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   Echnaton und die Amunpriester (43)
  Autor/in  Thema: Echnaton und die Amunpriester
Nita  
Gast

  
Echnaton und die Amunpriester 
« Datum: 14.02.2005 um 15:43:20 »     

Hallo,
ich brauche ganz dringend Hilfe!!!
Ich muss eine Facharbeit über Echnaton und dessen Konflikt mit den Amunpriestern schreiben.
Nun habe ich mir aber ein Buch von Chistian Jacq gekauft, in dem er die Ansicht vertritt, dass es keinen offenen Konflikt zwischen diesen Parteinen gegeben hat.
Da Christian Jacq ein annerkannter Archeologe ist gehe ich davon aus, dass er in seinen Ausführungen recht hat.

Deshalb bin ich total verzweifelt und versuche an Informationen von anderen Ägyptologen zu kommen, aber leider ohne großen Erfolg, denn ich will mir nicht unbedingt noch ein Buch kaufen.

Könnte mir irgendjemand helfen

Mir würde es schon genügen, wenn ich einige Positionen und Hintergrundinformationen über z.B.:
Donald B. Redford
Legrain
Edouard Naville
etc.
hätte.

Ich bin dankbar für JEDE Info!!!
heka-waset  maennlich
Member

  

Re: Echnaton und die Amunpriester 
« Antwort #1, Datum: 14.02.2005 um 15:45:36 »   

Lies mal Assmanns "Theologie und Frömmigkeit" , Aldred "Echnaton- Gott und Pharao Ägyptens", Hornung "Echnaton- die Religion des Lichts". Da haste wohl einen sehr guten Überblick
> Antwort auf Beitrag vom: 14.02.2005 um 15:43:20  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Echnaton und die Amunpriester 
« Antwort #2, Datum: 14.02.2005 um 16:39:36 »   

Hi,

das Jaqc ein anerkannter Romanschreiber ist, ist sicher nicht Gegenstand der Diskussion in diesem Forum aber ihn als Quelle für eine ägyptologisch ausgerichtete Facharbeit zu wählen, ist sicherlich ein Wagnis.

Zu den von Heqa vorgschlagenenen Bücher lies mal den Assmann eher zuletzt, der ist selbst für Ägyptologen und Religionswissenschaftler eher schwere Kost. Also fang besser mit Hornung oder Reeves zu Echnaton an.

Gruss, Iufaa
> Antwort auf Beitrag vom: 14.02.2005 um 15:45:36  Gehe zu Beitrag
manetho  maennlich
Member

  

Re: Echnaton und die Amunpriester 
« Antwort #3, Datum: 14.02.2005 um 17:31:15 »   

man sollte vielleicht Jacq nicht zu einseitg in eine Schublade stecken, es gibt wohl auch ehrbare Facharbeit von ihm, er ist nur als Romancier in Laienkreisen bekannter, da er vermutlich erkannt hat, das damit einfacher Kohle zu machen ist.
Es kommt also mehr auf die Auswahl an.

In diesem speziellen Falle vertritt er eben eine von mehreren Meinungen, die zudem möglicherweise nicht einmal grundverkehrt ist, Aber andere haben eben auch andere Thesen. Dennoch sollte man sie aber mit einbeziehen.
> Antwort auf Beitrag vom: 14.02.2005 um 16:39:36  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Echnaton und die Amunpriester 
« Antwort #4, Datum: 14.02.2005 um 18:23:23 »   

Hallo Nita,

in der Tat dürfte es Dir schwer fallen einen einzigen stichhaltigen Beleg dafür zu finden, dass es einen Konflikt zwischen Amenophis IV./Echnaton und der (thebanischen) Amunspriesterschaft gegeben hat.
Das ist allein eine INTERPRETATION von königlichen Texten der Nachamarnazeit (Tut- und Haremhabs-Dekret) sowie der zahlreichen Aushackungen der Zeichengruppe für jmn (Amun). Dass königliche Texte keine historischen Dokumente im modernen Sinne sind, kriegt man im Studium eigentlich schon im 1. Semester ständig eingetrichtert. Insofern wundert es, dass sich die traditionelle Ansicht, es habe eine zum Teil gewaltsame Verfolgung der Amuns-Anhänger (man denke hier Assmanns "Polizeistaat"-Theorie) gegeben, bis heute fast unverändert gehalten hat.
Für Assmann (und ihm folgend auch Reeves) ist eine ganz zentrale Quelle für die Verfolgung der Amuns-Religion das berühmte Pawah-Graffito aus Theben-West. Wenn hier interesse besteht, kann man besagtes Graffito ja mal durchsprechen (dann stell ich einen Scan rein). Allerdings würde das vielleicht wieder vom Thema wegführen? Neuer Thread??

Gruß A.
> Antwort auf Beitrag vom: 14.02.2005 um 15:43:20  Gehe zu Beitrag
Haremhab  maennlich
Member

  

Re: Echnaton und die Amunpriester 
« Antwort #5, Datum: 14.02.2005 um 18:46:14 »   

Hallo Gast A!


Zitat:
Wenn hier interesse besteht, kann man besagtes Graffito ja mal durchsprechen (dann stell ich einen Scan rein). Allerdings würde das vielleicht wieder vom Thema wegführen? Neuer Thread??


Um es mal so zu formulieren: Es ist mir völlig egal, ob es vom Thema wegführt und ob ein neuer Thread nötig ist.

Nur stell es ein!!!!!!
Herzlichst

Haremhab
> Antwort auf Beitrag vom: 14.02.2005 um 18:23:23  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Echnaton und die Amunpriester 
« Antwort #6, Datum: 14.02.2005 um 21:27:47 »     

Hallo zusammen,

ich möchte ja kein Spielverderber sein, aber Pawah haben wir schon mal durchgekaut:

Chronik Nofretete

Gitta
« Letzte Änderung: 14.02.2005 um 21:29:56 von Gitta »
> Antwort auf Beitrag vom: 14.02.2005 um 18:46:14  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Echnaton und die Amunpriester Assmann_Ocular_Desire.pdf - 135,97 KB
« Antwort #7, Datum: 14.02.2005 um 22:33:20 »   

Hallo Gitta,

Da die Abbildung des Textes in dem früheren Beitrag nur die zweite Hälfte des Textes zeigt (wie auch in Reeves, Echnaton, S. 188) hab ich hier mal die Gesamtedition von Gardiner reingestellt (witziger Weise bezieht sich Reeves im Beitext aber auf die erste Hälfte des Textes. Irgendwas muss da wohl beim Druck schief gelaufen sein). Mit ein wenig Zusatzliteratur für Neugierige. Es geht Assmann in diesem Falle auch nicht um die Lesung oder chronologische Zuordnung des Königsnamens oder der Jahreszahl, sondern um den Inhalt des Textes selbst. Nämlich die darin ausgedrückte „Gottesferne“ in einer gottlosen Zeit des Aton.

Das Graffito wurde erstmals von A.H. Gardiner (The Graffito from the Tomb of Pere, in: JEA 14 (1928), S.10-11) publiziert (s. Anlage).
Bis zu J. Assmanns Endeckung (Ägyptische Hymnen und Gebete, Zürich/München 1975, Nr. 147, S. 349f. und 595f.), dass der Hymnus eine verborgene Botschaft in sich trage, blieb der Text in der Ägyptologie völlig unbeachtet.
Nach Assmann verkörpert der Hymnus das Genre der sogenannten „Dissidentenliteratur“ (so etwas überspitzt bei D. Kessler, Dissidentenliteratur oder kultischer Hintergrund, in: SAK 25, 1998, S. 161-88), bei dem sich die fromme Anhängerschaft des ehemals so mächtigen Amun von Karnak über ihr schweres Los beklagt und ihrem Gott huldigt. Diese Huldigungen an Amun mussten nach Assmann wegen der zahllosen Späher der neuen Aton-Doktrin in finsteren, abgelegenen Ecken erfolgen. Dazu passt seiner Meinung nach (J. Assmann, Theologie und Frömmigkeit einer frühen Hochkultur, Stuttgart/Berlin/Köln 1984, S. 259f.), dass der Hymnus in einem Grab angebracht war (das Grab des PA-jrj in Theben-West TT 139; siehe hierzu die PDF-Datei aus F. Kampp, Die Thebanische Nekropole, Mainz 1996).
Ergänzend zu der teilweise etwas seltsam formulierten Übersetzung von Reeves habe ich noch aus J. Assmann, Ocular desire in a time of darkness: Urban festivals and divine visibility in Ancient Egypt (in: J. Assmann (Hrsg.), Ocular Desire, Sehnsucht des Auges, Yearbook of Religious Anthropology Bd. 1,  Berlin 1994, S. 13-29) eine Alternativübersetzung mitgeliefert.
Ich hatte eben eher an eine inhaltliche Diskussion gedacht, als an eine chronologische o.ä...

Gruß A.

Fehlende Anhänge:
Gardiner_Seite_1.jpg
Gardiner_Seite_2.jpg
Kampp_TT139.pdf
« Letzte Änderung: 02.10.2008 um 21:07:24 von Apedemak »
> Antwort auf Beitrag vom: 14.02.2005 um 21:27:47  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Echnaton und die Amunpriester 
« Antwort #8, Datum: 15.02.2005 um 09:35:58 »     

Hallo Gast_A,


Zitat:
Da die Abbildung des Textes in dem früheren Beitrag nur die zweite Hälfte des Textes zeigt (wie auch in Reeves, Echnaton, S. 188) hab ich hier mal die Gesamtedition von Gardiner reingestellt (witziger Weise bezieht sich Reeves im Beitext aber auf die erste Hälfte des Textes. Irgendwas muss da wohl beim Druck schief gelaufen sein).


Das ist ja ein interessant. Dann ist es nämlich kein Wunder, wenn ich bei der seinerzeitigen Chronologie-Diskussion so meine Schwierigkeiten hatte, Übersetzung und Faksimile in Einklang zu bringen:

Zitat eines meiner Beiträge von September 2003:
habe gestern abend noch versucht zu ergründen, weshalb einmal Totentempel und einmal nur Tempel übersetzt worden ist. In der hieroglyphischen Abschrift konnte ich keinen Terminus "Totentempel" finden. Der Text lässt sich einigermaßen nachvollziehen. Er ist aber auch nicht ganz vollständig und die Reihenfolge ist irgendwie anders.


Zitat:
Ich hatte eben eher an eine inhaltliche Diskussion gedacht, als an eine chronologische o.ä...


Gute Idee, finde ich. Ich würde gern heute Abend drauf zurückkommen (macht sich im Büro nicht so gut )

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 14.02.2005 um 22:33:20  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Echnaton und die Amunpriester 
« Antwort #9, Datum: 15.02.2005 um 23:53:33 »     

Hallo zusammen,

zunächst einmal: es ist schon erstaunlich, was einem alles auffällt, wenn man sich mal näher mit dem Text und dessen Umfeld beschäftigt.

Gardiner schreibt, dass er in der hieratischen Originalhandschrift den Namen Anch-cheperu-Re zunächst als Aa-cheperu-Re identifiziert hatte. Erst Newberry überzeugte ihn schließlich von der "Anch"-Schreibung im Hieratischen. Kamp schreibt "Ob das hieratische Graffito des Pawah aus dem dritten Regierungsjahr Semenchkares, das von seinem Bruder, einem sS kdwt (Schreiber der Maurer?) namens Bataj ausgeführt wurde, bereits aus einer Wiederbenutzungsphase des Grabes stammt oder sogar noch zu Lebzeiten des Pajrj im Grab angebracht wurde, kann nicht entschieden werden." Assmann datiert das Grab auf etwa 1420 v.Chr., etwa zur Zeit Amenophis II. (Aa-cheperu-Re), Kamp wiederum datiert es eindeutig auf die Zeit Amenophis' III. wegen einer am Türsturz angebrachten Kartusche (reicht das als Grundlage?). Der Sa-Ra-Name wäre für Amenophis II. unpassend, jedoch scheint er auch sehr zerstört und ich kann das Hieratische nicht entziffern. Ist die Schreibung für "Sa-Ra" in dieser Form typisch? Könnte es sich vielleicht auch um einen ganz anderen Ausdruck handeln? Der wichtigste Teil des Epithetons "geliebt von Wa-en-Re" scheint verloren zu sein; dasselbe gilt für "geliebt von Nefer-cheperu-Re". Gesetzt den Fall, der Text ist tatsächlich schon viel älter als bisher angenommen. Dann wäre er zum Einen inhaltlich nicht auf die "dunkle Zeit des Aton" zu beziehen und zum Anderen wäre ein ganz wichtiger Beleg für das Jahr 3 des Semenchkare Schall und Rauch. Anzumerken wäre vielleicht noch, dass Amenophis II. schon zu Anfang seiner Regierungszeit mehrere Millionenjahrhäuser erbauen ließ (siehe Martina Ullmann), so dass sowohl ein Wab-Priester als auch ein "Schreiber der Maurer" dort ohne weiteres hätte tätig sein können.

Inhaltlich sah Gardiner in dem Grafitto die Anrufung des Amun durch Bataj, seinem blinden Bruder Pawah das Augenlicht wiederzugeben. Das scheint mir genauso mehr oder weniger glaubwürdig und plausibel wie die Theorien von Assmann ff, die darin eine Anrufung des Amun gegen die Dunkelheit des Aton sehen. Können die Beschwörungen "Lass ihn Dich sehen!" oder "Gib ihm: Re ist dauerhaft!" nicht ganz normale fromme Wünsche für den Bruder sein? Die abschließende Floskel "für den Ka des..." kann sogar darauf hindeuten, dass der Bruder schon tot ist, denn sie findet sich genauso in Totenopferformeln.

Warum die Inschrift ausgerechnet in einem Grab angebracht wurde, darüber lässt sich nur spekulieren. Vielleicht hatte der arme Wab-Priester kein ordentliches Grab und sein Bruder hielt diese Stelle für geeignet, ihm ein erträgliches jenseitiges Leben wenigstens versuchsweise zu ermöglichen?

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 15.02.2005 um 09:35:58  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Echnaton und die Amunpriester 
« Antwort #10, Datum: 16.02.2005 um 01:29:35 »   

Hallo Gitta!

Klasse, dass das so schnell in Schwung kommt. Ich halte die Aussagekraft des Textes und seine Umfeld-Diskussion auch für zu problematisch um ihn zu einer wichtigsten Grundlage des Persönliche-Frömmigkeits-Konzeptes zu machen.

Zunächst ein paar Anmerkungen

(1) ein sS-qdw.t (korrekt eigentlich zXAw-qdw.t zu lesen) ist ein „Umrißzeichner“. Das sind diejenigen Handwerker, die zB. in Deir el-Medine für die Vorzeichnung der Grabdekorationen zuständig waren und die standardisierten Proportionen und Zeichenkonventionen beherrschten.

(2) Die Kartuschen am Türsturz sind ein recht eindeutiges Datierungskriterium - für den Türsturz! Mehr leider auch nicht. Wie die Untersuchung von Budka (Der König an der Haustür) zeigen konnte geben die Götter- und Königsnamen an den Türgewänden die Bindung des jeweiligen Besitzers an die jeweilige Tempel- oder Königs-Institution wieder. Von allen, die sich mit Grabtypen eingehender befasst haben, wird das Grab unter Amenophis III. datiert (P&M, M. Wasmuth, Innovationen und Extravaganzen, BAR 1165, Oxford 2003, S. 26f.). Insofern ist zumindest vom Grabtyp hier keine klare Aussage zu treffen. Allerdings kann das Türgewände auch später angebracht worden sein.

(3) Die Schreibung für sA-Ra entspricht der typischen hieratischen Norm. Auch das „Aton“ ist eindeutig.

(4) Die Paläographie (also der Schreibstil einzelner Zeichen) des Gebetes orientiert sich noch sehr stark an der 18. Dynastie. Mit der 19. Dynastie ist ein deutlicher Wechsel in der Kanzleischrift festzustellen, der wohl mit einer Verwaltungsreform zusammenfällt. Ich möchte daher die Datierung des Graffitio definitiv VOR die 19. Dyn. ansetzen.

(5) N. Reeves (The Complete Tutankhamun, London 1990, S. 28) erwähnt einen Wab-Priester unter Tutanchamun namens PA-jrj (Uschebti BM 38721). Ob es sich hierbei um den Grabbesitzer PA-jrj von TT 139 handelt ist unklar (und ich denke eher unwahrscheinlich). Bemerkenswert ist auch Kampps Aussage, dass das Grab keine Namenstilgungen oder Aushackungen unter Echnaton aufweist.

(6) Bedeutsam ist das Datum: Der 10. Monatstag war - entsprechend dem Dekadenkalender der Ägypter - ein FESTTAG (ebenso wie der 30./1. und 20. Monatstag)! An diesen Tagen erfolgte die Orakelbefragung eines Gottes sowie die öffentliche Prozession der Kultbarke (in Deir el-Medine i.d.R. die Prozession des vergöttlichten Amenophis I.). Dass das Graffito ausgerechnet an diesem Tag, einem offiziellen Feiertag, angebracht wurde ist sicherlich zu berücksichtigen. Sie beweist indirekt, dass solche Feste auch in der Zeit Semenchkares (?) vollzogen wurden. Die Motivation der Anbringung ist von diesem Blickwinkel wohl nicht ganz so spontan und  fromm motiviert wie von Assmann angenommen. Denn:

(7) Alle Personen im Graffito sind über Titel und Funktion mit Priesterämtern verknüpft. Dies ist besonder wichtig, da in Orakel- und Prozessionsritualen i.d.R. Wab-Priester agierten. Und ein eben solcher tritt hier auch auf. Es passt also bis hierher alles in das Schema einer offiziellen, im Rahmen eines Festes vollzogenen Gottesanrufung (Orakel). Auch die Bezeichnung hrw-nfr passt hier hinein. Der „schöne Tag“ war der Festtag, an dem die Tempel ihre offiziellen Feste begingen. In Deir el-Medine erhielten die Bewohner zB. extra Güter bei solchen Gelegenheiten (Getränke, Brote etc.).

(8) Die im Text belegte Phraseologie - also die formelhafte Wortwahl - ist in ganz ähnlicher Form zahlreich belegt. Und bei den anderen Texten bezieht sich die Wortwahl NICHT auf die Gottesferne in der Amarnazeit! Vgl. hierzu die Belege bei Smith („Blindness“ s. Beilage; die Hypothese von Smith ist m.E. falsch. Es geht hier nur um die in der Einleitung genannten Belege).

Denke mal, das reicht zunächst zum Weitergrübeln...

Gruß A.
> Antwort auf Beitrag vom: 15.02.2005 um 23:53:33  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Echnaton und die Amunpriester 
« Antwort #11, Datum: 16.02.2005 um 10:41:51 »     

Hallo Gast_A,


Zitat:
(1) ein sS-qdw.t (korrekt eigentlich zXAw-qdw.t zu lesen) ist ein „Umrißzeichner“. Das sind diejenigen Handwerker, die zB. in Deir el-Medine für die Vorzeichnung der Grabdekorationen zuständig waren und die standardisierten Proportionen und Zeichenkonventionen beherrschten.


Das ist auch die Interpretation von Gardiner. Dieser "Umrißzeichner" war jedoch am Tempel des Anch-cheperu-Re beschäftigt. Das kam mir etwas merkwürdig vor, muss es aber deshalb nicht sein.


Zitat:
(6) Bedeutsam ist das Datum: Der 10. Monatstag war - entsprechend dem Dekadenkalender der Ägypter - ein FESTTAG (ebenso wie der 30./1. und 20. Monatstag)! An diesen Tagen erfolgte die Orakelbefragung eines Gottes sowie die öffentliche Prozession der Kultbarke (in Deir el-Medine i.d.R. die Prozession des vergöttlichten Amenophis I.). Dass das Graffito ausgerechnet an diesem Tag, einem offiziellen Feiertag, angebracht wurde ist sicherlich zu berücksichtigen.


Das würde den Passus "Mach Dir einen schönen Tag im Kreise Deiner Kameraden" (frei übersetzt) einigermaßen erklärbar machen, ebenso die Anspielung, Amun sei "jeden Tag im Fest". Diese Passagen stünden sonst für meine Augen ein wenig unmotiviert im Text.

Und wie ist das "n-Ka-n" zu verstehen? Ich könnte im Moment nicht sagen, ob diese Formel auch ausserhalb der Totentexte vorkommt.

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 16.02.2005 um 01:29:35  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Echnaton und die Amunpriester 
« Antwort #12, Datum: 16.02.2005 um 11:05:09 »   

Hallo Gast A,

kleine Rückfrage ->
Zitat:
Bedeutsam ist das Datum: Der 10. Monatstag war - entsprechend dem Dekadenkalender der Ägypter - ein FESTTAG
Lanny Bell schreibt in seiner Publikation zum Luxortempel, dass das "Dekadenfest" (mit dem Auszug des Amen-em-ipet aus dem Luxor-Tempel hin zum kleinen Tempel des "Amun vom Djeser set" (18. Dyn. Tempel von Hatschepsut/Thutmosis III in Medinet Habu) erst ab Ramses II nachweisbar wäre.

Haben wir hier einen Widerspruch oder handelt es sich um einen Vorläufer des Dekadenfestes in der 18. Dyn..

Gruss, Iufaa
> Antwort auf Beitrag vom: 16.02.2005 um 01:29:35  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Echnaton und die Amunpriester 
« Antwort #13, Datum: 16.02.2005 um 20:33:13 »     


Zitat:
Das ist auch die Interpretation von Gardiner. Dieser "Umrißzeichner" war jedoch am Tempel des Anch-cheperu-Re beschäftigt. Das kam mir etwas merkwürdig vor, muss es aber deshalb nicht sein.


Ist es auch nicht

Ich habe soeben einen Blick in ein Buch geworfen, das viel schlauer ist als ich: Nach Eichler "Die Verwaltung des "Hauses des Amun" in der 18. Dynastie" gab es im Tempel von Karnak 13 Umrißzeichner. Also nichts Ungewöhnliches.

Gitta
« Letzte Änderung: 16.02.2005 um 20:34:35 von Gitta »
> Antwort auf Beitrag vom: 16.02.2005 um 10:41:51  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Echnaton und die Amunpriester 
« Antwort #14, Datum: 16.02.2005 um 23:22:07 »   

Hallo Iufaa,

tatsächlich sind die Dekadenfeste in den Tempel-Festlisten nicht vor der Ramessidenzeit nachweisbar. Allerdings muß hier eine grundsätzliche Sache berücksichtigt werden: Die Dekadenfeste waren anders als die Monatsfeste („Feste der Zeitabläufe“) ursprünglich keine Tempelfeste (wie zB. das Opetfest und die damit verbundenen kleineren Feste) und gehören daher auch nicht in deren Festlisten (vgl. etwa die beiden Listen Thutmosis’ III. aus Karnak).
Zahlreiche Tempelfeste wurden in der Ramessidenzeit durch Königserlasse auf die Dekaden-„Feiertage“ verteilt - daher das scheinbare „Fehlen“ solcher Dekaden-Tempelfeste in früheren Listen.
Die zahllosen Tempel-/Monatsfeste spielten außerhalb der Tempel offenbar keine besonders bedeutende Rolle im Alltag und wurden nur bei wenigen Festen im wirklich großen Rahmen von der allgemeinen Bevölkerung begangen (dabei ist zu beachten, dass auch bei den größten Tempelfesten nur diejenigen Tage als arbeitsfrei galten, bei denen der Gott erschien („xaj“; der Wechsel von „Erscheinen“ und „Ruhen“ der Kultbarke gehörte ja grundsätzlich zu jeder ägyptischen Festprozession. Allerdings durfte nur bei einem kleineren Teil des gesamten Festablaufes die Bevölkerung teilnehmen). Aller anderen Festtage spielten nur im Tempel selbst eine Rolle; vgl. W. Helck, Feiertage und Arbeitstage, in: JESHO 7, 1964, S. 160ff.).

Dagegen waren es die Dekaden-Feiertage (Wochenenden), die die Arbeitswoche der Arbeiter und Handwerker bestimmten. Und da wir erst aus der Ramessidenzeit und durch die Beleglage in Deir el-Medine über den Handwerkeralltag und damit auch über dortige Dekaden-Feste gut unformiert sind, ist es verlockend aber auch einseitig anzunehmen, es hätte zuvor keine Dekadenfeste gegeben (so argumentiert zB. auch Assmann immer: eine Sache gab es erst, wenn wir sie schriftlich schwarz auf weiß dokumentiert haben). Orakel konnten übrigens auch außerhalb von Dekadenfesten gegeben werden (zB. Opetfest, Wüstental etc.), da auch bei diesen Feierlichkeiten der Gott „erschien“. Allerdings ist die Häufung von Orakelpetitionen an Dekadenfesten - etwa in Deir el-Medine - so signifikant, dass man wohl davon ausgehen muss, dass sie zum normalen Geschehen am altägyptischen „Wochenende“ der breiten Bevölkerungsgruppen gehörten.
Auch wäre es sehr verwunderlich, dass eine solche komplexe Fest-Sitte ex nihilo in der frühesten Ramessidenzeit aus dem Boden geschossen sein soll. Dafür ist sie schlichtweg zu fest im Alltagsleben verankert, zu ausgefeilt und zu standardisiert. Wenn wir in der Ramessidenzeit die Orakelpraxis der Bevölkerung v.a. für diese Dekaden-Festtage festmachen können, und bereits vor der Amarnazeit die typischen Phrasen dieser Praxis vorfinden (G. Posener, La Piété Personelle avant l’âge amarnien, in: Rde 27, 1975, S. 195ff.) ist es naheliegend hier einen Bezug herzustellen.
Typisch für die Ramessidenzeit ist die Verlegung von Tempelfesten auf die Wochenenden am Ende einer Dekade (s.o.). Dies mag praktische Gründe gehabt haben (breitere Festteilnahme der Bevölkerung o.ä.). Daher kann es hier aber auch manchmal zu Verwirrung kommen, was nun eigentliches Dekadenfest und was ein Monats- bzw. Tempelfest ist.
Die Dekadenteilung des Monats ist bereits aus dem Alten Reich bekannt. Es ist auch so, dass die Festlisten aus Tempeln nicht vollständig bzw. standardisiert sind und daher nicht unbedingt Beweiskraft gegen ein solches Festgeschehen vor der 19. Dynastie haben. In Medinet Habu etwa begegnen die kalendarischen Auszüge von Königsstatuen, die für das direkt benachbarte Deir el-Medine so bedeutend an den Dekaden gewesen sind, überhaupt nicht (bis auf Ramses III.).

Für Deir el-Medine spielten die Fest- und Kultvorschriften Amenophis’ I. eine zentrale Rolle. Dies mag ein Grund dafür gewesen sein, warum ihm dort eine so zentrale Rolle zukam. Eventuell gehen die Prozessions-Abläufe bereits auf die Kultvorschriften Amenophis’ I. selbst zurück (sie scheinen jedenfalls nicht von einem ramessidischen Herrscher installiert worden zu sein, da sich darauf kein Bezug findet und die Betonung Amenophis’ I. wirklich erdrückend ist). Sicher belegen ließe sich das erst mit neuem Material.

Aus dem frühen Neuen Reich gibt einige vage Hinweise auf  Prozessionen/Orakel an „Wochenenden“: So wird schon unter Thutmosis III. (Gründungsstele CG 34012, Zeile 7) das Erscheinen des Gottes während einer Prozession auf ein Dekadenende gelegt (30. Monatstag). Vielleicht ist es auch nur Zufall, dass die Orakelprozession aus der Roten Kapelle der Hatschepsut im Jahr 2 am 19 Monatstag stattfand (die Dekadenvortage bzw. -nächte gehören zum Festgeschehen am 1., 10., 20., und 30. Monatstag). Eventuell auch ohne Bedeutung, dass Thutmosis IV. sein Traumorakel ebenfalls auf den Festvortag datiert (Jahr 1, III. Achet, Tag 9)? Thutmosis IV. datiert dann allerdings sein Orakel in Konosso auf den 2. Monatstag. Hier würde sich die Frage stellen, wie lang ein (königliches?) Dekadenfest sei konnte/durfte. Eventuell liegt hier ja auch gar kein Hinweis auf ein solches vor. Schwierig zu sagen, da uns eben die Angaben zu ähnlichen sozialen Gruppen, wie wir sie später für Deir el-Medine haben, in der Thutmosidenzeit fehlen.

Mit einer direkten Ableitung des Dekadengeschehens aus königlichen Festriten wäre ich wirklich vorsichtig. Allerdings ist das procedere der Anrufung (etwa in Deir el-Medine) sehr wahrscheinlich königlichen bzw. tempelbezogenen Riten entnommen (etwa das Nächtigen an der Kultstätte wie wir es von Königen kennen usw.).
Die Orakelprozessionen des Amun von Karnak und Luxor aus sind ja im Übrigen auch schon vor den Ramessiden belegt. Insofern relativiert dies das Argument gegen die Dekadenverteilung etwas.

Gruß A.
> Antwort auf Beitrag vom: 16.02.2005 um 20:33:13  Gehe zu Beitrag
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