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   Architektur & Kunst (459)
   Gottesgemahlin (17)
  Autor/in  Thema: Gottesgemahlin
Sepp  
Gast

  
Re: Gottesgemahlin 
« Antwort #15, Datum: 27.02.2002 um 21:25:27 »     

Und nochmal zu der Norfu von Crossinger:

Die „Statue“ ist von Newberry in seinen „Extracts from my Notebooks (IV) in „Proceedings of the Society of Biblical Archaeology“ Bd. 23, 31. Session, S. 221 publiziert. Allerding kein Bild!

Es handelt sich nicht um eine Statue, sondern um ein „pedestal of a wooden statuette in the collection of M. Dattari in Cairo“ wie J. R. Buttles in „The Queens of Egypt“, NY 1990, S. 26 angibt.
Der Text auf der Statuenplatte lautet:
„Htp-dj njswt wsjr
nb jmnt.t pr.t-xrw; x.t-nb.t
nfr.t wAb.t n jmAx.t xr ptH (-wjA?; vielleicht „Pth-(m/n)-wjA“?)
Hm.t-nTr Nfrw mAa.t-xrw“
-----------

Also bis auf das mir nicht ganz klare Determinativ bei Ptah (Gardiner P3) eine traditionelle Opferformel. Leider hab ich kein Bild zu dem Stück auftreiben können.

Nofru hiessen mehrere Königinnen der 11. Dynastie (Troy zählt insgesamt 3 Nofrus auf. Nofru I: Gemahlin des Mentuhotep I.; Mutter des Antef III.?; Nofru II: Gemahlin des Antef I.; Nofru III: Gemahlin des  Montuhotep II.).
Newberry identifiziert die genannte Nofru mit der Nofru III. der 11. Dynastie (also diejenige, die ihr Grab an der nördlichen Umfassungsmauer des Montuhotep-Tempels von Deir el-Bahari hatte). Newberry ist sich dieser Identifizierung ganz sicher obwohl es keine sicheren Gründe hierfür gibt!

Die Problemchen mit den Nofrus:

Das Objekt:
Nachdem eine Fußplatte nicht umbedingt zur stilistischen oder ikonographischen Analyse geeignet ist, und das Stück im Grunde in jeder Epoche hätte hergestellt worden sein können, ist ein Urteil hier nicht klar fassbar oder von vornherein stark eingeschränkt möglich!

Wo sind die Titel:
Problematisch ist das völlige Fehlen aller sonstigen königlichen Titel, die eine Prinzessin oder Königin sonst so trägt! Nofrus gab es wie Sand am Meer und neben den Königinnen hießen vermutlich hunderte Damen zur damaligen Zeit Nofru (wie heut halt alle Markus, Sepp oder Thomas heissen). Wenn hier also eine königliche Nofru gemeint war, dann haben wir folgende Optionen: Entweder war dieser Titel so bedeutend für Nofru, daß sie ihn ANSTATT aller anderen verwendete, oder sie bekam ihn in einem Stadium, als sie noch nicht ausgewählte Prinzessin und Königin war, also DAVOR, was damit zusammenpassen würde, daß wir von den Frauen dieses Namens sonst nur Grabzubehör und Dekoration als Zeugnisse haben, also Dingen die die letzte Phase ihrer „Karriere“ wiederspiegeln. Oder sie trug diesen Titel NACHDEM sie alle anderen wichtigen Ämter einer Prinzessin/Königin ausgefüllt hatte.

Wo ist Amun:
Hauptproblempunkt ist für mich ausserdem das fehlende Titelsegment „von Amun“, das ja ansonsten alle Trägerinnen der „Gottesgemahlinnen des Amun“ führen. Eine „Hm.t-nTr (n) Jmn“ ist eine spezielle Priesterin des Amun, eine „Gottesgemahlin des Amun“, aber eine  „Hm.t-nTr“ ist einfach die Gemahlin des verstorbenen Königs!
Nofru hätte also ihren Gemahl (Einer der Intefs, Mentuhoteps, Sesostris) überlebt und damit entsprechend den gängigen Titeln einer zA.t-nTr (Gottestochter des verstorbenen Königs) oder mw.t-nTr (Gottesmutter des verstorbenen Königs) diesen Titel geführt. Mit nTr (also Gott) ist hier meiner Meinung nach nur der König gemeint, nicht der Gott Amun. Ich halte diese Erklärung für die einfachste und daher die wahrscheinlichste!

Daraus ergibt sich dann aber, dass wir die Nofru IV. so gut wie ausschliessen können, denn:
Nach Beckerath hat Sesostris I. von 1956-1911 regiert (Nach C. Obsomer [1995]: 1958-1913). Nofru hätte also frühestens nach dessen Tod den Gottesgemahlinnentitel tragen dürfen. Als Tochter Amenemhets I. dürfte sie aber nur knapp jünger als Sesostris I. gewesen sein. Sie wäre also fast/oder mehr als 60 Jahre alt geworden, was doch eher ungewöhnlich wäre. Auch daß ihr Sohn seine Mutter nach ihrem Tod im Bezirk seines Vaters bestattet hat und nicht in seinem eigenen, wäre überraschend, vor allem dann, wenn man eine Koregentschaft zwischen Sesostris I. und Amenemhet II. annimmt!
Die Statue dürfte also den 11. Dynastie-Nofrus zugehören. Welcher muß unklar bleiben, wobei ich zur Nofru I. tendiere, da ihr als Stammmutter der 11. Dynastie sicher ein besonderer Kult zufiel und auch lange nach ihrem Tod ihre Rolle als Dynastiebegründerin wirksam war. Daß nur der Titel einer „ehemaligen“ Königsgemahlin genannt wird ist dann logisch, wenn sie zum Zeitpunkt der Herstellung der Statue zwar gelebt hat aber keine kultische Relevanz mehr besaß und ihre alten Ämter als Prinzessin und Königsgemahlin nun ja von der jüngeren Genration ausgeübt wurden. Es könnte aber auch sein, daß sie bereits gestorben war, als das Objekt angefertigt wurde und für den Kult vor der Statue nur ihre Rolle als Mutter eines „ehemaligen Königs“ von Bedeutung war. Außerdem: die Abstammung Antefs I. von Nefru ist nicht sicher! Wenn also die Statue unter Antef I. für die Gemahlin seines Vaters hergestellt wurde, so hätte er dann ganz korrekt auf den wichtigen Titel „Königsmutter“ verzichtet (was ansonsten überraschen würde), denn seine leibliche Mutter war Nofru I. ja vermutlich nicht. Ist aber nur so eine Spekulation...

J.R. Buttles (s.o.) ist sich (ohne Begründung) der Datierung des Objektes in die 11. Dynastie und der Zuweisung zu Nofru III. sicher. Sie bezeichnet die Platteninschrift als „the earliest instance yet known of the use of this title“ (S. 26), womit sie offenbar den „Gottesgemahlin des Amun“-Titel meint (und meiner Meinung nach falsch liegt).


Resumée:
Ich glaube einfach einen Hinweis für eine Gemahlin eines verstorbenen Königs in dem Text sehen zu dürfen, keine „Gottesgemahlin (des Amun)“!
Ich halte auch weiterhin Ahmose Nefertari/ ihre Zeitgenossinnen für die ersten Trägerinnen des Titels!  

Literaturhinweis:
Einen sehr detaillierten Überblick über die Königsmütter und Königinnen aus unserer speziellen Epoche erhält man übrigens bei Roth S., Die Königsmütter des Alten Ägypten von der Frühzeit bis zum Ende der 12. Dynastie, in: ÄAT 46 (2001).

Crossinger  
Gast

  
Re: Gottesgemahlin 
« Antwort #16, Datum: 27.02.2002 um 21:43:30 »     

Hey Sepp,

Du bist wohl unausgelastet, oder?

Du hast allerdings sehr gründlich recherchiert! Kompliment.  Bei mir haut es zeitlich nicht hin, so gründlich den Dingen auf den Grund zu gehen. (und ich heiße im richtigen Leben auch nicht Ilona Christen...)


Zitat - Sepp:
Literaturhinweis:
Einen sehr detaillierten Überblick über die Königsmütter und Königinnen aus unserer speziellen Epoche erhält man übrigens bei Roth S., Die Königsmütter des Alten Ägypten von der Frühzeit bis zum Ende der 12. Dynastie, in: ÄAT 46 (2001).


Sieh mal an, Silke Roth hat ihre Diss veröffentlicht. Ist glatt an mir vorbeirgerauscht! (Vielleicht haben wir es auch noch gar nicht angeschafft.)

Tschüss
C.
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