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   Jenseitsglaube & Totenkult (208)
   Totenbuch des Hunefer (40)
  Autor/in  Thema: Totenbuch des Hunefer
Bianca  
Gast

  
Totenbuch des Hunefer 
« Datum: 10.08.2003 um 11:38:27 »     

Hallo, ich bin Soziologiestudentin und schreibe gerade an meiner Magisterarbeit. In diesem Rahmen beschäftige ich mich mit dem Totenbuch des Hunefer Vignette 9901/3, Totengericht (hängt im Britischen Museum).
Ich bin auf der Suche nach einer Originalübersetzung von den dort abgebildeten Schriftzeichen. Vielleicht kann mir jemand helfen?
Gruß Bianca
Gitta  
Gast

  
Re: Totenbuch des Hunefer 
« Antwort #1, Datum: 10.08.2003 um 14:16:29 »     

Hallo Bianca,

muss es Hunefer sein? Mit einer englischen Übersetzung des Totengerichts aus dem Papyrus Ani (etwa zeitgleich mit Papyrus Hunefer) könnte ich dienen.

Gitta
« Letzte Änderung: 10.08.2003 um 14:17:54 von Gitta »
> Antwort auf Beitrag vom: 10.08.2003 um 11:38:27  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Totenbuch des Hunefer 
« Antwort #2, Datum: 10.08.2003 um 14:46:43 »   

Hallo, Bianca,

vom ägyptischen Totenbuch gibt es zahlreiche Exemplare, die zumeist nicht einzeln übersetzt werden trotz mancher Abweichungen untereinander.

Eine deutsche Übersetzung des Totenbuchs findet man in: Erik Hornung, Das Totenbuch der Ägypter, Zürich / München, 1979. Der Spruch 125 (Totengericht) ist auf S. 233-245. (Eine preiswerte Sonderausgabe ist, glaube ich, derzeit erhältlich.) Eine gesonderte Übersetzung des Papyrus Hunefer bzw. seiner Version des Spruchs 125 ist mir nicht bekannt.

Der Spruch 125 ist auch in: Erik Hornung, Altägyptische Dichtung, Stuttgart, 1996, S. 121-128 (Reclam)

Zu den Vignetten solltest Du einsehen, falls Du es noch nicht getan hast: Christine Seeber, Untersuchungen zur Darstellung des Totengerichts im Alten Ägypten, München / Berlin, 1976 = Münchner Ägyptologische Studien, 35.

Ich weiß nicht, um was es in Deiner Arbeit geht, aber folgende Publikation könnte Dir vielleicht auch von Nutzen sein: Peter Eschweiler, Das Ägyptische Totenbuch. Vom Ritual zum Bild, Frankfurt am Main, 1999 (Fischer) mit einigen grundsätzlichen Bemerkungen zum Verhältnis von Bild und Text in altägyptischen Papyri. Dazu auch weiterführende Literatur.

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 10.08.2003 um 11:38:27  Gehe zu Beitrag
semataui  maennlich
Member

  

Re: Totenbuch des Hunefer 
« Antwort #3, Datum: 11.08.2003 um 12:35:01 »   

Hi,
und im Lexikon findes Du eine deutsche Übersetzung des Papyrus Turin 1791 Totenbuch des Iu-ef-anch

semataui
> Antwort auf Beitrag vom: 10.08.2003 um 14:16:29  Gehe zu Beitrag
Uschebti  
Gast

  
Re: Totenbuch des Hunefer 
« Antwort #4, Datum: 28.08.2003 um 23:34:34 »     

Hallo Bianca,

es gibt da auch dies Buch, wo das "Totenbuch" komplett übersetzt ist und somit auch das Totengericht, welches auf Hunefer auch zutrifft:

»Das Ägyptische Totenbuch«
übersetzt (aus dem Französischen) und kommentiert von Gregoire Kolpaktchy
Scherz-Verlag

Das Buch beginnt mit Kapitel I bis CLXXXII

> Antwort auf Beitrag vom: 11.08.2003 um 12:35:01  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Totenbuch des Hunefer 
« Antwort #5, Datum: 31.08.2003 um 14:08:35 »     


Zitat:
»Das Ägyptische Totenbuch«
übersetzt (aus dem Französischen) und kommentiert von Gregoire Kolpaktchy


Als Literatur zu dem Thema eher zu empfehlen ist "Das Totenbuch der Ägypter" von Erik Hornung, denn das ist eine wirkliche Übersetzung. Kolpaktchys Buch ist - so Hornung - eine "theosophisch inspirierte Nachdichtung".

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 28.08.2003 um 23:34:34  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Totenbuch des Hunefer 35_british_museum.jpg - 128,17 KB
« Antwort #6, Datum: 31.08.2003 um 17:01:41 »   

Hallo,

es handelt sich um unten folgende Abbildung (Quelle):

Auch zu finden in:
Evelyn Rossiter, Die ägyptischen Totenbücher, Fribourg / Genève, 1979, S. 82-83
Übrigens ein empfehlenswertes Buch mit vielen Abbildungen zu Totenbuchvignetten, aber, glaube ich, nur noch antiquarisch erhältlich.

Viele Grüße,
Michael Tilgner
« Letzte Änderung: 31.08.2003 um 18:23:59 von Apedemak »
> Antwort auf Beitrag vom: 10.08.2003 um 11:38:27  Gehe zu Beitrag
Sadjehuti  
Gast

  
Re: Totenbuch des Hunefer Totenbuch2.jpg - 8,10 KB
« Antwort #7, Datum: 31.08.2003 um 17:14:18 »     

Hi Ihr,

Da es ja schon um den Payrus geht, hätt ich da noch ne Frage: Welcher Gott ist oben links dargestellt?

ich habs nochmal ausgeschnitten.

Ich hab nämlich mal mit meinem Geschichtelehrer gestritten, er sagte Horus, ich Ra. Oder ist es ein Dämon?

Sadje

> Antwort auf Beitrag vom: 31.08.2003 um 17:01:41  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Totenbuch des Hunefer 
« Antwort #8, Datum: 31.08.2003 um 17:29:07 »   

Wie wär´s mit Re-Horakhty? Wenn das Bild größer wäre, könnte man wahrscheinlich auch links den Namen lesen.

Iufaa
> Antwort auf Beitrag vom: 31.08.2003 um 17:14:18  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Totenbuch des Hunefer 
« Antwort #9, Datum: 31.08.2003 um 17:39:58 »     

An Re-Harachte habe ich auch zuerst gedacht. Aber im Papyrus Ani sitzt genau an dieser Stelle, also an erster Stelle vor dem Opfertisch, Re als "Re-in-der-Mitte-seiner-Barke". In der Beischrift auf Michaels Scan meine ich auch eine Barke zu erkennen - ist wirklich kaum zu lesen.

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 31.08.2003 um 17:29:07  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Totenbuch des Hunefer 
« Antwort #10, Datum: 31.08.2003 um 17:47:50 »     

Hab nochmal weiter recherchiert: es sieht so aus, als wären Re-Harachte und Re-in-der-Mitte-seiner-Barke identisch

Gitta

PS: also haben beide Recht: Lehrer und Schüler , denn Re-Harachte ist eine Verbindung beider Götter, Re und Horus
« Letzte Änderung: 31.08.2003 um 17:53:10 von Gitta »
> Antwort auf Beitrag vom: 31.08.2003 um 17:39:58  Gehe zu Beitrag
Anubis  maennlich
Member

  

Re: Totenbuch des Hunefer 
« Antwort #11, Datum: 31.08.2003 um 18:01:36 »   

Gitta,

ich habe noch nicht ganz verstanden, um welches Papyrus es sich hier handelt.
Ist das ein Auszug aus dem Totenbuch?
Wenn ja, bitte die genaue Bezeichnung.
Ich möchte das nachvollziehen können.

Übrigens meine ich, dass es Horus nicht "allein" sein wird, weil der eigentlich nicht vor Osiris sitzt, oder täusche ich mich da?
> Antwort auf Beitrag vom: 31.08.2003 um 17:47:50  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Totenbuch des Hunefer 
« Antwort #12, Datum: 31.08.2003 um 18:17:40 »     

Hallo Anubis,

es handelt sich um ein Totenbuch, in diesem Falle das des Hunefer, der vor einem Götterreigen opfert. Der Gott hinter Re-Harachte ist nicht Osiris, sondern Atum, dann kommen Schu, Tefnut, Geb, Nut, Horus (?), Isis, Nephtys... die anderen dahiner kann ich erstmal nicht identifizieren.

Das, aus dem ich zitiert habe, ist auch ein Totenbuch, aber das des Ani.

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 31.08.2003 um 18:01:36  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Totenbuch des Hunefer 
« Antwort #13, Datum: 01.09.2003 um 00:01:46 »   

Hallo Gitta,

die obere Reihe ist das Richterkollegium:

Der erste Gott ist ra "Re"; sonst steht nichts da, während im Papyrus Ani explizit geschrieben ist:

ra-Hr-Axtj nTr aA Hrj-ib wjA=f
"Re-Harachte, der große Gott, der inmitten seiner Barke ist"

Wie gesagt, das fehlt bei Hunefer.

Die folgenden Götter habe ich auch:
Atum, Schu, Tefnut [steht zweimal hier; das zweitemal wohl nur als Kopfschmuck], Geb, Nut, Horus (!), Isis, Nephthys.

Dann kommen Hu (muß sein, ist aber schwer zu lesen, ich habe es erraten wegen des folgenden) und Sia, Personifikationen von "Ausspruch" und "Erkenntnis" (Hannig, Ägyptisch-Deutsch, S. 1222 und 1235).

"Lexikon der Ägyptologie", Bd. III, Sp. 65-68, Stichwort "Hu":

Zitat:
"Personifikation eines religiösen Begriffs, der den schaffenden 'Ausspruch' (Hw) des Schöpfergottes bezeichnet. In einer auf die Schöpfung durch das Wort ausgerichteten Lehre bedarf der Schöpfergott jedoch auch der Erkenntnis. Daher ist H. meist mit der begrifflichen Personifikation der Erkenntnis, Sia sjA verbunden."

Zur Personifikation allgemein: IV, 978-987

Die restlichen Götter sind zu lesen als
wA.t-rsj.t "der südliche Weg"
wA.t-mxtj.t "der nördliche Weg"
wA.t jmntj.t "der westliche Weg"
Wahrscheinlich sind diese Götter Personifikationen geographischer Begriffe - IV, 982:

Zitat:
"Geographische P. können, losgelöst von ihrer phänomenalen Basis, ein religiöses Eigenleben gewinnen ... Nahezu unbegrenzt sind die Möglichkeiten der Personifizierung unterweltlicher und jenseitiger Begriffe."

In diesem Zusammenhang werden auch die obigen Wegegötter erwähnt.

Vor der Götterriege sitzt Hunefer, denn vor ihm steht mit umgedrehter Leserichtung:

jn wsjr sS nj-sw.t hw-nfr
"durch den Osiris, den Schreiber des Königs, Hunefer"

Irgend etwas fehlt; das ist kein ganzer Satz. Z.B. Dd mdw "Worte zu sprechen", aber das wäre hier fehl am Platze, da keine Worte folgen.

Ich meine, daß der dargestellte Hunefer selbst als Hieroglyphe zu lesen ist, nämlich als A4 "Mann mit erhobenen Armen" mit Lesung dwA "preisen" (Hannig, S. 972, 1025), so daß das Ganze hieße:

dwA jn wsjr ... hw-nfr
"Preisen durch den Osiris ... Hunefer"

Die ganze Mannschaft stellt die Götterneunheit dar! Man darf sich nicht von den 14 dargestellten Göttern irritieren lassen.

Zitat:
"... können die Nachbildungen der heliopolitanischen Neunheit gelegentlich weniger oder mehr Götter als Neun aufweisen (Abydos 7, Theben bis zu 15), obwohl dabei die Bezeichnung 'Neunheit' beibehalten wird. Die Neunheit ist als ein Plural des Plurals zu betrachten, eine unbegrenzte Vielheit ... Ebenso wie die neun Bogen alle Fremdvölker bezeichnen und erst spät mit Namen versehen werden, stellt die Neunheit sämtliche göttliche Kräfte dar."
( II, 686-696, Stichwort: "Götterkreise"; hier Sp. 694)

Im Stichwort "Neunheit": IV, 473-479 wird ausgeführt: "Als Funktionen der N. hebt sich vor allem die eines Gerichtshofes ... heraus ..." (Sp. 476)

Im III, 249-252, Stichwort "Jenseitsgericht" wird hervorgehoben:

Zitat:
"Mit dem Hervortreten des Sonnengottes Re als allumfassendem Weltgott im Laufe des AR fällt dann diesem auch der Vorsitz des J. zu. Auf Grund seiner engen Beziehung zur Maat verknüpft sich insbesondere mit ihm die Vorstellung eines ethisch begründeten, magisch unbeeinflußbaren J. Als Richterkollegium steht ihm die Neunheit zur Seite."


Viele Grüße,
Michael Tilgner

> Antwort auf Beitrag vom: 31.08.2003 um 18:17:40  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member

  

Re: Totenbuch des Hunefer 
« Antwort #14, Datum: 01.09.2003 um 21:46:04 »   

Hallo, Bianca,

unterhalb des Richterkollegiums - siehe letztes Posting - ist die Wiegeszene, die aus drei Abschnitten besteht, denen jeweils ein Text zugeordnet ist.


Links: Anubis führt Hunefer zur Waage

Der zugehörige Text ist Tb 30B. Er beginnt oberhalb des Waagebalkens ganz rechts; der Anfang ist erkennbar durch rot markierte Hieroglyphen. Von dort ist nach links bis zum Rand zu lesen, insgesamt 19 Spalten. Wir sollten sie Hu-1 bis Hu-19 nennen.


Mitte: Die Waage

Dargestellt ist die Waage: Auf der rechten Waagschale steht eine Feder als Symbol für die Maat, die kosmische Weltordnung, auf der linken ist ein Herz, stellvertretend für Hunefers Charakter und Lebensweise. Anubis bedient die
Waage. Unter der Waage ist die Fresserin, zu der drei Zeilen Text (F-1 bis F-3) gehören. Rechts steht Thoth, um das Ergebnis aufzuzeichnen. Zu Thoth gehört der darüberstehende Text, erkenntlich an der geänderten Leserichtung, die nun von links nach rechts geht. Die Spalten mögen als Th-1 bis Th-7 bezeichnet werden. Th-1 steht also genau rechts von H-1.


Rechts: Horus geleitet Hunefer zu Osiris

Nach dem Wiegevorgang führt Horus den "gerechtfertigten" Hunefer zu Osiris, der in einem Schrein sitzt. Über ihn steht ein zu ihm gehöriger Text, der nun wiederum von links nach rechts zu lesen ist. Die erste Spalte beginnt vor dem
Schrein: Ho-1 bis Ho-7. Ho-7 und Th-7 stehen also nebeneinander.


Leserichtung

Bekanntlich schauen gerichtete Hieroglyphen wie Menschen, Tiere, Vögel u.a. zum Leseanfang, soll heißen: Sieht ein Vogel nach rechts, muß von dort aus gelesen werden. - Es gibt gelegentlich Umkehrungen von einzelnen Zeichen und Wörtern, sogenannte "Reversals"; das braucht uns nicht weiter zu interessieren. Es kommt auch vor, daß innerhalb einer Spalte von rechts nach links zu lesen ist, während die Spalten von links nach rechts aufeinander folgen, z.B. im Papyrus Ani. Das ist aber hier nicht der Fall.

Warum wechselt aber die Leserichtung dauernd? Hier kommt das Prinzip "Übereinstimmung" (concordance) ins Spiel. Da die Texte den einzelnen Personen / Göttern zugeordnet sind, passen sie sich ihrer Blickrichtung an! Dieses Prinzip wird auch in den Beischriften des Richterkollegiums angewendet.


Kursive Hieroglyphen

Der Text ist in Hieroglyphen geschrieben, und zwar in einer besonderen Form, den kursiven Hieroglyphen.

Zitat:
Ab etwa der 12. Dynastie "... begann man, bestimmte Texte, zum Beispiel religiöse Spruchsammlungen, die dem Toten mit ins Grab gegeben wurden, in einer anderen Schreibschrift [als Hieratisch] zu schreiben, die in der Ägyptologie Kursivhieroglyphen oder Totenbuchkursive genannt wird. Sie wird meist auf die älteste Form des Hieratischen zurückgeführt, entspricht aber vor allem der Art, wie die Hieroglyphen auf die Wände skizziert wurden als Vorzeichnung für den Steinmetz oder Maler, der ihnen dann ihr endgültiges Aussehen gab. Meiner Meinung haben sich die 'Kursivhieroglyphen' daraus entwickelt; dafür spricht unter anderem, daß sie wie die Hieroglyphen sowohl von rechts nach links als auch von links nach rechts geschrieben werden konnten, während dies für das Hieratische nie belegt ist." (Adelheid Schlott, Schrift und Schreiber im Alten Ägypten, München, 1989, S. 82)


Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 01.09.2003 um 00:01:46  Gehe zu Beitrag
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