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Gazellengau
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  Sesostris III Cha-kau-Rê (König, 12. Dyn)
(um 1872  - um 1852 v. Chr.)



Senusret III. (auch: Sesostris, Sen-wosret) (Thronname: Cha-kau-Rê; Horusname: Netjercheperu) ist der Sohn von --> Senusret II. und dessen Gemahlin Weret. Sie hatte ein Scheingab bei der Pyramide ihres Sohnes in Dahschur. Die Gemahlin Senusret III. hiess auch --> Weret (II.) und ist in der Pyramide des Herrschers bestattet worden, wo sich noch eine Reihe von Schmuckstücken fand. Weitere Gemahlinnen des Königs sind --> Neferet-henut und Scherit.

Senusret III ist vor allem von seiner Nubienpolitik her bekannt. Einen ersten Feldzug scheint er in seinem achten Jahr gestartet zu haben. Bei Sehel fand sich eine Inschrift, die von der Erbauung eines Kanals berichtet, der sicherlich zum besseren Nachschub diente. Aus dem selben Jahr stammt eine Stele aus Semna, die davon berichtet, dass hier die Grenze festgelegt sei. In Folge dieses Feldzuges sind wohl einige Festungen, wie Semna und Kumna ausgebaut worden.

Ein weitere Feldzug fand im 10. Jahr statt; eine Inschrift bei Dal, südlich des zweiten Katarakts datiert unter diesen Herrscher, doch scheint dieser Feldzug zu keinen weiteren Eroberungen geführt zu haben. Im 16. Jahr errichtete der Herrscher weitere Grenzstelen bei Semna, die das eroberte Gebiet für ewig sichern und bestätigen sollten. Der letzte Feldzug fand dann im 19. Jahr statt, doch erfährt man darüber nur etwas aus Randbemerkungen auf Stelen von Zeitgenossen, so dass die Vorgänge unklar bleiben.

Durch diese Feldzüge wurde Nubien bis zum zweiten Katarakt endgültig ägyptische Provinz. Senusret III wurde dafür in späterer Zeit besonders in Nubien als Gott verehrt.

Weniger bekannt sind die Feldzüge des Herrschers in Vorderasien, doch berichtet ein Beamter names Sobekchu davon und auch aus der Inschrift des Chnumhotep in seinem Grab in Dahschur scheint hervorzugehen, dass diese Unternehmnungen bis nach Byblos führten.

Senusret III. errichtete seine Pyramide in --> Dahschur; sie ist von meherer kleinen Pyramiden seiner Gemahlinnen und Töchter umgeben. Neben der Pyramide befindet sich ein grosser Herrscherkulttempel, der in seiner Grundidee schon das ‚Haus der Millionen’ (vgl. die thebanischen Totentempel) vorweg nimmt. Bei diesem Tempel handelt es sich um eine Herrscherkultanlage und nicht um einen herkömmlichen Totentempel.

Die Pyramide
Das Fundament des Grabbaus besteht aus drei Lagen von Lehmziegeln, auf die man grob nivellierte Blöcke aus Kalkstein verlegt hatte. Auf diese wurden unterschiedlich große Lehmziegel horizontal in Stufen verlegt. Mörtel wurde nicht benutzt und die Fugen nur mit Sand verfüllt.
Der gesamte Pyramidenkern ist dann mit einer Verkleidung aus feinen Kalksteinen versehen worden, die man mit Krampen zusammengehalten hat. Die Pyramidenbasis hatte eine Länge von 105 m; bei einem Winkel von 56° 18´ 35" muß die Pyramide etwa 78 m hoch gewesen sein. Die Kalksteinverkleidung ist heute verloren, und somit hat die Pyramide nur noch ein ruinenhaftes Aussehen.
Im Norden der Pyramide befand sich eine kleine Eingangskapelle, obwohl der eigentliche Zugang im Westen liegt. Östlich ist der Totentempel vorgelagert. Dieser ist ebenfalls zerstört und nicht mehr zu rekonstruieren.

Die Substruktur der Pyramide
Beim Versuch, in das Innere der Pyramide zu gelangen, grub Jaques de Morgan im Jahr 1895 einige Gänge in den Schuttberg und stieß dabei auf einen alten Grabräuberstollen, der direkt zur Grabkammer führte. So lokalisierte er auch den richtigen Eingang, der sich außerhalb der Pyramide im Hof an der Westseite befand. Der absteigende Gang führt unterhalb des Gebäudes abknickend zu einer Vorkammer; von dort gelangt man zur Grabkammer und zu einer weiteren Kammer.
Die Wände bestehen aus Granit, der mit Gips geweißt wurde. Die Gewölbedecke aus Granit wird durch zehn darüber angeordnete Kalksteinbalken von je 30 Tonnen Gewicht nochmals entlastet.
An der Westseite der Grabkammer stand der leere Sarkophag. Kanopen waren nicht vorhanden.
Da die Gänge der Pyramide auch nicht mit den üblichen Fallsperren versehen waren und Senusret III. eine weitere große Grabanlage in Abydos besitzt, gehen viele Ägyptologen davon aus, dass er nicht hier sondern in Abydos bestattet wurde.
Der Pyramidenkomplex
Innerhalb der Umfassungsmauer waren der Pyramide im Norden vier, im Süden drei Königinnenpyramiden vorgelagert.
Die Substruktur zeigt, dass die nördlichen Nebenpyramiden alle über einen Gewölbekorridor miteinander verbunden waren, von welchem vier Gruppen mit Kammern für die Sarkophage, Kanopen und die weitere Grabausstattung abzweigten. Ein noch tiefer liegender Gang führt zu acht weiteren Sarkophagen. Identifiziert werden konnten die Namen einiger Personen: die Prinzessinnen Menit und Senet-senebtisi sind durch Sarkophag-Inschriften belegt, von einer Sat-Hathor fand de Morgan eine Truhe mit 333 Schmuckstücken, von Merit einen noch größeren Schmuckschatz.

Erst 1994 entdeckte man im Bereich der südlichen Nebenpyramiden einen weiteren Grabschacht. Dieser führte über einen langen Stollen bis unter die Südwestecke der Hauptpyramide und endete in einer Vorkammer mit Grabkammer, in der einst die Königin Weret bestattet wurde. Weret war die Mutter des Senusret III. und Ehefrau des Senusret II..

Der Pyramidenkomplex wurde in der Regierungszeit des Königs im Norden und im Süden erweitert. Der südliche Teil umschloß den Südtempel, der von D. Arnold teilweise rekonstruiert werden konnte. Der relativ kleine Bau enthielt einen Vorhof mit Pypyrussäulen und den anschließenden Sanktuarien. Die Bruchstücke der Reliefs zeigen den König beim Sed-Fest und die Götter --> Chnum und --> Harischef.
Im Vorhof mündete der Aufweg zur Pyramide, der dazugehörige Taltempel ist bis heute noch nicht gefunden worden.

Besondere Aufmerksamkeit schenkte der König auch --> Abydos, wo er eine grosse Grabanlage errichtete, in der er vielleicht sogar bestattet wurde. In der Pyramide in Dahschur fanden sich jedenfalls keinerlei Reste einer Bestattung, während diese sich in dem Grab in Abydos fanden. Zu dem Grab gehörte ein Tempel und eine Stadtanlage, die derzeit ausgegraben wird und wichtige Funde erbringt. Der Herrscher scheint sich auch besonders um die Ausrrichtung der Osirismysterien gekümmert haben, wie man von der Stele des Schatzmeisters Iychernofret erfährt.

Die Länge seiner Regierungszeit war lange umstritten. Im Turiner Königspapyrus werden 30  + unbekannt Jahre genannt, doch gibt es kaum datierte Denkmäler nach seinem 19. Regierungsjahr, so dass man auf einen Fehler im Papyrus schloss. Neuere Funde zeigen jedoch, dass der Herrscher wohl von seinem 19. Jahr an eine Koregentschaft mit seinem Nachfolger Amenemhat III führte und dadurch tatsächlich 39 Jahre regierte.

Innenpolitisch ist festzustellen, dass das Land stark zentralistiert wurde. Die grossen Gaufürstengräber verschwinden (mit Ausnahmen) in seiner Regierungszeit, doch mag dies auch mit veränderten Bestattungssitten zu tun haben.

Unter Senusret III verschwinden auch die Sargtexte und die Holzmodelle aus den Gräbern, die so typisch für das frühe Mittlere Reich waren.
Von seiner Bautätigkeit sind Dahschur und Abydos schon genannt worden, daneben erweiterte der Herrscher auch den Month-Tempel in Medamud.

Wichtige Beamte des Königs waren die Wesire Sobekemhat, Nebit und Chnumhotep, die alle neben der Pyramide des Herrschers in Dahschur bestattet wurden. Der Schatzmeister am Ende der Regierungszeit war --> Iychernofret, der auf seiner sch heute in Berlin befindenen Stele von der Ausrichtung der Osirismysterien berichtet.



Quelle:
I. Shaw, The Oxford History of Ancient Egypt; Pyramide: semataui

Eingestellt durch: Udimu (01.09.2003)
Bearbeitet durch:  Udimu (25.05.2005)


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