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  Ägyptologie Forum
   Die Schrift (496)
   Hieroglyphen (4)
  Autor/in  Thema: Hieroglyphen
Thoeris  
Gast

  
Hieroglyphen 
« Datum: 09.07.2004 um 23:27:45 »     

Hallo, ich habe mal eine komplizierte frage:
Man kann mit Hieroglyphen doch keine Wörter selber schreiben, oder Denn auch deutsche Namen oder so, sind doch eigendlich schwachsinn...sie wurden nachträglich gemacht und sind deutsch...das wäre doch so als wenn man griechische buchstaben benutzt aber nicht die griechische sprache...die ägypter müssen dann ihre eigene sprache gehabt haben, nicht nur andere buchstaben, oder Ich verstehe das irgendwie nie... Könnt ihr mir mal weiterhelfen
Vielen dank
Udimu  maennlich
Member

  

Re: Hieroglyphen 
« Antwort #1, Datum: 09.07.2004 um 23:44:30 »   

Hi,

da die altägyptischen Hieroglyphen - zumindest teilweise - eine Lautschrift sind(also ein Teil der Zeichen stehen für einen, oder auch zwei oder drei Buchstaben), kann man damit natürlich auch deutsche Wörter, wie Namen, schreiben. Die könnte ein alter ägypter dann auch lesen, obwohl er wohl kaum die richtige Aussprache hinbekommen würde. Das ist so als ob die Japaner Englische Namen schreiben, das geht halt auch irgendwie, aber halt nur irgendwie.

Gruss
Udimu
« Letzte Änderung: 09.07.2004 um 23:46:24 von Udimu »
> Antwort auf Beitrag vom: 09.07.2004 um 23:27:45  Gehe zu Beitrag
Peter Simon  
Gast

  
Re: Hieroglyphen 
« Antwort #2, Datum: 10.07.2004 um 09:57:14 »     

Hallo
Die Hieroglyphen sind teils Lautzeichen,teils Begriffzeichen.In der Spätzeit hat man aber ein System geschaffen,daß es gestattet,einzelne Buchstaben ausländischer Namen in Hieroglyphenschrift wiederzugeben.So konnte man auch griechische Namen wie Kleopatra in Hieroglyphenschrift schreiben.
Wie gesagt,das gilt für nicht-ägyptische Namen und Begriffe.Ob der Klang des Namens damit genau wiedergegeben werden kann,vermag ich allerdings nicht zu sagen
Gruß
Peter
> Antwort auf Beitrag vom: 09.07.2004 um 23:27:45  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Hieroglyphen 
« Antwort #3, Datum: 10.07.2004 um 11:44:35 »   

Hallo Thoeris,

um ausländische Begriffe aufzuzeichnen haben die Ägypter bereits seit dem Alten Reich (vgl. die „Ächtungstexte“; A.M. Abubakr  und J. Osing, Ächtungstexte aus dem Alten Reich I, in: MDAIK 29 (1974), S. 40-51; J. Osing, Ächtungstexte aus dem Alten Reich (II), in: MDAIK 32 (1976), S. 133-85) die sogenannte „Gruppenschreibung“ angewandt. Die von Peter Simon zitierten ptolemäischen Schreibungen basieren teilweise auf diesem System. Es werden innerhalb des Gruppenschreibungssystems drei „Hauptentwicklungslinien“ unterschieden: die Gruppenschreibung des Alten Reiches, die des Mittleren Reiches und die Variante des Neuen Reiches (vgl. hierzu detailiert J. Hoch, Semitic Words in Egyptian Texts of the New Kingdom and Third Intermediate Period, Princeton New Jersey 1994, S. 487ff.). Unter der Prämisse, dass diese Schrift mehrheitlich Lautgruppen der Kombination K(onsonant)-V(okal) ausdrücke und sich somit teilweise an der ostsemitischen Silbenschrift orientiere hat man bereits früh die Bezeichnung „Syllabische Schrift“ eingeführt. Die vokalische Qualität dieser Schrift ist bislang aber heftig umstritten (vgl. E. Edel, Die Ortsnamenlisten aus dem Totentempel Amenophis III, Bonn 1966, der annimmt, dass bei den meisten Zeichen(gruppen) zwar der Konsonant festgelegt war, der Vokal aber nicht bestimmt werden kann). Natürlich nutzten die Ägypter nicht nur für semitische Laute und Begriffe ein solches System. Auch für nubische Worte gab es ein Schreibsystem, das bereits seit dem Alten Reich (5.-6. Dynastie) entwickelt war (K. Zibelius, Afrikanische Orts- und Völkernamen in hieroglyphischen und hieratischen Texten,  Wiesbaden 1972).

Um also deutsche oder fremdsprachige Begriffe in Hieroglyphen zu schreiben, wäre es notfalls möglich auf dieses System (Gruppenschreibung) zurückzugreifen. Hierbei ist aber eben zu berücksichtigen, dass dieses System an das Phoneminventar bzw. -system (also Bestand, Bezug und Zusammensetzung der GESPROCHENEN Laute) der direkten Nachbarländer Ägyptens angepasst war und nicht für das deutsche Lautsystem direkt anwendbar ist. Besser als eine Pseudo-1:1 Transkription mittels des bekannten „Hieroglyphenalphabetes“ ist es sicher trotzdem.

Allgemeine Literatur hierzu:
S. Ahituv, Canaanite Toponyms in Ancient Egyptian Documents. Jerusalem – Leiden 1984.
M. Görg, Untersuchungen zur hieroglyphischen Wiedergabe palästinischer Ortsnamen. Bonn 1974.
W. F. Albright, The Vocalisation of the Egyptian Syllabic Orthography, New Haven 1934
W. F. Albright, Die Vokalisation der asiatischen Fremdnamen und Wörter in der syllabischen Schrift des neuen Reiches, in: ZDMG 82(3) (1927) S. XLV-XLVI.

     
Gruss A.
« Letzte Änderung: 10.07.2004 um 12:20:02 von Gast_A. »
> Antwort auf Beitrag vom: 10.07.2004 um 09:57:14  Gehe zu Beitrag
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