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   Architektur & Kunst (460)
   Gräber in Medinet Habu (12)
  Autor/in  Thema: Gräber in Medinet Habu
naunakhte  weiblich
Moderatorin

  

Gräber in Medinet Habu 
« Datum: 04.01.2005 um 21:38:17 »   

Ich freue mich ja immer über detaillierte Pläne, aber dieser ist wohl etwas zu viel des Guten  

Ich sehe lauter Gräber im Bereich des kleinen Amun-Tempels in Medinet Habu. Leider finde ich keine Angaben zu diesen.

Wäre für Informationen dankbar.

nauna


PS: habe nochmal eine Detailansicht dazugehängt
« Letzte Änderung: 04.01.2005 um 21:49:10 von naunakhte »
Udimu  maennlich
Member

  

Re: Gräber in Medinet Habu 
« Antwort #1, Datum: 04.01.2005 um 21:57:49 »   

Hi Nauna,

(ohne Gewähr), das sind wohl Grabanlagen der 3. Zwischenzeit, die dort errichtet worden sind. Bekannstetes Beispiel ist das Grab von Pharao Horsiese, dessen Sarkophag sich in Medinet Habu fand (steht heute im Garten des Kairoer Museums). Auf der anderen Seite des Tempels befinden sich doch auch die (Grab)Kapellen der Gottesgemahlinnen. Auch das Ramesseum ist ja in der 3. Zwischenzeit mit Grabkapellen und Grabanlagen 'zugeballert' worden.

Gruss
Udimu
> Antwort auf Beitrag vom: 04.01.2005 um 21:38:17  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Gräber in Medinet Habu 
« Antwort #2, Datum: 04.01.2005 um 22:00:00 »   

Hallo Udimu,

im Hölscher ist auch noch ein farbiger Plan mit Zeitstufen für die Gräber.

Leider komme ich dann aber nicht mehr weiter.
Hoffte auf Literatur. PM hat mich hier verlassen  

merci
nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 04.01.2005 um 21:57:49  Gehe zu Beitrag
Udimu  maennlich
Member

  

Re: Gräber in Medinet Habu 
« Antwort #3, Datum: 04.01.2005 um 22:15:23 »   

mmh, also wenn Du sogar den Hölscher hast, der ja eigentlich die Grabungspublikation darstellt (zumindest teilweise), dann weiss ich auch nicht weiter ; ich vermute mal, dass die meisten Gräber sehr stark beraubt sind.

Gruss
Udimu

hier könnte man auch nochmal einen Blick reinwerfen:

Eigner, Diethelm, Die monumentalen Grabbauten der Spätzeit in der thebanischen Nekropole, Wiem 1984
> Antwort auf Beitrag vom: 04.01.2005 um 22:00:00  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Gräber in Medinet Habu 
« Antwort #4, Datum: 04.01.2005 um 22:19:45 »   

mhhhhhhhhh
ich habe im Moment eine zweistellige Zahl Hölscher Folianten zu MH hier stehen. Aber nur Pläne und Bilder.

Die Gräber sind laut Farben aus der Zeit Nectanebos - Taharqa.
Mich verwirrt halt, dass der Tempel zu dieser Zeit ja noch im Betrieb war.
OK ein Grab vom Pharao laß ich mir an der Stelle ja noch gefallen, aber was noch  

Den Eigner kann ich mir erst nächste Woche anschauen.
Die Uni hat nämlich zu  

merci
nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 04.01.2005 um 22:15:23  Gehe zu Beitrag
Udimu  maennlich
Member

  

Re: Gräber in Medinet Habu 
« Antwort #5, Datum: 04.01.2005 um 22:28:53 »   

ach so, also die Tempelanlage war wohl durchgehend bis in die koptische Zeit besiedelt. Gerade in der 3. Zwischenzeit befand sich doch die Nekropolenverwaltung von Theben-West hinter den starken Mauern von Medinet Habu. Ein Grossteil dieser Siedlung, die bis in die 25./26. Dynastie bewohnt war, ist auch vom Chicago Institut ausgegraben und publiziert. Auch ein Teil der koptischen Siedlung ('Djeme') ist gut publiziert (weiss jetzt allerdings nicht, ob der Ort auch in der Zwischenzeit besiedelt war). Die Grabanlagen passen da halt einfach gut ins Bild, wobei ja anscheinend der ganze Bereich nahe des Fruchtlandes in Theben-West in der 3. Zwischenzeit von Kapellen und Grabanlagen bedeckt war.

Gruss
Udimu+
> Antwort auf Beitrag vom: 04.01.2005 um 22:19:45  Gehe zu Beitrag
Sahure  
Gast

  
Re: Gräber in Medinet Habu 
« Antwort #6, Datum: 04.01.2005 um 22:32:48 »     


Zitat:
Mich verwirrt halt, dass der Tempel zu dieser Zeit ja noch im Betrieb war.

Die politischen Wirren nach dem Zusammenbruch des Neuen Reiches führten zu Plünderungen der Grabanlagen von Königen und hohen Würdenträgern. Als Konsequenz wurden manche Gräber jetzt im Schutz der Tempelumfassungsmauern angelegt.
> Antwort auf Beitrag vom: 04.01.2005 um 22:28:53  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Gräber in Medinet Habu 
« Antwort #7, Datum: 04.01.2005 um 22:35:25 »   

Mir geht es hier um den kleinen Tempel des Amun und dessen Gebiet.
Das der Tempel ansich bebaut war ist klar. Die Gräber ausserhalb des Gebietes des kleinen tempels - aber innerhalb von Medinet Habu stören mich weniger.

Wenn der kleine Tempel solange bestand hatte dass er bis in die Römerzeit ausgebaut wurde und wohl auch ein Kultbetrieb bestand - dann wundern mich die Gräber in dem nächsten Umfeld des Tempels, innerhalb einer Umfassungsanlage des kleinen Tempels schon.
> Antwort auf Beitrag vom: 04.01.2005 um 22:28:53  Gehe zu Beitrag
Udimu  maennlich
Member

  

Re: Gräber in Medinet Habu 
« Antwort #8, Datum: 04.01.2005 um 22:46:16 »   

uups, da muss ich jetzt ohne weitere Literatur passen. Immerhin scheint der ganze Bereich ja sehr dicht bebaut gewesen zu sein und ich weiss jetzt nicht, wie die Tempelmauer des kleinen Tempels datiert, vielleicht ist sie später als die Grabanlagen, das Tor des Nektanebos scheint ja darauf hinzuweisen.

Gruss
Udimu
> Antwort auf Beitrag vom: 04.01.2005 um 22:35:25  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin - Themenstarter

  

Re: Gräber in Medinet Habu 
« Antwort #9, Datum: 05.01.2005 um 11:07:25 »   

 die einfachste Quelle benutzt man zum Schluß  

Ein Blick in das Lexikon der Ägyptologie III Stichwort "Medinet Habu" läßt mich folgendes lesen:

Zitat:
Der religiöse Mittelpunkt der neuentstandenen Stadt war wiederum der Tempel dsr st, um den sich seit der Bubastidenzeit Königsgräber (z.B. Harsiese) nach u.ä. Sitte legen.


Somit dürfte dort mehr wie ein König begraben gelegen haben. Und deren Bestattung im Tempelbereich stört mich nicht.

Als Literatur geben sie Hölscher: Excavation of Medinet Habu V an.
Genau den hab ich natürlich nicht hier stehen  

merci
nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 04.01.2005 um 22:46:16  Gehe zu Beitrag
Udimu  maennlich
Member

  

Re: Gräber in Medinet Habu 
« Antwort #10, Datum: 05.01.2005 um 11:27:55 »   

hi,

private Bestattungen nahe eines Tempels sind in der 3. Zwischenzeit sonst auch ein paar Mal belegt (wobei der Amun Tempel in Medinet Habu ja eher ein kleines Heiligtum ist, vielleicht lagen hier die lokalen Eliten ?? begraben), siehe auch:

im Ptahtempel in Memphis - Hohepriester des Ptah
Tell el-Balamun - ein Wesir und andere Personen (Spencer, Excavations at Tell el-Balamun, 1999-2001, London 2003)

Gruss
Udimu
> Antwort auf Beitrag vom: 05.01.2005 um 11:07:25  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Gräber in Medinet Habu 
« Antwort #11, Datum: 05.01.2005 um 15:41:08 »   

Hallo Naunakhte!

Das Grab des Harsiese liegt ausserhalb der hier interessierenden Zone (vgl. Hölscher MH Bd. II, S. 53 Abb. 46) und ist im Vorhofbereich des Großen Tempels angelegt - also auf diesen bzw. dessen Prozessionsweg bezogen. Auch ist die Architektur völlig anders als bei den hier zur Diskussion stehenden Gräbern (es hat eine lange getreppte Rampe sowie eine aufwendig gemauerte Verkleidung). Es kann daher meiner Meinung nach nicht zur Erklärung der Gräber im Kleinen Tempel herangezogen werden!

Hölscher (Medinet Habu Bd. V, S. 17) beschreibt die kleinen Gräber im Kleinen Tempel als:
„...less elegant tombs. These were located partly near the enclosure wall of the Small Temple (Nos. 3-6 and 9-12...) and partly on the other side of the highway (Nos. 13-15 and 18-20...). Some of them were cut into the brick foundations of the Eastern Fortified Gate, which had already been destroyed. The superstructure of these tombs had disappeared, leaving only the burial chambers, which were in some cases lined with stone. All the burials had been plundered, so that we recovered very few remains.”

Hölscher gibt weiter an:
„All the tombs of these three groups (1. die Gräber im Vorhof des Großen Tempels, 2. im Umfeld des Kleinen Tempels und 3. diejenigen im hinteren Teil des Großen Tempels) in which names or titles of the deceased were discovered belonged to women.“ Hölscher gibt einige Titel an: „Sängerinnen des Amun“, „Herrin des Haushaltes des Amun“ usw. (das kann ich mir leider nicht erklären, wie ein solcher Titel bei einer Untergebenen der Gottesgemahlin zu finden ist). Grab 21 (gehört wohl zur Gruppe 3) war die Bestattung der „Tochter des Königs Rudjamun“.

Wenn man die Grabbauten der 3. Zwischenzeit, die hinter dem Großen Tempel liegen (Hölschers Gruppe 3) betrachtet, fallen jedoch ganz klare Unterschiede zu den Gräbern im Bereich des Kleinen Tempels auf. Der Grabschacht ist hier sehr ausgeprägt und knickt am Ende oder in seiner Mittelhöhe in eine oder mehrere Grabkammer(n) ab. Davon ist bei den Vorhof-Gräbern im Kleinen Tempel nichts zu bemerken. Hier handelt es sich immer nur um einfache Gruben.

Insofern liegt Hölscher wohl nicht so verkehrt, wenn er eher in die Richtung tendiert, die Gruppen zeitlich zu trennen. So möchte er (Bd. II, S. 54) die Gruppe im direkten Umfeld des Kleinen Tempels in die 26. Dynastie datieren („other tombs, presumably of the Twenty-sixth Dynasty, now unfortunately destroyed, lay close beside the Ethiopian pylon and the gallery (des Kleinen Tempels).” Die Gräber 3a-d datieren nach Hölscher sicher in die 26. Dynastie (Bd. V, S. 30; konkreter Bd. II, S. 40). Ebenfalls sicher ist Grab 4 in diese Phase zu datieren (ibid.). Grab Nr. 7 ist nach Hölscher definitiv ptolemäisch (vgl. Bd. V, S. 16 Anm. 57). Auch Grab 8 legt er in diese Epoche.

Es handelt sich vielleicht auch bei den Gräbern beim Kleinen Tempel von MH um die Priesterinnen aus dem direkten Umfeld der Gottesgemahlinnen, die ja in direkter Nachbarschaft bestattet wurden. Allerdings fehlt dazu offenbar noch der sichere Beweis aus den Gräbern selbst (keine Grabbeigaben!). Wenn man die Verteilung der Gräber betrachtet, liegt es wohl nahe sie entlang einer gepflasterten Prozessionsroute zu rekonstruieren (sie liegen ja in der Flucht des äthiop. Pylons).

Ich wäre aber vorsichtig diese Anlagen der 26. Dynastie als typische „Gräber im Tempelvorhof“ zu klassifizieren (hierzu R. Stadelmann, Das Grab im Tempelhof, in: MDAIK 27,1, 1971, S. 111-23). Das von Udimu genannte memphitische Grab des Kronprinzen und Hohepriesters Schoschenk (vgl. Badawy, ASAE 54, 1957, S. 153ff.) ist in seiner Lage zum Tempelareal bislang nicht klar (vgl. Badawy, op.cit., S. 157).
Es handelt sich hierbei auch nicht um Gräber der wirklich obersten Schicht der 26. Dynastie sondern um einen sehr engen - ausschließlich weiblichen - Personenkreis (Sängerinnen und Priesterinnen) , der vielleicht rund um die Gottesgemahlinnen anzusiedeln ist. Die männlichen Beamten der höchsten thebanischen Elite hatten ihre Gräber ja bekanntlich ausserhalb von Medinet Habu.

Eine Erklärung, die mir so eingefallen ist, wäre das plötzliche Auftreten dieser Gräber mit dem ebenso plötzlichen Auftreten des diverser neuer Titels (zB. Smswt „Gefolgsfrau“) in der Hierarchie der Gottesgemahlinnen-Institution der 26. Dynastie (ab Nitokris) zu verbinden. Vielleicht handelt es sich bei den bestatteten Frauen um Personen aus dem Kreis der „Sängerinnen“, die ja unverheiratet waren, was wiederum das auffallende Fehlen männlicher Bestatteter erklären würde (vgl. E. Graefe, Untersuchungen zur Verwaltung und Geschichte der Institution der Gottesgemahlin des Amun, Wiesbaden 1981, S. 47, 95ff.). Problematisch ist dann aber dass der Titel „Sängerin des Amun“, den Hölscher ja bei einigen Gräbern gelesen haben will nach Graefe (op.cit, S. 48) von den „Sängerinnen der Gottesverehrerin“ zu trennen ist und die „Sängerinnen des Amun“ verheiratet waren (so auch S.L. Onstine, The Role of the Chantress (Smayt) in Ancient Egypt, Toronto 2001, S. 54, die nichts sinnvolles hinzufügen kann und die MH-Belege übersieht). Handelt es sich demnach vielleicht eher um Personen aus dem Kreis des königlichen Harims im Per des Amun oder um andere Priesterinnen des Kleinen Tempels von MH ohne jeglichen Bezug zur Gottesgemahlin??

Gruß A.
> Antwort auf Beitrag vom: 05.01.2005 um 11:07:25  Gehe zu Beitrag
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