Ägyptologie Forum Hallo Gast, hier einloggen oder registrieren.
28.09.2021 um 16:42:49


HomeÜbersichtHilfeSuchenLoginRegistrierenKalenderLexikonChat



  Ägyptologie Forum
   Schrift & Sprache (513)
   Uschebti/Inschrift (18)
  Autor/in  Thema: Uschebti/Inschrift
Michael Tilgner  maennlich
Member



Re: Uschebti/Inschrift 
« Antwort #15, Datum: 09.01.2005 um 20:07:00 »   

Hallo, Caligula,

Anmerkung zur Übersetzung von Hwj sDb:

die Übersetzung "... dann vertilge für mich das Böse ..." paßt eigentlich recht gut zum zitierten Vorschlag von Hannig "Unheil beiseiteschlagen", was ja gut als wörtliche Übertragung aufgefaßt werden kann. Wie es zur spezifischen Übersetzung "ein Hindernis errichten" gekommen ist, weiß ich leider nicht. Klar ist jedoch, daß dies die zentrale Aussage des Uschebtispruches ist, nämlich daß die Aufforderung, Arbeiten im Jenseits zu verrichten, auf magische Weise auf den Ersatzmann, den Uschebti umgelenkt werden soll.

Zumindest in unserem Fall ist das "für ihn" durch das n=f angezeigt, so daß sich das jm=f auf etwas anderes beziehen muß oder, wie von mir vorgeschlagen, als Hervorhebung zu verstehen ist.

Viele Grüße,
Michael Tilgner

« Letzte Änderung: 10.01.2005 um 14:53:43 von Michael Tilgner »
> Antwort auf Beitrag vom: 09.01.2005 um 16:24:29  Gehe zu Beitrag
caligula  
Gast - Themenstarter

  
Re: Uschebti/Inschrift 
« Antwort #16, Datum: 10.01.2005 um 18:17:06 »     

Hallo Michael,

ja das ist wunderbar, jetzt steht der Text dank Deiner Unterstützung.

Ich habe die Inschrift des Tutanchamun-Uschebti Nr. 325a
zum Vergleich herangezogen. Am Ende der Spalte 4 in Uschebti 326a steht - ich zitiere "mj  sp=k  nb(t) nfr". In der Inschrift 325a fehlt das "t" in "nb". Deine Vermutung ist also richtig.
Und das "r  rt kAt..." (Uschebti 326a)ist wirklich ein Schreibfehler, denn in der Inschrift des Uschebti 325 a steht "r  jrt". Das ist deshalb von Bedeutung, weil die Inschriften mehr oder weniger identisch sind.
Danke für Deine Hilfe.

Gruß
caligula
> Antwort auf Beitrag vom: 09.01.2005 um 14:00:43  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member



Re: Uschebti/Inschrift 
« Antwort #17, Datum: 10.01.2005 um 21:23:42 »   

Hallo, Caligula,

bei dem Uschebtispruch handelt es sich bekanntlich um den Totenbuchspruch Nr. 6. Dazu schreibt Erik Hornung, Das Totenbuch der Ägypter, Zürich / München, 1979, S. 417:

Zitat:
"Während der Grabherr sich gern beim Säen, Pflügen und Ernten darstellen läßt ..., überläßt er das Bewässern und Düngen seinen Uschebti. Diese elementaren Tätigkeiten werden unter den vielen landwirtschaftlichen Arbeiten fast niemals dargestellt und erscheinen hier als verabscheute Fronarbeit; darauf zielt der verwendete Ausdruck jp 'zählen, verpflichten, konskribieren'."

Insbesondere das Transportieren des Sandes vom Osten zum Westen ist dunkel. Ich habe dazu folgende Literatur gefunden:

Ludwig Keimer, Das "Sandfahren" der Totenfiguren (wšbtiw) ... "um den Sand der Ostseite zur Westseite zu fahren": die früheste Erwähnung einer künstlichen Düngung im alten Ägypten, in: Orientalistische Literaturzeitung, Bd. 29, S. 98-104 (1926)

Vilmos Wessetzky, Die Uschebti-Formel des "Sandfahrens" und die Himmelsrichtungen, in: Mitteilungen des Deutschen Instituts für ägyptische Altertumskunde in Kairo, Bd. 37, S. 493-496 (1981)

Die "Annual Egyptological Bibliography" gibt folgende Zusammenfassung:

Zitat:
"Die Zahl Vier ist in vielen Bereichen ägyptischen Denkens von grosser Wichtigkeit, für deren Verständnis die spezielle geographische Situation in Betracht gezogen werden muss. Die vier Himmelsrichtungen sind ein Bild für die Vollständigkeit. Die West-Ost Richtung spielt beim Sandfahren der Uschebti-Formel (Tb Kap. 6) eine grosse Rolle, wobei trotz verschiedener Deutungsversuche die Bedeutung des Sandfahrens noch nicht ganz geklärt ist. Die Entfernung des Sandes als Feind der Vegetation wird als wahrscheinlich angenommen und die Erwähnung der Gegenrichtung (Ost-West) wird als weitere Möglichkeit, eine Totalität auszudrücken, angesehen."

Auch der Katalog einer Uschebti-Ausstellung (2003 in Paris) widmet sich dieser Frage und meint, daß für manche Ägyptologen dieses Sandfahren immer noch ein "Geheimnis" sei (Jean-Luc Bovot, Chaouabtis. Des travailleurs pharaoniques pour l’éternité, Paris, 2003, S. 21) und referiert einige Theorien. Diese Tätigkeit bleibt also rätselhaft.

Viele Grüße,
Michael Tilgner

> Antwort auf Beitrag vom: 10.01.2005 um 18:17:06  Gehe zu Beitrag
Seiten: « 1 2           

Gehe zu:


Impressum | Datenschutz
Powered by YaBB