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  Ersatzkopf
Rundplastischer Kopf während einer bestimmten Epoche im Alten Reich als Grabskulptur mit verhältnismässig realistischer Herausarbeitung der Gesichtszüge des Toten, daher bisweilen auch als "Porträtkopf" bezeichnet.
Er repräsentiert den Toten im Grab.

Die Ersatzköpfe gehören zu den problematischten Rundplastischen Werken des Alten Reiches. Mehr als 30 Stücke aus unbemaltem Kalkstein und etwa Lebensgröße sind bekannt. Sie stammen zum überwiegenden Teil aus Giza, 22 Stücke stammen vom Westfriedhof der Cheopspyramide (belegt vom Hofstaat und den Baumeistern des Cheops) und haben somit eine enge zeitliche Eingrenzung, nämlich die Regierungszeit des Cheops und Chephren (4. Dynastie). Alle Stücke wurden verworfen aufgefunden (in den Schächten zur unterirdischen Grabkammer), somit ist ihr ursprünglicher Standort unbestimmt. Sie scheinen in einer Nische gestanden zu haben, die in der Vermauerung des Einganges zur Sargkammer ausgespart war und unmittelbar hinter der großen Verschlußplatte lag. Diese weist drei kreisrunde Lochungen auf, die sehr wohl als Durchblicke für den Toten deutbar sind. Nach Junker läge dieser Aufstellung der Köpfe die "Auffassung zugrunde, daß die Seele durch den Schacht komme, den Toten am Eingang wiedererkenne und sich dann mit der Leiche vereine". Wieweit das richtig ist, steht dahin. Der hauptsächlichste Zweck der ungewöhnlich lebenswahren Bildnisse war ohne Frage, die Erhaltung des Kopfes sicherzustellen. Mit Recht hat man sie darum als Ersatzkopf bezeichnet.

Bei etlichen Köpfen wurden nachträglich die Ohren abgearbeitet und eine tiefe Einkerbung ist über dem Hinterkopf. Dies läßt sich bisher nicht erklären.
Da sie am Hals eine glatte Standfläche haben muß man sie als vollständige Objekte ansehen. Es handelt sich bei Ihnen nicht um abgeschlagene Statuenköpfe.
Ersatzköpfe haben, im Gegensatz zu den sonst idealisierten Gesichtszügen der privaten Rundplastik ausgeprägt portraithafte Gesichtszüge. Außerdem haben alle (!), Männer- wie Frauenköpfe, eine kappenartige Wiedergabe des Haupthaares. Bei Frauen ist manchmal zur geschlechtsspezifischen Unterscheidung das Haar an der Stirn gescheitelt.

Daß sich die Sitte, die noch in der 5. Dynastie vereinzelt begegnet, nicht zu behaupten vermochte, lässt sich aus dem Aufkommen der Mumienmaske erklären, die die gleichen Aufgabe zu erfüllen hatte. Erst im Neuen Reich hat die im Jenseitsglauben ungeschwächt fortwirkende Furcht vor dem Verlust des Kopfes ein Sicherungsmittel ähnlicher Art geschaffen. Es knüpft an die Vignette an, die man dem für die Mumienmaske bestimmten und als „Spruch für den geheimen Kopf" ins Totenbuch (Kap. 151a) übergegangenen Text beigab. Diese Vignette, die eine Mumienmaske darstellte, aber offenbar nicht mehr als solche verstanden wurde, bildete man plastisch nach und schuf so ein Amulett, das die Form eines Kopfes hat, der aus einem eiförmigen Unterteil herauswächst. Indem man den unteren Teil auch als Körper eines Skarabäus, dem er im Umriß ungefähr glich, gestaltete, ist dieses nicht sehr häufige Kopfamulett mit dem menschenförmigen Herzskarabäus zusammengeflossen.


Quelle:
Bonnet, H., Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Berlin, New York 2000
und andere

Eingestellt durch: manetho (30.05.2003)
Bearbeitet durch:  naunakhte (18.09.2003), Iufaa (12.04.2005)


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