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   Übersetzungsübung: Beischriften (20)
  Autor/in  Thema: Übersetzungsübung: Beischriften
Michael Tilgner  maennlich
Member



Übersetzungsübung: Beischriften Beischrift.jpg - 380,96 KB
« Datum: 21.01.2007 um 23:20:50 »   

Liebe Hieroglyphenfans,

diese Übung ist für den/die gedacht, der/die sich mit den Grundprinzipien der Hieroglyphenschrift schon etwas vertraut gemacht, aber noch nicht viele Texte bearbeitet hat. Ich bitte alle, ihre Lösungen zunächst verdeckt zu posten.

Hinweis: Zunächst muß man sich über die Schreibrichtung klarwerden. Dann die Zeichen identifizieren. Anschließend versuchen, die Wörter zu erkennen. Es handelt sich um eine Beischrift; hier sind nur wenig oder kaum Grammatikkentnisse erforderlich. Bitte auch die bildlichen Teile beachten!

Viel Spaß beim Bearbeiten.
Michael Tilgner


- Vollbild -
Seschen  weiblich
Member



Re: Übersetzungsübung: Beischriften 
« Antwort #1, Datum: 29.01.2007 um 22:12:43 »   

Hallo alle!

Nach Arbabats 10 Lektionen ist es erstaunlich, dass niemand sich an der Übersetzung dieser Beischrift versucht.  
Vielleicht sind ein paar Zeichen auf dem Original zu undeutlich?
Hier mal die Hieros in Schönschrift, vielleicht ist das  ein Anreiz (und Hilfe), um an der Übersetzung zu tüfteln.  



Gruß Seschen
> Antwort auf Beitrag vom: 21.01.2007 um 23:20:50  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter



Re: Übersetzungsübung: Beischriften Beischrift-Text1.jpg - 52,34 KB
« Antwort #2, Datum: 29.01.2007 um 22:19:31 »   

Hallo, Leute,

Zitat:
Zunächst muß man sich über die Schreibrichtung klarwerden.

Viele Grüße,
Michael Tilgner


- Vollbild -
> Antwort auf Beitrag vom: 29.01.2007 um 22:12:43  Gehe zu Beitrag
Menka  maennlich
Member



Re: Übersetzungsübung: Beischriften 
« Antwort #3, Datum: 31.01.2007 um 19:57:20 »   

Hallo Michael

Ich will es mal versuchen:  

Versteckten Text anzeigen...
« Letzte Änderung: 02.02.2007 um 14:53:27 von Menka »
> Antwort auf Beitrag vom: 29.01.2007 um 22:19:31  Gehe zu Beitrag
caliburn  weiblich
Member



Re: Übersetzungsübung: Beischriften 
« Antwort #4, Datum: 31.01.2007 um 20:20:36 »   

hm, will mich auch mal versuchen:

Versteckten Text anzeigen...
« Letzte Änderung: 31.01.2007 um 20:24:19 von caliburn »
> Antwort auf Beitrag vom: 31.01.2007 um 19:57:20  Gehe zu Beitrag
Inpw  maennlich
Member



Re: Übersetzungsübung: Beischriften 
« Antwort #5, Datum: 31.01.2007 um 20:46:05 »   

Hallo Michael!

Kannst du uns bitte sagen, woher das Bild stammt? Ich würde es gern wissen, um den Kontext zu kennen. Danke schön!
> Antwort auf Beitrag vom: 31.01.2007 um 20:20:36  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter



Re: Übersetzungsübung: Beischriften 
« Antwort #6, Datum: 31.01.2007 um 21:22:04 »   

Hallo, Inpw,

das Bild stammt aus dem kürzlich erschienenen Buch von Zahi Hawass, Bi
lder der Unsterblichkeit
, Philipp von Zabern, Mainz, S. 36. Es ist aus der Grabkammer des Eje. Das Buch kann ich nur empfehlen: Es enthält zahlreiche großformatige Abbildungen der Jenseitsbücher, wie man sie in den Königsgräbern findet, vielfach als Klapptafel oder Doppelklapptafel.

Vielleicht hat noch jemand eine Lösung bzw. Ergänzungen?

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 31.01.2007 um 20:46:05  Gehe zu Beitrag
Seschen  weiblich
Member



Re: Übersetzungsübung: Beischriften 
« Antwort #7, Datum: 31.01.2007 um 21:38:59 »   

Hallo Inpw,
die Szene steht ziemlich isoliert, in keinem Zusammenhang mit anderen über einem Durchgang in der Sarkophagkammer (im Bild links).

BILD

Gruß Seschen
« Letzte Änderung: 01.02.2007 um 00:50:11 von Seschen »
> Antwort auf Beitrag vom: 31.01.2007 um 21:22:04  Gehe zu Beitrag
BlairWitch  
Gast

  
Re: Übersetzungsübung: Beischriften 
« Antwort #8, Datum: 01.02.2007 um 23:29:42 »     

Hallo zusammen,

würde mich auch gerne an der Übersetzung beteiligen, leider weiß ich aber nicht, wie man versteckt postet... Kann mir vielleicht jemand helfen?  

Liebe Grüße,

Blair
> Antwort auf Beitrag vom: 31.01.2007 um 21:38:59  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin



Re: Übersetzungsübung: Beischriften 
« Antwort #9, Datum: 01.02.2007 um 23:35:35 »   

Hallo Blair,

schau mal hier OPst Nr. 19.

Gruß
nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 01.02.2007 um 23:29:42  Gehe zu Beitrag
BlairWitch  
Gast

  
Re: Übersetzungsübung: Beischriften 
« Antwort #10, Datum: 01.02.2007 um 23:50:44 »     

Danke, Nauna !
Ok, jetzt kann es losgehen, hier mein Übersetzungsvorschlag:

Versteckten Text anzeigen...

Liebe Grüße,

Blair
> Antwort auf Beitrag vom: 01.02.2007 um 23:35:35  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter



Re: Übersetzungsübung: Beischriften 
« Antwort #11, Datum: 04.02.2007 um 22:04:45 »   

Hallo, Hieroglyphenfans,

Dank an alle, die mitgemacht haben! (Auch an die, die ihre Lösung nicht gepostet haben.)

Zunächst zur Leserichtung

Es fällt auf, daß dieser kurze Text in zwei Teile zerfällt, nämlich in die Spalten, in denen die Hieroglyphen nach links blicken und in jene, in denen sie nach rechts blicken. Die Lösung, auf die Ihr sicherlich schon selbst gekommen seid, liegt natürlich in der sogenannten Einheit von Bild und Text: Für die Götter, die nach rechts schauen, blicken auch die zugeordneten Beischriften in die gleiche Richtung; für die die nach links schauenden ebenso. Dies ist das Prinzip der Übereinstimmung (Englisch: concordance), wie es der amerikanische Ägyptologe Henry G. Fischer formuliert hat (Egyptian Studies II: The Orientation of Hieroglyphs. Part I. Reversals, New York, 1977). Mit diesem Prinzip kann man sich bei der Betrachtung von Grab- oder Tempelwänden schon viel helfen!

Die von Seschen als Spalte 1 gekennzeichnete und eigentlich als Überschrift zu verstehende Zeichenfolge ist vom Schreiber in die Mitte gesetzt worden. Dies ist sicherlich aus Symmetriegründen geschehen. Das Prinzip der Symmetrie spielt bei der Anordnung der Schriftzeichen und ganzer Texte eine große Rolle.

Spalte 1

Sie ist von rechts nach links zu lesen; eigentlich nur erkennbar am Gottesdeterminativ, dem nTr-Zeichen, das nach rechts blickt. Hier die Standardform, die nach westlicher Übung ja von links nach rechts geht:




rx "kennen, wissen"


rn "Name"

Die drei Striche


sind eine Möglichkeit, die Mehrzahl (Plural) anzugeben. Drei Striche deshalb, weil es im Mittelägyptischen auch eine Zweizahl (Dual) gibt. Lautlich wird die Mehrzahl durch ein angehängtes .w wiedergegeben.

Die Zeichenfolge


wird demnach rn.w gelesen. Die Schreibung mit dem Punkt "." ist eine "Macke" mancher ägyptologischer Philologen. Er wird verwendet, um den Stamm eines Wortes von angehängten Elementen - wie hier die lautliche Angabe der Mehrzahl w - abzuheben. Manchmal auch von Elementen, die vor einem Stamm hinzugefügt werden können. Wie es nun einmal so ist, gibt es auch bei diesem Verfahren durchaus unterschiedliche Sichten bzw. Schreibweisen!

Es folgt


n.w Wort zur Angabe des Wesfalles, des zweiten Falles [des Genetivs]. Es gibt den sogenannten "indirekten Genetiv", d.h. das zugehörige Wort wird mit einem dazwischen geschalteten n angehängt.


In unserer Inschrift steht das Bezugswort in der Mehrzahl rn.w, daher muß auch das Genetivwörtchen dazu passen.
Genau genommen, ist es wohl ein Wortspiel, denn dieses Zeichen


ist auch eine Bezeichnung für einen speziellen Topf (aus Bronze), der mangels eines deutschen Begriffs "Nu-Topf" genannt wird.


nTr "Gott"

Dann folgen noch 4 Striche, die als Zahl 4 zu interpretieren sind.

Das ganze heißt also:
rx rn.w n.w nTr 4 "Kennen der Namen der 4 Götter".

Bei genauer Betrachtung bleiben einige Fragen:

Wie ist die Grammatik dieser Passage?

Das rx ist als Grundform (Infinitiv) des Tätigkeitswortes (Verb) aufzufassen. Das belegen zahllose andere ähnliche Beischriften, in denen diese Grundform erkennbar ist: Es gibt bei manchen Tätigkeitswörtern sogenannte "weibliche Infinitive", die mit einem angehängten t gebildet werden. Eine solche Verwendung in den Beischriften nennt man den "absoluten" Gebrauch des Infinitivs.

Warum steht das Zeichen "Gott" nTr in der Einzahl, obwohl doch 4 erwähnt werden?

Das Zahlwort folgt dem Hauptwort, und in der Regel steht dieses in der Einzahl. "In der Regel": Es gibt auch genügend Fälle, wo das Hauptwort in der Mehrzahl steht. Im übrigen kennen wir so etwas auch im Deutschen: Wir reden z.B. von "20 Mann Besatzung", nicht von "20 Männern Besatzung".

Muß man nicht eigentlich n.w 4 nTr lesen?

So sieht es auf den ersten Blick aus! Nach dem Inhalt ist zu erwarten, daß die Zeichen wie folgt geschrieben würden:


Da aber ein kleines Zeichen vor einem hohen schmalen steht, werden die 4 Striche mit dem schmalen zusammengeschoben.

...
« Letzte Änderung: 05.02.2007 um 13:10:42 von Michael Tilgner »
> Antwort auf Beitrag vom: 02.02.2007 um 20:09:00  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter



Re: Übersetzungsübung: Beischriften 
« Antwort #12, Datum: 05.02.2007 um 22:42:44 »   

...

Wie Ihr richtig erkannt habt, folgen nun die Namen der vier Horussöhne.

Spalte 2



dwA "preisen" - Dies ist eine Abkürzung für das ausführliche


Es gibt noch andere Schreibweisen; diese ist die seit dem Mittleren Reich gebräuchliche.



mw.t "Mutter" - Ein t am Ende signalisiert, daß es sich um ein weibliches Hauptwort handelt, deshalb wird es mit einem Punkt "." abgegrenzt. Man beachte auch, daß dieses t vorangestellt ist, in der Reihenfolge mit dem Gänsegeierzeichen vertauscht ist. Diese Umstellung ist gerade bei t und einem Vogel sehr häufig; eine Besonderheit, auf die man achten sollte.

Hinter mw.t folgt noch ein f


ein angefügter Laut (Nachsilbe, Suffix) und bedeutet "sein".



ist ein sitzender Gott und wird nicht gelesen. Es ist ein sogenanntes Deutzeichen (Determinativ).

Diese Zeichenfolge heißt _wA-mw.t=f "Duamutef" und ist der Name eines Horussohns. Dieser Name wird übersetzt mit "der seine Mutter preist".

Könnte es nicht auch "seine Mutter preist" heißen? denkt vielleicht der eine oder andere. Dem dwA folgt - meist direkt anschließend - die gepriesene Person bzw. der gepriesene Gott. Ein Objekt des Preisens würde bei einer solchen Übersetzung fehlen. Daher wird als Form ein Mittelwort (Partizip) angenommen, das als Hauptwort verwendet wird: "ein Preisender", "einer, der preist".

Bei der Mutter handelt es sich um Isis. Es heißt nämlich u.a. im Totenbuch, Spruch 112:

Zitat:
Was Amset. Hapi, Duamutef und Qebehsenuf betrifft:
Horus ist ihr Vater, Isis ihre Mutter." (Erik Hornung, Das Totenbuch der Ägypter, Zürich / München, 1979, S. 220)


Spalte 3-4


qbH "kühlen" - Dies ist ebenfalls eine abkürzende Schreibung von




sn "Bruder"; die ausführliche Schreibung ist:


Hier sehen wir eine zweite Möglichkeit, die Mehrzahl auszudrücken, indem das "Begriffszeichen" (Ideogramm) dreimal geschrieben wird. Es ist also nicht sn-sn-sn zu lesen, sondern - wie bei rn siehe oben - sn.w. In der Mehrzahl kann sn.w auch allgemein "Geschwister" heißen.

Danach folgt ein f "sein" und in Spalte 4 das Gottesdeterminativ.

Dieser Horussohn heißt also QbH-sn.w=f "der seine Brüder kühlt", sicherlich im Sinne von "erfrischt". Mit den "Brüdern" sind die anderen Horussöhne gemeint.


Spalte 5

Die Hieroglyphen hat Seschen oben schon angegeben. Die Lesung ist Jms.tj "Amset". Das j am Anfang ergibt sich aus an anderen Stellen belegten Schreibungen. Manche Ägyptologen sehen einen Zusammenhang mit dem Wort jms.t "Dill". Wie auch immer, deutet die Schreibung auf die Zweizahl (Dual) hin, die für weibliche Wörter mit tj angezeigt wird. In der Tat wurde Amset im Alten Reich noch als weiblich angesehen. Später wandelte sich dieses Wesen in eine männliche Gottheit.


Spalte 6

Die hieroglyphische Schreibung hat oben Seschen angegeben. Lesung: @p.y "Hapi". Nicht zu verwechseln mit @apj "Hapi", dem Nil(gott). Auch hier nimmt man eine Zweizahl an. So ist oft eine Schreibung belegt wie diese


Hp "eine Art Ente (*Löffelente oder *Spießente)". Das * steht für "vermutet, nicht sicher". Als Zweizahl wäre es dann @p.wj zu lesen. Daraus ist dann @p.y entstanden.


Zur Reihenfolge der Horussöhne

Die Aufzählung der Horussöhne schwankt; die übliche Reihenfolge ist: Amset, Hapi, Duamutef und Kebehsenuef. Es gibt auch andere Reihungen: Mal sind Amset und Hapi vertauscht, mal rückt Duamutef an die zweite Stelle. Den Fall, daß Kebehsenuef an erster Stelle auftritt, habe ich in meinen Unterlagen sonst nicht gefunden. Daher müssen wir die Spalten wohl so lesen: 1, 5, 6, 2, 3, 4.

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 04.02.2007 um 22:04:45  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter



Re: Übersetzungsübung: Beischriften Horussoehne.jpg - 142,77 KB
« Antwort #13, Datum: 06.02.2007 um 21:04:54 »   

Bildliche Darstellung der Horussöhne

In dieser Abbildung sind alle vier Horussöhne menschengestaltig, je zwei tragen die ober- bzw. unterägyptische Krone. Üblich sind dagegen Darstellungen wie die beigefügte aus dem Grab der Nefertari. Jetzt müßtet Ihr die Horussöhne identifizieren können!

Viele Grüße,
Michael Tilgner


- Vollbild -
> Antwort auf Beitrag vom: 05.02.2007 um 22:42:44  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter



Re: Übersetzungsübung: Beischriften Nesmin-B.jpg - 140,23 KB
« Antwort #14, Datum: 11.02.2007 um 17:10:49 »   

Ab dem (späten) Neuen Reich werden die Horussöhne wie folgt dargestellt:
  • Amset weiterhin menschenköpfig
  • Hapi mit einem Paviankopf
  • Duamutef mit einem Schakalskopf
  • Kebehsenuf mit einem Falkenkopf

Hier noch ein Beispiel aus einem Papyrus des Nesmin (Louvre N3096), geschrieben mit kursiven Hieroglyphen. Die Namen habe ich hervorgehoben; sie sind teils etwas anders geschrieben: Vielleicht fällt dem einen oder anderen etwas auf?

Gesamtansicht dieser Szene aus dem Papyrus Louvre N 3096

Viele Grüße,
Michael Tilgner
« Letzte Änderung: 11.02.2007 um 17:12:02 von Michael Tilgner »


- Vollbild -
> Antwort auf Beitrag vom: 06.02.2007 um 21:04:54  Gehe zu Beitrag
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