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Wamemti (Gott)
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  Apopis/Apophis (Gott)
aApp
Die Schlangengottheit der Unterwelt personifiziert die Finsternis, das Böse und das Chaos. Apopis bedroht die Sonnenbarke des --> Rê während der nächtlichen Fahrt durch die Unterwelt und wird dabei zwar besiegt, aber nie zerstört.
--> Seth beschützt das Boot des Rê und bezwingt Apopis mit seiner Stärke und seinen magischen Kräften. Auch wenn Seth an dieser Stelle als Gegner des Apopis auftritt, verkörpert er ansonsten, ebenso wie die Schlange, die feindlichen Kräfte, deren Ziel die Zerstörung der bestehenden Götterordnung ist.

Der Name Apopis bedeutet nach dem koptischen "Apoph" etwa soviel wie "Riese" und mag so etwas wie Riesenschlange bedeuten.
Erstmals begegnet uns uns dieses Wort in einem Text der religiösen Literatur, die auf die Bedrohung des Sonnengottes auf seiner Himmelsbahn anspielt, in Sprüchen, die die Abwehr des Feindes des Rê gewährleisten sollen.

Der Name von Apopis und die Vorstellung des einfachen Ägypters als gefährliche Schlange steht in Parallele zu ähnlichen Wesen, meist mit --> apotropäischen Namen, wie der Rik- oder Nik „der zu strafenden" Schlange (Totenbuch Kap. 39) oder dem „vernichtungswerten" Schlangenfeind im Totenbuch. Kap. 115.
Das Ausgangsmotiv ist die Verkörperung der dem Himmelsherrn entgegenwirkenden Naturkräfte, vor allem der Dunkelheit, die sich auswirkt bei Sonnenfinsternissen, beim Abnehmen des Mondes, bei Bewölkung usw. Gegen sie muß die Sonne beim Aufgang aus dem Dunkel der Unterwelt täglich einen Kampf bestehen und sie muß sich weiter beim Eintritt ins Westland besonders vor ihr bewahren. Daher begegnen zwei Abwandlungen des Stoffes: Kampf am Osthimmel am Morgen und Bedrohung des Sonnenschiffes am Westgebirge am Abend „die Seele des Apopis wohnt im Westberg". Daher auch die helfenden Sonnenhymnen am Morgen und Abend (Totenbuch Kap. 15 A/B).

Mythologische Verbindungen führen früh zu der Sage vom Streit zweier Rivalen um Königtum und Herrschaft ( --> Osiris und Seth, --> Horus und Seth, Rê und die Schlange in Totenbuch Kap. 115, Sagen von den Königen --> Sesostris und Sethos) und darüber zu dem von der Empörung des ersten Geschlechtes gegen den Schöpfer und Himmelsherrn (Re-Atum und die „Kinder der --> Nut"). Denn auch Apopis ist ein „Empörer". Als nahe verwandt gesellt sich dazu das Motiv eines dem jugendlichen Weltgott nachstellenden Feindes, indem jener früh die Züge als Sonnen- und Himmelsgott annimmt, sein Gegenspieler daher die Macht der Finsternis verkörpert. Weiter liegt die Verknüpfung mit Seth nahe, da dieser als Herr der Wüste auch die von dort einbrechenden Unwetter sendet. Daher erscheinen in den späten Götterannalen die „Söhne des Apopis" als aus der Wüste in das Ostdelta eindringende Feindeshorden.

Die von den ägyptischen Theologen viel bemerkte Gleichartigkeit der Bedrohung des Sonnengottes auf seiner Fahrt und der Nachstellungen des Seth gegen Osiris und das Horuskind brachte die letzte Entwicklung nahe: Apopis wird Seth gleichgesetzt, beide werden zum Götterfeind schlechthin. Das kam auch der Sinnesart des halb solar, halb osirianisch eingestellten Totenglaubens weithin entgegen, nach dem der Tote als Osiris die Fahrt des Sonnenschiffes mitmacht wie Rê und Horus und daher auch vor allen ihren Bedrohungen geschützt werden muß, das gilt natürlich vor allem für den Aufenthalt im Jenseits, in Westen und Unterwelt (Totenbuch Kap. 39). Die Feinde des Rê und seines Schiffes sind somit den „Feinden des Osiris gleich (Tb. Kap. 134, Kap. 15 B Schluß. teil nach Af).
Darum ist die --> Totenliteratur unsere Hauptquelle über Apopis und seine Abwehr.

Am deutlichsten zeichnet sich das Wesen des Apopis in den Sonnenhymnen ab. Er wird vor der Barke des Rê mit Messern zerschnitten, mit der Lanze erstochen oder im Feuer verbrannt wobei der Gedanke an das Sonnenauge bzw. den --> Uräus einspringt „Seine Stirnschlange speit Feuer gegen ihre Scheitel und vernichtet ihre Leiber . . . . . . so daß es ihnen wie Apopis am Morgen des Neujahrs ergeht'.

Dieser Kampf erneuert sich täglich. Die Feindschaft der Schlange äussert sich verschieden:
einerseits scheint sie das Fahrwasser auszusaufen und dadurch das Schiff des Rê auf das Trockene zu setzen ("der den Nun einschlürft") oder sie hemmt die Fahrt durch ihre Windungen analog von Sandbänken (Totenbuch Kap. 7 "Spruch für das Vorbeigehen an den Windungen des elenden Apopis" - zu beachten auch der Jubel der Götter über die Niederlage des Seth im Sonnenschiff, "nachdem es an den Sandbänken vorbeigekommen ist").
Das selbe Motiv erscheint auch beider Schilderung steriler Gegenden der Unterwelt, wo ebenfalls Apopis besiegt werden muss (Amduat, 7. Stunde). Durch Zauber muss hier Apopis gezwungen werden, auszuspeien, was sie eingeschlürft hat. Dabei erscheint Seth als "zauberreicher Gott" und Helfer des Sonnengottes, was beweist, das Seth ursprünglich mit Apopis nichts zu tun hatte. Sonst wird der Kampf gegen Apopis allgemein den Kindern der Geb, das heisst, den Begleitgöttern übertragen


Quelle:
Bonnet, H., Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte, Berlin, New York 2000

Eingestellt durch: semataui (04.07.2003)
Bearbeitet durch:  semataui (11.05.2005)




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