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   Nehesy und Tani (16)
  Autor/in  Thema: Nehesy und Tani
Udimu  maennlich
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Nehesy und Tani her03.jpg - 65,76 KB
« Datum: 12.08.2005 um 23:39:09 »   

Bei Ausgrabungen in Tell Habuwa (Nord Sinai) ist eine Stele gefunden worden. Sie zeigt den 'Sohn des Re' Nehe[s]y und nennt 'seine Schwester' die Herrin der beiden Länder' Tany.

Beide Personen sind schon aus anderen Quellen bekannt. Nehesy erscheint im Turiner Königspapyrus und ist auch in eigenen Quellen als Königssohn und König bezeugt.

Die Stele dürfte für einige Aufregung in der Forschung zur 2. Zwischenzeit sorgen. Tani ist nämlich auch als Königsschwester von Apophis (Ende 16. Dynastie) bekannt, während man Nehesy bisher als eines der ersten Könige der 14. Dynastie ansah. Dies ist anscheinend nicht so, er datiert nicht an den Beginn, sondern an das Ende der 2. Zwischenzeit und ist kein Herrscher der 14. Dynastie, sondern ein Hyksosherrscher.

Al Ahram

Nehesy (im Lexikon):

Nehesy

Gruss
Udimu

« Letzte Änderung: 13.08.2005 um 10:26:13 von Udimu »
Gitta  
Gast

  
Re: Nehesy und Tani 
« Antwort #1, Datum: 13.08.2005 um 11:34:48 »     

Hallo Udimu,

das hieße also, die Große Königsgemahlin von Nehesy wäre eine Schwester von Apophis. Damit wäre Nehesy irgendwo an das Ende der 16. Dynastie zu setzen, oder? W.A.Ward, in O. Tufnell, Studies on Scarab Seals II/I, 1984, 170 ff. setzt Nehesy in die mittlere Hyksoszeit (Quelle: Schneider, Lexikon der Pharaonen, 271). Den Aufsatz kenne ich nicht und weiß daher auch nicht, wie er das begründet.

Merkwürdig für einen im Delta angesiedelten König ist allerdings der Name des Nehesy. Er bedeutet nämlich "Der Nubier" (Quellen: Schneider s.o. und Hannig I, 424).

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 12.08.2005 um 23:39:09  Gehe zu Beitrag
Udimu  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Nehesy und Tani 
« Antwort #2, Datum: 13.08.2005 um 12:10:24 »   

Hi Gitta,


Zitat:
Damit wäre Nehesy irgendwo an das Ende der 16. Dynastie zu setzen, oder?


yep, so sieht es aus (wenn man nicht von zwei Nehesys in dieser Gegend ausgehen will) Aber trotzdem vorsicht, an dem Monument sind einige Dinge schon sehr bemerkenswert. Nehesy ist hier 'Sohn des Re', was ein Königstitel ist, sein Name ist jedoch nicht in einer Kartusche geschrieben!

Der Name der Tany ist dagegen in einer Kartusche geschrieben und sie ist 'Herrin der beiden Länder'. Der Titel kommt bei kgl. Frauen erst in der 18. Dynastie auf. Sie ist als 'seine Schwester' bezeichnet (und nicht als Königin), war also wohl die Schwester des Nehesy. Sie erscheint, auch auf anderen Objekten zusammen mit Apophis, wo sie auch als 'Königsschwester' erscheint, wobei man bisher immer annahm, dass sie die Schwester von Apophis sei, dem ist aber wohl nicht so.

Gruss
Udimu
« Letzte Änderung: 13.08.2005 um 12:27:09 von Udimu »
> Antwort auf Beitrag vom: 13.08.2005 um 11:34:48  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Nehesy und Tani 
« Antwort #3, Datum: 13.08.2005 um 12:35:37 »     

Ich dachte bei der Bezeichnung "Schwester" daran, dass diese manchmal auch für Geliebte/Ehefrau (?) steht. Aber die Bezeichnung sn.t-f njsw.t nb.t tAwj ist ziemlich eindeutig zu lesen. Da steht ja sogar "Herrin der beiden Länder, seine königliche Schwester" Ich hatte den Text noch gar nicht angesehen. Wenn also Tani auch als Schwester des Apophis gilt, wären Nehesy und Apophis Brüder? Und Tani möglicherweise ein weiblicher Herrscher? Damit wäre die Herrscherfolge vielleicht Apophis, Tani, Nehesy und die Kamose-Stele ein schönes Märchen?

Schöner Spekulatius

Unter der Kartusche der Tani (den Namen kann ich ehrlich gesagt nicht erkennen) haben wir wieder eine Kurzbezeichnung für
nHsj =

Das Zeichen daneben kann ich nicht deuten.

Gitta
« Letzte Änderung: 13.08.2005 um 23:09:53 von Gitta »
> Antwort auf Beitrag vom: 13.08.2005 um 12:10:24  Gehe zu Beitrag
Udimu  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Nehesy und Tani 
« Antwort #4, Datum: 13.08.2005 um 12:49:27 »   


Zitat:
Unter der Kartusche der Tani (den Namen kann ich ehrlich gesagt nicht erkennen)


ich leider auch nicht, den Namen habe ich aus dem Artikel Hinter ihrem Namen steht wohl whm anx - 'die das Leben wiederholt' (oder so in der Art)

Gruss
Udimu
> Antwort auf Beitrag vom: 13.08.2005 um 12:35:37  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Nehesy und Tani 
« Antwort #5, Datum: 13.08.2005 um 14:09:36 »   

Hallo Udimu,

handelt es sich bei dem Stück wirklich um neues Fundmaterial? Die Stele kommt mir ziemlich bekannt vor und M. Abd el-Maqsoud hat doch schon 1983 zwei Stelen des Nehsy in Tell-Habuwa gefunden. Es dürfte sich doch vielmehr um eines dieser Stücke handeln und nicht um sensationell neue Funde.
Eine Tani (vgl. Helck, Beziehungen, 101) ist  wie Udimu bereits sagte, als Schwester des Apophis bereits bekannt (vgl. Ryholt, 256)  muss aber von der Tati (sic!) des Nehsy unterschieden werden (vgl. Ryholt, S. 102 m. Anm. 342). Der Name der Tati wird in den Denkmälern des Nehsy ebenfalls in Kartusche geschrieben! Da diese Dame ihrem Namen nach Nubierin war (derselbe Name ist in den Ächtungstexten belegt), ist die Bezeichnung des Nehsy als "(Der) Nubier" naheliegend (vgl. Ryholt, S. 253).

Der von Helck tj-nj gelesene Name der Schwester des Apophis wurde von ihm als hurritischen Ursprungs gewertet (ein Frauenname aus Nuzi lautet Taena). Helcks "hurritische" Etymologien sind aber grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen, da sein "hurritisches Großreich" wie er es für seine Etymologien rekonstruierte, wohl nie existiert hat.

Mit der Zuweisung des sA-Ra als "Königstitel" wäre ich in der 2. Zw.Zt. vorsichtig. Es dürfte sich - wie Ryholt gezeigt hat - eher um ein Epitheton handeln (vgl. auch Schmitz, Königssohn, 214), das mit sA-njswt austauschbar ist. Insofern ist die fehlende Kartusche kein Problem.

Das Problem des "Schwester"- und "Sa-Ra"-Titels dürfte hier wohl eher damit zusammenhängen, ob Tati (sicherlich so auf dem "neuen" Relief zu lesen) noch lebte, als Nehsy den Thron bestieg. Bei der langen Regierungszeit des Scheschi ein zu erwägendes Problem! Wenn sie - wie Ryholt angibt - noch vor der Thronbesteigung des Sohnes gestorben ist, wäre sie ja in den Gedenk-Stelen des Sohnes weiterhin als "Königsschwester" zu bezeichnen gewesen und eben nicht als Königsmutter o.ä. Dadurch ließe sich diese Crux erklären. Eine Umstellung der Genealogien muss wegen dieses Belegs m.E. nicht vorgenommen werden.

Zu den frühen Stelenfunden vgl. M. Abd el-Maqsoud, Un monument du roi Aa-Sa-R, Masy à Tell Haboua (Sinai Nord), in: ASAE 69 (1983), 3-5.

Gruß A.
> Antwort auf Beitrag vom: 13.08.2005 um 12:49:27  Gehe zu Beitrag
Udimu  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Nehesy und Tani 
« Antwort #6, Datum: 13.08.2005 um 14:53:19 »   

Hallo Gast A,


Zitat:
handelt es sich bei dem Stück wirklich um neues Fundmaterial? Die Stele kommt mir ziemlich bekannt vor und M. Abd el-Maqsoud hat doch schon 1983 zwei Stelen des Nehsy in Tell-Habuwa gefunden.


Die beiden von M. Abd el-Maqsoud gefundenen Stelen nennen nur die Namen von Nehesy (Nehesy und Aasehre - Aufgrund dieser Stelen konnte der Thronname Aasehre, dem Nehesy zugeordnet werden). Mir ist diese neue Stele jedenfalls nicht bekannt und Ryholt hat sie auch nicht.

Die genannte Tati ist bisher nur von Siegeln her bekannt. Die Zudordnung an Nehesi (als dessen Mutter)und die Rekonstruktion der Familie um Nehesi und Scheschi von Ryholt ist reine Spekulation und sollte lieber vergessen werden (Tati und Nehesy werden z.B. nie zusammen genannt; Ryholt, op. cit. 251-54; Besprechung und Gegendarstellung in: BASOR 315 August 1999, DAPHNA BEN-TOR, with contributions by SUSAN J. ALLEN AND JAMES P. ALLEN: Seals and Kings..., 47ff ); leider kann ich den Namen der Dame auf der Stele und dem Photo nicht lesen und beziehe mich mit der Lesung Tany nur auf den Zeitungsartikel. Hast du ein besseres Bild?

Ich finde schon, dass - vorausgesetzt hier ist Tany zu lesen - das Monument einiges durcheinander bringt, was bisher angenommen wurde.

Gruss
Udimu
« Letzte Änderung: 13.08.2005 um 15:48:57 von Udimu »
> Antwort auf Beitrag vom: 13.08.2005 um 14:09:36  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Nehesy und Tani 
« Antwort #7, Datum: 13.08.2005 um 23:34:16 »   

Hallo Udimu,

Die Rekonstruktion zu Scheschi/Nehsy/Tati von Ryholt so abzustrafen halte ich angesichts der ebenso wackeligen Optionen für kaum sinnvoll    - oder hast Du eine bessere Alternative parat? Sinnvoller als eine Datierung des Nehsy in die späte 13. Dynastie finde ich sie ganz bestimmt und für eine spätere Datierung (Nachfolger des Apophis u.ä.) muss man sich schon gute Argumente einfallen lassen, bevor man alle oberägyptischen Quellen Lügen straft. Letztlich muss auch damit gerechnet werden, dass (weibliche) Personen des königlichen Umfeldes in verschiedenen Dynastien dieselben Namen trugen (ähnlich ja etwa bei Apophis, Eje...)!
Mal abwarten, was die ordentliche Publikation der Stele so bringt...

Wie wäre aber dann das 11. Jahr im Papyrus Rhind zu erklären - wenn man es nicht Ahmose zurechnen will? Später können die Zeugnisse des Nehsy kaum datieren und es ist ausgesprochen problematisch, dass Nehsy ein offizieller Nachfolger Apophis’ gewesen sein soll, da Denkmäler mit seinem Namen im zentralen Ostdelta gefunden wurden (vgl. die graphische Darstellung bei M. Bietak, The Center of Hyksos Rule: Avaris (Tell el-Dab’a), in: E.D. Oren (Hg.), The Hyksos, Philadephia 1997, 108f. mit Abb. 4.23), dieser Bereich aber beim Tod des Apophis sicher schon unter Kontrolle der Thebaner war. Es käme dann wohl nur eine Parallel-„Herrschaft“ in Betracht, was dann aber ebenfalls zu Erklärungsproblemen führt.
Oder wäre Nehsy dann vielleicht einer der Vasallen des Apophis, von denen die thebanischen/oberägyptischen Texte berichten (etwa vergleichbar dem Teti in Avaris)??

Gruß A.

P.S.: Wer ist eigentlich die Dame, die Redford in „Egypt, Canaan, and Israel in Ancient Times“ (New Jersey 1994, S. 120) als tAwA aufführt. Sie soll die Schwester von Apophis sein.
> Antwort auf Beitrag vom: 13.08.2005 um 14:53:19  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Nehesy und Tani 
« Antwort #8, Datum: 13.08.2005 um 23:46:27 »     


Zitat:
Mal abwarten, was die ordentliche Publikation der Stele so bringt...


Hoffentlich erlebe ich das noch...

Nach wie vor ist mir unklar, wie Nehesy zu seinem Geburtsnamen kommt und weshalb der weiblichen Person auf der obigen Stele ein Epitheton beigefügt wurde, das ebenfalls in Richtung Süden weist. Jedenfalls verstehe ich die Inschrift so. Kann aber gut sein, dass ich mal wieder die üblichen "Stelenleseprobleme" habe.

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 13.08.2005 um 23:34:16  Gehe zu Beitrag
Udimu  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Nehesy und Tani 
« Antwort #9, Datum: 14.08.2005 um 00:53:39 »   

Hallo,

@Gast A


Zitat:
Die Rekonstruktion zu Scheschi/Nehsy/Tati von Ryholt so abzustrafen halte ich angesichts der ebenso wackeligen Optionen für kaum sinnvoll    - oder hast Du eine bessere Alternative parat?


Nein, habe ich leider nicht , doch habe ich das Gefühl, dass Ryholt die Quellen sehr überstrapaziert. Seine Rekonstruktion der Familie von Scheschi/Nehesy etc. ist mir viel zu spekulativ. Bis auf Nehesy sind alle genannten Personen nur von Siegel bekannt. Es gibt nirgendwo Filiationsangaben etc. Ich würde mir einfach mal wünschen, dass man zugibt, dass man etwas nicht weiss, anstatt wilde Theorien aufzustellen.


Zitat:
Oder wäre Nehsy dann vielleicht einer der Vasallen des Apophis, von denen die thebanischen/oberägyptischen Texte berichten (etwa vergleichbar dem Teti in Avaris)??


Das könnte ich mir gut vorstellen! Aber vielleicht sollte man wirklich mehr Quellen abwarten.


Zitat:
Wer ist eigentlich die Dame, die Redford in „Egypt, Canaan, and Israel in Ancient Times“ (New Jersey 1994, S. 120) als tAwA aufführt. Sie soll die Schwester von Apophis sein.


Es scheint sich bei tAwA um die Verlesung des Namens Ziwat zu handeln (siehe zu einer Verlesung des Namens und der Richtigstellung: Ryholt (er gibt den Namen nicht in Hieroglyphen oder Umschrift), op. cit. 257, n. 920. Ziwat ist auf einer Vase, die sich in Spanien fand, belegt und als snt-niswt neben Apophis genannt)

@Gitta


Zitat:
wie Nehesy zu seinem Geburtsnamen kommt


Da kann man ja auch nur spekulieren , aber vielleicht war das Kind bei der Geburt einfach nur sehr dunkel

Gruss
Udimu
« Letzte Änderung: 14.08.2005 um 10:21:05 von Udimu »
> Antwort auf Beitrag vom: 13.08.2005 um 23:46:27  Gehe zu Beitrag
Gast_A.  maennlich
Member

  

Re: Nehesy und Tani 
« Antwort #10, Datum: 14.08.2005 um 13:09:09 »   

Hallo Udimu!

Danke für die Klarstellung bei Redfords Namenskreation.

Die von Bietak (Zum Königreich des aA-zH-Ra Nehesi, in: SAK 11, 1984, 64f.) vorgenommene Beobachtung, dass die stratigraphische Lage der mit Nehsy’s Namen beschrifteten Fragmenten aus dem östlichen Siedlungsbereich von Tell el-Dab’a sehr wahrscheinlich in die Schichten F-E/3-2 zu legen ist, spricht doch eigentlich gegen eine Verschiebung des Nehsy in das viel jüngere Stratum D/2, das nach Bietak kurz vor bis zum Ende der Hyksos-Zeit reicht. In besagtem östlichen Bereich hat Bietak ja den kanaanäischen Haupttempel ergraben und in einer rezenten Brunnenvermauerung die Blöcke des Nehsy entdeckt, die in ihrem architektonischen Kontext sicherlich aus dem Tempelbezirk stammen. Nach der Keramikseriation reicht der Tempel bis +/- 1720 v.Chr. zurück, was direkt zu Nehsy als einem Gründer des Tempelkomplexes führt (Bietak geht ja von einer Regierungszeit um 1715, Ryholt von 1705 v.Chr. aus) und was sehr gut zu den Weihinschriften für Seth/Ba’al passt, die ja in den Nehsy-Quellen bezeugt sind (vgl. Bietak, op.cit, 65f.). Man muß nicht so weit gehen und die Einführung des Seth-Kultes wie ihn die 400-Jahr-Stele „dokumentiert“ genau auf Nehsy legen, aber das Quellenbild ist hier doch recht homogen und die Rückrechnung der 400 Jahre würde in der Tat eine solche Rekonstruktion erlauben.
Natürlich wäre es theoretisch möglich, dass die Nehsy-Fragmente von Bauelementen stammen, die erst in der Zeit des Apophis dort errichtet worden sind, doch gibt es auch hier Schwierigkeiten:

Da die besagten Spolien aus den Baumgruben, bzw. (größere?) Teile der Anlage wohl auf Nehsy selbst zurückgehen und nicht posthum sind, ist es unwahrscheinlich, dass Nehsy gleichzeitig oder nach Apophis gelebt haben soll. Eine Herrschaftsphase nach Apophis ist ausgeschlossen, da Avaris dann ja nicht mehr unter Hyksos-Kontrolle war und dort somit kein Tempel mehr von/für Nehsy gebaut werden konnte. Davor ist ebenso unwahrscheinlich – wenn die neue genealogische Verbindung zu Apophis vertreten werden soll. Gleichzeitig bleibt an der Vasallen-Theorie die Tatsache poblematisch, dass Nehsy ja über eine königliche Titutlatur verfügte und sich sowohl in Avaris wie auch Tell Habuwa mit diesen Titeln bezeichnen läßt (auf dem Statuen-Fragment aus Tell el-Moqdam ja als nTr-nfr, nb-tA.wy sA-Ra....; vgl. Helck, Historisch-biographische Texte, Wiesbaden 1983, 48 Nr. 66). Der Fundverteilung nach dürfte seine Residenz wohl in Avaris gelegen haben, was dann aber das Problem aufwirft, dass man dann für Avaris mehrere Vasallen + einen Hauptherrscher (Apophis) zu rekonstruieren hätte. Dies ist allerdings höchst unwahrscheinlich.

Auch dass die Verteilung der Belege des Nehsy sich fast vollkommen mit der Siedlungsverteilung der Mittleren Bronzezeit II A deckt und diese in Ägypten nur bis ca. 1700 v.Chr. reichte, und dass die engen Beziehungen zur Kerma-Kultur eine nubische Assoziation glaubhaft machen, stützt eine frühe Datierung des "Königreiches" des Nehsy. Allerdings ist das erste der beiden letztgenannten Argument – wie Bietak schon feststellt – eher eine Bestätigung der Erwartungen und kein neuer Beweis für die orthodoxe Chronologie.

Zuguterletzt muß – wenn man den Turiner Nehsy mit dem archäologisch belegten identifizieren will – dann ja auch die Reihenfolge der Kolumne 9 des Turiner Papyrus als absurd abgetan werden, die die oberen Überlegungen zur Gründung bzw. frühen Etablierung der 14. Dynastie durchaus stützt.

Für diejenigen, die bei dem Foto mal knobeln wollen: Die Königsschwester des Apophis (vgl. Opferständer Berlin Inc. 22487 und Pseudonaos des Apophis aus Ezbet Helmi; heute Kairo; Simpson, in: CdE 67, 1959, S. 233-39) schreibt sich

Die Tati, die Ryholt mit Nehsy in Verbindung bringt dagegen

Selbst wenn Tani zu lesen wäre, was abzuwarten bleibt, so stellen sich einige Probleme einer Umdatierung des Nehsy in den Weg. Und die so schön schlüssige Rekonstruktion bei Ryholt wäre dann auch zu korrigieren, was sehr schade wäre

Gruß A.
« Letzte Änderung: 14.08.2005 um 13:09:25 von Gast_A. »
> Antwort auf Beitrag vom: 14.08.2005 um 00:53:39  Gehe zu Beitrag
Udimu  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Nehesy und Tani 
« Antwort #11, Datum: 14.08.2005 um 21:27:17 »   

Hi Gast_A

Die beiden Fragmente mit den Namen von Aazehre Nehsy aus Tell el-Dab'a stammen beide aus späterer Verbauung; das eine wurde in einem Brunnenschacht des Neuen Reiches, das andere in einer Baumgrube des Neuen Reiches gefunden(Bietak  SAK 11 (1984), 75). Die Fragmente fanden sich ca. 70m von einander entfernt. Die Verbindung zu den um 1720 v. Chr. datierenden Schichten und dem grossen im selben Grabungsareal liegenden Tempelkomplex ist sehr verführerisch, aber keinesfalls bewiesen.

Eine eventuelle Neudatierung von Nehesy hängt natürlich stark an der Lesung der kgl. Dame auf der neu gefundenen Stele. Trotzdem sei in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, dass W. Ward (in: O. Tuffnell, Studies on Scarab Seals II, Warminster 1984, 162-73) Nehesy auf Grund seiner Siegel an das Ende der 2. Zweiten Zwischenzeit datieren wollte; der neue Funde könnte diese These unterstützen (diskutiert auch von Ryholt, op.cit. 40-43, der diese Annahme nicht folgt und Gegenargumente vorlegt).


Gruss
Udimu
> Antwort auf Beitrag vom: 14.08.2005 um 13:09:09  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Nehesy und Tani 
« Antwort #12, Datum: 14.08.2005 um 22:24:30 »     

Hallo zusammen,


Zitat:
Gleichzeitig bleibt an der Vasallen-Theorie die Tatsache poblematisch, dass Nehsy ja über eine königliche Titutlatur verfügte und sich sowohl in Avaris wie auch Tell Habuwa mit diesen Titeln bezeichnen läßt


Dazu habe ich aber zwei Parallelen gefunden: zwei Skarabäen aus Tel el-Aggul, einen mit dem Namen des "Hyksos Vasallenkönigs" Aamu als sA Ra und einen weiteren des Aahetepre als nTr nfr (Quelle: Karl Jaros, Inschriften des Heiligen Landes, von Zabern 2001).

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 14.08.2005 um 13:09:09  Gehe zu Beitrag
Udimu  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Nehesy und Tani 
« Antwort #13, Datum: 15.08.2005 um 00:19:32 »   

Hi Gitta,

die Sache ist leider nicht ganz so eindeutig mit den Vasallenkönigen der Hyksos.

Von Beckerath (1964) sah diese Vasallenkönige der Hyksos in der manethoischen 16. Dynastie und ordnete dort einige Könige der 2. Zwischenzeit ein, die vor allem von Siegeln her bekannt waren und 'nichtägyptisch' klingende Namen trugen. Diese Meinung wurde lange Zeit halbwegs akzepiert, bis dann 1997 Ryholt in dem schon mehrmals zitierten Werk meinte, dass es keine Vasallenkönige der Hyksos gab. Ryholt sieht in der 16. Dynastie eine oberägyptische Dynastie in der Folge der 13. Dynastie.

Die Herrscher, die von Beckerath als Vasallenkönige einordnete, sieht Ryholt zum grossen Teil als Herrscher der 14. Dynastie, die zeitgleich mit der 13. Dynastie im Delta herrschte. Folgt man Ryholt so gibt es also keine Vasallenkönige und die von Dir angeführten Belege gehören einem Herrscher der 14. Dynastie.

Karl Jaros folgt aber offensichtlich der Meinung von von Beckerath und sieht in dem zitieren Herrscher einen Vasallenkönig der 16. Dynastie.

Der ganze Fall ist ein bisschen eine Glaubensfrage: pro und contra Ryholt/von Beckerath.

Aus genau diesem Grund ist die hier diskutierte Stele so wichtig. Liest man dort Tani, so könnte Nehesy ein Vasallenkönig sein, da er ja unter Apophis zu datieren ist. Ist der Name der Dame anders zu lesen (warum ist gerade dieser Name so kaputt, es ist ja echt zum verzweifeln ) , so mag man Nehesy wie bisher in die 14. Dynastie einordnen.

Gruss
Udimu
« Letzte Änderung: 15.08.2005 um 00:33:53 von Udimu »
> Antwort auf Beitrag vom: 14.08.2005 um 22:24:30  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Nehesy und Tani 
« Antwort #14, Datum: 15.08.2005 um 00:43:31 »     

Hallo Udimu,


Zitat:
Die Herrscher, die von Beckerath als Vasallenkönige einordnete, sieht Ryholt zum grossen Teil als Herrscher der 14. Dynastie, die zeitgleich mit der 13. Dynastie im Delta herrschte.


Siedelt Ryholt die zeitgleiche 14. Dynastie denn auch im Delta an? Muss drangvolle Enge geherrscht haben da oben zu der Zeit

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 15.08.2005 um 00:19:32  Gehe zu Beitrag
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