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   Jenseitsglaube & Totenkult (208)
   Frage zum Totenbuch (20)
  Autor/in  Thema: Frage zum Totenbuch
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Frage zum Totenbuch 
« Antwort #15, Datum: 23.06.2004 um 20:04:06 »   

Hallo, Thomas,

im Prinzip sind wir alle schon auf dem "richtigen Pfad", zumindest sind wir der Position von Christine Seeber, Untersuchungen zur Darstellung des Totengerichts im Alten Ägypten, München / Berlin, 1976, Abschnitt: "Der Verstorbene im 'Stadium der Wiedergeburt'", S. 101-106 nahe. Es heißt dort:

Zitat:
"Unter diesem Gesichtspunkt soll eine weitere Darstellung des Verstorbenen betrachtet werden, die nur in der 21. Dyn. belegt ist und gleichfalls ein charakteristisches Merkmal für diese Zeit bildet.
Es handelt sich um eine kleine Figur, die unter der Waage, gleichsam in der Luft schwebend, abgebildet ist ... Sie hat beide Beine wie ein Hockender angezogen, die Arme auf der Brust nebeneinander gelegt und ist in ein Gewand gehüllt, das den Körper vollständig bedeckt und ein glattgezogenes Oberteil wie häufig bei Osirismumien aufweist...
Daß es sich hier nicht um 'a figure of a squatting child' [Piankoff], sondern um die verkleinerte Figur des erwachsenen Toten in Mumiengestalt handelt, erweist die Beischrift 'Osiris' in einigen Fällen, z.T. auch gefolgt von Namen und Titeln des Verstorbenen...
Da sich gezeigt hat, daß die Mumiengestalt dem Verstorbenen nicht als eine wünschenswerte Seinsform im Jenseits erscheint und er sie mit dem Bestehen des Gerichts abzulegen trachtet, muß hier vermutet werden, daß dieser Gestalt noch eine andere Bedeutung innewohnt, als die bloße Mumienstarre während des Wiegevorgangs anzuzeigen.
...
Die Assoziation an das neugeborene Kind in seiner typischen Hockhaltung wird vermutlich auch den Figuren des Verstorbenen aus der 21. Dyn. zugrunde liegen, die jedoch noch in den Mumienumhüllungen stecken. Somit könnte man als Deutung dieser Figur annehmen, daß sie den Verstorbenen in einem Stadium zeigt, in dem er im Wiederbesitz seiner Beweglichkeit gerade im Begriff ist, sich aus seinen Mumienbinden zu lösen, um einer neuen Existenz entgegenzugehen..."

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 19.06.2004 um 21:13:36  Gehe zu Beitrag
Irjnefer_d.J.  
Gast - Themenstarter

  
Re: Frage zum Totenbuch 
« Antwort #16, Datum: 23.06.2004 um 22:00:43 »     

Hallo Michael,
bitte sieh' Dir Deinen Bapun-Sarg an, ich kann da keine Mumienhülle erkennen, paßt ja auch nicht zur Hockerstellung.

Das Warten des Verstorbenen auf seine Wiedergeburt genügt doch m.E. einwandfrei.

Viele Grüße
Irjnefer d.J.
> Antwort auf Beitrag vom: 23.06.2004 um 20:04:06  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Frage zum Totenbuch 
« Antwort #17, Datum: 23.06.2004 um 23:03:55 »   

Hallo, Irjnefer d.J.,

ich habe nicht alles zitiert. Bei Seeber heißt es hierzu:

Zitat:
"Auf die Mumienhaftigkeit deutet ferner, daß bei ... [diversen Papyri] ... die ganze Figur völlig schwarz ist ..."

mit einer Anmerkung, daß Schwarz die Farbe der Wiedergeburt sei (nach Desroches-Noblecourt, Tut-ench-Amun, Berlin, 1963).

Dazu läßt sich jetzt auch das Lexikon der Ägyptologie, Bd. II, Sp. 123 aus dem Stichwort "Farben" - Abschnitt Farbsymbolik - zitieren:

Zitat:
"Schwarz ist die Unterwelt, der Tote dort ..."

(Das ist allerdings nicht ganz dasselbe.)

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 23.06.2004 um 22:00:43  Gehe zu Beitrag
Horusauge  
Gast

  
Re: Frage zum Totenbuch 
« Antwort #18, Datum: 03.07.2006 um 14:10:39 »     

Hallo ,
Ich  habe wieder mal eine Frage ,
Die Szenen des Wiegens des Herzens , sieht man ganz  oft .
Es ist bestimmt  jeden aufgefallen , dass die Waage immer aufrecht steht und der Verstorbene , so zusagen immer durchkommt. Er wird nie von dem Totenfresser aufgefressen. Meine Frage nun , gibt es auch  Szenen , wo der Verstorbene weniger Glück hatte und das Herz  verschlungen wurde? Warum  wurde es so dargestellt? Wieder mal , Perfektionismus der Ägypter  ?
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen
Gruß
Horusauge
> Antwort auf Beitrag vom: 23.06.2004 um 23:03:55  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin

  

Re: Frage zum Totenbuch 
« Antwort #19, Datum: 03.07.2006 um 14:45:59 »   

Lieber Horusauge,

ein Verstorbener, dessen Herz zu schwer war und der deswegen die Prüfung nicht bestand brauchte keine Jenseitsversorgung mehr.
Insofern wäre das gesamte Grab überflüssig. ok?  

Die Idealvorstellung sieht ein Bestehen der Prüfung vor. Dem Verstorbenen eine "Bedienungsanleitung für den Vernichtungsfall" mitzugeben liegt wohl ausserhalb ägyptischer Vorstellungen.

Gruß
nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 03.07.2006 um 14:10:39  Gehe zu Beitrag
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