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   Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj (52)
  Autor/in  Thema: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj 
« Antwort #30, Datum: 17.09.2013 um 22:17:28 »   

Hallo, Thomas,

zunächst einmal meinen Dank für die ausgetüftelte Konstruktion! Nach einigem Blättern in den Grammatiken glaube ich aber, dass sie doch nicht geht.

Du hast jw t Hnq.t n=j im Sinne von "haben, besitzen" aufgefasst (ich ignoriere den Anfang zunächst einmal und betrachte den "positiven" Fall).

Gardiner, Egyptian Grammar hat einen Abschnitt "Sentences Expressing Possession" (§§ 114-115). In § 114, 1 haben wir den Beispielsatz:

jw n=k anx
"du sollst Leben haben", wörtlich: "Leben ist für dich"

Was hier greift, ist die geänderte Wortreihenfolge, wenn das Objekt ein Pronomen ist; es wird dann nach vorne gezogen. Das gilt auch für die Präposition n mit Suffixpronomen, wenn es einen Dativ bildet. (Gardiner, § 66). Dort findet sich noch ein weiteres Beispiel:

jw n=k hrw nfr
"ein Feiertag gehört dir", wörtlich: "ein guter Tag (ist) für dich"

Mit anderen Worten, ein Satz

*jw t Hnq.t n=j
"ich habe Brot (und) Bier"

ist nicht möglich! Das gleiche gilt übrigens auch für das Altägyptische (Edel, Altägyptische Grammatik, § 870).

Bei Gardiner, § 66 ist auch ein Beispiel für die Negativformulierung angegeben:

nn n=k s.t
"es gehört dir nicht", wörtlich: "es ist nicht für dich"

Wir sehen, dass die Verneinung von jw n=k mit nn gebildet wird: nn n=k.

Noch einmal zurück zu Gardiner, § 114, 1. Interessanterweise wird dort folgender Beispielsatz zitiert:

nn js n sbj Hr Hm=f
"there is no tomb for him-who-rebels against his Majesty, i.e. the rebel shall have no tomb"

Die Formulierung ist fast so ähnlich wie die in unserer Stelle! Aber leider eben nur fast! Hier ist sbj ein Partizip, substantivisch verwendet.

Nun habe ich unterstellt, was gar nicht so vorgeschlagen war, denn Du hast jw als abhängiges Personalpronomen interpretiert. Die gängige Lesung ist wj. Nach Edel, §§ 166-167 findet man aber in altägyptischen Texten - in den Pyramidentexten - durchaus noch die Schreibung jw.

Des Fehlende am Anfang wird zu jwt ergänzt mit Verweis auf Edel, § 1027. Dieser Paragraph gehört zu einer Reihe von Paragraphen, die sich mit den sog. Objektsätzen befassen. Das sind Sätze, die von einem Verb abhängen oder durch eine Partikel eingeleitet werden, z.B. bei einer indirekten Rede: Er sagt <dann folgt ein Satz>.

Ein negativer Objektsatz wird durch das negative Relatvpronomen jwt eingeleitet: "das, was nicht ist" (Edel, § 1027). Das, was hier bei MTTj aber fehlt, ist der Hauptsatz, von dem der Objektsatz abhängig sein müsste.

Ich hatte noch folgende Vermutung, dass statt jw vielleicht jm zu lesen ist:

n prj=t(j) xrw [oder: [prj-xrw=]t(j)] jm t Hnq.t n=s
"nicht opfert man davon - Brot (und) Bier - für jemanden ..."

Das würde schön zum Vorhergehenden passen, auch von der Formulierung (prj=tj xrw n Ax); leider stört hierbei das t Hnq.t. Kann es als Apposition zu jm betrachtet werden? Das geht wohl nicht ...

Also weitergrübeln!

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 16.09.2013 um 10:11:47  Gehe zu Beitrag
thomas  maennlich
Member

  

Re: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj 
« Antwort #31, Datum: 18.09.2013 um 17:00:36 »   

Hallo Michael,


Zitat:
Was hier greift, ist die geänderte Wortreihenfolge, wenn das Objekt ein Pronomen ist; es wird dann nach vorne gezogen. Das gilt auch für die Präposition n mit Suffixpronomen, wenn es einen Dativ bildet. (Gardiner, § 66).


genau diese Position hat mich auch lange beschäftigt. Aus meiner Sicht greift hier aber die geänderte Wortreihenfolge deshalb nicht, weil wir hier kein Pronomen haben, sondern das männliche Substantiv "s" (Mann; Person; Wesen: Wb 3, 404.6-406.10). Orientiert an deinem Beispiel hätten wir dann jw anx n z = "Leben ist für »jemand«" bzw. jw t Hnq.t n z = "Brot und Bier ist für »jemand«"

Somit möchte ich deine Grundidee aufgreifen und folgende Lesung anbieten:

n pr.t jw xrw t Hnq.t n z sbj=f Hr=f m Xr.t-nTr
"Ich komme nicht auf die Stimme, (wenn) Brot (und) Bier von »jemand« ist, der frevelt gegen ihn (Anubis) in der Nekropole"
Eventuell auch: Kann nicht kommen …

Ich betrachte "jw" nach wie vor als Abhängiges Pronomen, das sich möglichst eng an das Verb anlehnt. Da pr.t-xrw meistens als zusammenhängende Hieroglyphe geschrieben wird, möchte ich es in der Umschrift "aufbrechen". So wird auch die "Verneinung" des Verbs deutlich.

Was meinst du? Kann man das gelten lassen?

Gruß
Thomas
> Antwort auf Beitrag vom: 17.09.2013 um 22:17:28  Gehe zu Beitrag
Hatmehit  weiblich
Member - Themenstarter

  

Re: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj 
« Antwort #32, Datum: 06.10.2013 um 20:03:36 »   

Hallo Thomas und an alle weiter Nachdenkenden,

danke Thomas für Deine letzte Lesung der Zeile 5. Mir ist beim Weitergrübeln leider auch nichts Neues eingefallen.
Für Zeile 6 hatte ich schon eine Lesung vorgeschlagen(siehe vorherige Postings). Hab mich nun an Zeile 7 versucht, biete folgende Lesung:
[...]wnn jmAx xr Ax.w m Xt.t-nTr
versort/geehrt sein bei den Verklärten in der Nekropole

jmAx versorgt sein; geehrt sein; (jmdn.) ehren        Wb 1, 81 Vb., 4rad.
ich hatte überlegt, ob  jmAx eventuell hier als Substantiv zu gebrauchen wäre        Versorgung; Würde  Wb 1, 81 in Verbindung: wnn jmAx  Versorgung existiert....da fehlt aber in dem Satz wessen Versorgung existiert..!?also entschied ich mich für das Verb

Ax.w  Ach-Geist; Verklärter (seliger Toter) Wb 1, 15 Subst., m. Mehrzahl

Xt.t-nTr  Nekropole; Totenreich Wb 3, 394  Subst.

das wnn vor dem  jmAx kann ich nicht einordnen zudem der Anfang noch fehlt.

Hat jemand einen Vorschlag?

Grüße Hatmehit
« Letzte Änderung: 07.10.2013 um 15:38:36 von Hatmehit »
> Antwort auf Beitrag vom: 18.09.2013 um 17:00:36  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj 
« Antwort #33, Datum: 08.10.2013 um 14:30:14 »   

Hallo, Hatmehit und Thomas,

noch einmal zu Spalte 5:

Zitat:
Das folgende kann m.E. nicht heißen "der frevelt", weil es kein Partizip ist, da noch ein =f folgt. Ich denke, es ist ein sDm=f. Ich würde also das bisher Diskutierte so zusammenstellen:

... t Hnq.t n s sbj=f Hr=f m Xr.t-nTr
"... Brot (und) Bier für jemanden, (wenn) er frevelt gegen ihn in der Nekropole"

Ich muss mich korrigieren. Hier handelt es sich um einen sog. "virtuellen Relativsatz". Wir hatten schon früher einmal den "virtuellen Konditionalsatz".

Gardiner, Egyptian Grammar, § 196 "Virtual relative clauses", führt aus:

Zitat:
When the antecedent is undefined in meaning (exx. 'a man', 'men') almost any kind of sentence may be joined to it without introduction with the sense of an English relative clause.

Das liegt hier offensichtlich vor. Das gilt auch schon für das Altägyptische, auch wenn sich Edel gegen die Ansicht ausspricht, dass solche Konstruktionen nur nach indeterminiertem Bezugswort stehen (Edel, Altägyptische Grammatik, §§ 1049 ff). Die Übersetzung ist also abzuändern in:

"... Brot (und) Bier für jemanden, der gegen ihn frevelt in der Nekropole"

Spalte 6

Am Anfang fehlt etwas. Es geht los mit:

... Ax nb wn smA=f tA r jmn.t nfr.t

Die Schreibung Ax mit dem x vor dem Vogel ist etwas ungewöhnlich. Ich habe nur Schreibungen danach im Wb. gefunden.

Bei der Konstruktion wn smA=f tA handelt es sich um eine Umschreibung des Partizips von smA.

Zitat:
Die Partizipien können durch ein Partizip von wnn "sein" umschrieben werden, dem das zu umschreibende Verb in der Form sDm=f folgt ... (Edel, § 650)


smA-tA "bestattet werden ... mit r ... des Ortes, wo begraben wird" (Wb. III, 449, 2)

jmn.t nfr.t "der schöne Westen" = Totenreich, Nekropole (Wb. I, 86, 10)

Wir haben also etwa:

"... irgend ein Verklärter, der im schönen Westen bestattet ist"

Was kann nun davor stehen?

Hatmehit hat vorgeschlagen: jrr bjn Hr "(und) der Böses tut gegen"

jrr ist ein imperfektisches Partizip (erkennbar durch die Verdopplung des letzten Radikals). Ich denke, es muss sich anschließen an das vorhergehende n s sbj=f "für jemanden, der frevelt", also jrj=f bjn r "der Böses tut gegen". (Wb. I, 109, 33-35 bzw. Wb I, 444, 2). In Frage käme auch jrj Dw "Böses antun" (Wb. V, 548, 7). Vielleicht wäre auch jxt "etwas" zu ergänzen (Wb. I, 124, 6). Nach Gardiner §, 92, 2 wird es in diesem Zusammenhang als maskulin behandelt: jxt mr "something painful", also hier etwa: jxt Dw "etwas Böses".

[jrj=f jxt bin / Dw r] Ax nb wn smA=f tA r jmn.t nfr.t
"[(und) der etwas Böses tut gegen (?)] irgend einen Verklärten, der im schönen Westen bestattet ist"

Das passt ziemlich gut zum Sinn des Ganzen; dennoch ist die Ergänzung unsicher - deshalb das Fragezeichen.

Viele Grüße,
Michal Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 06.10.2013 um 20:03:36  Gehe zu Beitrag
thomas  maennlich
Member

  

Re: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj Beispiel22.jpg - 9,49 KB
« Antwort #34, Datum: 09.10.2013 um 11:48:45 »   

Hallo zusammen,

anbei ein Komposing des Bildes mit den von uns bisher vermuteten Ergänzungen. Man kann daraus den Platz ableiten, der im Maximum möglich ist. Die Ergänzungen für Zeile 6 und 7 würden nicht passen.

Gruß
Thomas
> Antwort auf Beitrag vom: 08.10.2013 um 14:30:14  Gehe zu Beitrag
Hatmehit  weiblich
Member - Themenstarter

  

Re: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj 
« Antwort #35, Datum: 09.10.2013 um 20:20:29 »   

Hallo Thomas,
danke für das Komposing, super. Wir hätten jetzt die Ergänzungen bis Zeile 5. Für Zeile 6 sind wir noch am Nachdenken und für die 7. Zeile war mir noch nichts eingefallen.

Ich habe eine Übersetzung in Englisch gefunden, leider ist mein Englisch nicht sehr gut.
Hier der Link zu dem Buch, hoffe es klappt.

Texts from the Pyramid Age von Nigel Strudwick
ISBN-10:1-58983-138-1
EAN:9781589831384
Erscheinungstermin:01.2005
Verlag:Soc Biblical Literature
Einband:Taschenbuch

http://books.google.de/books?id=sgoVryxihuMC&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false
Seite 298

Gruß Hatmehit
> Antwort auf Beitrag vom: 09.10.2013 um 11:48:45  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj 
« Antwort #36, Datum: 09.10.2013 um 22:06:36 »   

Hallo, Thomas,

Dein Ansatz, die fehlenden Hieroglyphen im Bild zu ergänzen, ist super, und Du hast ihn toll umgesetzt!

Wenn ich unsere Diskussionen damit vergleiche, so denke ich, dass Du den Text nach oben etwas verlängern muss.

Spalte 1 fängt sicherlich an mit j anx.w "o, ihr Menschen ..."


Das müsste also noch davor.

Für Spalte 2 hatte ich vorgeschlagen, als Übergang von Spalte 1:
[r jrr.w n=f] "als für den, für den gemacht wird". jmAx.w steht schon da; Du brauchst nicht m-a zu ergänzen.

Spalte 3 müsste m.E. mit [j rmT nb] "o, alle Menschen" beginnen, also wieder das j ergänzen wie oben.

Insgesamt wäre also mehr Platz da, als Du angenommen hast. Dann wäre das nDm-jb Tn "so wahr ihr euch freuen möchtet" als Beginn von Spalte 4 zu wenig. Wenn Du aber die Schreibung von Spalte 3 übernehmen würdest, also mit den Lesehilfen n-D davor, könnte es gut in den Platz passen.

Mit Spalte 5 bekommen wir nun ein Problem. Weder das n wnt noch das von mir vorgeschlagene n prj=tj xrw "nicht opfert man ..." würden ausreichen, den Platz zu füllen. Vielleicht müsste noch etwas mehr ergänzt werden?

Und wie steht es mit [jrj=f jxt Dw r] "der Böses tut gegen"? bjn wäre m.E. zu groß für diese Stelle.

Vielleicht könntest Du noch einmal die Komposition überprüfen und überarbeiten, ob es doch zusammenpasst?

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 09.10.2013 um 20:20:29  Gehe zu Beitrag
thomas  maennlich
Member

  

Re: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj Retusche.jpg - 30,20 KB
« Antwort #37, Datum: 10.10.2013 um 09:44:54 »   

Hallo zusammen,

so, nun habe ich die Vorschläge von Michael eingearbeitet. Ich habe auch für Spalte 5 einen Vorschlag: tm als Verneinung eines Infinitivs § 348 Alan Gardiner. Könnte das gehen?

Gruß
Thomas
> Antwort auf Beitrag vom: 09.10.2013 um 22:06:36  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj 
« Antwort #38, Datum: 11.10.2013 um 16:25:32 »   

Hallo, Thomas,

das sieht schon gut aus!

Spalte 2

Das imperfektische passive Partizip jrr.w wird meistens nur mit einem r geschrieben (Gardiner, Egyptian Grammar, § 358 3ae inf.; Edel, Altägyptische Grammatik, § 642 (cc)), dafür aber meist mit .w.

Spalte 5

Was tm betrifft: Nach tm müsste ein Negativkomplement folgen, dass nach Gardiner, § 341 ohne letzten Radikal geschrieben wird, bei prj also pr; im Altägyptischen fällt der letzte Radikal wohl nicht weg (Edel, § 742 III. inf.). Das t würde in der Luft hängen. Wie soll dann der ganze Satz aussehen?

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 10.10.2013 um 09:44:54  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj 
« Antwort #39, Datum: 11.10.2013 um 19:22:52 »   

Hallo, Hatmehit,

Spalte 7

Deine Umschrift stimmt bis auf die Schreibung von Xr.t-nTr (bzw. Xr-nTr) "Nekropole, Totenreich".

... wnn(=j) jmAx(.w) xr Ax.w m Xr.t-nTr
"ich bin ein Ehrwürdiger bei den Verklärten in der Nekropole"

Die 1. Person Singular =j wird ja oft weggelassen.
wn (wnn) "etwas sein, etwas werden (ohne m) Wb. I, 308, 14
jmAx.w "der Würdige" Schreibung: Wb. I, 82

Nach Gardiner, § 107, 1 wird die Form wnn=f für die Zukunft verwendet oder wenn die Dauer ausgedrückt werden soll.

Was steht davor?

Strudwick, Texts from the Pyramid Age, p. 298 hat die folgende Ergänzung vorgenommen: "[With regard to myself (?)]". Damit ist sicherlich die Betonung durch Voranstellung gemeint: jr X "was X betrifft". Nach Gardiner, § 149, 1 kann X auch das Subjekt des Satzes sein.

Diese Voranstellung eines Satzteils behandelt auch Edel, § 873:

Zitat:
Sätze des Typs X sdm=f "X, er wird hören" werden in den §§ 876; 877 behandelt. Einleitung des vorweggenommenen Subjekts durch jr ist jedoch in alter Zeit ausser in einigen besonders gelagerten Fällen nicht nachzuweisen (...)

Im § 876 wird der Fall ohne Einleitung behandelt; das pronominale Subjekt wird durch das unabhängige Personalpronomen vorweggenommen. Also:

jnk wnn(=j) jmAx(.w) ...
"ich bin ein Ehrwürdiger ..."

Das Subjekt kann auch bei den Partikeln sk "siehe" oder mk "siehe" vorangestellt werden: sk Tw Dd=k "siehe, du sagtest" (mit abhängigen Personalpronomen). Dann wäre also:

mk wj wnn(=j) jmAx(.w) ...
"Siehe, ich bin ein Ehrwürdiger ..."

Man könnte auch noch eine Verstärkung durch jgr "ferner auch" in Betracht ziehen (Edel, §§ 830-831). Edel diskutiert die Stellung bei Verwendung von Partikeln, z.B. sk jgr mit einem unabhängigen Personalpronomen, wenn ein Verbum oder Substantiv folgt. Dann hätten wir:

sk jgr jnk wnn jmAx(.w) ...
"Siehe, ich bin einer, der Ehrwürdiger ist ..."

wnn wäre dann imperfektisches Partizip, substantivisch verwendet.

Was davon passt am besten? Oder geht noch was anderes?


Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 11.10.2013 um 16:25:32  Gehe zu Beitrag
thomas  maennlich
Member

  

Re: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj 
« Antwort #40, Datum: 13.10.2013 um 14:41:54 »   

Hallo Michael,

nochmals zu Spalte 5.

Die Verneinung durch tm fällt leider aus, weil ich übersehen habe, dass danach nicht der Infinitiv selbst, sondern eine eigene Verbform folgt. Dennoch habe ich ein wenig recherchiert. Vielleicht ist folgendes möglich, da wir nun doch mehr Platz haben, als ich zu Anfang dachte:

Alan Gardiner, § 307: n wn.t is used in place of the usual nn
n wn.t rD.t: without allowing to give

n wn.t rD.t wj t Hnq.t n z sbj=f Hr=f m Xr.t-nTr
Ohne meine Erlaubnis Brot und Bier für jemanden zu geben, der frevelt gegen ihn in der Nekropole.

Der Satz wäre dann als Nebensatz aufzufassen und bezöge sich auf Ende Spalte 4.

Gruß
Thomas
> Antwort auf Beitrag vom: 11.10.2013 um 16:25:32  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj 
« Antwort #41, Datum: 15.10.2013 um 21:40:58 »   

Hallo, Thomas,

Du lässt ja nicht locker; das muss man Dir lassen!

"mein Geben" müsste m.E. mit Suffix =j geschrieben werden. Wenn dort das abhängige Personalpronomen steht, dann ist es Objekt, also n wnt rDj.t wj "ohne mir zu geben" (Brot und Bier). Das kann wohl nicht gemeint sein!

Die Stelle bei Gardiner, § 307 ist: n wnt rdj.t xnd rmT nb.t "es gibt kein Zulassen, dass irgend jemand geht" (auf dem Heiligen Land); zugrunde liegt also die Formulierung rdj + sDm=f im Sinne von "zulassen, erlauben" (Gardiner, § 70). Das liegt nach Deiner Version bei MTTj aber auch nicht vor.

Viele Grüße,
Michael Tilgner

PS Tippfehler beim Suffixpronomen korrigiert.
« Letzte Änderung: 16.10.2013 um 08:57:41 von Michael Tilgner »
> Antwort auf Beitrag vom: 13.10.2013 um 14:41:54  Gehe zu Beitrag
Hatmehit  weiblich
Member - Themenstarter

  

Re: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj 
« Antwort #42, Datum: 18.10.2013 um 21:24:24 »   

Hallo Thomas und Michael,


Zitat - Michael:
Deine Umschrift stimmt bis auf die Schreibung von Xr.t-nTr (bzw. Xr-nTr) "Nekropole, Totenreich".


Sorry, das war der Tipp-Teufel


Zitat:
Kaplony:  Es ist Platz für zweieinhalb Hieroglyphenquadrate

die obere Bruchkante verläuft schräg, so das zwei bis zweieinhalb Quadrate fehlen

Die Ergänzungen von Thomas würden also gut passen.Bei Spalte 6 würde eventuell auch noch das jrj=f bjn r passen.
Für Zeile 7 würde das mk wj passen.

ein Vorschlag für Zeile 8

[Hsw.t=j] rA n(j) sr.w jw js Ax rDj.t t Hnqt n jmj Xr.t-nTr
[Mein Lob/meine Gunst] im Mund der Beamten.Es ist nützlich, Brot und Bier einem der sich in der Nekropole befindet/Friedhofsbewohner (wie ich) zu spenden.
Ich bringe das Lob im Mund der Beamten mit der Zeile vorher in Verbindung...ich bin einer der ehrwürdiger ist. Er ist sehr bekannt und wird gelobt.

Hsw.t         Gunst; Belohnung  Wb 3,157  Subst., f.
rA n(j) sr.w        Mund  Wb 2,389      Subst., m.  Vornehmer; hoher Beamter; Magistrat  Wb 4,188  Subst., m.Pl.
jw js Ax es ist nützlich Wb 1,14
rDj.t  geben; veranlassen  Wb 2,464 Vb., anom.
jmj Xr.t-nTr befindlich in  Wb 1, 72  Nekropole Wb 3, 394 Subst.

Gruß Hatmehit
> Antwort auf Beitrag vom: 15.10.2013 um 21:40:58  Gehe zu Beitrag
M.Panov  maennlich
Member

  

Re: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj 
« Antwort #43, Datum: 19.10.2013 um 12:58:03 »   

Guten Tag, alle zusammen,

besser mit dem Praeposition, d.h. "...m] rA n N", vgl. mnx rn=j m rA n rmT in Urk IV 150, 5.

MfG
Maxim
> Antwort auf Beitrag vom: 18.10.2013 um 21:24:24  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Übersetzung Grabrelief des Metjetji und Sohn Ihj 
« Antwort #44, Datum: 20.10.2013 um 11:05:07 »   

Hallo, Hatmehit,

Spalte 8

Die anfängliche Ergänzung erscheint plausibel. Die Umschrift würde ich wie folgt anpassen:

[jw Hsw.t(=j) m] rA n sr.w
"mein Lob (genauer: das Lob über mich) (ist) im Munde der Vornehmen"

Es handelt sich um einen Satz mit einem Adverb als Prädikat. Hier wird zumeist ein jw als Kopula verwendet (Gardiner, Egyptian Grammar, § 117):

Zitat:
The verb jw states facts as such, declares this or that to be the case. 1. With nominal subject it serves to introduce some statement, often a description, of outstanding interest, and the clause containing it must be translated as a main clause.
Exx. jw Sdw=k m sx.t thy field-plots are in the country. Statement of fact.
jw dAb.w jm=f Hna jArr.t figs were in it, and also grapes. Description of the land Yaa.
(...)
When jw is omitted, the statement or description becomes less obtrusive.

Das Muster des ersten Beispiels passt zu unserem Satz. Das gilt auch für das Altägyptische (Edel, Altägyptische Grammatik, § 919 (a)):

Zitat:
Die Einleitung durch jw (...) ist sehr häufig in Aussagen und Wünschen (...)
(a) Aussage
(...) jw bA.tj m mw "der Schafhirt ist im Wasser"
(...)

Das gleiche Muster wie im Mittelägyptischen.

Die 1. Person Singular =j wird meist nicht geschrieben.

Es wäre zu prüfen, ob diese Ergänzung ausreicht, den Platz zu füllen.

sr "Vornehmer, Fürst" Wb. IV, 188. Der Plural wird meist mit drei Strichen oder Dreifachsetzung des Determinativs A1 geschrieben. Ratgeber und Beamte waren zumeist (oder immer?) Männer. Da hier als Determinativ die Kombination A1-B1 (Mann und Frau) verwendet wird, ist wohl eine Personengruppe unterschiedlichen Geschlechts gemeint. Edel, § 274 schreibt:

Zitat:
Am beliebtesten ist hinter Personenbezeichnungen allerdings die Zweizahl der Determinative:

rmT.w "Menschen" Urk. I, 263, 8 (und oft sonst).

Daher meine ich die Bedeutung Wb. IV, 188, 15 heranziehen zu sollen: "der Vornehme, der Edelmann (im Gegs. [Gegensatz] zum Geringen, zum gewöhnlichen Volk u.s.w.)".

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 19.10.2013 um 12:58:03  Gehe zu Beitrag
Thema wurde als gelöst markiert. Vielen Dank für eure Beiträge :-).
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