu-kleopatras-grab-in-taposiris-magna#more-16832.
* Jolly Thews: Griechisch-römische Felsengräber in Alexandria entdeckt. In: Selket's Ägypten, Blog vom 30. Januar 2021 https://blog.selket.de/aus-der-archaeologie/griechisch-roemische-felsengraeber-in-alexandria-entdeckt?unapproved=71872&moderation-hash=fe89d1e36c2b03ae929a13cfc4ec48f7#comment-71872.
* Győző Vörös: Taposiris Magna – A Temple, Fortress and Monastery of Egypt. Hungarian excavations at Alexandria 1998–2004, Budapest 2004 https://books.google.de/books?id=eeW597XT9YMC&pg=PA24&redir_esc=y#v=onepage&q&f=true.
* Győző Vörös: The Taposiris Magna Mosaic in the Museum of Palestrina. In: Mamdouh Eldamaty, Mai Trad: Egyptian Museum collections around the world, Vol. 2, Studies for the Centennial of the Egyptian Museum, Cairo. The American University in Cairo Press, Kairo 2002, S. 1209–1220.
330 - 30 v.u.Z. Ägypten ist unter griechischer Herrschaft. Ausstrahlung griechischer Kunst und Kultur von Alexandria auf das ganze Land. Zum Ende dieser Epoche kommt es zu einem zunehmenden Einfluß Roms im östlichen Mittelmeerraum.
Sommer 323v.u.Z. es kommt zu einer Neuverteilung der Satrapien. Ptolemaios, Sohn des Lagos, ein Feldherr Alexander des Großen, übernimmt die Verwaltung Ägyptens sein Streben nach Unabhängigkeit führt zu den Diadochenkämpfen
305 v.u.Z. Ptolemaios I. Soter nimmt den ägyptischen Königstitel an. Hauptstadt des Reiches, das auch die Gebiete der heutigen Staaten Israel, Libanon, Jordanien sowie das südliche Syrien und ab 294 die Insel Zypern umfaßt, ist die Mittelmeerhafenstadt Alexandria. Gründung der Griechenstadt Ptolemais in Oberägypten Die griechische Kunst und Kultur hat mit ihrem Ausgangspunkt Alexandria fest in Ägypten Fuss gefasst und hat ihre Ausstrahlung auf ganz Unterägypten bis zum Fayum.
283/282 v.u.Z. Ptolemaios II. Philadelphos, der seit etwa 285 v.u.Z. Mitregent ist, wird ägyptischer Herrscher. Er festigt die ptolemäische Vormachtstellung in Politik, Wirtschaft, Kultur und Kunst
um 277 v.u.Z. Ptolemaios II. heiratet seine Schwester Arsinoe II.Philadelphos
273 v.u.Z. es kommt zum ersten Gesandtschaftsaustausch zwischen Alexandria und Rom
270 v.u.Z. Tod und Vergöttlichung von Arsinoe II.
267-261 v.u.Z. Chremonideischer Krieg Niedergang der ptolemäischen Seeherrschaft in der Ägäis
246 v.u.Z. Ptolemaios III. Euergetes (Ehefrau Berenike II.) wird ägyptischer Herrscher Bau des Sarapistempel in Alexandria
221 v.u.Z. Ptolemaios IV. Philopator (Ehefrau Arsinoe III.) wird ägyptischer Herrscher
217 v.u.Z. Schlacht bei Raphia ein Heer der Ptolemäer erkämpft gemeinsam mit ägyptischen Truppen den Sieg über die Truppen des Seleukiden Antiochos III.
205 - 186 v.u.Z. Aufstand in Oberägypten gegen die Ptolemäer, Widerstandszentrum ist Theben
204 v.u.Z. Ptolemaios V. Epiphanes wird ägyptischer Herrscher Stärkung der altägyptischen Landeshauptstadt Memphis durch Krönung der ptolemäischen Könige nach ägyptischen Ritus. Es kommt zu mehreren politisch-militärischen Rückschlägen und in deren Folge zu einer Wirtschaftskrise in Ägypten. Dagegen gewinnt Rom zunehmend an Einfluss im östlichen Mittelmeerraum.
198 v.u.Z. Ägypten verliert die Gebiete der heutigen Staaten Israel, Libanon und Jordanien an den Seleukidenkönig Antiochos III.
180 v.u.Z. Ptolemaios VI. Philometor wird ägyptischer Herrscher Dynastische Konflikte mit seinem Bruder (dem späteren Ptolemaios VIII.) führen zu ständig revidierten Herrschaftsteilungen.
170 - 168 v.u.Z. 6. Syrischer Krieg Es kommt zu Interventionen der römischen Diplomatie, der römische Einspruch beendet die Belagerung Alexandrias durch Antiochos IV. In der Folge schwindet der ptolemäische Einfluss im Bereich des östlichen Mittelmeeres weiter, allerdings verbleiben Zypern und die Cyrenaika weiter im ptolemäischen Herrschaftsbereich.
145 v.u.Z. Ptolemaios VIII. Euergetes wird ägyptischer Herrscher Die Doppelehe mit seiner Schwester Kleopatra II. und seiner leiblichen Tochter Kleopatra III. führt zu schweren dynastischen Konflikten In dieser Zeit wird eine Annäherung an die Gewohnheiten und Gebräuche der einheimischen Ägypter versucht, es kommt zu einer betonten Förderung ägyptischer Tempel und Kulte, ägyptische Kunstelemente erlangen zunehmend an Bedeutung.
145 - 144 v.u.Z. Vertreibung griechischer Gelehrter aus Alexandria, dadurch verliert dieser Ort seine führende Stellung als Kulturmetropole der hellenistischen Welt
116. v.u.Z. Ptolemaios VIII. stirbt. In den nächsten Jahren wechseln die Herrschaftsverhältnisse sehr rasch. Ptolemaios IX. Soter II. wird König bis 107 v.u.Z.
107 v.u.Z. Ptolemaios X. Alexander I. kommt an die Macht Ptolemaios Apion setzt die Römer zu seinen Erben über Kyrene ein, diese treten das Erbe nach einem chaotischen Intervall im Jahre 74 an
88 v.u.Z. erneut ist Ptolemaios IX. Soter II. der Herrscher bis 80
80 v.u.Z. Ptolemaios XI. Alexander II. übernimmt die Herrschaft im gleichen Jahre übernimmt dann Ptolemaios XII. Neos Dionysos (Aulates) die Macht. Er ringt um seine Anerkennung durch Rom. Dabei wird Ägypten zunehmend in die Spannungen der römischen Innenpolitik hineingezogen.
58 v.u.Z. Zypern wird römische Provinz und scheidet damit aus dem ptolemäischen Herrschaftsbereich
51 v.u.Z. Kleopatra VII. wird Nachfolgerin von Ptolemaios XII. Dies ist der letzte Höhepunkt, aber auch der Untergang der ptolemäischen Herrschaft in Ägypten
48/47 Alexandrinischer Krieg Bindung Kleopatras an Caesar
41 v.u.Z. Begegnung Kleopatras mit Marcus Antonius in Tarsos (Kilikien)
34 v.u.Z. Siegesfeier des Antonius nach dem Orientfeldzug in Alexandria er legt die Herrschaft über den Vorderen Orient in die Hände Kleopatras und ihrer Kinder. Dies ist der Höhepunkt der ptolemäischen Machtansprüche auf ungewisser Grundlage. Die Auseinandersetzungen mit Octavian (dem späteren Kaiser Augustus) weiten sich zum Krieg aus.
31 v.u.Z. kommt es dann zur Schlacht bei Actium, in der Octavian über Antonius und Kleopatra siegt
30 v.u.Z. Antonius und Kleopatra begehen Selbstmord
1. August 30n v.u.Z. Octavian zieht in Alexandria ein.
48 / 47 v.u.Z. Alexandrinischer Krieg, Bindung Cleopatras an Caesar, nach dessen Tod an Antonius, Schlacht bei Actium.
30 v.u.Z. Ägypten wird von den Römern (Octavian, 31 / 30) erobert. Königin Cleopatra VII. (51 - 30), die letzte Herrscherin der Ptolemäer-Dynastie, begeht Selbstmord.
Quelle: Günther Hölbl : Geschichte des Ptolemäerreiches, 1. Auflage Darmstadt 1994.
Iuput, 1. Hohepriester des Amun zu Theben, Nachfolger des 2. u. 3. HPA Djedptahefankh, Sohn Scheschonq des Älteren und der Mehetenwskhet. 21. Dynastie. Seine Kartusche bietet Kees (1964), S. 84.
Quelle: Quibell, James Edward ; Spiegelberg, Wilhelm : The Ramesseum. Egyptian research Account 1896, London 1898, S. 21 u. Platte XXX a.
Lepsius, Carl Richard : Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien, Abt. III, Bd. 8, Berlin 1852, Blatt 254 c.
Wallis Budge, Ernest : Guide to the Egyptian Galleries of the British Museum, London 1909, S. 211, No. 765.
Schneider, Thomas : Lexikon der Pharaonen, Düsseldorf 2002, S. 139.
Kees, Hermann : Die Hohenpriester des Amun von Karnak, von Herihor bis zur Äthiopenzeit, Leiden 1964, S. 83 - 86.
Der Name der Königin Mehetenweskhet findet sich unter anderem in einem Priesterstammbaum, welcher im 7. Regierungsjahr des Pharao Takelot I. in das Dach des Tempels des Gottes Chons in Karnak gesetzt wurde. (1) Ein weiteres bedeutendes Denkmal zur Dokumentation ihrer Persönlichkeit stellt die von Auguste Mariette im Serapeum von Memphis entdeckte Pasenhor Stele dar. (2) Die Königin Mehetenweskhet gehört der 5. Generation der in der Pasenhor-Stele dargestellten Genealogie des libyschen Hauses der Meschwesh und Tjehenu an. (3) Damit wird ihre Blüte in den späten Jahren des Hohepriesters Herihor, oder kurz danach, begonnen haben. (4) Ihre ungefähre Lebenszeit wird daher in die Jahre zwischen 1075 - 1015 v. Chr. zu setzen sein. (5) Lepsius und Flinders Petrie erwarben in den Jahren 1843 und 1887 in Theben einige ihrer Uschebtis, wodurch sie zu der Überzeugung gelangten, dass die Überreste ihres Grabes ebendort zu finden seien. (6)
Der Name der Königin Mehetenweskhet schließt das Wort "Mehet" ein, was soviel wie "die Nördliche" bedeutet und der Name einer im Buch Amduat genannten Göttin ist. (7) Die Göttin Mehet (MHt), auch Mehen (MHn) genannt, ist jene, welche sich in Gestalt einer Schlange um die Kabine des Sonnengottes Re wickelt, damit dieser während seiner nächtlichen Barkenfahrt nicht von der feindlichen Unterweltsschlange Apophis angegriffen werden kann. Sie gibt dem im Bug stehenden Seth den Befehl, diese feindliche Schlange zu töten, als diese die Nachtbarke angreift. (8) Der Name Mehetenweskhet war demnach mit einer machtvollen Göttin verbunden zu denken.
Über die Herkunft der Königin Mehetenweskhet lassen sich nur Vermutungen anstellen. Am Schluss der Pasenhor Stele, welche ihren chronologischen Anfang darstellt, finden sich zwei Djedpfeiler dargestellt, welche entsprechend dem Bericht des Wenamun für den Pharao Smendes I. und seine Gemahlin Tentamun stehen könnten. (9) Demnach wäre die Königin Mehetenweskhet eine Tochter der Tentamun und des Smendes I. und damit zugleich eine Schwester der ebenfalls in Theben bestatteten Prinzessin Henuttawy. Doch der Verfasser der Pasenhor Stele, namentlich der gleichnamige memphitische Priester Pasenhor, auch Harpeson genannt, leitete seine eigene Abstammung ebenfalls aus dieser durchgehenden Genealogie ab und bezeichnete die dort genannten Könige zuletzt als "Prinzen von Kusch" in Nubien. Demnach könnte die Königin Mehetenweskhet auch aus Napata stammen, was hier aber zugunsten der Tentamon verworfen wird. (10)
Königin Mehetenweskhet ist die Gemahlin des Königs Schoschenq A, des Älteren. (11) Dessen Lebenszeit wird hier, ähnlich derjenigen der Mehetenweskhet, in die Jahre 1075 - 1010 v. Chr. gesetzt. (12) Der durch den Pharao Takelot I. im Dach des Chonstempels zu Karnak in Theben inschriftlich gesetzte Priesterstammbaum berichtet, dass Königin Mehetenweskhet die Mutter Osorkon des Älteren gewesen ist, wie Flinders-Petrie, sowie später erneut auch Yoyotte, nachweisen konnten. Dort heißt es unter anderem : "Tashaenkheper, the royal wife of Pharao Osorkon, the child of Mehetenweskhet." (13) Osorkon der Ältere ist demnach also der Sohn der Mehetenweskhet und des Scheschonq A. Er ist Nachfolger des Pharao Amenemope und Vorgänger des Siamun. (14) Daher wäre ihr Sohn Osorkon entsprechend seiner Kartusche eigentlich als Pharao Osorkon I. anzuerkennen und die bisher übliche Folge der Könige "Osorkon" neu durchzunummerieren. (15) In der Pasenhor Stele wird Osorkon der Ältere und seine Gemahlin Tashaenkheper jedoch erst später, in der 8. Generation eingeführt, was jedoch fehlerhaft ist. (16) Flinders-Petrie zufolge fiel die 6. Generation Osorkon des Älteren einer doppelten Nennung des Namlot und der Tentsepeh zum Opfer, welche der 7. und 11. Generation angehören. (17) Tatsächlich scheint Tentsepeh die Schwiegertochter der Mehetenweskhet gewesen zu sein, (18) weshalb zwischen dem Gemahl der Königin Mehetenweskhet und dessen Namensvetter, Pharao Schoschenq I., zwei ganze Generationen zu setzen sind. Dies ist zum einen die der Großeltern selbst, sowie zum anderen diejenige des Sitnebtaui Osorkon und seiner Gemahlin Tashaenkheper. Aus der Ehe seines Bruders Namlot A und der Tentsepeh ging deren Sohn Scheschonq hervor, der spätere Pharao Scheschonq I.
Im Ergebnis ist Königin Mehetenweskhet demnach in der Zeit des späten Herihor aufgewachsen und könnte als die zweite Tochter der Königin Tentamun und des Pharao Smendes I. zu bezeichnen sein. Ihre Schwester wäre die Prinzessin Henuttawy, welche ihrerseits die Gemahlin des Hohepriestes Pinudjem I. war. Osorkon der Ältere ist nachweislich ihr Sohn, Tentsepeh offenbar ihre Schwiegertochter gewesen. Das in Theben vermutete Grab wurde bisher nicht gefunden.
Quelle: (1) Flinders Petrie, William Matthew : History of Egypt, Vol. 3, London 1905, S. 244 - 245.
(2) Mariette, Auguste : La Sérapéum de Memphis, découvert et décrít par Auguste Mariette, Paris 1857, Platte 31.
(3) Breasted, James Henry : Ancient Records of Egypt, Historical Documents, Vol. IV, The Twentieth to the Twenty-Sixth Dynasties, Chicago 1906, S. 399.
(4) Lepsius, Carl Richard : Über die XXII. Ägyptische Königsdynastie, Berlin 1856, S. 264 - 265.
(5) Gauthier, Henri : Le livre de rois d'Égypte, Tome 3ième : De la XIXe à la XXIVe Dynastie, Kairo 1914, S. 318
(6) Flinders Petrie, William Matthew : Ebenda, S. 251.
(7) Lepsius, Carl Richard : Ebenda, S. 268 - 269. Siehe dazu : Semataui, Lexikon, Art. Mehet u. Mehen.
(8) Hannig, Rainer : Die Sprache der Pharaonen (2800 - 950 v. Chr). Großes Handwörterbuch, Ägyptisch - Deutsch, Mainz 1995, S. 1209 - 1210.
(9) Mariette, Auguste : Ebenda, Platte 31.
(10) Lepsius, Carl Richard : Ebenda, S. 266 - 267.
(11) Lepsius, Carl Richard : Ebenda, S. 268 - 269. Sowie : Breasted, James Henry : Ebenda, § 787, S. 395 u. S. 399. Siehe dazu : Flinders-Petrie, William Matthew : S. 230 - 231.
(12) Gauthier, Henri : Ebenda, S. 317 - 319. Genealogische Stammtafel Scheschonq I. weist die Ahnen und ihre Familienangehörigen, sowie deren Titulaturen nach.
(13) Flinders-Petrie, William Matthew : Ebenda, S. 244 - 245. Sowie : Yoyotte, Jean : Osorkon, fils de Mehytouskhé : Un Pharao oublié ? In : Bulletin de la Societé francaise d'égyptologie, tome 77 - 78, Paris 1976 / 1977, S. 39 - 54.
(14) Kitchen, Kenneth Anderson : The Third Intermediate period in Egypt : 1100 - 650 BC, Warminster 1986, §§ 6, S. 61 u. 69 u. S. 230 - 232.
(15) Schneider, Thomas : Lexikon der Pharaonen, Düsseldorf 2002, S. 184.
(16) Breasted, James Henry : Ebenda, S. 399. Siehe dazu : Kitchen, Kenneth Anderson : Ebenda, § 437, S. 535 (Genealogie des Scheschonq A und der Mehetenweskhet).
(17) Flinders-Petrie : William Matthew : Notes on the later Egyptian Dynasties. In : Proceedings of the Society of Biblical Archaeology, Vol. XXVI, London 1904, S. 284.
(18) Lepsius, Carl Richard : Ebenda, S. 266. So auch : Gauthier, Henri : Ebenda, S. 319. Siehe dazu : Daressy, Georges : Les parents de Chéchanq Ier. In : ASAE, Tome 16, Kairo 1916, S. 177.,
Nfr-nfr.w-Jtn Nfr.t-jj.tj Nofretete Kartusche in Berlin ÄM 2045 (nach: M. Tilgner)
Nofretete, große Königsgemahlin des Pharao Amenhotep IV, welcher sich mit seiner Abkehr von der alten Amun-Religion späterhin den Eigennamen Echnaton gab. Nofretete amtierte in den Jahren ca. 1353 - 1336 v. Chr. als Mitregentin und wurde in allen Reliefs zusammen mit ihrem Gemahl dargestellt. In Amarna wird sie auf einigen Darstellungen auf einem Streitwagen stehend präsentiert. Ihre berühmte Büste zeigt sie sogar mit der blauen Krone. Im Grab 6 des Panehesi zu Amarna, sowie im Grab 4 des Meryra, wird sie zudem mit der königlichen Atef-Krone als Herrscherin von Ober- und Unterägypten gezeigt. Ebendort wies Norman de Garis Davies auch ihre Kartusche nach. Ihre Tochter Anchesenamun, welche bis zu ihrem erneuten Übertritt zunächst den Namen Anchesenpaaton getragen hatte, vermählte sich späterhin mit dem auf Echnaton nachfolgenden Pharao Tutanchamun.
Der in eine eigene Kartusche gesetzte königliche Name der Nofretete wurde bereits um 1845 durch Lepsius auf einer kleinen Weihetafel nachgewiesen, welche sich heute mit der Inventar-Nummer ÄM 2045 im Bestand des Ägyptischen Museums der Staatliche Museen zu Berlin befindet. Roeder publizierte 1924 erstmals eine Transkription derselben, nachdem Davies 1905 ihre in Amarna entdeckte Kartusche publiziert hatte. Späterhin wurde auf dem berühmten, um 1340 v. Chr. vor Uluburun gesunkenen Schiff zudem ein goldener Skarabäus der Nofretete gefunden. Nofretete agierte demnach an der Seite ihres Gemahls als gleichberechtigte Mitregentin und das Encomium im Grab des Hohepriesters Meryra zeigt, dass sie zuletzt auch immer öfter allein mit ihren drei Töchtern in Erscheinung trat und sich dabei als eine uneingeschränkt herrschende Pharaonin darstellen ließ. Damit stand die Regentschaft der Nofretete hinsichtlich ihrer Machtfülle derjenigen der Königin Hatschepsut in nichts nach und dürfte diese in militärischer Hinsicht sogar noch deutlich übertroffen haben.
Quelle: * Ludwig Borchardt : Porträts der Königin Nofret-Ete aus den Grabungen 1912/13 in Tell el-Amarna, Leipzig 1923, S. 1 - 4 u. Blatt 2 - 6.
* Norman de Garis Davies : The rock tombs of El-Amarna, Part II : The tombs of Panehesy and Meryra II, London 1905, S. 14 - 15 u. Platte VIII, XVI u. XXIX, sowie XXXII - XXXVIII.
* Norman de Garis Davies : The rock tombs of El-Amarna, Part III : The tombs of Huya and Ahmes, London 1905, S. 26 u. Platte XXVII.
* Norman de Garis Davies : The rock tombs of El-Amarna, Part V : Smaller tombs and boundary stelae, London 1908, Platte XXVI u. XXXIII.
* Christina Hanus : Die Zeit vor und nach Amarna - Anfänge und Auswirkungen des Aton-Glaubens. In : Friederike Seyfried : Im Licht von Amarna - 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 32 - 41.
* Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton : Ancient Egyptian Chronology, Leiden u. Boston 2006, S. 206 - 208.
* Erik Hornung : Echnaton - Die Religion des Lichtes, Zürich 1995.
* Hermann Ranke : Die ägyptischen Personennamen, Band 1, Verzeichnis der Namen, Glückstadt 1935, S. 201, Nr. 12, sowie Nr. 16 u. 18.
* Arnd Rattmann : Weihetäfelchen. In : Friederike Seyfried : Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 236 - 237, Kat.-Nr. 24, ÄM 2045.
* Günther Roeder : Aegyptische Inschriften aus den Staatlichen Museen zu Berlin, 2. Band : Inschriften des Neuen Reiches, Leipzig 1924, S. 253, ÄM Nr. 2045.
* Joyce Tyldesley : Nefertiti, queen of Egypt. In : Encyclopaedia Britannica 2023. Online https://www.britannica.com/biography/Nefertiti
* Joyce Tyldesley : Mythos Nofretete. Die Geschichte einer Ikone. Übersetzung Ingrid Rein, Ditzingen 2019.
* Joyce Tyldesley : Die Königinnen des Alten Ägypten. Von den frühen Dynastien bis zum Tod Kleopatras, Leipzig 2008.
* Anke Weber : Unfertiges Relief mit Darstellung zweier königlicher Personen. In : Friederike Seyfried : Im Licht von Amarna - 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 412 - 413 u. S. 416 - 417, Kat.-Nr. 200 u. 202.
* Ünsal Yalcin, Cemal Pulak, Rainer Slotta : Das Schiff von Uluburun. Welthandel vor 3000 Jahren. Katalog der Ausstellung des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, Bochum 2005.
Das wichtigste Zeugnis der Königin Katimala fand sich auf der Außenwand des Tempels des Gottes Dedwen in Semna auf der Westseite des Nils. Semna liegt in der Landschaft Wawat (W3w3t) in Unternubien (1) und wurde erstmals durch Frédéric Cailliaud topographisch erfasst. (2) Als Cailliaud 1820 den dortigen Tempel des Dedwen zeichnerisch dokumentierte, gab er die nubische Königin Katimala, welche an der Außenwand auf einem großen Relief mit der gefiederten Doppelkrone des Gottes Amun gezeigt wird, als Mann wieder, obwohl sie ein langes Kleid trägt. (3) Dieser Fehler wurde erst 1907 im Rahmen einer von James Henry Breasted geleiteten Expedition in den Sudan korrigiert, als Horst Schliephack in seinem Auftrag die damals noch sehr gut erhaltenen Inschriften und Bildreliefs auf den Innen- und Außenwänden photographisch neu dokumentierte. Dabei erwies sich die auf dem Photo P. 3348 gezeigte Person, welche die doppelte Federkrone des Gottes Amun trug, eindeutig und zweifelsfrei als eine Frau, genauer genommen sogar als eine Königin. (4)(5)
Dieser in Semna am Nil befindliche Tempel des nubischen Gottes Dedwen wurde bereits zur Zeit einer Strafexpedition des ägyptischen Pharao Thutmosis III. (1479 - 1425) errichtet, während Nehi (1498 - 1450) Vizekönig von Nubien war. (6)(7) Der Tempel des Dedwen zeigt auf seinen Wänden denn auch häufig Bildreliefs der nächtlichen Barkenfahrt, wobei diese durch die Pharaonen Sesostris III. und Thutmosis III. besetzt gedacht wurden. (8) Als der für das Verständnis des Neuen Reiches und der Dritten Zwischenzeit höchst bedeutsame Tempel des nubischen Gottes Dedwen dann im Jahr 1960 wegen der bevorstehenden Fertigstellung des Assuan Staudammes seiner Reliefs und Inschriften entkleidet und danach im staatlichen sudanesischen Museum von Khartum wieder neu aufgebaut wurde, (9) nahm der Ägyptologe Ricardo Caminos im Vorfeld einige sehr genaue epigraphische Untersuchungen vor und belegte dabei erneut, dass es sich bei der auf der Außenwand des Dedwen Tempels in Semna dargestellten Königin um die nubische Pharaonin Katimala handelte. (10)(11)
Mit ihrer Verifizierung durch Caminos kam es schließlich durch Bennet zu der Konkretisierung, dass diese Pharaonin Katimala eine Tochter Osorkon des Älteren sein wird. (12) Als Tochter Osorkon des Älteren unterstellte sie ihrem Neffen, dem Pharao Osorkon I. (979 - 964) offenbar die von ihrem General Zerah geführten nubischen Truppen. (13) Dies deckt sich mit den von Frédéric Colin anhand der Stele von Napata erzielten Ergebnissen. (14) Timothy Kendall vertrat hierzu schon früh die Auffassung, dass die nubische Königin Katimala ihre Herrschaft durch eine Heirat mit dem ägyptischen Pharao Siamun gefestigt habe. (15) Fachkreise ordnen die nubische Königin Katimala der "frühen Dritten Zwischenzeit" zu. (16) Daher dürfte die Lebenszeit der Königin Katimala etwa in die Jahre 1035 - 970 v. Chr. zu setzen sein. Sie wurde demnach in der Zeit der ägyptischen Pharaonen Amenemope und Osorkon des Älteren sozialisiert. Die Amtszeit der Königin Katimala dürfte ungefähr in die Jahre 1005 - 970 v. Chr. fallen. Sie war offensichtlich eine Enkelin der Königin Mehetenweskhet. (17) Die Kartusche des in der Inschrift der Pharaonin Katimala als "seine Majestät" bezeichneten Königs war zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung bereits ausgekratzt, weshalb der Name ihres Gemahls anonym blieb. (18) (19) (20)
Quelle: (1) Gardiner, Alan : Egyptian Grammar, 3. ed. Oxford 1957, S. 559.
(2) Cailliaud, Frédéric : Voyage a Méroé et au Fleuve blanc, Paris 1823, Vol. II, Planche XXIII.
(3) Cailliaud, Frédéric : Voyage a Méroé, Vol. II, Planche XXIV. Ebenfalls fehlerhaft ist an dieser Stelle selbst die Zeichnung von Ernst Weidenbach in : Lepsius, Carl Richard : Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien, III. Abt. Tafeln, Bd. 5, Berlin 1849 - 1858, Blatt 47 - 56 (Tempel von Semneh)
(4) Schliephack, Horst : Gallery of the Oriental Institute of the University of Chicago, Semna-West, Photo P. 3348.
(5) Coleman Darnell, John : The Inscription of Queen Katimala at Semna. Textual evidence for the Origins of the Napatan State, New Haven u. Yale 2006, S. 111, Platte VII.
(6) Larson, John : Lost Nubia : A centennial Exhibit of Photographs from the 1905 - 1907 Egyptian Expedition of the University of Chicago, Chicago 2006, S. 44 - 45, Foto 22a, Stele des Nehi (heute : Chicago Oriental Institute Museum, Inv. No. 9052)
(7) Lobban, Richard Andrew : Historical Dictionary of Ancient and Medieval Nubia, Lanham u. Oxford 2004, S. 410 - 411 (Liste der nubischen Vizekönige)
(8) Larson, John : Lost Nubia, Chicago 2006. Sowie : Schliephack, Horst (1907), Oriental Institute, Gallery Semna-West, P. 3338 - 3383.
(9) Keating, Rex : Nubian rescue, London u. New York 1976, S. 124. Sowie : Dunham, Dows ; Reisner, George ; Janssen, Jozef : Semna - Kumma, Second Cataract Forts, Bd. 1, Boston 1960. So auch : Willeitner, Joachim : Nubien, antike Monumente zwischen Assuan und Khartum, München 1997, S. 54.
(10) Caminos, Ricardo Augusto : The New-Kingdom Temples of Semna and Kumma, Part I : The Temple of Semna, London 1998, Platte 15.
(11) Coleman Darnell, John : The Inscription of Queen Katimala at Semna, New Haven u. Yale 2006, S. 108, Platte IV. Sowie : Sargent, Cara Lia : The Napatan Royal Inscriptions : Egyptian in Nubia, Yale 2004.
(12) Bennet, Chris : Queen Karimala, daughter of Osochor ? In : Göttinger Miszellen, Band 173, Göttingen 1999, S. 7 - 8. Siehe dazu auch : Coleman Darnell, John : The Inscription of Queen Katimala at Semna, Yale 2006, S. 59.
(13) Schulman, Alan : The Kushite Connection. In : Manuelian, Peter Der ; Freed, Rita : Studies in Honor of William Kelly Simpson, Volume 2, Boston 1996, S. 713 - 715. Siehe dazu erneut : Coleman Darnell, John : The Inscription of Queen Katimala at Semna, S. 59.
(14) Colin, Frédéric : Le faiseur de rois et de chefs libyens, sur la stéle de Napata au Musée de Khartoum, SNM 1851. In : Archimède, Carnet de Laboratoire en Archéologie Égyptienne, Straßbourg 2020.
(15) Kendall, Timothy : The Origin of the Napatan State :El Kurru and the evidence for the Royal Ancestors. In : Wenig, Steffen : Studien zum antiken Sudan. Akten der 7. Internationalen Tagung für meroitistische Forschungen, Wiesbaden 1999, S. 3 - 118. Siehe dazu : Coleman Darnell, John : The Inscription of Queen Katimala, S. 55 - 59.
(16) Coleman Darnell, John : The Inscription of Queen Katimala, S. 55 - 59. Sowie : Bennet, Chris : Queen Karimala, daughter of Osochor ? In : Göttinger Miszellen, Band 173, Göttingen 1999, S. 7 - 8. Sowie : Kendall, Timothy : The Origin of the Napatan State. In : Wenig, Steffen : Studien zum antiken Sudan, Wiesbaden 1999, S. 59 - 63.
(17) Siemer, Eckhard : Über die Provenienz der im Oktober 2019 im Al-Asasif gefundenen Sarkophage und ihre Bedeutung für die Chronologie der ägyptischen Pharaonen der 21. und 22. Dynastie (1091 - 736 v. Chr.), Goslar 2021, S. 56 - 60.
(18) Lepsius, Carl Richard : Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien, Textbände, Vol. 5 : Nubien, Sinai, Europäische Museen, Leipzig 1913, S. 192 u. 198. (Semne : S. 190 - 205)
(19) Lohwasser, Angelika : Das Paneel der Katimala in Semna. In : Der antike Sudan, Mitteilungen der Sudanarchäologischen Gesellschaft, Heft 29, Berlin 2018, S. 89 - 96. Hier zitiert S. 94.
(20) Caminos, Ricardo Augusto : Notes on Queen Katimala's Inscribed Panel in the Temple of Semna. In : Berger, Catherine ; Clerc, Gisèle ; Grimal, Nicolas : Hommages à Jean Leclant, Volume 2 : Nubie, Soudan, Éthiopie, Kairo 1994, S. 73 - 80.
Etwa 870 - 840 v. Chr. Karomama Meritmut, Beiname Mutemhat.
Königin Karomama zeigte als Erbin Takelot I. schon sehr bald ihren Titel in eigenen Kartuschen. Sie war die Gemahlin König Osorkon II. (875-837) und amtierte im religiösen Kult als Gottesgemahlin des Amun. Jean-Franc̣̣ọis Champollion erwarb einst eine sehr schöne bronzene Statuette dieser Pharaonin, welche heute unter der Inventar Nummer N 500 im Louvre bewundert werden kann. James Quibell entdeckte bei Grabungen im Ramesseum einen Uschebti mit ihrem Namen. Es gibt eine weitere Königin gleichen Namens, welche die Gemahlin des Pharao Scheschonq I. war.
Quelle: Daressy, Georges : Inscriptiones inédites de la XXIIe Dynastie. In : Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l'archéologie égyptiennes et assyriennes, Vol. XVIII, Paris 1896, S. 49-51.
Flinders Petrie, William Matthew : History of Egypt, Vol. 3, London 1905, S. 246-252.
Ranke, Hermann : Die ägyptischen Personennamen, Bd.1, Verzeichnis der Namen, Glückstadt 1935, S. 347, Nr. 10.
Quibell, James Edward ; Spiegelberg, Wilhelm : The Ramesseum. Egyptian research account, 1896, London 1898, S. 17, Nr. 9 u. Platte XXI.
Schneider, Thomas : Lexikon der Pharaonen, Düsseldorf 2002, S. 144.
Vater: Scheschonq A Mutter: Mehit-use-chet resp. Mehetenweskhet Geschwister: Namilt Ehefrau: Ta-schaa-en-cheper ? Söhne: ? Töchter: ?
Osochor hat nach Manetho 6 Jahre regiert. Seiner Abstammung nach war er Libyer, ein "Meschwesch". Der Priesterstammbaum auf dem Dach des Chons-Tempels von Karnak nennt ihn. Denkmäler hat man bisher von ihm nicht gefunden. Rolf Krauss datiert ihn in die Jahre 992-987 v.Chr.
Quelle: Schneider, Th., Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002
Yoyotte, J., BSFE 77/78, S. 39-54 (1977)
Kenneth A. Kitchen, The Third Intermediate Period in Egypt. (1973)
von Beckerath, J., Handbuch der ägyptischen Königsnamen (1999)
Krauss, Rolf: Lunar Dates. In: Ancient Egyptian Chronology, Leiden 2006, S. 412 - 414 u. S. 493.
Daressy, Georges: Incriptiones inédites de la XXIIe Dynastie, Recueil, Vol. 18, Paris 1896, S. 51-52.
Dieses von den Ägyptern "Buch des Heraustretens bei Tage" genannte Werk mit 190 Kapiteln (numeriert von Richard Lepsius) ist eigentlich eine Sammlung von Zaubersprüchen, die oft aus den älteren Sarg- und Pyramidentexten stammen. Auszüge daraus wurden zuerst in den Gräbern der Bürgerlichen verwendet, fanden dann aber auch in den Vorhallen vieler Ramessidengräber Verwendung (Mer-en-Ptah, Tausret / Sethnacht, Ramses III., Ramses IV., Ramses V., Ramses VI.).
Teilweise wurde der Wortlaut auf Papyri geschrieben und neben die Toten gelegt. In der Spätzeit zeichnete man sie auf die Leinenbinden der Mumien. Die ersten Totenbücher stammen aus der frühen 18. Dynastie.
Die Universität Bonn forscht seit Jahrzehnten zum altägyptischen Totenbuch. Die Ergebnisse sind im Internet unter --> "Das altägyptische Totenbuch - ein digitales Textzeugenarchiv" zur Verfügung gestellt. Das Archiv mit enthält neben der deutschen Übersetzung viele Belegstellenangaben und weiterführende Informationen rund um das Totenbuch bzw. zu den einzelnen Sprüchen.
siehe auch: --> Amduat (Thutmosis I., Hatschepsut, Thutmosis III., Amenhotep II., Amenhotep III., Tutanchamun, Seti I., Ramses II., Merenptah, Seti II., Siptah, Ramses III., Ramses V., Ramses VI., Ramses IX.) --> Litanei des Rê (Thutmosis III., Seti I., Ramses II., Merenptah, Amenmesse, Seti II., Siptah, Ramses III., Ramses IV., Ramses IX.) --> Buch der Tore (Pfortenbuch) (Haremhab, Ramses I., Seti I., Ramses II., Merenptah, Seti II., Tausret / Sethnacht, Ramses III., Ramses IV., Ramses V., Ramses VI., Ramses VII.) --> Buch der Höhlen (Ramses IV., Ramses V., Ramses VI., Ramses VII., Ramses IX.) --> Bücher des Himmels (Ramses IV., Ramses V., Ramses VI., Ramses IX.) --> Buch der Erde (Ramses V., Ramses VI., Ramses VII., Ramses IX.) --> Zweiwegebuch
Quelle: Siliotti/Tal der Könige, Reeves/Tal der Könige
Teil der Seele, Verklärtheit, Seinszustand der Götter und der Toten, kann sich auch als Geistererscheinung manifestieren. Der Name wurde daher von den alten Ägyptern auch für Dämonen, Geister und Gespenster verwendet. Wenn die Familie eines Verstorbenen das Grab nicht mehr pflegte und keine Totenopfer darbrachte, konnte der Ach dem Glauben der alten Ägypter nach Unheil stiften, z.b. das Futter des Viehs stehlen.
Der Ach - die abschließende Verwandlung des Toten - wurde als Ibis mit Schopf dargestellt.
Quelle: Wilkinson, R.H., Die Welt der Götter im Alten Ägypten, Stuttgart 2003
Fischer-Elfert, H.W., Altägyptische Zaubersprüche, Reclam 2018